Das städtische Museum Abteiberg in Mönchengladbach


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

33 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausschlaggebende Gründe für einen Neubau des Museums für zeitgenössische Kunst in Mönchengladbach

3. Die Pläne seitens der städtischen Instanzen und Hans Holleins Konzept

4. Standortbestimmung und Standortbeschreibung

5.1. Der Planungsprozess
5.2. Das Flugzeugträger / Maschinen-Motiv und das Reisterrassen-Motiv

6. Baubeschreibung / Analyse
6.1. Einflüsse und künstlerische Bezüge
6.2. Semantische Bezüge und Außengestaltung
6.2.1. Innengestaltung der zentralen Verteilerzone
6.2.2. Innengestaltung der Kubusschächte und der Sammlungskuben
6.2.3. Innengestaltung weiterer Räume
6.3. Licht und Materialbeschaffenheit

7. Resümee

Literaturverzeichnis:

Anhang

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem von Hans Hollein erbauten Museum Abteiberg für zeitgenössische Kunst in Mönchengladbach.

Einleitend werde ich die Planungssituation beschreiben und dabei die Fragestellung verfolgen, welche Gründe ausschlaggebend für einen Museumsneubau in Mönchengladbach waren. Weiterhin gehe ich auf die Frage ein, warum die Stadt Mönchengladbach und der Museumsdirektor des alten Städtischen Museums Johannes Cladders gerade Hans Hollein als Architekten beauftragten.

Im weiteren Verlauf beschäftige ich mich mit der Standortbestimmung und dem langwierigen Planungsprozess, aus dem schließlich die beiden wichtigsten Entwürfe Flugzeugträger / Maschinen-Motiv und das Reisterrassen-Motiv resultierten.

Daraufhin folgt die Architekturbeschreibung des Museums selbst. Dabei werde ich zunächst die semantischen Bezüge zur Umgebung des Museums aufgreifen und auf den Museumsbau beziehen, um folglich den Außenbau zu analysieren. Abschließend wende ich mich dem Innenbau zu. Ausgehend von der zentralen Verteilerzone richtet sich die Beschreibung auf die Kubusschächte, die Sammlungskuben und die restlichen Räume.

2. Ausschlaggebende Gründe für einen Neubau des Museums für zeitgenössische Kunst in Mönchengladbach

Das Mönchengladbacher Museum für zeitgenössische Kunst war seit dem 19. Jahrhundert in einem ehemaligen Privathaus untergebracht. Dieses Privathaus war von Anfang an nur als ein Provisorium vorgesehen. Im Jahr 1922 stiftete der Kunstmäzen Dr. Walter Kaesbach seiner Heimatstadt 97 expressionistische Werke[1]. Die Ausstellungssituation des konstant wachsenden Sammlungsbestandes wurde zunehmend problematischer.

Erst 1972 entschied man sich jedoch für einen Museumsneubau. Erstaunlich ist die Tatsache, dass der österreichische Architekt Hans Hollein 1972 direkt durch die Stadt Mönchengladbach und den Museumsdirektor des alten städtischen Museums, Johannes Cladders beauftragt wurde, ein großes Kultur- und Bildungszentrum für verschiedene öffentliche Einrichtungen zu entwerfen und nicht die Gewinner des[2] offiziellen Architektur-Wettbewerbs. Dabei sollte man erwähnen, dass Hans Hollein bis dato zwar Boutiquen, Interieurs und die private Richard Feigen Kunstgalerie in New York umsetzte, sich jedoch nicht mit einem derartigen Großbau, wie man ihn in Mönchengladbach beabsichtigte befasst hatte.

Ausgehend von der Zunahme des Freizeitbudgets der Gesellschaft in den Siebziger Jahren, zeichnete sich ein Trend ab, den Kultursektor zu festigen. Diese „…Konjunktur, die in der Bundesrepublik Deutschland mit den Museumsgebäuden in München, Stuttgart und Frankfurt zu weiteren spektakulären Architekturinszenierungen geführt hat…[3], wirkte zudem bestärkend, ein neues Museum in Mönchengladbach zu errichten.

3. Die Pläne seitens der städtischen Instanzen und Hans Holleins Konzept

Das Museum sollte Teil eines größeren Vorhabens werden, da in Mönchengladbach „…ein Komplex von Bibliothek, Volkshochschule, Jugendzentrum, weiterführender Schule, Lehrerseminar, Kammermusiksaal, Musikschule und Museum (und dazu noch Wohnungen) vorgesehen…“[4] war, welcher jedoch bis auf das Museum und das „Stiftisch Humanistische Gymnasium“ (entworfen von E. Kasper und H. Döhmen) selbst nicht realisiert wurde.

Hollein hat schon 1970 an der Ausstellung „Alles ist Architektur. Eine Ausstellung zum Thema Tod“ des damaligen städtischen Museums in Mönchengladbach teilgenommen und damit bereits auf sich aufmerksam gemacht. Dabei hat Hans Hollein proklamiert, dass sich die Gesamtheit der gesellschaftlichen Anstrengungen, der Umwelt und allen Umwelt bestimmenden Medien widmen solle, denn die Architektur umfasst heute nicht nur die physische und bauliche Feststellung, sondern die Um<<Welt>> selbst.[5] Des Weiteren definierte er die Architektur aus seiner Sicht folgendermaßen:

„Architektur ist kultisch, sie ist Mal, Symbol, Zeichen, Expression.

Architektur ist die Kontrolle der Körperwärme – schützende Behausung.

Architektur ist Bestimmung – Festlegung – des Raumes, Umwelt.

Architektur ist Konditionierung eines psychologischen Zustandes.“[6]

Das Mönchengladbacher Museum sollte den gestalterischen Ideen nach einen spezifischen Bezug zu der historisch geprägten Umgebung des Standortes, zum hauptsächlich modernen Sammlungsbestand und zu der Stadt Mönchengladbach selbst haben. Zudem war das Image der Stadt ein kommunalpolitisch orientiertes Ziel und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in dem ohnehin damals nicht sehr wirtschaftlich starken Mönchengladbach (Textilbranche, Maschinenbau und ansässige Militärbehörden), so dass das Museum summa summarum möglichst Stadtbild prägend einzusetzen sei.

Anfangs hat sich Hans Hollein mit der Frage der Gestaltung des von der Stadt vorgegebenen Großprojekts eines Kultur- und Bildungszentrums beschäftigt. Dabei kam Hollein zu dem Schluss, dass eine Raumorganisation aus klar voneinander getrennten Gebäuden auf kommunal-politischer und finanzieller Ebene wahrscheinlicher zu realisieren war, als ein Großprojekt mit vielen ineinander greifenden Institutionen. Zumal man bei voneinander getrennten Gebäuden vielseitiger auf den städtischen Kontext der Umgebung eingehen kann. Aus diesem Grund konzentrierte sich Hollein nur auf das Museumsprojekt. Damit hat Hollein schon frühzeitig der allgemein vorherrschenden Tendenz zum funktionalistischen Großcontainer eine Absage erteilt, „… vielmehr ging Hollein den ungewöhnlichen und doch auch geschichtlich durch Leon Battista Alberti und Palladio bestätigten Weg, > ein Haus wie eine Stadt< erscheinen zu lassen und aus sehr unterschiedlichen Elementen ein Ganzes zusammenzufügen.“[7] Gegen Ende des Jahres 1974 wurde das Museumsmodell von dem städtischen Kultur- und Bauausschuss genehmigt. Die Planung erstreckte sich jedoch bis 1976, so dass der Grundstein erst 1977 gelegt werde konnte. Im Juni 1982 wurde das Städtische Museum Abteiberg (Kostenpunkt: 31,6 Millionen DM) in Mönchengladbach schließlich als erster Teil des nicht realisierten Großprojektes eröffnet.[8] Zudem war ein zweiter Bauabschnitt geplant gewesen, der später realisiert werden sollte, welcher jedoch laut dem nachfolgenden Museumsleiter Dirk Stemmler (Zeitpunkt der Aussage war 1994) nicht in naher Zukunft umgesetzt werden wird.[9]

4. Standortbestimmung und Standortbeschreibung

Der altstädtische und gleichzeitig innerstädtische Kern Mönchengladbachs hat eine weitreichende historische Vorgeschichte, die schon seit dem 10. Jahrhundert durch die Benediktiner und ihrer noch heute stehenden Abtei geprägt worden ist. Diese Abtei ist wegen der günstigeren Abwehrlage auf einer Anhöhe errichtet worden. Im Laufe der Zeit haben sich die Pfarrkirche, der Markt und weiterhin die Stadt Mönchengladbach selbst um die Abtei herum entwickelt. Es war enorm wichtig, das Museum möglichst auf der gleichen Höhe mit der Altstadt bzw. der Innenstadt zu erschließen, um am aktiven Geschehen des Zentrums, speziell der Fußgängerzone teilzuhaben[10] und „… die Präsenz der neuen Institution im Bewusstsein der Bürger zu verdeutlichen...“.[11]

An der südlichen Peripherie des innerstädtischen Kerns besaß die Stadt ein Grundstück, auf dem das Museum schließlich gebaut werden sollte. Allerdings war die städtebauliche und topographische Situation nicht ganz leicht zu handhaben. Nördlich des Geländes war die etwas höher gelegene Altstadt; südlich erstreckte sich in einem zunehmenden, abwärts strebenden Höhenunterschied der Propsteigarten, der ursprünglich von den Benediktinern angelegt worden war; in westlicher Richtung befanden sich das St. Vitus Münster mit der ehemaligen Klosteranlage und dem Propsteigebäude; und nach Osten hin begrenzten eine Strasse und einzelne Wohnhäuser das Gelände (Abb. 3 & 5).

Das zu bebauende Gelände ähnelte einem abstrahierten (und seitlich vor der südlichen Altstadt anliegenden) Rechteck und besaß zudem, wie schon erwähnt eine stark abwärts gerichtete Hanglage, die wohl das größte Problem im Planungsprozess darstellte.

5.1. Der Planungsprozess

Durch die ungünstige topographische Lage und den gesetzten Vorgaben Johannes Cladders’ und der öffentlichen Gremien, war man als Planungsinstanz einer großen Herausforderung ausgesetzt. Das Museum sollte, wie schon erwähnt an das aktive Geschehen der Altstadt besuchergerecht und Präsenz ausstrahlend angebunden werden, und einen klaren Bezug auf die historisch-sensible Umgebung und die sammlungsinterne Situation herstellen. So dauerte die Planungsphase unter anderem wegen den zuvor genannten Gründen von 1972 bis 1976, wobei man erwähnen sollte, dass der Basisplan schon 1974 ausgereift war.

Hans Hollein entschied sich nicht nur wegen der finanziell wahrscheinlicheren Realisierung ausschließlich für das Museumsprojekt, anstelle des großen Kultur- und Bildungszentrums. Ein zusätzlicher Aspekt war auch die schwierige Sachlage, einen großen Komplex mit den vielen Institutionen (Bibliothek, Volkshochschule, Jugendzentrum, weiterführender Schule, Lehrerseminar, Kammermusiksaal, Musikschule und Museum und Wohnungen) ohne starke Kontraste zu der historischen und profanen Umgebung zu errichten. Die ästhetisch sinnvollste und wahrscheinlich preiswerteste Variante war nämlich, nur das Museum zu errichten und dieses als eine Raumorganisation aus (scheinbaren) Einzelgebäuden zu gestalten. Der Museumskomplex ist von oben begehbar und abwärts gerichtet konstruiert, um die Niveaulage zwischen der höher gelegenen Altstadt und des tiefer gelegenen Propsteigartens auszubauen, „… als eine in den Hang und vor den Hang gebaute Fortsetzung des Berges. Daraus ergab sich das Motiv der Dachterrasse als Zugangsplattform, die einen Teil der Ausstellungsbereiche überdeckt.[12] Damit hat Hollein die Voraussetzung für die von ihm selbst angestrebten Blickpunkte und –Achsen bezüglich der historischen Umgebung gesichert.

Man muss dazu sagen, dass der Planungsprozess einer sehr komplizierten Historie verpflichtet war und es daher sehr schwer fällt, die einzelnen Entwürfe und die Entwicklung dieser – welche oft verworfen, umdisponiert, reaktiviert und moduliert wurden – nachzuvollziehen und präzise erklärend zu schildern. Der Umfang der kompletten Planungsphase hat gewaltige Ausmaße angenommen, die „… bereits die Dimension einer eigenen Geschichtlichkeit besitzt…[13] denn abgesehen von der fruchtbaren Zusammenarbeit mit Johannes Cladders, war die Genehmigungsabhängigkeit von den öffentlichen Gremien, als auch unvorhersehbare Einflüsse, wie der Verhandlungsprozess des Grafen Panza di Biumo für die lange Planungsphase verantwortlich.

Im Verlauf der Planungsphase stand der Mailänder Graf Panza di Biumo im Jahr 1973 mit dem Städtischen Museum in Verhandlungen, seine durchaus große und ins moderne Schema der Ausstellungspolitik des Mönchengladbacher Museums passende Privatsammlung (von Fautrier bis Rothko, von Rauschenberg bis Serra[14] ) als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen. Dabei forderte der Graf eine klare räumliche Abgrenzung seiner Privatsammlung, was dazu führte, dass Hollein wiederum umdisponieren musste.

Im Folgenden beziehe ich mich nur auf einen Bruchteil der gesamten Entwürfe und Planungsetappen und gehe nur auf bestimmte Vorentwürfe ein, die in der endgültigen Realisierung klar herauszukristallisieren sind. Denn die wichtigsten Entwurfstadien – bezeichnet als H1, E7, M3-5 – enthalten alleine 80 Pläne und die städtebauliche Studie umfasst 69 Pläne, ohne weitere Skizzen hinzuzurechnen.[15] Hans Hollein, Johannes Cladders und die öffentlichen Gremien haben hierbei zwei der Entwürfe favorisiert, zum einen als „Flugzeugträger“-, bzw. „Maschine“ und zum anderen als „Reisterrasse“ bezeichnet, die ich nun näher erläutern werde.

5.2. Das Flugzeugträger / Maschinen-Motiv und das Reisterrassen-Motiv

Die beiden Entwürfe wecken jeweils Assoziationen eines Flugzeugträgers, bzw. einer Maschine und südostasiatischer Reisterrassen (siehe Abb. 1 & 2).

Dabei handelt es sich bei beiden Varianten um ein von oben begehbares, terrassenartiges Fußgängerplateau, welches sich von oben nach unten entwickelt. Hollein hat hierbei die niveaugleiche Anbindung an die Altstadt durch einen Steg oder eine kleine Brücke gewährleistet. Zudem beinhalten die Entwürfe im Westen und im Osten Aufbauten von unterschiedlicher Größe, Ausrichtung und Form, die das Fußgängerplateau überragen und sich schon frühzeitig am städtischen Kontext orientieren.

Der „Flugzeugträger“-Entwurf vermittelt den Eindruck eines kompakten und geschlossenen Bauvolumens, welches eine rechteckige Form annimmt. An den äußeren Rändern der Baumasse sind im Süd-Osten, wie im Westen und Norden kleinformatige Aufbauten platziert. Ein zentraler rechteckiger Aufbau, welcher sich an der rechteckigen Grundfläche orientiert, vermittelt (nur) auf dem Grundriss den Eindruck einer Landebahn[16] auf einem Flugzeugträger. Zumal der Komplex aus der tiefer gelegenen südlichen Fernsicht immer noch als ein kompakter Großkörper erscheint, statt eines harmonischen Herauswachsens aus, und Interagierens mit der Hanglage und der Umgebung. Die Assoziation mit einem Flugzeugträger ist nahe liegend, wenn man Holleins bildliche Collage von 1964 „Flugzeugträger in der Landschaft“ hinzuzieht.[17]

Die innere Disposition gleicht im zweiten Untergeschoss einer offenen Struktur, die eine Ebene höher bezüglich zentraler und fast geschlossener Räumlichkeiten weitermoduliert wird. Durch die Anordnung der Räume – speziell der zentral liegenden Räumlichkeiten Landebahn – die als über das Fußgängerplateau ragende Aufbauten weitergeführt werden, wird die Idee eines offenen und begehbaren Platzes (am südlichen Rand des zentralen städtischen Geschehens) verneint. Problematisch und unharmonisch blieb folglich nicht nur die kompakte und zu große Erscheinung im städtebaulichen Kontext, sowie die orthogonale Ausrichtung von Durchgängen auf der Fußgängerplattform, sondern auch der Übergang zum südlich anliegenden Propsteigarten (siehe Abb. 1).

Die „Reisterrassen“-Variante war ein wenig vorteilhafter. Der markanteste Unterschied zu der „Flugzeugträge r“-Variante war die Involvierung der charakteristischen Geländebeschaffenheit des Propsteigartens. „Indem sich die einzelnen Hauptgeschosse mit ihrer ondulierenden südlichen Kontur treppenartig von unten nach oben verjüngen, finden die geschwungenen Landschaftsterrassen im übertragenen Sinne einen Eingang in den angrenzenden Bereich des Museumskomplexes. Eine visuelle Durchdringung von Naturform und Architektur ist das Resultat, deren klare Trennung damit aufgehoben wird.“[18] Dieser Übergang zum Park erinnert an südostasiatische Reisterrassen (Abb.9), daher auch die Bezeichnung. Zudem hat der Verwaltungsturm im Norden auf seiner süd-östlichen Seite dieselbe ondulierende und naturhafte Metapher in einer schwingenden, ja nahezu erodierten Fassade aufgegriffen (Abb. 8). Hinzufügend sollte man noch erwähnen, dass halbgeschossige Versetzungen der einzelnen Ebenen im Innenraum – zwecks Angleichung an die Hanglage – das Raumkonzept sehr bereichert haben.

Die innenräumliche Disposition verhält sich in den beiden Hauptgeschoßen, die in die Mulde des Abteiberges integriert sind recht offen, mit zum Teil variablen Trennwandsequenzen und kommunizierenden Raumeinheiten. Die „Kommunikation“ zwischen den Raumeinheiten entsteht durch die Zwischen- und Verbindungszonen der Ausstellungsflächen, die als offene Vermittler einen fließenden Übergang zulassen. Bei dem öffentlichen Fußgängerplateau hat Hollein gegenüber dem Untergeschoß eine etwas konsequentere und räumlich offenere Raumordnung verfolgt, indem er die über dem Fußgängerplateau ragenden Aufbauten – aus der „Flugzeugträger“-Variante – etwas modulierte und dadurch einen weitläufigen, offenen begehbaren Platz ermöglichte.

Der Abbruch der Verhandlungen mit dem Grafen Panza di Biumo war trotz der Bezugnahme seiner Forderungen, seine Privatsammlung in abgegrenzten Schauräumen auszustellen letztlich nicht so tragisch, obwohl Hollein und Cladders schon ein konkretes Konzept erarbeitet haben. So haben sie ein „strukturalistisches“ Konzept erarbeitet, d.h. ein zellenrasterartiges Gestaltungsprinzip, welches räumliche Vorgaben zwar anbietet, diese aber sehr individuell den jeweiligen Bedürfnissen und Vorstellungen entsprechend nutzbar macht. „In der Praxis bestanden die strukturalistischen Angebote in Strukturfeldern, die genügend detailliert ausgebildet waren, um die Phantasie zu stimulieren, und genügend offen, um den jeweils unterschiedlichen Gebrauch nicht einzuengen.[19] Trotz der abgebrochenen Verhandlungen mit dem Grafen, wurde das strukturalistische Konzept aufgrund der Ästhetik und Funktionsvariabilität beibehalten und weiter ausgebildet. So entwarf Hollein die dreigeschossigen Ausstellungskuben im Ostbereich. Das oberste Geschoß der Ausstellungskuben reihte sich zu den geplanten Aufbauten ein, die die öffentliche Fußgängerplattform überragten, ansonsten war der unterirdische Bereich zweistöckig gestaltet. Im Westen war die Wechselausstellung geplant, welche nun einen „Pyramide“-ähnlichen Aufbau haben sollte; eine konzeptionelle Idee aus der „Flugzeuträger“-Variante. Zudem hat Hollein ein herausragendes, quadratisches Fragment der Cafeteria aus dem südlichen Museumsteil in den Propsteigarten angelegt (Abb.4), weiterhin eine mit einer Glaskuppel überwölbte Ausstellungsrotunde im Süd-Ostbereich und einen tempel- und belvedere-artigen Einganspavillon auf der Fußgängerplattform ausgearbeitet (Abb.10). Insgesamt musste Hollein das Gesamtvolumen etwas reduzieren, leichte Änderungen an den konkav-amphitheatralischen und konvex-kegelförmigen Treppen – bzw. Rampenanlagen vornehmen und das Ondulationsprinzip der Außenkontur und des Verwaltungsturms verwerfen und wieder reaktivieren. Hollein hat im Juni 1974 mit dem M5-Entwurf den soeben geschilderten Basisplan für die spätere Umsetzung des Museums beim Kultur- und Bauauschuss eingereicht[20], welche nach dem Baugesuch im April 1975 zwei Jahre später begonnen werden konnte.

[...]


[1] Kimpel-Fehlemann, S.: Ein rheinischer Mäzen. Die Dr.-Walter-Kaesbach-Stiftung. S. 22-25

[2] 1971 gab es im Auftrag des damaligen Kulturdezernenten Dr. Diekamp einen städtebaulichen Wettbewerb für die Bebauung des Abteiberges. Den ersten Preis gewannen die Architekten H. Stumpf und J. Uplegger, jedoch wurde ihr Entwurf nicht umgesetzt. 1972 ist Hans Hollein hingegen vom städtischen Kulturausschuss endgültig für dieses Projekt beauftragt worden.;Vgl.: Krämer, St.: Die postmoderne Architekturlandschaft, S. 103, Anm.

[3] Pehnt, W.: Hans Hollein. Museum Abteiberg in Mönchengladbach, S. 7

[4] Pehnt, W.: Hans Hollein. Museum Abteiberg in Mönchengladbach, S. 18

[5] http (2): ALLES IST ARCHITEKTUR (1967)

[6] http (2): ALLES IST ARCHITEKTUR (1967)

[7] Klotz, H.: Moderne und Postmoderne, S. 339

[8] Krämer, St.: Die postmoderne Architekturlandschaft, S. 103

[9] Krämer, St.: Die postmoderne Architekturlandschaft, S. 105, Anm. 207

[10] Lehrstuhl für Entwerfen und Architekturtheorie (Hg.): Dortmunder Ausstellungskatalog 1976, S. 25

[11] Pehnt, W.: Hans Hollein. Museum Abteiberg in Mönchengladbach, S. 17

[12] Pehnt, W.: Hans Hollein. Museum Abteiberg in Mönchengladbach, S. 17

[13] Krämer, St.: Die postmoderne Architekturlandschaft, S. 117

[14] Pehnt, W.: Hans Hollein. Museum Abteiberg in Mönchengladbach, S. 29

[15] vgl. Krämer, St.: Die postmoderne Architekturlandschaft, S. 117, Anm. 241

[16] Der Verfasser

[17] Klotz, H.: Moderne und Postmoderne, S. 344, Abb. 510

[18] Krämer, St.: Die postmoderne Architekturlandschaft, S. 120

[19] Pehnt, W.: Hans Hollein. Museum Abteiberg in Mönchengladbach, S. 24

[20] Krämer, St.: Die postmoderne Architekturlandschaft, S. 117-125

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Das städtische Museum Abteiberg in Mönchengladbach
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Kunstgeschichtliches Institut )
Veranstaltung
Die Krise der postmodernen Architektur: Bild- und Raumkonzeptionen im Fadenkreuz der Kritik
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
33
Katalognummer
V89456
ISBN (eBook)
9783638029070
ISBN (Buch)
9783638927246
Dateigröße
1222 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
18 EInträge im Literaturverzeichnis, davon 5 Internet-Quellen.
Schlagworte
Museum, Abteiberg, Mönchengladbach, Krise, Architektur, Bild-, Raumkonzeptionen, Fadenkreuz, Kritik, Hans Hollein, Kunstgeschichte, Kunst
Arbeit zitieren
Jacek Brzozowski (Autor), 2007, Das städtische Museum Abteiberg in Mönchengladbach, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89456

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