In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem von Hans Hollein erbauten
Museum Abteiberg für zeitgenössische Kunst in Mönchengladbach.
Einleitend werde ich die Planungssituation beschreiben und dabei die Fragestellung verfolgen, welche Gründe ausschlaggebend für einen Museumsneubau in Mönchengladbach waren. Weiterhin gehe ich auf die Frage ein, warum die Stadt Mönchengladbach und der Museumsdirektor des alten Städtischen Museums Johannes Cladders gerade Hans Hollein als Architekten beauftragten.
Im weiteren Verlauf beschäftige ich mich mit der Standortbestimmung und dem langwierigen Planungsprozess, aus dem schließlich die beiden wichtigsten Entwürfe Flugzeugträger / Maschinen-Motiv und das Reisterrassen-Motiv resultierten.
Daraufhin folgt die Architekturbeschreibung des Museums selbst. Dabei werde ich zunächst die semantischen Bezüge zur Umgebung des Museums aufgreifen und auf den Museumsbau beziehen, um folglich den Außenbau zu analysieren. Abschließend wende ich mich dem Innenbau zu. Ausgehend von der zentralen Verteilerzone richtet sich die Beschreibung auf die Kubusschächte, die Sammlungskuben und die restlichen Räume.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausschlaggebende Gründe für einen Neubau des Museums für zeitgenössische Kunst in Mönchengladbach
3. Die Pläne seitens der städtischen Instanzen und Hans Holleins Konzept
4. Standortbestimmung und Standortbeschreibung
5.1. Der Planungsprozess
5.2. Das Flugzeugträger / Maschinen-Motiv und das Reisterrassen-Motiv
6. Baubeschreibung / Analyse
6.1. Einflüsse und künstlerische Bezüge
6.2. Semantische Bezüge und Außengestaltung
6.2.1. Innengestaltung der zentralen Verteilerzone
6.2.2. Innengestaltung der Kubusschächte und der Sammlungskuben
6.2.3. Innengestaltung weiterer Räume
6.3. Licht und Materialbeschaffenheit
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das von Hans Hollein entworfene Museum Abteiberg in Mönchengladbach unter besonderer Berücksichtigung der architektonischen Konzeption, der städtebaulichen Integration sowie der innovativen Innenraumgestaltung. Dabei wird analysiert, wie Hollein durch das Prinzip der Collage und den bewussten Umgang mit historischen Bezügen und topographischen Gegebenheiten eine Antwort auf die Krise der postmodernen Architektur formulierte.
- Historische und städtebauliche Genese des Museumsneubaus
- Analyse der Entwurfsprozesse und der prägenden Architekturmotive
- Untersuchung des Collage-Prinzips in der Außengestaltung
- Evaluation der komplexen Innenraumdisposition und Zirkulationsführung
- Bedeutung von Licht und Materialität für das Raumerlebnis
Auszug aus dem Buch
6.2. Semantische Bezüge und Außengestaltung
Das Museum ist ein Aufeinandertreffen vieler konfliktreicher Anspielungen, Formen, Materialien und Achsen: „…das scheinbar Vulgäre und das Pseudosakrale, die addierende Rechtwinkligkeit und die barocke Opulenz, die geometrischen Formenraster und die freien Formenrinnsale, die rauen, ruppigen Materialien wie Zink und Backstein und die blitzblanken, technoiden Werkstoffe wie Aluminium, Spiegelglas und polierter Edelstahl…“ Es wurde zum Beispiel der ortsübliche Sandstein für die Fußgängerplattform, für die geschlossene Seite des Verwaltungsturmes sowie für den Quader der Wechselausstellungen eingesetzt, was den Bezug zu dem westlich gelegenen barocken Propsteigebäude und der dahinter liegenden Bischöflichen Akademie herstellen soll.
Zugleich deuten die mit den vertikalen Profilleisten versehene Titanzink-Verblendung und die Sheddächer der Sammlungskuben im Osten - die das ausstellungstechnisch erwünschte Nord-Ostlicht einfangen - durch ihre diagonal sägezahnartige Silhouette auf Werkhallen und die Industriegeschichte Mönchengladbach-Rheydts hin. Mönchengladbach wurde im 19. Jahrhundert wegen der zahlreichen Bauten der Textilindustrie als „rheinisches Manchester“ bezeichnet. Dabei entsteht ein etwas seltsam dynamischer, optischer Reiz, je nachdem aus welcher Richtung - Osten oder Süden - man die Sammlungskuben betrachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Aufgabenstellung ein und erläutert die Beweggründe für den Bau des Museums sowie die architektonischen Fragestellungen der Arbeit.
2. Ausschlaggebende Gründe für einen Neubau des Museums für zeitgenössische Kunst in Mönchengladbach: Das Kapitel beleuchtet die problematische Ausstellungssituation des alten Privathauses und den Entscheidungsprozess für den Neubau 1972 unter Hans Hollein.
3. Die Pläne seitens der städtischen Instanzen und Hans Holleins Konzept: Hier wird der ursprüngliche Plan eines multifunktionalen Kulturzentrums diskutiert und Holleins theoretische Auseinandersetzung mit der Rolle der Architektur dargelegt.
4. Standortbestimmung und Standortbeschreibung: Das Kapitel analysiert die historische Bedeutung des Standortes am Abteiberg und die Herausforderungen der topographischen Hanglage für die architektonische Planung.
5.1. Der Planungsprozess: Es wird der komplexe, langjährige Planungsprozess zwischen 1972 und 1976 sowie die Einflussnahme verschiedener Gremien und Leihgeber beschrieben.
5.2. Das Flugzeugträger / Maschinen-Motiv und das Reisterrassen-Motiv: Die zwei zentralen, favorisierten Entwürfe Holleins werden hinsichtlich ihrer formalsprachlichen und konzeptionellen Assoziationen verglichen.
6. Baubeschreibung / Analyse: Dieser Hauptteil analysiert die Realisierung des Baus als landschaftsartiges Ensemble und die künstlerischen Einflüsse auf Holleins Entwurfsansatz.
6.1. Einflüsse und künstlerische Bezüge: Die Bedeutung des Begriffs der "fingierten Collage" und die Vergleiche zu architektonischen Mythen und historischen Vorbildern werden erörtert.
6.2. Semantische Bezüge und Außengestaltung: Dieses Kapitel thematisiert die Materialvielfalt, die städtebauliche Integration durch Zitate und den Kontrast zwischen technoiden und traditionellen Materialien.
6.2.1. Innengestaltung der zentralen Verteilerzone: Es wird die funktionale Rolle des Foyers als verbindendes Element des Zirkulationssystems im Museum beschrieben.
6.2.2. Innengestaltung der Kubusschächte und der Sammlungskuben: Die komplexe räumliche Erschließung der Sammlungsbereiche durch vertikale Schächte und kleeblattförmige Anordnungen wird analysiert.
6.2.3. Innengestaltung weiterer Räume: Die Gestaltung spezieller Zonen wie der Wechselausstellung, Annexräume und historisierende Referenzen wie die Galerie werden untersucht.
6.3. Licht und Materialbeschaffenheit: Das Kapitel befasst sich mit der natürlichen und künstlichen Beleuchtung sowie der haptischen Wirkung der Bodenbeläge und Wandgestaltungen.
7. Resümee: Das Resümee bewertet das Museum als Pionierleistung der multifunktionalen musealen Gestaltung und als erfolgreiche Auflösung städtebaulicher Dissonanzen.
Schlüsselwörter
Hans Hollein, Museum Abteiberg, Mönchengladbach, Postmoderne Architektur, Architektur als Collage, Museale Architektur, Raumkonzeption, Johannes Cladders, Struktur, Materialbeschaffenheit, Zirkulationssystem, Industriegeschichte, Stadtbau, Museumsneubau
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das von Hans Hollein entworfene Städtische Museum Abteiberg in Mönchengladbach als architektonisches Projekt der Postmoderne.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Im Zentrum stehen die architektonische Theorie des Collage-Prinzips, die städtebauliche Integration am Abteiberg und das Zusammenspiel von Kunst und Architektur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Untersuchung, wie Hans Hollein die architektonischen und topographischen Herausforderungen löste und wie die Innenraumgestaltung das Kunsterlebnis steuert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es handelt sich um eine kunstgeschichtliche Analyse, die auf einer fundierten Auswertung von Fachliteratur, Entwurfsplänen und architektonischen Beschreibungen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Baubeschreibung, die Analyse der Fassaden- und Materialgestaltung sowie eine tiefgehende Betrachtung der innenräumlichen Zirkulationsführung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie "Postmoderne", "Collage-Prinzip", "Museumsdisposition" und "Struktur" geprägt.
Warum war das Projekt ein "Pionier" der Museumsgestaltung?
Das Museum gilt als Pionier, da es den Wandel vom klassischen Museum als "Kunstschrein" hin zum multifunktionalen Dienstleistungsbetrieb aktiv gestaltete.
Welche Rolle spielt die Topographie für Holleins Entwurf?
Die abfallende Hanglage war eines der größten Probleme; Hollein nutzte sie jedoch als Chance, indem er das Museum als landschaftsartige Fortsetzung des Berges in die Tiefe integrierte.
Wie unterscheidet sich die Innengestaltung in den Untergeschossen?
Durch halbgeschossige Versetzungen und den bewussten Einsatz von Materialien wie Kokosteppich oder Marmor werden unterschiedliche, teils private, teils offene Raumatmosphären geschaffen.
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- Jacek Brzozowski (Author), 2007, Das städtische Museum Abteiberg in Mönchengladbach, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89456