Sheffield. Eine Stadt zwischen Stahl, Manufaktur, Kultur und Rhetorik


Hausarbeit, 2007

19 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Sheffield – eine historische Betrachtungsweise

3 Vom Stahl zum Rost

4 Eine Kulturpolitik als Ausweg aus der Krise?
4.1 Ein rhetorischer Neuanfang
4.2 „public-private partnerships“
4.2.1 Beispiel 1: Die Universiade 1991
4.2.2 Beispiel 2: Punkrock in der Stahlschmiede - Kultur in die Industrieviertel !
4.2.3 Vom Wandel eines Stadtkerns
4.3 Sozio-ökonomische Auswirkungen

5 Die Zukunft – nächste Schritte

6 Fazit

7 Literatur

1 Einleitung

Wer als Außenseiter an Sheffield denkt, denkt automatisch an Stahl. Diese Vereinfachung liegt jedoch irgendwo zwischen Halbwahrheit und Mythos. Warum wird Stahl immer noch 1:1 assoziiert mit der Stadt Sheffield? Wie entstand diese Verbindung? Hat sie noch Existenzberechtigung?

Denn es ist schwer zu leugnen, dass sich Sheffield nachhaltig verändert hat. Man könnte sogar behaupten, dass der Strukturwandel der Stadt sich in den letzten dreißig Jahren mustergültig entwickelt hat und sogar vielen ehemaligen Industriemetropolen Europas weit voraus ist. Doch erscheint dem fremden Besucher der Stadt die Schere der Vergangenheit zur Zukunft nur allzu deutlich – es scheint als ob sich nicht alle Teile fügen wollen.

Im Zuge der „urban regeneration“ mussten und werden auch gegenwärtig die Spuren der „old industries“ reduziert. Fehler oder Fortschritt?

In den nachfolgenden Seiten sollten die Strukturen der Stadt gegenwärtig wie auch historische beleuchtet werden. In diesem Falle verhält es sich bei einer Stadt nicht unbedingt anders als bei Menschen: um auch nur andeutungsweise das Sein zu verstehen ist es notwendig die Entwicklung zu betrachten.

Im zweiten Teil sollte auch die aktuelle Strategieverfolgung betrachtet werden. Wie wird Sheffield aus der Krise geführt? Gibt es eine besondere Methode, die alle sozioökonomischen Probleme lösen soll und wie sieht dieser Masterplan aus? Oder sind es verschiedene Ansätze, Tendenzen, die zaghaft versucht werden, aber durch Inkonsequenz zum Scheitern verurteilt sind?

2 Sheffield – eine historische Betrachtungsweise

Wie bereits darauf hingewiesen, ist Sheffield für Stahl bekannt und wird allgemeinhin auch „Steel city“ genannt. Dieser Name referiert auf das ehemalige Monopol in der Eisen- und Stahlerzeugung (COCHRANE 1993:120).

Die Anfänge hierzu lassen sich bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen, hatten ihren Höhepunkt aber im Zuge der wachsenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert, was Sheffield in Europa zu einem der größten Industriezentren machte und ihm sogar weltweit einen Namen einbrachte.

Um sich in der Metallbranche zu etablieren war es auch schon zu dieser Zeit ratsam sich zu spezialisieren. Diese Marktlücke sollte für Sheffield nach TWEEDALE (1993:13) aus Schneidwaren, Kleinwerkzeugen und Tiefgußstahl, auch „crucible steel“ genannt, bestehen. Zudem hatte Sheffield einen Vorteil durch seine Infrastruktur, sprich seiner Nähe zu South Yorkshire und North Nottingham-Derbyshire, den Kohlegebieten Englands (SONNTAG & LANG 2005:21).

Im Zuge der Industrialisierung wuchs also der Einfluss der Stadt, Arbeitsplätze wurden geschaffen. Die Migration ging in Richtung dieser Industriezentren, weg von dem Land und dem primären Sektor. So verzehnfachte sich laut DARKE (1993:230) die Einwohnerzahl Sheffields durch Zuwanderung und Geburten innerhalb von 100 Jahren. D.h. um 1900 und zur Blütezeit der Stadt, konnte diese rund 400.000 Bürger zählen.

Innerhalb der Stadt entwickelte sich der im Osten gelegene Stadtbezirk Lower Don Valley als das heimliche (industrielle) Zentrum heraus (RACO 1997:386; LAWLESS & GORE 1999:529).

In Bezug auf die Kommunalpolitik sei erwähnt, dass sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Labour-Partei als treibende Kraft entwickelte (CLAVEL & KRAUSHAAR 1998:148). So wurde Sheffield (nach COCHRANE 1993:120) zum Muster des „municipal labourism“ – eine Form der englischen Lokalpolitik die hauptsächlich an der zur Verfügungstellung von Dienstleistungen im Bildungs- und Sozialbereich arbeitete (LAWLESS 1990:136). Zudem haben zu dieser Zeit die Gewerkschaften ein hohes Mitbestimmungsrecht auf der lokalpolitischen Bühne (IMRIE & RACO 1999:60).

3 Vom Stahl zum Rost

Wie erwähnt erlangte Sheffields in einer Marktlücke der Metallindustrie eine internationale Führungsposition (HAYTER & PATCHELL 1993:1430), was nicht zuletzt dem Ruf geschuldet war. Denn Sheffield war bekannt Erzeugnisse in hoher Qualität herzustellen als auch durch Innovation zu brillieren.

Diese Entwicklung riss sicherlich auch nicht durch die zwei Weltkriege ab, in denen die Abnahme an qualitativ guten Metallerzeugnissen aus nachvollziehbaren Gründen ebenfalls sehr hoch war und der Stadt nur zugute kam (LAWLESS 1990:134). Die Nachfrage stagnierte erst im Zuge der 60er und 70er Jahre, ganz besonders in den Sektoren des Automobil-, Schiffs- und Flugzeugbaus (TWEEDALE 1995:339). Zudem wuchs die Konkurrenz der Stadt, die ersten Züge der Globalisation setzten nach dem zweiten Weltkrieg ein und gute Metallprodukte konnten auch aus Deutschland, Frankreich, Japan oder z.B. Brasilien bezogen werden.

TWEEDALE (1993:337) unterstreicht diese Entwicklung durch die Betonung, dass sich innerhalb von nur 25 Jahren das British Empire von einem der größten Rohstahlexporteure im Jahre 1950 zum Netto-Importeur im Jahre 1975 verwandelte.

Ergebnis war der Zusammenbruch des Arbeitsmarktes in Sheffield In Zahlen gesprochen: 48.000 Arbeitsplätze wurden im Metallsektor nicht mehr benötigt und fielen weg(DARKE 1993:231).

Doch die Folgen darauf zeigten sich nicht sofort, sondern setzten mit dem sozio-ökonomische Einbruch erst Ende der 70er bzw. Anfang der 80er Jahre ein. Es konnten sich derzeitig sogar noch bis zu 40% der Arbeitsplätze im Metall- und Bergbausektor halten. Doch die Zeiten hatten sich endgültig gewandelt. Die globale Nachfrage an Metallprodukten näherte sich zunehmend dem Tiefpunkt und die Politik der damals herrschenden Thatcher-Regierung tat ihr Übriges und traf besonders die alten Industrien hart (LAWLESS 1990:138). Nicht zuletzt die Politik, die die Inflation des Pfunds, hohe Zinssätze und Einschränkungen bei Anlagen in die Infrastruktur zu verantworten hatte, war für den Niedergang der alten Industrien Englands und damit auch für die lokalen Ereignissen in Sheffield zur Rechenschaft zu ziehen.

DIGAETANO & LAWLESS (1999:552) führen die Konsequenzen an: die Arbeiterschaft sank innerhalb von 10 Jahren (1980 – 1990) in der Fertigungsindustrie von 85.800 auf 49.250. Die Arbeitslosigkeit 1978 noch zwei Prozentpunkte unter dem nationalen Durchschnitt (damals bei 6%) wuchs auf mehr als das Vierfache an und stieg bis 1984 von 4 auf 18% (DABINETT & GRAHAM 994:607f.). Heute zählt die einst so mächtige Fertigungsindustrie in Sheffield gerade mal 36. 000 Mitarbeiter (WOOD et al. 2004:423).

Die restlichen Arbeitsplätze konnten durch den ersten oder zumindest durch den dritten Sektor nicht oder nur ungenügend ersetzt werden. Die Literatur gibt hier für den Bereich South Yorkshire einen Verlust von 92.000 Arbeitsplätzen zwischen 1971 und 1997 an (SONNTAG & LANG 2005:24).

Wer einmal in Sheffield war, wird bezeugen können, dass die Einwohner den ständigen (heimlichen) Vergleich zu Leeds oder Manchester anstellen oder unterworfen werden. In einem Punkt scheinen sie unterlegen, denn nach dem Sterben der alten Industrie, hatte Sheffield keinen Rückhalt durch aufstrebende Wirtschaftszweige wie Finanzdienstleistungen oder aus High-Tech-Sektoren, wie die „Konkurrenzstädte“. Dafür war die Stadt in der Lage in den 70er Jahren Finanzmogule wie die Midland Bank anzulocken (LAWLESS 1990:134f.). Dadurch bekam auch in Sheffield endlich der tertiäre Sektor Aufwand (jedoch wie erwähnt maßgeblich unterstützt durch den hohen Wegfall an Arbeitsplätzen im sekundären Sektor (Tabelle 1).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Sheffield. Eine Stadt zwischen Stahl, Manufaktur, Kultur und Rhetorik
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für fremdsprachliche Philologien)
Note
1,8
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V89404
ISBN (eBook)
9783638028806
ISBN (Buch)
9783638926904
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sheffield
Arbeit zitieren
Christopher Hohlbaum (Autor:in), 2007, Sheffield. Eine Stadt zwischen Stahl, Manufaktur, Kultur und Rhetorik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89404

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