Die gebildete Frau im Mittelalter


Seminararbeit, 2006

29 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

VORWORT
Bildungswelten im Mittelalter

EINLEITUNG

1. Frauenleben im Mittelalter
1.1 Die höfische Frau
1.2 Frauenbildung im Kloster
1.3 Die städtische Frau
1.4 Die Frau auf dem Land

2. Die gebildete Frau im Mittelalter
2.1 Die Bildungssituation der Frauen im Mittelalter am Beispiel einiger
2.1.1 Lioba (um 735)
2.1.2 Adelheid von Burgund (um 931-999)
2.1.3 Hrotsvith von Gandersheim (ca.935-1000)
2.1.4 Mathilde von Tuszien (ca. 1046-1115)
2.1.5 Marie de Champagne (1145-1198)
2.1.6 Eleonore von Aquitanien (1122-1204)
2.1.7 Herrad von Landsberg (1125-1195)
2.1.8 Marie de France (12./13.Jahrhundert)
2.1.9 Hildegard von Bingen (1098-1179)
2.1.10 Sofonisba Anguisciola (1532-1630)
2.1.11 Argula von Stauff (1492-1568)
2.1.12 Marguerite d’Angouleme (1492-1549)
2.1.13 Heloise (geb. 1099)
2.2 Christine de Pizan
2.2.1 Novella ist Christine
2.2.2 Leben und Werk der Christine de Pizan

3. Schlussbemerkung

4. Literatur

VORWORT

Zu dem Seminar „Bildungswelten im Mittelalter“ soll in der vorliegenden Arbeit die Lebenssituation und die Bildungswelt der Frauen im mittelalterlichen Europa untersucht werden.

Dazu werden die verschiedenen Lebensräume, in denen Frauen lebten, wie der Hof, die Stadt, das Land und das Kloster dargestellt und es werden die Möglichkeiten, die Frauen hatten, Bildung zu erlangen, ebenso die Umstände, die es ihnen verwehrte, aufgezeigt.

Da Bildung für Frauen im Mittelalter von der Gesellschaft nicht vorgesehen war und die gelehrte Frau eher die Ausnahme darstellte, werden einige ausgewählte Frauen vorgestellt, die über das damals gewöhnliche Maß hinaus gebildet waren und die in der historischen Rezeption überliefert wurden.

Christine de Pizan wird als eine herausragende Persönlichkeit ihrer Zeit in einem gesonderten Punkt ausführlicher behandelt.

Zum Schluß wird versucht die Gründe und besonderen Gegebenheiten der wenigen Bildungsmöglichkeiten für Frauen im Mittelalter zusammenzufassen.

Ein Ausblick am Ausgang des Mittelalters zeigt, dass in der weiteren Entwicklung die Frauenbildung noch lange Zeit erkämpft werden musste.

Bildungswelten im Mittelalter

Die gebildete Frau im Mittelalter

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

EINLEITUNG

Ein Rückblick auf die Frau in der Antike[1] zeigt, dass es in der Literatur bewanderte Frauen gab. Cicero und Plinius hoben das Ideal der rhetorisch gewandten und gebildeten Frau hervor.

Ovid dagegen gab Ratschläge, wie man sich vor „dem schädlichen Einfluss der Frauen schützen kann“.

Im klassischen Griechenland konnten Frauen hohe Priesterämter übernehmen. In Rom nahmen Frauen auch an Gastmahlen und Empfängen teil. Arbeit, die für den eigenen Bedarf geleistet wurde, wie die häusliche Textilherstellung war angesehen.

Rechtlich mussten sich die Frauen durch einen männlichen Verwandten vertreten lassen. Nach dem römischen Recht der Spätantike hatten die Frauen in bezug auf ihre Person und ihr Vermögen im wesentlichen die gleichen Rechte wie der Mann, aber in bezug auf ihre Kinder und im öffentlichen Leben war sie benachteiligt. Sie verwaltete ihr Geld selbständig, konnte frei darüber verfügen und beerbte den Vater gleichberechtigt. Sie konnte sich ebenso scheiden lassen wie Männer, allerdings mit erheblichen Rechtsnachteilen.

Auch war die Religion entscheidend für die Stellung der Frau. Im Judentum beispielsweise genoss die Frau als Ehefrau und Mutter höchstes Ansehen. Es gab ein Gesetz, dass nur eine Mutter, nicht aber der Vater, das Judentum an die Kinder weitergeben kann.

Im Christentum belegte man die Zweitrangigkeit der Frau mit den Bibelstellen des Alten Testamentes und leitete daraus eine Bestimmung zur Dienstbarkeit und Untertänigkeit ab.[2]

Im ersten Brief Paulus an die Korinther heißt es: „Wie in allen Gemeinden der Heiligen lasset die Frauen schweigen in der Gemeinde; denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, dass sie reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz es sagt. Wollen sie aber etwas lernen, so lasset sie daheim ihre Männer fragen.“

Da man im Allgemeinen über das Mittelalter mit einem Zeitabschnitt von ca. 1000 Jahren spricht, kann man nicht unbedingt von der typischen gebildeten Frau im Mittelalter sprechen.

Dazu kommt, dass es in dieser Zeit mehrere große und viele kleine Herrschaftsgebiete gab, die in ihrer politischen, geografischen und religiösen Struktur oft sehr verschieden waren. Außerdem war die mittelalterliche Gesellschaft stark hierarchisch geprägt und in Stände unterteilt. Trotzdem kann man eine gemeinsame Grundtendenz innerhalb der Frauenbildung des Mittelalters erkennen.

Das Mittelalter und damit auch dessen Bildungsformen wurzelt im Erbe aus zwei Kulturen, die bei ihrem Zusammentreffen in der Völkerwanderungszeit auf extrem unterschiedliche Entwicklungsstufen standen. Auf der einen Seite war das die von Schriftlichkeit geprägte römische Welt, auf der anderen Seite das schriftlose Germanentum. Schriftkundigkeit war fast ausschließlich auf den Klerus beschränkt.

Die Mädchenerziehung und –bildung war im Mittelalter vor allem außerhalb der Klöster eine Ausnahme. Unter den trotzdem belegten gelehrten, aber eher lesenden als schreibenden Frauen, wie Hildegard von Bingen, Roswitha von Gandersheim oder der heiligen Gertrud, waren lehrende Frauen, wie die legendäre Novella[3], Einzelfälle.

Eine höhere Bildung besaßen die Frauen nur im Hinblick auf die Laiengesellschaft. Von der gelehrten Bildung, das Studium der artes liberales waren sie fast ganz ausgeschlossen.

Um 1270 wurde im „Sachsenspiegel“[4] bemerkt, dass adlige Frauen im Besitz von Gebetbüchern waren, also zu lesen pflegten. Mitgift und hohe Studienkosten waren für die Familien auch ein Grund für den Ausschluss der Frauen.[5]

Männer, vor allem Kleriker widersetzten sich vehement dem weiblichen Bildungsbedürfnis und versuchten dieses herabzusetzen. Der Dominikaner Heinrich von Gent etwa meint zu Beginn des 13. Jahrhunderts, gut hundert Jahre nach Heloise: „Dies steht einer Frau nicht zu: Es ist ihr nicht erlaubt, in der Öffentlichkeit Unterricht zu geben... Wegen der Schwäche ihres weiblichen Verstandes ist es ihr sogar nicht möglich, die dazu erforderliche Vollkommenheit in dieser Wissenschaft zu erreichen; im Gegenteil, wenn sie sich in die Verborgenheiten dieser Kenntnis vertiefen sollte, dann würde sie durch Irrgang eher rückwärts gehen, als dass sie vorwärts ginge“. Und : „Eine Frau brauche nur soviel Verstand, um höfisch und gesittet zu sein; sollte sie aber tatsächlich mehr Verstand haben, sollte sie so anständig sein, dies nicht zu zeigen“.[6]

Negative Einflüsse auf die Frauenbildung hatte u.a. der Kirchenvater Aurelius Augustinus (354-430), der z.B. behauptete: „Es ist die natürliche Ordnung unter den Menschen, dass die Frauen den Männern dienen.“[7]

Thomas von Aquin äußerte sich über die Unvollkommenheit der Frauen, deren „geringere Körperkraft und ihre geistige und moralische Minderwertigkeit“.[8]

Im Mittelalter wurde die Nonne das kirchliche Idealbild eines Frauenlebens. Das Idealbild verhinderte jedoch nicht, dass sich manche Frau auch im politischen Bereich bewährte, wie die Kaiserin Adelheid[9] oder die Äbtissin Mathilde von Quedlinburg, eine Schwester Otto II., die nach dem Tode des Kaisers als Repräsentantin des ludolfingischen Hauses eine wichtige Rolle spielte.

Die Mystikerinnen waren eine der ersten Frauen, die Texte verfassten, in denen sie schrieben, was sie glaubten verkünden zu müssen.

Klöster, Höfe und Salons wurden zu Räumen literarischer Selbstentfaltung. Die „Ärmsten im Geiste“, die „Einfältigen“, die „gebrechlichen Gefäße“, die „Törichten“, die Unwissenden und Niedrigen – kurzum: das „schwache Geschlecht“ beginnt ab der Mitte des 12. Jahrhunderts, die Welt des hohen Geistes in Erstaunen zu versetzen: Frauen beginnen zu schreiben. Wie und was sie schrieben war unterschiedlich, hatte aber eines gemeinsam, sie schrieben an und für Gott, der sich ihnen in mystischen Erlebnissen unmittelbar und spürbar offenbart hatte.

Geografisch und zeitlich wanderte das mystisch-weibliche Schreiben. In Deutschland fand es einen Ausdruck schon im 12. Jahrhundert mit Hildegard von Bingen, die für ihr erstes Buch „Scivias“ noch der Erlaubnis des Papstes und seines Segens bedurfte. Weniger spektakulär und nicht annähernd so öffentlich lag dann in Deutschland der Höhepunkt minnemystischer Literatur mit Mechthild von Magdeburg, Gertrud von Helfta, Gertrud von Hackeborn, Christine Ebner und Margarethe Ebner im 13. Jahrhundert und zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Mechthild von Magdeburgs Texte – fast ausschließlich als Dialog gehaltene Wechselgesänge zwischen der Seele und Gott – sind Liebeshymnen an einen abwesenden Liebhaber. Ihr Gott menschelt. Er ist keine abstrakte Definition, sondern eine Metapher.[10]

Herbert Grundmann hat die Wichtigkeit und Bedeutung der Frauen für die Entstehung und Verbreitung mittelalterlicher Schriftkultur nachgewiesen.[11] Er zeigt, dass gerade die Beteiligung der Frauen die ansonsten strenge Geschlossenheit der lateinischen Kirchenbildung auflockert und die Produktion volkssprachlicher Texte fördert.

„Bildung“ und „Gelehrsamkeit“ sind im Mittelalter zweifellos zunächst nicht objektiv bestimmbar; jedoch wurde offenbar Lesenkönnen mit Bildung in engste Verbindung gebracht, wenn nicht gar identifiziert, was bei adligen Frauen fast die Norm war.

Zusammenfassend hatten Frauen im Mittelalter insgesamt verglichen mit der Antike eine ähnliche rechtliche Stellung. Während die Kirche die eingeschränkten Rechte der Frauen mit der Schöpfung und ihrem Anteil an der Erbsünde begründete, nannten die weltlichen Institutionen die Unwissenheit den Leichtsinn und die Habsucht der Frauen als Gründe, ihnen gleiche Rechte zu gewähren.[12]

In der Forschung wird die Frage nach dem Bild der Frau im Mittelalter als sehr schwierig betrachtet. Historische Aufzeichnungen sind zumeist klerikalen Ursprungs – weltliche Darstellungen in der Literatur geben zuweilen nur Wunschbilder wieder oder wollen durch Übertreibung unterhalten. Die höfische Epik zeigt nur einen Einblick in das Leben der feudalen Oberschicht – die Masse der Städterinnen und Bäuerinnen bleibt unerwähnt. Aus diesen Gründen gibt es keine eindeutigen Quellen, die das Leben der Frauen aller Stände belegen, und wir müssen uns mit den Hypothesen sozio-historischer Analysen begnügen. So gibt es widersprüchliche Aussagen und Belege zur Arbeit der Frauen, z.B. in den Zünften, ebenso wie zum Bedeutungswandel der Ehe in der Feudalgesellschaft. Auch die Frage muß offen bleiben, wie Frauen im Mittelalter ihre Situation selbst erkannt und erlebt haben.[13]

Zum Beispiel erscheint im Werk von Karl Helmer „Bildungswelten im Mittelalter“[14] nicht ein Beitrag über die Bildungssituation der Frauen oder ein Hinweis auf eine der wenigen gebildeten Frauen, lediglich ein Hinweis auf einen Briefwechsel Abaelards mit Heloise ist dort zu finden.

[...]


[1] Affeldt, Werner (Hg.): Frauen in Spätantike und Frühmittelalter“, Jan Thorbecke Verlag, Siegmaringen, 1990

[2] Bumke,Joachim: „Höfische Kultur, Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter“, Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 1999

[3] Novella (geb.1312) hatte ihren Vater, einen Juristen in den Vorlesungen vertreten. Überliefert wurde die Geschichte der Novella im „Buch der Stadt der Frauen“ von Christine de Pizan

[4] Der „Sachsenspiegel“ war das bedeutendste Rechtsbuch des deutschen Mittelalters

[5] Ennen, Edith: „Frauen im Mittelalter“ , Verlag C.H.Beck, München, 1985

[6] Müller, Daniela: „Die gebildete Frau im Mittelalter. Von Lioba bis Christine de Pizan“ , in: Keck, R.W., Wiersing, E., Wittstadt, K. (Hg.): „Literaturen-Kleriker-Gelehrte“, Böhlau Verlag Köln, Weimar, Wien, 1996, Seite 164

[7] Augustinus zitiert nach Bumke, Joachim, S.456

[8] vgl. Opitz, Claudia

[9] Kaiserin Adelheid (Adelheid von Burgund), (931-999) war eine deutsche Kaiserin und Heilige. Sie war eine gebildete Frau: Sie sprach vier Sprachen und war sehr belesen.

[10] Gnüg, Hiltrud und Möhrmann, Renate (Hg.): „Frauen Literatur Geschichte – Schreibende Frauen vom Mittelalter bis zur Gegenwart“, Suhrkamp Taschenbuch 3447, 2003

[11] „Die Frauen und die Literatur im Mittelalter“, Ein Beitrag zur Frage nach der Entstehung des Schrifttums in der Volkssprache, in: Archiv für Kulturgeschichte 26, 1936, S.129-161

[12] vgl. http://www.mittelalternetzwerk.de/frau4.htm: „Rechtliche Stellung der Frau im Mittelalter“, 2002

[13] vgl. http://www.frauenjournal.de/neudazu/artikel1.htm

[14] vgl. Helmer, Karl : „ Bildungswelten des Mittelalters“, Schneider Verlag , Hohengehren, 1997

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Die gebildete Frau im Mittelalter
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Seminar Bildungswelten im Mittelalter / Übung zum Quellenstudium
Note
1,6
Autor
Jahr
2006
Seiten
29
Katalognummer
V89571
ISBN (eBook)
9783638040433
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frau, Mittelalter, Seminar, Bildungswelten, Mittelalter, Quellenstudium
Arbeit zitieren
Cristina R. Hirschochs-Villanueva (Autor), 2006, Die gebildete Frau im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89571

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