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Die deutschsprachige wissenschaftliche Emigration in die Türkei und ihr soziales Umfeld – Das ”deutsch-deutsche“ Verhältnis in der Türkei 1933-1945

Title: Die deutschsprachige wissenschaftliche Emigration in die Türkei und ihr soziales Umfeld – Das ”deutsch-deutsche“ Verhältnis in der Türkei 1933-1945

Examination Thesis , 2007 , 94 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Philipp Gaier (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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Die Aufmerksamkeit, die der Türkei als Emigrationsland 1933-1945 entgegengebracht wurde, ist bis in die jüngste Zeit sehr gering geblieben. Dies dürfte vor allem zwei Gründe gehabt haben. Zum einen beschränkte sich die emigrierte Personengruppe auf eine kleine Anzahl von Wissenschaftlern und Künstlern und erreichte daher niemals die quantitativen Ausmaße der Flucht in Länder wie z. B. die USA oder Großbritannien. Zum anderen findet man auf der Liste der Türkei-Emigranten, sieht man einmal von Ernst Reuter, dem ersten regierenden Bürgermeister Westberlins nach 1945 ab, kaum populäre Namen, die das Interesse der Forschung und der Allgemeinheit geweckt hätten. Im Gegensatz dazu stehen wiederum etwa die USA, die prominentere Namen vorzuweisen hatten, wie z. B. Thomas Mann, Berthold Brecht oder Albert Einstein, um nur einige wenige zu nennen.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 gingen Repressionen gegen Juden und politische Gegner wie Sozialdemokraten oder Kommunisten einher, die einen Exodus meist jüdischer Wissenschaftler verursachten. Aufgrund der Gesetzesverordnung zur „Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ 1933 wurden an deutschen, nach 1938 auch an den österreichischen Universitäten tausende Hochschullehrer und Assistenten entlassen und sahen sich aufgrund fehlender Perspektiven oder rücksichtsloser Hetze gezwungen, Deutschland zu verlassen.
Auf Einladung der jungen „Türkischen Republik“ gelangten noch im selben Jahr die ersten aus Deutschland geflohenen Akademiker in die Türkei, wo sie im Dienste der türkischen Regierung an den Hochschulen in Istanbul oder Ankara, bzw. als Berater an regierungsnahen Institutionen tätig waren. Was sich für das geistige Leben in Deutschland als enormer und nicht wieder auszugleichender Verlust erwies, wobei die Universitäten in Berlin, Heidelberg und Frankfurt den größten Abgang von Professoren zu verkraften hatten1, stellte für die junge kemalistische Türkei eine einmalige Gelegenheit dar.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Aufbau der Arbeit

1.2 Forschungsstand und literarische Rezension

2 Von der Militärhilfe bis zur Kriegserklärung: Die deutsch türkischen Beziehungen bis 1945

2.1 Das deutsch türkische Verhältnis bis zum Ersten Weltkrieg: Die deutsche Militärmission in der Türkei

2.2 Deutschland und die Türkei nach dem Ersten Weltkrieg: die 1920er Jahre

2.3 Die deutsch türkischen Beziehungen nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten

2.4 Die deutsch türkischen Beziehungen nach Kriegsbeginn

2.4.1 Das Dreimächtebündnis 1939

2.4.2 Von der Dreimächteallianz zum Freundschaftsvertrag mit Deutschland 1941

2.4.3 Die Entwicklung bis zur Kriegserklärung 1945

3 Atatürks moderner Staat: ein neues Betätigungsfeld für die Deutschen in der Türkei

3.1 Die kemalistischen Reformen

3.2 Die Bildungsreform

3.2.1 Die Hochschulbildung

3.3 „Offizielle“ deutsche Hilfe in der Türkei

3.3.1 Die „Deutsche Kolonie“

3.4 Deutsche emigrierte Wissenschaftler im Dienste der Türkei: 1933 1945

3.4.1 Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ 1933

3.4.2 Die Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland

3.4.3 Die Ankunft in der Türkei

3.4.4 Anfangsschwierigkeiten im Alltags und Hochschulleben

4 Die Emigranten als isolierte Minderheit gegenüber den Reichsdeutschen und den Türken

4.1 Die Emigranten untereinander

4.1.1 Wissenschaftliche Gruppierungen

4.1.2 Politische Gruppierungen

4.2 Die Emigranten und das Verhältnis zu den offiziellen Vertretern des „Dritten Reiches“ unter Berücksichtigung der deutsch türkischen Beziehungen

4.2.1 Die Nazifizierung der „Deutschen Kolonie“

4.2.2 Das Verhältnis zur Botschaft

4.2.3 Die Instrumentalisierung von Emigranten durch die Reichsbehörden

4.2.4 Das Verhältnis zur „Deutschen Kolonie“

4.2.5 Der Scurla Bericht

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die soziologische Dynamik und die sozialen Lebensbedingungen deutschsprachiger Emigranten in der Türkei zwischen 1933 und 1945. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Interaktion zwischen den geflüchteten Wissenschaftlern und der bereits ansässigen "Deutschen Kolonie", die zunehmend unter den Einfluss des Nationalsozialismus geriet.

  • Historische Entwicklung der deutsch-türkischen diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen bis 1945.
  • Die Modernisierung der Türkei unter Atatürk und der damit verbundene Bedarf an akademischen Fachkräften.
  • Soziale und politische Isolation der emigrierten Wissenschaftler gegenüber reichsdeutschen Institutionen.
  • Mechanismen der Instrumentalisierung und Bespitzelung durch offizielle Vertreter des "Dritten Reiches".

Auszug aus dem Buch

3.4.3 Die Ankunft in der Türkei

„Die Sonne war schon untergegangen, als wir am 27. Oktober in Istanbul ankamen. [...]. Eine Traumstadt entfaltete sich vor uns, als wir langsam in den Hafen einfuhren. Der weiße Marmorpalast Dolma Bahtsche, dunkel umrahmt, erhob sich vom Bosporus durch grelle Scheinwerfer beleuchtet. [...] Häuser Paläste, Tempel, Türme, Träger tausender funkelnder Lichter, stiegen steil aus dem Meer empor und vereinigten sich zu einer immensen, phantastischen, graziösen Flammenschrift. [...]. Dann sprangen überall gleichzeitig prasselnd platzende Raketen, glühende Geysire, sprühende Springbrunnen und farbenprächtige Märchenpflanzen aus der Erde: Kometen und Planeten durchkreuzten den Himmel. Ein mächtiges Grollen und Donnern von Schiffskanonen und Uferbatterien führte zum Höhepunkt der chaotischen Konvulsion und ermöglichte dann die Rückkehr zur stilleren, doch noch immer überwältigenden Pracht der festlichen Stadt.“

Das Schauspiel am abendlichen Himmel Istanbuls bot sich Philipp Schwartz und seinen Reisegefährten, als sie am Vorabend des zehnjährigen Jubiläums der türkischen Republik türkischen Boden betraten, welcher für die meisten der Emigranten zu einer zweiten Heimat werden sollte.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Beschreibt die Ausgangslage der Emigration in die Türkei und definiert den Forschungsgegenstand der Arbeit.

2 Von der Militärhilfe bis zur Kriegserklärung: Die deutsch türkischen Beziehungen bis 1945: Skizziert den historischen Rahmen der deutsch-türkischen Beziehungen unter besonderer Berücksichtigung der politischen Gratwanderung während des Zweiten Weltkriegs.

3 Atatürks moderner Staat: ein neues Betätigungsfeld für die Deutschen in der Türkei: Analysiert den Reformbedarf der jungen türkischen Republik und den damit verbundenen Bedarf an ausländischen Experten und Wissenschaftlern.

4 Die Emigranten als isolierte Minderheit gegenüber den Reichsdeutschen und den Türken: Beleuchtet die sozialen Spannungsfelder, die zunehmende Nazifizierung der "Deutschen Kolonie" und die psychische Belastung der Emigranten durch staatliche Repressionen.

5 Fazit: Fasst die Entwicklung der Koexistenz beider Gruppen zusammen und erläutert die Gründe für die endgültige Trennung nach 1944.

Schlüsselwörter

Emigration, Türkei, Nationalsozialismus, Deutsche Kolonie, Exilwissenschaftler, Modernisierung, Kemalismus, Franz von Papen, Notgemeinschaft, Diplomatie, Assimilation, politische Isolation, Repression, NS-Propaganda, Hochschulreform.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Situation deutschsprachiger Emigranten in der Türkei zwischen 1933 und 1945, wobei der Schwerpunkt auf ihrem sozialen Umfeld und ihrer Interaktion mit der offiziellen deutschen Auslandsgemeinschaft liegt.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die türkischen Modernisierungsbestrebungen, die "Deutschen Kolonie" in Istanbul und Ankara, sowie die Rolle der deutschen Botschaft und die zunehmende Einflussnahme der NSDAP auf deutsche Staatsbürger in der Türkei.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie sich das gesellschaftliche Miteinander der Emigranten mit den offiziellen Vertretern des "Dritten Reiches" gestaltete und welche Rolle politische Differenzen dabei spielten.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie eine Auswertung zeitgenössischer Quellen wie Memoiren, Briefe, Berichte (u.a. der Scurla-Bericht) und Dokumente aus Archiven.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die politische Geschichte der Beziehungen, die bildungspolitischen Reformen Atatürks, den beruflichen Werdegang der Emigranten an türkischen Hochschulen und die sozialen Spannungen innerhalb der deutschsprachigen Bevölkerungsgruppen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Die zentralen Schlagworte sind Exil, Emigration, Türkei, NS-Nazifizierung, "Deutsche Kolonie" und die gesellschaftliche Isolation der Emigranten.

Welchen Einfluss hatte der Scurla-Bericht auf die Emigranten?

Der Bericht von 1939 diente als Grundlage für verschärfte Repressionen durch die Reichsbehörden, um die Stellung der als "nichtarisch" oder politisch kritisch geltenden Emigranten an den Hochschulen zu schwächen.

Warum war die "Deutschen Kolonie" für die Emigranten ambivalent?

Einerseits boten ihre Institutionen wie das Krankenhaus oder Schulen den Neuankömmlingen in der Anfangsphase wichtige Anlaufpunkte, andererseits wurde sie durch die zunehmende Nazifizierung zu einem Ort der Ausgrenzung und Bespitzelung.

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Details

Title
Die deutschsprachige wissenschaftliche Emigration in die Türkei und ihr soziales Umfeld – Das ”deutsch-deutsche“ Verhältnis in der Türkei 1933-1945
College
http://www.uni-jena.de/  (Historisches Institut)
Grade
1,7
Author
Philipp Gaier (Author)
Publication Year
2007
Pages
94
Catalog Number
V89452
ISBN (eBook)
9783638030830
ISBN (Book)
9783638936415
Language
German
Tags
Emigration Türkei Umfeld Verhältnis Türkei
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Philipp Gaier (Author), 2007, Die deutschsprachige wissenschaftliche Emigration in die Türkei und ihr soziales Umfeld – Das ”deutsch-deutsche“ Verhältnis in der Türkei 1933-1945, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89452
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