Ein geschichtlicher Umriß über die Entstehung des Staates Jugoslawiens und dessen Zerfall. In der Analyse wird vor allem auf das filigrane und fein austarierte System dieser Bundesrepublik Titoscher Prägung eingegangen und die Ursache des Zerfalls an dem HegemonieStrebens Serbiens und vor allem Milosevics festgemacht.. Auch das Thema Religion spielt eine wichtige Rolle. Durch das „Belgrader Abkommen“ vom 14.März 2002 verschwindet der Rest einer Idee: Jugoslawien. Entstehen wird ein neues Kunstgebilde namens „Serbien und Montenegro“ mit einem eindeutig eingeräumten Recht auf Sezession. Auch heute kann man nur staunend auf die Entwicklungen der letzten 13 Jahre zurückschauen und sich fragen: Wie konnte all das passieren?
Vieles ist gesagt und geschrieben worden über die möglichen Kriegs- und Konfliktursachen der Balkankriege der 90iger Jahre. Es wird hierbei aber nicht so sehr ein Ethnienkonflikt betont, sondern das Hauptaugenmerk auf einem chauvinistischen Nationalismus gerichtet, welcher sich zumeist über die Konfliktlinien Zentralismus vs. Föderalismus austrug. Dabei interessiert eben mehr die Akteursebene. Beginnend mit der Entstehungsgeschichte des ersten Jugoslawien bis zum Ende des zweiten, soll dieser Konflikt, welcher sich auch stets im Staatsaufbau widerspiegelt, belegt werden. Dabei fällt den Personen Tito und Milošević eine besondere Rolle zu, welche ebenfalls genauer betrachtet werden müssen. Es spricht doch einiges für die These, das wenn nicht Milošević an die Macht erreicht hätte, so manches anders gelaufen wäre. Diese Arbeit geht nicht von einer historischen Zwangsläufigkeit des Scheiterns des Jugoslawischen Modells aus. Dennoch lassen sich die späteren Entwicklungen nur annähernd verstehen, wenn man auch den Anfang dieser unseligen Geschichte kennt.
Da diese Historie zwar interessant, zugleich aber auch äußerst komplex ist, beschränkt sich die Darstellung auf das zwanzigste Jahrhundert sowie auf einzelne kritische Aspekte. Obwohl eines zum Vorverständnis elementar ist. Als Kaiser Theodosius im Jahre 395 n. Chr. die Grenze zog, die den Ost- und den Westteil seines Reiches voneinander schied, verlief die Linie von Norden nach Süden mitten durch Jugoslawien. Im Osten, aus dem Byzanz und später das Ottomanische Reich entstanden, waren die heutigen Serben, Makedonier, Montenegriner und Albaner, die zunächst dem orthodoxen Christentum zugehörten und später zum Teil islamisiert wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Definitiv kein Jugoslawien mehr
2. Ursachen in der Historie
2.1. Die erste Phase
2.1.1. Die Jugoslawische Idee und ihr Verwirklichung
2.1.2. Das erste Jugoslawien und sein Niedergang
2.2. Die zweite Phase
2.1.1. Die Tschetniks
2.1.2. Die Ustascha
2.1.3. Titos Jugoslawien
2.1.3.1. Wiederkehrende Konfliktlinie Föderalismus vs. Zentralismus
2.1.3.2. Wiederkehrender Nationalismus und Wirtschaftskonflikt
2.1.3.3. JVA als dritte Staatsmacht?
2.1.3.4. Wirtschaftskrise als trennender Faktor
3. Milošević und serbischer Hegemonismus
3.1. Analyse des Politikers Milošević
3.2. Milošević und der Abriß des jugoslawischen Hauses
3.3. Reaktion von Slowenien und Kroatien
4. Jugoslawien- ein gescheitertes Modell
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die historischen und politischen Ursachen des Zerfalls Jugoslawiens, mit einem besonderen Fokus auf die Rolle von Akteuren wie Tito und Milošević sowie der Dynamik zwischen Nationalismus, Zentralismus und Föderalismus.
- Historische Wurzeln und Phasen der jugoslawischen Staatsgründung
- Die Rolle der Tschetniks und der Ustascha während des Zweiten Weltkriegs
- Titos Versuch eines jugoslawischen Staatsmodells und dessen Systemschwächen
- Der Aufstieg von Slobodan Milošević und der serbische Hegemonismus
- Die Reaktionen der Teilrepubliken Slowenien und Kroatien auf die zentrale Politik
Auszug aus dem Buch
3.1. Analyse des Politikers Milošević
Das achte Plenum des Zentralkomitees der Serbischen Kommunistischen Partei 1987 muss man als ein Schlüsselereignis für den Anfang des Endes der Geschichte Jugoslawiens betrachten, zugleich kann man darin die Methoden des Milošević ablesen.
Auf diesem Plenum wurde zum ersten Mal das Fernsehen zugelassen. Dies war aber nur ein scheinbarer Akt von Demokratisierung und Transparenz, denn der von Milošević zuvor neueingesetzte Chef des serbischen Fernsehens D. Mitević, lieferte alles andere als einen objektiven Mitschnitt. Er „sorgte dafür, dass die Reden seiner Sympathisanten in aller Breite gezeigt wurden, während die Fraktion um Stambolić kaum zu Wort kam. Zudem zogen sich während der Sitzung die Getreuen Miloševićs allmählich auf die hinteren Sitzreihen zurück, so dass Stambolić und seine Fraktion am Ende allein und wie ein Angeklagter vor einem imaginären Richter saßen. Die Mobilisierung der Massen durch das Fernsehen ist das erste wichtige Merkmal der neuen Methode Miloševićs.“32
Außerdem erkennt man bei dieser zweifelsohne geschickten Machtübernahme politischen Vatermord und klassischen Verrat. Denn Milošević verdankt die größten Schritte seiner politischen Karriere seinem Ziehvater Stambolić33, der ihm erst zu dessen Nachfolge als Parteichef in Serbien im Mai 1986 verhalf. Diese persönliche Verbundenheit zu seinem früheren Jurastudienkollege vergaß er schnell, als er die Möglichkeit erkannte, den durch Fraktionskämpfe geschwächten Stambolić von der Macht zu verdrängen. Das Prinzip Verrat und die Machtpolitik sind zwei weitere Charakteristika des Politikers Milošević.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definitiv kein Jugoslawien mehr: Einleitung in den Zerfall Jugoslawiens und die Fragestellung nach den Ursachen für das Scheitern des Staatsmodells.
2. Ursachen in der Historie: Untersuchung der historischen Entwicklung des jugoslawischen Staates, unterteilt in Phasen, angefangen bei der Staatsgründung bis zu internen Konflikten.
3. Milošević und serbischer Hegemonismus: Analyse des Machtantritts und der politischen Methoden von Milošević sowie der zerstörerischen Auswirkungen seines Hegemonialstrebens auf den Gesamtstaat.
4. Jugoslawien- ein gescheitertes Modell: Abschließende Betrachtung, die den Zerfall als Folge nationaler Spannungen und des Scheiterns der nationalen Gleichberechtigung bewertet.
Schlüsselwörter
Jugoslawien, Zerfall, Nationalismus, Zentralismus, Föderalismus, Slobodan Milošević, Tito, JVA, Kroatien, Slowenien, Kosovo, Hegemonismus, Geschichte, Staatskrise, Balkan.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ursachen des Zerfalls des jugoslawischen Staates unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen und politischer Machtstrukturen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen die Entstehung und das Ende des ersten und zweiten Jugoslawiens, die Rolle von Ideologien sowie die ethnischen und wirtschaftlichen Konfliktlinien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Gründe für das Scheitern des Jugoslawischen Modells zu identifizieren und zu belegen, dass dies nicht unausweichlich war, sondern durch politisches Handeln beeinflusst wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische und politikwissenschaftliche Analyse der Ereignisse sowie eine Auswertung relevanter Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen historischen Phasen, das System unter Tito sowie den Aufstieg Miloševićs und dessen zerstörerische Politik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Jugoslawien, Nationalismus, Zentralismus, Föderalismus, Hegemonismus und Akteure wie Tito und Milošević.
Warum spielt das Fernsehen eine so große Rolle bei Miloševićs Machtantritt?
Das Fernsehen diente Milošević als Instrument der Massenmobilisierung und der Inszenierung, um politische Gegner auszuschalten und sich als Beschützer Serbiens zu etablieren.
Inwiefern hat die "Jugoslawische Volksarmee" den Zerfall beschleunigt?
Die JVA agierte als eine Art "Staat im Staat" und unterstützte durch ihre Kooperation mit Milošević und ihre Rolle bei der Niederschlagung von Reformbestrebungen die Eskalation der Konflikte.
Warum scheiterte Titos "Jugoslawismus"?
Titos Versuch, eine synthetische Identität zu schaffen, konnte die zugrunde liegenden nationalen Gegensätze nicht dauerhaft überbrücken, da das Einparteiensystem jeden Diskurs verbot und nationale Spannungen förderte.
- Quote paper
- Christian Bliedtner (Author), 2003, Jugoslawien - Ein gescheiterter Staat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89590