Der Friede von Dayton und der davor gescheiterte Vance-Owen-Friedensplan sollen hier als Zwei-Ebenen-Spiel modelliert werden. Dabei werden der jeweilige Handlungsspielraum der als Bündnispartner agierenden bosnischen und bundesrepublikanisch-jugoslawischen Serben über den Vance-Owen-Plan und über Dayton bei den Verhandlungen mit Bosnien-Herzegowina und mit der internationalen Gemeinschaft aufzuzeigen versucht und miteinander verglichen.
Informationen zum Text: Der Text ist im Jahr 1998 entstanden und existiert seit 2008 auch in gedruckter Form.
Struktur der Arbeit
I. Problemstellung
II. Ansätze
III. Skizze der Entstehung des Dritten Balkankriegs bis zum Vance- Owen-Plan
IV. Der Vance-Owen-Plan
V. Die Ereignisse zwischen dem Vance- Owen- Plan und dem Abkommen von Dayton
VI. Das Daytoner Abkommen
VII. Schluss
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das Zustandekommen bzw. Nicht-Zustandekommen des Vance-Owen-Plans sowie des Daytoner Abkommens im Kontext des Bosnienkriegs mithilfe eines allianzbezogenen Zwei-Ebenen-Ansatzes zu erklären. Dabei wird untersucht, wie die politischen Entscheidungsträger der bosnischen Serben und der Bundesrepublik Jugoslawien ihre Verhandlungsspielräume und Akzeptanzbereiche unter dem Einfluss von Innenpolitik, Bündnisstrukturen und internationalen Sanktionen gestalteten.
- Anwendung des Zwei-Ebenen-Spiels auf internationale Konflikte
- Analyse von win-sets und acceptability-sets der Konfliktparteien
- Wechselwirkungen zwischen Bündnispolitik und nationaler Identität
- Die Rolle von Wirtschafts- und politischen Sanktionen als Verhandlungsdruckmittel
- Ethnische Sicherheit und deren Einfluss auf politisches Handeln
Auszug aus dem Buch
II. Ansätze
Der Ausgangspunkt ist die wechselseitige Beeinflussung von Innen- und Außenpolitik in einem Staat. Es kommt neben staatlichen auch gesellschaftlichen Akteuren sowie (staatlichen) Institutionen, welche gesellschaftliche und staatliche Akteure miteinander verbinden, bei der Erklärung internationaler Kooperation (im Sinne einer auf Selbsthilfe verzichtenden und auf zwischenstaatliche Politikkoordination beruhenden Form der Bearbeitung internationaler Konflikte) zu (vgl. Zangl 1995: 395-396).
Es gibt bei den internationalen Verhandlungen sich wechselseitig beeinflussende Verhandlungsebenen bzw. -phasen auf nationaler und internationaler Ebene, wonach auf internationaler Ebene Regierungen untereinander verhandeln. Erst dann erfolgt eine Verhandlung der jeweiligen Regierung mit den eigenen beschwerdemächtigen gesellschaftlichen Akteuren zur Ratifikation des internationalen Verhandlungsergebnisses.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Problemstellung: Einleitung in die Relevanz von Ethnizität in Transformationsgesellschaften und Darlegung der Forschungsfrage zur Erklärung der Verträge des Bosnienkriegs.
II. Ansätze: Theoretische Fundierung durch das allianzbezogene Zwei-Ebenen-Spiel, welches die Interaktion zwischen Innenpolitik, Bündnisstrukturen und internationaler Diplomatie beschreibt.
III. Skizze der Entstehung des Dritten Balkankriegs bis zum Vance- Owen-Plan: Historischer Rückblick auf die wirtschaftliche Krise Jugoslawiens und den Aufstieg ethnischer Nationalismen als Ursache für den Krieg.
IV. Der Vance-Owen-Plan: Detaillierte Betrachtung des Friedensplans von 1993 und die Analyse, warum dieser trotz Bemühungen nicht erfolgreich umgesetzt werden konnte.
V. Die Ereignisse zwischen dem Vance- Owen- Plan und dem Abkommen von Dayton: Darstellung der militärischen und diplomatischen Entwicklungen zwischen den beiden Friedensinitiativen, geprägt durch Machtverschiebungen und Sanktionen.
VI. Das Daytoner Abkommen: Zusammenfassung der Kernpunkte des Friedensabkommens und der strukturellen Neugestaltung von Bosnien-Herzegowina.
VII. Schluss: Zusammenfassende Analyse der bargaining-Positionen und der Faktoren, die zum Erfolg des Daytoner Abkommens gegenüber dem Vance-Owen-Plan führten.
Schlüsselwörter
Bosnienkrieg, Zwei-Ebenen-Spiel, Vance-Owen-Plan, Daytoner Abkommen, ethnische Sicherheit, Bundesrepublik Jugoslawien, Republika Srpska, Kooperation, internationale Sanktionen, Ratifikation, Bündnispolitik, Milosevic, Karadzic, nationale Identität, Diplomatie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die diplomatischen Verhandlungen während des Bosnienkriegs, insbesondere den Vance-Owen-Plan und das Daytoner Abkommen, unter Anwendung politikwissenschaftlicher Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Interdependenz von Innen- und Außenpolitik, die Rolle ethnischer Identität bei Konflikten sowie die Dynamik von Allianzen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das (Nicht-)Zustandekommen der Friedensabkommen durch die Analyse der Verhandlungsspielräume (win-sets) und Akzeptanzniveaus (acceptability-sets) der beteiligten Akteure zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das "allianzbezogene Zwei-Ebenen-Spiel" nach Putnam und Zangl angewendet, um die Entscheidungsprozesse in einem Mehrebenensystem zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Präferenzen, Handlungsstrategien und die externe Macht der Akteure (RS und BRJ) im Kontext des Vance-Owen-Plans und des Daytoner Abkommens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Bosnienkrieg, Zwei-Ebenen-Spiel, ethnische Sicherheit, Sanktionen und diplomatische Verhandlungen charakterisieren.
Warum scheiterte der Vance-Owen-Plan aus Sicht der Autoren?
Der Plan scheiterte primär an den zu engen Akzeptanzbereichen der bosnischen Serben, die sich in ihrer ethnischen Sicherheit durch den Plan bedroht sahen, sowie an mangelndem politischem Willen zur Umsetzung.
Welche Rolle spielte die Bundesrepublik Jugoslawien in diesem Prozess?
Die BRJ agierte als Seniorpartner in einer ethnischen Allianz und übte je nach eigenem Nutzen und dem Druck durch internationale Sanktionen mal mehr, mal weniger Druck auf die bosnischen Serben aus.
Wie beeinflussten Sanktionen das Ergebnis des Daytoner Abkommens?
Internationale Wirtschaftssanktionen gegen die BRJ stellten ein entscheidendes Druckmittel dar, das die Akzeptanzbereiche der BRJ-Führung in Richtung einer Zustimmung zum Daytoner Friedensprozess verschob.
Was bedeutet "entrapment" in diesem Kontext?
Der Begriff beschreibt die Gefahr, in einem Konflikt durch ein Bündnis so fest an einen Partner gebunden zu sein, dass man gegen eigene Interessen in dessen Konflikt hineingezogen wird oder sich nicht distanzieren kann.
- Citar trabajo
- Assist. Prof. Dr. Burak Gümüs (Autor), 1998, Bosnien-Herzegowina - Der Vance-Owen-Plan und der Daytoner Frieden als Two-Level-Game, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89486