Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Johannes R. Bechers kulturpolitischem Verständnis auf dem Hintergrund des Sozialistischen Realismus. Dabei soll sich auf die Darstellung in Bechers Werken konzentriert werden. Wie war das Verhältnis von Becher zu der Theorie des Sozialistischen Realismus? Wie wurden seine Erfahrungen aus dem Exil in seinen literaturpolitischen Ansichten aufgegriffen, wie umgesetzt? Welche Positionen ergaben sich daraus und wieweit haben diese sich verselbstständigt bzw. wurden selbst inszeniert? Ziel dieser Arbeit soll sein, einen Einblick in das Leben und Schaffen von Johannes R. Becher zu bekommen. Dadurch wird auch ein Einblick in die konkrete Umsetzung der Theorie des Sozialistischen Realismus ermöglicht.
Johannes R. Becher ist in der DDR-Literatur ausgiebig behandelt worden. Dabei macht sich aber eine symptomatische Entwicklung deutlich: Die Lebensgeschichte des in der DDR sehr hoch geschätzten Minister für Kultur scheint sehr subjektiv dargestellt zu sein und es ist nicht gesichert, ob alle Facetten seiner Person aufgegriffen worden sind. Es soll hier versuchte werden, sich sowohl auf Bechers Selbstdarstellung, als auch auf die Widersprüchlichkeiten in seinem Leben zu konzentrieren. Die Theorie des Sozialistischen Realismus soll hierbei als Orientierungs- und Mittelpunkt dienen.
Als Untersuchungsgegenstand haben besonders Reden, Gedichte, Briefe, Kongressbeiträge und kurze Aufsätze gedient. Diese Quellen sind aufgrund der oben genannten Position Bechers in der DDR erfreulicherweise sehr einfach zugänglich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Sozialistische Realismus in der Theorie
2.1. Geschichtlicher Hintergrund
2.2. Inhalt der Theorie. Allunionskongress 1934 in Moskau
3. Johannes R. Becher
3.1. Biographischer Hintergrund
3.2. „Das große Bündnis.“ Johannes R. Bechers Rede auf dem Allunionskongreß 1934
4. Johannes R. Bechers Interaktion mit dem Sozialistischen Realismus
4.1. Lexikalischer Exkurs: Johannes R. Becher, sozialistisch, realistisch?
4.2. Stil und Ausdruck Johannes R. Bechers
4.3. Anfänge der DDR-Kulturpolitik unter Johannes R. Becher
4.4. Entwicklungen und Wandlungen Johannes R. Bechers
4.5. Bemerkungen zur Entstehung eines „Großen Bündnisses“ für die deutsche Literatur
5. Schlussbemerkung
6. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das kulturpolitische Verständnis von Johannes R. Becher vor dem Hintergrund der Theorie des Sozialistischen Realismus und analysiert, wie er diese Theorie in sein eigenes Werk und in die DDR-Kulturpolitik integrierte.
- Darstellung des Sozialistischen Realismus als theoretisches und politisches Konstrukt
- Biographische Analyse von Johannes R. Becher im Kontext seiner politischen Wandlungen
- Untersuchung der Instrumentalisierung von Literatur durch politische Ideologie
- Analyse der Rolle Bechers als Kulturpolitiker in der frühen DDR
- Kritische Betrachtung der Widersprüche zwischen künstlerischer Autonomie und parteipolitischer Anpassung
Auszug aus dem Buch
4.2. Stil und Ausdruck Johannes R. Bechers
In seinen vielen oft programmatischen Reden und Aufsätzen beschreibt Becher vordergründig die deutsche Literaturentwicklung mit ihren Einflüssen und humanistischen Grundlagen. Dabei geht er oft ausführlich auf klassische Dichter und ihre Verdienste für die Kultur ein. Als Beispiele sind Hölderlin, Goethe und Schiller zu nennen. Tatsächlich aber sind seine Hauptmotive meist ideologischer Natur. Wird die Kunst oder die Rolle des Dichters angesprochen, stellt Becher dies sofort in einen System-orientierten Kontext. Kunst wird losgelöst von eigenen Empfindungen oder individuellen Ausdrucksformen. Sie steht im Dienste der Menschheit, wird für Becher Akteur, zur „Waffe der Klassen im Klassenkampf“.
Demzufolge hat auch der Dichter eine Rolle in diesem Kampf:
„Indem ein Dichter im Dienste des Proletariats steht, steht er, der Dichter, der Kämpfer innerhalb der proletarischen Reihen zugleich im Dienste der Menschheit... Kunst ist Kunst, für uns.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Fragestellung bezüglich Johannes R. Bechers kulturpolitischem Selbstverständnis im Kontext des Sozialistischen Realismus und beschreibt die Methodik der Arbeit.
2. Der Sozialistische Realismus in der Theorie: Dieses Kapitel erläutert die geschichtlichen Anfänge der sowjetischen Kulturpolitik und die Etablierung des Sozialistischen Realismus als verbindliche Kunsttheorie.
3. Johannes R. Becher: Es erfolgt eine Darstellung des biographischen Werdegangs von Johannes R. Becher sowie eine Analyse seiner zentralen Rede auf dem Allunionskongress 1934.
4. Johannes R. Bechers Interaktion mit dem Sozialistischen Realismus: Dieses umfangreiche Kapitel untersucht Bechers Verhältnis zu dieser Theorie, seinen persönlichen Stil, sein Handeln als DDR-Kulturpolitiker und seine inneren Widersprüche als Parteidichter.
5. Schlussbemerkung: Das Fazit fasst zusammen, inwiefern Bechers Werk und politische Rolle von den Vorgaben des Sozialistischen Realismus geprägt waren und welche Spannungsfelder sich daraus ergaben.
6. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Johannes R. Becher, Sozialistischer Realismus, DDR-Kulturpolitik, Stalinismus, Kulturtheorie, antifaschistische Literatur, ideologische Instrumentalisierung, proletarische Kultur, Parteidichter, Exilliteratur, Klassisches Erbe, Literaturtheorie, Sowjetunion, politischer Umbruch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kulturpolitischen Rolle von Johannes R. Becher und seinem Verhältnis zum Sozialistischen Realismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Entwicklung des Sozialistischen Realismus, Bechers Biographie, seine Funktion als Kulturpolitiker in der DDR und das Spannungsverhältnis zwischen Ideologie und Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Einblick in das Schaffen Bechers zu geben und zu analysieren, wie die Theorie des Sozialistischen Realismus in seinem Werk und seiner späteren politischen Tätigkeit konkret umgesetzt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse von Reden, Gedichten, Briefen und Kongressbeiträgen vorgenommen, um Bechers ideologische Positionen und biografische Widersprüche offenzulegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Bechers theoretische Auseinandersetzung mit der Kunst, seinen Stil, die Anfänge seiner DDR-Kulturpolitik sowie die Wandlungen seiner persönlichen und politischen Identität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie Sozialistischer Realismus, DDR-Kulturpolitik, ideologische Instrumentalisierung und Bechers biographische Widersprüche geprägt.
Wie bewertet die Autorin Bechers Stalin-Huldigungsgedichte?
Die Autorin betrachtet diese als teils überspitzt und naiv, wobei sie auf die These verweist, dass diese Gedichte eine Form von "Gegendichten" darstellen könnten oder als "Pflichtübungen" zu verstehen sind.
Welche Bedeutung hatte der Allunionskongress 1934 für Becher?
Er markierte einen entscheidenden Wendepunkt, an dem Becher seine Vorstellungen für ein "großes antifaschistisches Bündnis" präsentierte und sich offiziell zur Linie des sowjetischen Schriftstellerverbands bekannte.
- Quote paper
- Juliane von Heimendahl (Author), 2002, So bleibt denn nichts als ein Versuchen. Johannes R. Becher und die Theorie des Sozialistischen Realismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8955