Diese Arbeit befasst sich mit den Entwicklungen in der polnischen Sprache in der Zeit nach 1989. Es werden Einflüsse der politischen und gesellschaftlichen Transformation und Demokratisierung sowie der westlich orientierten Massenkultur auf die Sprache näher beleuchtet. Da die einzelnen Entwicklungsprozesse in einer Sprache nicht isoliert und in einem präzise abgezeichneten zeitlichen Rahmen verlaufen, wird an einigen Stellen auf Entwicklungsstufen vorheriger historischer Zeiträume verwiesen, die eine wesentliche Bedeutung für die Aussagen und Thesen dieser Arbeit haben. Es wird die Phase des Sprachpurismus nach 1918 sowie die darauf folgende Festlegung einer Norm für die Standardsprache.
Des Weiteren werden soziolinguistische Einflüsse der Demokratisierung beleuchtet, die sich auf das Bewusstsein der Polen, ihrer Einstellung zu sich und der Welt sowie auf ein verändertes Wertesystem auswirken. Diese Einflüsse finden auch in der polnischen Sprache ihren Ausdruck.
Es werden die allgemeine Tendenz zur Umgangssprache in der polnischen Standardsprache und die damit verbundene Vereinfachung des sprachlichen Systems angesprochen. Die Mode zur Umgangsprache wurde 1989 als Gegenpol zur Nowomowa „Neusprache“, der ideologisierten Sprache des alten Systems, durch die Medien verbreitet.
Es werden Aspekte der Mediensprache vor dem Hintergrund einer marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaft beleuchtet. Deutlich wird, wie sich Medien einerseits vor dem Hintergrund des Kampfes um die Quoten diverser sprachlicher Mittel bedienen und andererseits als Übermittler von sprachlichen Innovationen fungieren.
Die zuvor sehr traditionsbewusste Einstellung der Polen zu ihrer Sprache verändert sich nun mithilfe eines kreativen und spielerischen Sprachgebrauchs.
Ferner wird expliziter und konkreter auf Veränderungen in der Sprache eingegangen, die zum einen interne und zum anderen externe Gründe haben. Als interner Einfluss auf die Sprachentwicklung wird der allgemeine durch Fortschritt in der Wirtschaft, Technik und der Medien sowie die Städteexpansion bedingte Bedarf nach neuen Bezeichnungen genannt. Externe Einflüsse auf die Sprachentwicklung haben sich in Form von Fremdentlehnungen und der allgemeinen Tendenz zur Übernahme von fremden Mustern sowie deren Eingliederung ins polnische System ausgewirkt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Allgemeine Veränderungen: Geschichte, Gesellschaft und Sprache
2.1 Sprachpurismus und Sprachnormierung als wichtige Voraussetzungen für weitere Veränderungen in der polnischen Sprache des 20. Jahrhunderts
2.2 Gesellschaft, Wertesystem und nationales Bewusstsein: Das Weltbild der Polen und die Sprache
3. Abkehr von den Sprachnormen: Das neue Primat der Umgangssprache
3.1 Vermischung der Sprachkodes Umgangssprache und offizielle Sprache
3.2 Liberalisierung in den Anredeformen
3.3 Massenmedien im Wettbewerb um den Verbraucher
4 Konkrete Bestimmungen einiger Veränderungen im sprachlichen System
4.1 Intern beeinflusste Entwicklungen: Demokratisierung, Expansion der Subsprachen und die Universalisierung des grammatischen Systems
4.1.1 Gesellschaftliche und politische Veränderungen bewirken einen Bedarf nach neuer Lexik
4.1.2 Einfluss der Subsprachen auf die Standardsprache
4.1.3 Universalisierung- und Vereinfachungsmechanismen im System
4.2 Extern beeinflusste Entwicklungen
4.2.1 Fremdentlehnungen und die Übernahme von fremden Mustern
4.2.2 Der Einfluss von Fremdentlehnungen auf die erhöhte Produktivität bestimmter Morpheme
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die dynamischen Entwicklungen der polnischen Sprache nach der politischen Wende von 1989. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Prozesse der Demokratisierung sowie der Einfluss einer westlich geprägten Massenkultur das polnische Sprachsystem transformiert und zu einer verstärkten Orientierung an der Umgangssprache geführt haben.
- Soziolinguistische Auswirkungen der politischen Transformation auf das polnische Bewusstsein.
- Die zunehmende Dominanz der Umgangssprache gegenüber traditionellen Sprachnormen.
- Die Rolle der Massenmedien als Akteure und Beschleuniger des sprachlichen Wandels.
- Strukturelle Veränderungen im polnischen Wortschatz, der Grammatik und der Anredeformen.
- Interne und externe Einflüsse, insbesondere der Anstieg von Anglizismen und ihre Integration in das System.
Auszug aus dem Buch
3.1 Vermischung der Sprachkodes Umgangssprache und offizielle Sprache
Antonia Grybosiowa befasst sich mit den Veränderungen im Polnischen und den gesellschaftlichen Veränderungen im 20. Jahrhundert, die nach 1989 einen Wandel im Bewusstsein der Polen und ihrer Einstellung zu ihrer Sprache bewirkt haben. Sie beobachtet, dass sich im Polnischen insgesamt eine starke Tendenz zur Umgangssprache im offiziellen Rahmen entwickelt hat.
Der Umbruch im politischen System brachte auch einen Umbruch in der Einstellung zur Sprache, die zuvor traditionsgemäß wie ein nationales Heiligtum behandelt wurde. Dieses Nationalgut hatte in der Romantik seine wichtigste Bedeutung gehabt. Es war das Symbol für den Zusammenhalt einer Nation eines geografisch nicht existierenden Polens, das man gegen den Angreifer oder Okkupanten verteidigte. Es war auch das Symbol des Zusammenhalts, des Nationalstolzes und der Hoffnung auf Zeiten der Unabhängigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstands, der Einflüsse der Transformation und der Rolle der Massenkultur als Motor sprachlicher Veränderungen.
2. Allgemeine Veränderungen: Geschichte, Gesellschaft und Sprache: Historischer Rückblick auf die Sprachnormierung im 20. Jahrhundert und Analyse der soziolinguistischen Auswirkungen des gesellschaftlichen Wertewandels.
3. Abkehr von den Sprachnormen: Das neue Primat der Umgangssprache: Untersuchung des Phänomens der zunehmenden Informalität in offiziellen Kontexten, der Mediensprache und des Wandels der Etikette.
4 Konkrete Bestimmungen einiger Veränderungen im sprachlichen System: Detaillierte Analyse interner und externer Einflussfaktoren auf Lexik, Syntax, Flexion und Phonetik.
5. Schlusswort: Synthese der Ergebnisse über den Einfluss von Demokratisierung und Massenkultur auf die Entwicklung und Flexibilisierung des Polnischen.
Schlüsselwörter
Polnische Sprache, Sprachwandel, Transformation, Massenkultur, Umgangssprache, Demokratisierung, Anglizismen, Mediensprache, Sprachnorm, Soziolinguistik, Fremdentlehnungen, Morphologie, Syntax, Sprachkultur, Wertewandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die tiefgreifenden Veränderungen der polnischen Sprache in der Zeit nach 1989, insbesondere unter dem Druck politischer Transformation und dem Einfluss westlicher Massenkultur.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind der Wandel der Sprachnormen, die zunehmende Bedeutung der Umgangssprache, die Rolle der Medien bei der Sprachvermittlung sowie die Integration von Fremdwörtern in das polnische Sprachsystem.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, wie Demokratisierungsprozesse und die marktwirtschaftliche Ausrichtung der polnischen Gesellschaft den Rückzug strenger Sprachnormen zugunsten einer dynamischeren, umgangssprachlichen Kommunikation begünstigt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine soziolinguistische Untersuchung, die auf der Analyse existierender Fachliteratur und Studien basiert, um die sprachlichen Entwicklungen in einen historischen und gesellschaftlichen Kontext zu setzen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zur Abkehr von Sprachnormen, konkrete Bestimmungen syntaktischer und morphologischer Veränderungen sowie den Einfluss externer Faktoren wie Anglizismen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Polnische Sprache, Transformation, Massenkultur, Umgangssprache, Sprachnormen, Mediensprache und soziolinguistischer Wandel.
Welche Rolle spielt die „Inteligencja“ im historischen Kontext der polnischen Sprache?
Die Inteligencja fungierte über lange Zeit als Bewahrerin der gehobenen Sprachnormen und als intellektuelle Elite, deren Einfluss mit der Popularisierung von Bildung und der Demokratisierung der Gesellschaft abnahm.
Wie beeinflussen die Medien den heutigen Sprachgebrauch in Polen?
Medien fungieren als Übermittler und Verstärker sprachlicher Innovationen, indem sie durch Konkurrenzdruck und das Ziel der Publikumsbindung verstärkt auf emotionale, umgangssprachliche und oft weniger formelle Ausdrucksweisen setzen.
Warum ist die Untersuchung von „Phraseologismen“ für das Verständnis der aktuellen Sprache wichtig?
Phraseologismen spiegeln den kulturellen Wandel wider; ihre Veränderung, Dekonstruktion oder der Austausch durch neue, oft mediengeprägte Begriffe zeigt deutlich, wie das Sprachsystem auf neue gesellschaftliche Herausforderungen reagiert.
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- Magister Agnes Weinberger (Author), 2007, Die polnische Sprache im Wandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89483