Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Zur Frage der Gattung und der Fragmenthaftigkeit bei Georg Büchners Lenz

Title: Zur Frage der Gattung und der Fragmenthaftigkeit bei Georg Büchners Lenz

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 23 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Ole Wagner (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den beiden Themenkomplexen Novelle und Fragment. Zum einen soll überprüft werden, zu welcher Textgattung man Lenz zuordnen kann, und welche Textmerkmale zu dieser Zuordnung führen. Folgt man der neuen Forschung, scheint es zwar einfach, die Novellenfrage zu beantworten, aber dennoch ist diese noch nicht ganz abgehakt: es finden sich immer wieder Bezeichnungen des Texts als Novelle, und viele, die über Lenz schreiben, fühlen sich genötigt, an dieser oder jener Stelle die Gattungsfrage zu behandeln. Die Schuld für die fälschliche Gattungszuordnung der nachfolgenden Generationen einfach nur Gutzkow in die Schuhe zu schieben, erscheint zu einfach. Auch ist es schwer zu glauben, dass die frühere Lenz-Forschung, bzw. die vereinzelten Forscher heute, die immer noch von einer Novelle reden, nicht mit Gattungsklassifikationen umgehen können. Somit lohnt es sich, sich mit dieser Frage zu beschäftigen.
Zum anderen soll die Klassifizierung von Lenz als Fragment einer genaueren Untersuchung unterzogen werden, wobei hier die Editionsgeschichte und die Betrachtung der Textgestalt größere Abschnitte einnehmen werden. Da bei einem für die Literaturgeschichte derart wichtigen Text die textkritische Begutachtung der Textgestalt nicht außer acht gelassen werden darf, bietet es sich an, sich mit dieser Fragestellung zu befassen, da hier einige Unklarheit in der Forschung herrscht. Mit dieser Untersuchung soll begonnen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zur Fragmentfrage bei Büchners Lenz

1. Editionsgeschichte

2. Zur Textgestalt

3. Literaturwissenschaftlicher Umgang mit dem Fragmenttext

III. Ist Lenz eine Novelle?

1. Bezeichnung durch Gutzkow

2. Gattungsmerkmale der Novelle

3. Die Gattungsfrage bei Lenz

IV. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Georg Büchners Erzählung „Lenz“ hinsichtlich ihrer gattungstheoretischen Einordnung als Novelle sowie ihres fragmentarischen Charakters. Ziel ist es, die Forschungsgeschichte und die textkritische Debatte kritisch zu hinterfragen, um zu klären, inwiefern die tradierten Klassifizierungen angesichts der tatsächlichen Textbeschaffenheit und einer modernen Ästhetik noch Bestand haben.

  • Die kritische Aufarbeitung der Editionsgeschichte von Büchners „Lenz“
  • Die Auseinandersetzung mit dem Fragmentcharakter und dem Entwurfsstadium des Textes
  • Die Analyse der Novellendefinitionen im 19. und 20. Jahrhundert
  • Die Überprüfung der gattungsgeschichtlichen Zuordnung von „Lenz“ zur Novelle
  • Die Debatte um eine adäquate Gattungsterminologie jenseits konventioneller Normen

Auszug aus dem Buch

2. Zur Textgestalt

Die ersten schriftlichen Nachweise um die Beschaffenheit der Funde in Büchners Nachlass stammen von Wilhelm Schulz (1797-1860), der mit Büchner befreundet war. Noch Ende Februar 1837 veröffentlichte dieser einen „Nekrolog“, in dem er verkündete: „Außerdem findet sich unter seinen hinterlassenen Schriften […] das Fragment einer Novelle, welche die letzten Lebenstage des so bedeutenden als unglücklichen Dichters Lenz zum Gegenstande hat. Diese Schriften werden demnächst im Druck erscheinen.“ Schulz äußerte sich auch noch ein zweites Mal, in einem Essay im Jahre 1851, zu Büchners schriftlichen Nachlass, indem er von der „Sammlung der Notizen zu seinem Novellenfragmente und dessen Ausarbeitung“ spricht. Vielfach führt dies zu der Ansicht, „dass in Büchners Nachlaß […] möglicherweise zweierlei handschriftliche Lenz-Materialien existierten“.

Man sollte allerdings vorsichtig dabei sein, dies aus Schulz‘ Essay zu folgern. Man kann unter der „Sammlung der Notizen“ auch verstehen, dass Büchner eben Notizen über Lenz gesammelt, aber nicht selbst schaffend, sondern eher, der damaligen Notwendigkeiten wegen, abschreibend abgefasst hat, und diese Notizen somit nicht Büchners Lenz-Text direkt zuzuordnen sind. Natürlich ist anzunehmen, dass Büchner Arbeitsnotizen gemacht hat, aber bei der äußerst diffizilen Textlage von Lenz scheint größte Vorsicht geboten zu sein, dann eben auch zu folgern, dass jemand diese Arbeitsnotizen gesichtet – und vielleicht sogar in die Abschrift, die an Gutzkow geschickt wurde, eingeflochten hat. Dies wird nämlich des Öfteren angenommen: Man glaubt, dass entweder Gutzkow oder, noch häufiger, Jaeglé Büchners Ausarbeitung und „Vorarbeiten“ – die Notizen – zu seinem Werk zu einem kompletten Text zusammengearbeitet haben. Es ist aber durch nichts auszuschließen, dass Schulz einfach nur eine ausführliche Sammlung an Informationen zu Lenz und Oberlin, die Büchner zusammengetragen hatte, gemeint hatte.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die folgenschwere Rezeptionsgeschichte von Georg Büchners „Lenz“, insbesondere die durch Gutzkow geprägte und in der Forschung hartnäckig fortgeführte, oft unkritische Einordnung als Novelle und Fragment.

II. Zur Fragmentfrage bei Büchners Lenz: Dieses Kapitel analysiert die schwierige Editionsgeschichte und Textgenese von „Lenz“, wobei es die Unsicherheiten bezüglich der verschollenen Handschriften und den wissenschaftlichen Umgang mit dem Entwurfsstadium des Textes kritisch beleuchtet.

III. Ist Lenz eine Novelle?: Hier wird die Gattungsfrage erörtert, indem die historische Bezeichnung durch Gutzkow und die theoretischen Gattungsmerkmale der Novelle mit der spezifischen Struktur von „Lenz“ kontrastiert und die Eignung der Gattungsbezeichnung hinterfragt werden.

IV. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert, dass „Lenz“ zwar als Fragment betrachtet werden kann, die Bezeichnung als Novelle jedoch der ästhetischen Realität des Textes nicht gerecht wird und lediglich die Gattungsbezeichnung „Erzählung“ als präziser erachtet wird.

Schlüsselwörter

Georg Büchner, Lenz, Novelle, Fragment, Editionsgeschichte, Textkritik, Gattungsfrage, Minna Jaeglé, Karl Gutzkow, Entwurfhaftigkeit, Literaturwissenschaft, Epische Gattungen, Erzählung, Literaturgeschichte, Rezeption.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der gattungs- und textkritischen Einordnung von Georg Büchners Werk „Lenz“, wobei insbesondere die historisch gewachsene Einordnung als Novelle und Fragment hinterfragt wird.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen sind die Editionsgeschichte, die Rekonstruktion der Textentstehung, die Definition der Novelle als literarische Gattung sowie die ästhetische Analyse des „Lenz“-Textes.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die unkritische Übernahme der Gattungsbezeichnung „Novelle“ zu hinterfragen und die Angemessenheit der Begriffe „Fragment“ und „Erzählung“ auf Basis textkritischer Erkenntnisse zu prüfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer literaturgeschichtlichen und textkritischen Methode, die Forschungspositionen und Editionen vergleicht und analysiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der problematischen Textüberlieferung durch Gutzkow und Jaeglé sowie die theoretische Auseinandersetzung mit dem Novellenbegriff im Vergleich zur tatsächlichen Erzählstruktur des Werkes.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Georg Büchner, Lenz, Novellentheorie, Textgenese, Fragmentarität und Gattungskritik.

Warum wird die Bezeichnung „Novelle“ für den „Lenz“-Text kritisiert?

Die Kritik basiert darauf, dass der Text sich durch eine episodenhafte Struktur und das Fehlen einer zielgerichteten Pointierung auszeichnet, was den strengen Gattungsnormen der klassischen Novelle widerspricht.

Welche Bedeutung kommt der Rolle von Wilhelmine Jaeglé und Karl Gutzkow zu?

Sie gelten als die entscheidenden Instanzen der frühen Überlieferung, deren editorische Eingriffe oder Anordnungen aufgrund des verschollenen Originalmanuskripts sowohl die Grundlage für den Text als auch für die langjährige Fehlinterpretation als „Novelle“ bildeten.

Excerpt out of 23 pages  - scroll top

Details

Title
Zur Frage der Gattung und der Fragmenthaftigkeit bei Georg Büchners Lenz
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar )
Course
Novelle von Goethe bis Hauptmann
Grade
1,3
Author
Ole Wagner (Author)
Publication Year
2008
Pages
23
Catalog Number
V89490
ISBN (eBook)
9783638035217
ISBN (Book)
9783638932462
Language
German
Tags
Frage Gattung Fragmenthaftigkeit Georg Büchners Lenz Novelle Goethe Hauptmann
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ole Wagner (Author), 2008, Zur Frage der Gattung und der Fragmenthaftigkeit bei Georg Büchners Lenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89490
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  23  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint