Die SS und ihre Rolle beim "Röhm-Putsch"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehung der SS
2.1. Die SA-Geburtshelfer der SS
2.2. Die Gründung der SS

3. Himmler und die SS
3.1. Himmlers Jugend
3.2. Der Weg zum Reichsführer SS

4. Der Aufstieg der SS
4.1. Die Parteipolizei
4.2. Himmlers Weg zur Herrschaft über die deutsche Polizei

5. Die Krise des Regimes
5.1. Kritik aus Bevölkerung, Arbeiterschaft und Wirtschaft
5.2. Gefahr von Rechts
5.3. Waffenträger des Regimes: Reichswehr oder SA?
5.4. Die Position der SA

6. Schluss
6.1. Der „Röhm-Putsch“
6.2. Die Folgen des „Röhm-Putsches“

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Stunde war ich verantwortlich für das Schicksal der deutschen Nation und damit des Volkes oberster Gerichtsherr. Meuternde Divisionen hat man zu allen Zeiten durch Dezimierung wieder zur Ordnung gerufen. (…) Ich habe den Befehl gegeben, die Hauptschuldigen an diesem Verrat zu erschießen, und ich gab weiter den Befehl, die Geschwüre unserer inneren Brunnenvergiftung und der Vergiftung des Auslandes auszubrennen bis auf das rohe Fleisch. (…) Und es soll jeder für alle Zukunft wissen, dass, wenn er die Hand gegen den Staat erhebt, der sichere Tod sein Los ist.[1]

Mit diesen Worten rechtfertigte Adolf Hitler sein Vorgehen gegen die von ihm identifizierten Staatsfeinde, die zwischen dem 30. Juni 1934 und 2. Juli 1934 getötet wurden. Bei genauerer Betrachtung des so genannten Röhm-Putsches wird jedoch deutlich, dass es sich keineswegs um eine Staatsnotwehr handelte; denn als solche wurden die Morde gegen die SA-Führung und Teile des konservativen Lagers im Nachhinein deklariert.[2] Die eigentliche Bedrohung für Hitler resultierte nämlich nicht aus einer akuten Putsch-Gefahr der SA[3] sondern vielmehr aus einer tief greifenden Krise innerhalb der NSDAP. Hinzu kam eine allgemeine Unzufriedenheit in allen Schichten der Bevölkerung, da die Regierung Hitler viele ihrer Versprechen nicht einhalten konnte.[4] In dieser Situation sahen die Konservativen, die Hitler zur Macht verholfen hatten, jedoch von diesem dann ausgestochen worden waren, eine letzte Möglichkeit gegen den Reichskanzler vorzugehen.[5]

Dass unter den Mordopfern also auch Konservative und Monarchisten zu finden waren ist nicht weiter wunderlich, doch warum Hitler mit derartiger Härte auch gegen die SA vorging kann alleine mit dem negativen Auftreten der Parteiarmee in der Öffentlichkeit nicht gerechtfertigt werden. Die Gründe für die Morde an der SA-Führung müssen also tief greifender gewesen sein. Nicht nur weiten Teilen der Bevölkerung war die SA ein Dorn im Auge. Auch in Wirtschafts- und Beamtenkreisen erhob sich immer mehr Kritik an SA-Kommissaren, die zwar über politische Macht, jedoch nicht über genügend Sachkompetenz verfügten.[6]

Eine weitere Komponente, welches Hitler zu einem Vorgehen gegen die SA bewegte, war das Verhältnis der SA zur Reichswehr. Nicht nur, weil die konservativen Kräfte auf eine Allianz mit der ehemaligen kaiserlichen Armee hofften, sondern auch, dass das Militär eigene Ambitionen hatte sich gegen den Rivalen SA durchzusetzen, trieben Hitler zu der Entscheidung, die Reichswehr zu einem Verbündeten zu machen.[7] Doch nicht die Auseinandersetzung mit der Reichswehr sondern ebenso der Konflikt mit der SS versetzte der SA den Todesstoss. Und dies im wahren Sinne des Wortes, denn es war die SS die die Mordaktionen durchführte.

An dieser Stelle stellt sich nicht nur die Frage, warum die SS bereitwillig die Liquidierungen durchführte sondern auch, welchen Nutzen sie sich von der Ausschaltung der SA versprach. Die Antwort auf diese Frage führt auf einen unterschwelligen Konflikt zwischen den beiden Parteiorganen zurück, der in der Gründung von SS und SA seinen Ursprung findet und von Hitler selbst provoziert wurde.

Diesem Aspekt wird der Schwerpunkt dieser Arbeit gelten. Es soll gezeigt werden wie der Konflikt zwischen SA und SS entstand und wie er in den Mordaktionen des 30. Juni enden konnte. In diesem Zusammenhang werden auch die Entwicklungen aufgezeigt, die zum Doppelschlag Hitlers gegen SA und Konservative führten, nicht nur der Vollständigkeit halber sondern weil die Wechselbeziehungen zwischen den verschiedenen Lagern und auch der SS stark miteinander verbunden war.

Das Thema der Arbeit: „Die SS und ihre Rolle beim Röhm-Putsch“ bietet sich an, da die Entwicklung von NSDAP und der SS Parallelen aufzeigen, die in den Mordaktionen des Sommers 1934 enden. Die SS entledigt sich ihres Rivalen SA und übernimmt die Aufgabe als Parteiarmee und Hitler selbst überwindet die parteiinterne Krise und kann seine Machtstellung spätestens nach dem Tod Hindenburgs am 2. August 1934 endgültig zementieren.

Um die Evolution der SS von einigen wenigen Leibwächtern Hitlers zu einer der mächtigsten Organisationen des NS-Staates zu illustrieren sollen zunächst die Anfänge der SS, sprich ihre Entstehung betrachtet werden. Schon in ihrer Gründungszeit wird der Unterschied zur SA deutlich und ihr besonderes Verhältnis zu Hitler verschärft den Konflikt schon in den ersten Jahren ihres Bestehens.

Wegweisend für die Weiterentwicklung der SS war Heinrich Himmler, der 1927 das Kommando über die SS übernimmt. Seine persönliche Ideologie und Weltanschauung sollte die SS prägen und ihr ihre endgültige Form verleihen. Es ist interessant wie Himmlers Charakter auf die SS abfärbte, was im Weiteren auch untersucht wird.

Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre manövrierte sich die SA selbständig immer weiter an den Rand der Gesellschaft und es kam zu Konflikten mit der Partei aber insbesondere auch Hitler. Himmler und seiner SS gelang es in dieser Zeit durch uneingeschränkte Loyalität der SA den Rang abzulaufen und erlangte so immer mehr Selbständigkeit, was aber auch den Konflikt mit der SA immer mehr verschärft. Die Einzelheiten dieser Machtverschiebung und das daraus resultierende neue Verhältnis zwischen Partei/Hitler, SA und SS stehen im Vordergrund dieses Kapitels.

Bevor nun der „Röhm-Putsch“ und die Rolle der SS bei diesem an sich untersucht werden kann, muss zunächst die spezielle Situation erläutert werden, die Hitler zu dem Doppelschlag gegen SA und Konservative trieb. Was am Anfang dieser Einleitung grob umrissen wurde soll hier genau dargestellt werden.

Die Ereignisse des 30. Juni und der folgenden Tage ordnen dann die Verhältnisse der noch jungen NS-Herrschaft neu. Die Konstellation der Fronten, die sich in den vorhergehenden Monaten und Jahren entwickelt hatte wird in diesen Tagen letztendlich festgelegt und besonders die SS zeigt mit ihrem unbarmherzigen Vorgehen, dass sie treu zu Hitler stand und wird als Lohn zur führenden Parteiarmee. Das Verhältnis zwischen SA und SS drehte sich endgültig um.

Am Ende dieser Arbeit sollen dann die Auswirkungen des „Röhm-Putsches“ analysiert werden, durch welche in Deutschland richtungsweisende Veränderungen eingeläutet wurden.

2. Die Entstehung der SS

2.1. Die SA-Geburtshelfer der SS

Die SS verdankt ihre Gründung dem Misstrauen, welches Hitler der für ihn zu selbständigen SA gegenüber hatte. Um also die Beweggründe des Führers der NSDAP zu verstehen, sich eine eigene Leibwache zuzulegen muss zu aller erst die Entstehung der SA und ihr Verhältnis zu Hitler verstanden werden.

Die Geschichte der SA beginnt mit dem Ende des ersten Weltkrieges. Nach der Niederlage Deutschlands strömten tausende von Soldaten zurück in ihre Heimat, die weder in die Gesellschaft integriert, noch in eine Armee wiedereingegliedert werden konnten.[8] Sie vereinigten sich zu Freikorps, in denen sich die heimgekehrten Soldaten meist um einen ihnen bekannten Offizier scharten. Die Bewaffnung bestand teilweise aus den Waffen, die sie von der Front mitgebracht hatten, doch wurden sie auch im Geheimen von Reichswehroffizieren beliefert, die in den Freikorps eine zweite Verteidigungslinie neben der stark dezimierten regulären Armee sahen.[9] Einer dieser Offiziere war Hauptmann Ernst Röhm. Als Stabschef des Münchener Stadtkommandanten und Verantwortlichem für die Bewaffnung und Ausrüstung einer bayrischen Schützenbrigade war es ihm möglich eine immense Anzahl geheimer Waffendepots zu errichten. Sein Ziel war die Errichtung einer eigenen Miliz.

Nach dem Ende der Räterepublik waren alle einflussreichen Stellen in Bayern von ehemaligen oder auch aktiven Militärs besetzt, die nicht nur die Freikorps unterstützten, sondern aktiv eine Bürgermiliz errichteten, woran auch Röhm maßgeblich beteiligt war. Da die Bewaffnung dieser „bayrischen Einwohnerwehr“ der einer regulären Armee recht nahe kam und auch die Mitgliederzahlen stetig stiegen, wurde sie kurzerhand von der Reichsregierung auf Verlangen der Alliierten, verboten. Die bewaffneten Milizionäre lösten sich nach dem Verbot auf und Röhm kam zu der Einsicht, dass er seine Organisation anders aufbauen musste, um einem Verbot zu entgehen. Der erste Schritt war die Werbung neuer Mitglieder. Zu diesem Zwecke tat er sich mit einem Mann zusammen, von dem er wusste, dass er die Massen mobilisieren konnte: Adolf Hitler.[10]

Dieser war 1921 zum ersten Vorsitzenden der NSDAP geworden und sah in der Allianz mit Röhm eine Möglichkeit seiner Partei in der Öffentlichkeit mehr Gehör zu verschaffen. Zuerst fungierte die von Röhm aufgestellte Truppe nur als Leibwache Hitlers, doch entwickelte sie sich schnell mit wachsender Mitgliedeszahl zum Ordnungsdienst, zur Sportabteilung und letztendlich zur Sturmabteilung; der SA. Schon bald kam es zu ersten Spannungen zwischen Hitler und der SA. Denn diese bestand nicht nur aus Parteimitgliedern. Röhm musste sich, um der Masse eine Führung zu geben, mit dem ehemaligem Kapitän einer Marinebrigade, Hermann Ehrhardt, zusammentun, der den Führungskader seiner eigenen Organisation an die SA auslieh. Während Hitler in der SA hauptsächlich ein „Instrument politischer Propaganda“[11] sah, die neben Parteiwerbung für Sicherheit und auch Angst bei den Gegnern sorgte, sahen die Führer der SA wiederum Hitler als Werber für neue Rekruten und die Partei als Vehikel zum Weg zu einer eigenständigen Armee.[12]

2.2. Die Gründung der SS

Als Reaktion auf diese Auseinandersetzung wurde eine Leibgarde für Hitler gegründet, die als Ursprung der SS gewertet werden kann. Um sich vor den ständigen Anfeindungen durch die SA Führung zu schützen, rekrutierte Hitler einige alte und ihm ergebene Mitstreiter. Nicht nur deren schwarz gehaltene Bekleidung deutete auf die spätere SS hin sondern vielmehr ein Eid, in dem sie schworen Hitler gegen alle äußeren und auch inneren Feinde zu schützen.[13] Deutlich hingewiesen sei an dieser auf den Schutz vor inneren Feinden. Zwar fungierte auch schon die SA in ihren Anfangsjahren als Leibwache, doch sah Hitler noch keine Notwendigkeit für einen Schutz vor Gegnern aus den eigenen Reihen. Die neu gegründete Leibwache darf eben wegen dieser neuen Funktion mit Recht als Keimzelle der SS gewertet werden.

Ihre erste Bewährungsprobe bestand die Leibwache beim Putschversuch der NSDAP in München im November 1923. Die Einzelheiten dieses Ereignisses sollen an dieser Stelle nicht im Einzelnen ausgeführt werden, da es zum einen thematisch nicht passt und zum anderen eine eigene Arbeit zur Behandlung dieses Gegenstandes notwendig wäre. Nur so viel sei gesagt, dass bei der gewaltsamen Auflösung des Marsches der Putschisten zum bayrischen Kriegministerium fünf Mann der Leibgarde den Tod fanden. Wichtiger als der Putsch selbst sind die aus ihm resultierenden Konsequenzen. Die NSDAP und die SA wurden vorerst verboten und Hitler erhielt eine Gefängnisstrafe.[14]

[...]


[1] Frei: Der Führerstaat, S. 37. Rede des Reichskanzlers Adolf Hitlers vor dem Reichstag am 13. Juli 1934, Berlin

[2] Da die Erschießungen ohne Gerichtsprozess stattfanden, waren sie juristisch gesehen ohne Grundlage. Daher wurden sie nachträglich am 3. Juli 1934 per Gesetzt als Staatsnotwehr legitimiert.

[3] Die SA war von Röhm für den Monat Juli auf Urlaub geschickt worden, die Führung über das Land verstreut und die Beschuldigten wurden schlafend, bzw. betrunken festgenommen.

[4] Frei: Der Führerstaat, S. 9ff.

[5] Ebd. S. 25ff.

[6] Ebd. S.15.

[7] Bloch: Die SA und die Krise des NS-Regimes 1934, S. 78.

[8] Williamson: Die SS, S. 10. Die Größe der Reichswehr war mit dem Friedensvertrag von Versailles auf maximal 100.000 Mann begrenzt.

[9] Williamson: Die SS, S. 10f.

[10] Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf, S. 20ff.

[11] Ebd. S. 23.

[12] Ebd. S. 23. SA Regimenter wurden von regulären Armeeverbänden trainiert.

[13] Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf, S. 23f.

[14] Hitler wurde am 1. April 1924 zu fünf Jahren Haft verurteil aber wegen guter Führung schon am 20. Dezember 1924 wieder entlassen. Die SA wurde nicht in ganz Deutschland verboten und das NSDAP Verbot am 27. Februar 1925 aufgehoben. Siehe http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/verfassung/nsdap/index.html .

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die SS und ihre Rolle beim "Röhm-Putsch"
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Historisches Institut )
Veranstaltung
Röhm-Putsch und Regime-Krise 1934
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
25
Katalognummer
V89522
ISBN (eBook)
9783638036887
ISBN (Buch)
9783640127634
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Röhm-Putsch, Regime-Krise
Arbeit zitieren
Stephan Röttgen (Autor), 2006, Die SS und ihre Rolle beim "Röhm-Putsch", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89522

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