Die Bedeutung des Fremdenverkehrs als möglicher Entwicklungsmotor in Namibia


Seminar Paper, 2004
20 Pages, Grade: 2,0

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aktuelle Tourismusstruktur
2.1. Infrastruktur
2.2. Touristen
2.3. Wirtschaftsfaktor

3. Projekte zur Förderung des Tourismus
3.1. White Paper on Tourism
3.2. Spatial Development Initiative

4. Folgen des Wachstums

5. Community Based Tourism

6. Fazit

7. Vorort

Literaturliste

Anhang:

1. Einleitung

Die derzeitige wirtschaftliche Situation in Namibia ist verheerend. 40% der Bevölkerung sind faktisch Arbeitslos, ein Großteil der Bevölkerung, insbesondere der Schwarzen im Norden, leben noch in stark archaisch anmutenden Subsistenzwirtschaften. Der Export von Minenerzeugnissen inklusive Diamanten, sowie die exportorientierte Landwirtschaft sind in den letzten Jahren immer stärker unter Druck geraten und können aufgrund sinkender Weltmarktpreise nicht mehr als Stütze einer wachsenden Wirtschaft dienen.

Zu diesen Problemen kommt noch der zunehmende Bevölkerungsdruck. Mit Wachstumsraten von ca. 3% per anno kann sich kein Wirtschaftswachstum in Wohlstand bei der Bevölkerung ausdrücken.

Als ein möglicher Ausweg aus dieser Misere wird der Tourismus angesehen. Aus zaghaften Anfängen in den 50er Jahren hat sich bis heute mit dem Tourismus der drittstärkste Wirtschaftsfaktor im Land gebildet. Insbesondere die mit dem Tourismus erbrachten Devisen spielen eine große Rolle für den Staatshaushalt. Grundlage für diesen Erfolg sind die naturräumlichen Schätze des Landes. Das Land lebt von seiner Unberührtheit. Hier zeigt sich bereits auf welcher Schneide der Tourismus steht. Touristen bringen Geld, zu viele Touristen würden jedoch die Attraktivität wieder senken.

Es stellen sich also folgende Fragen: Wo liegen die Grenzen des Tourismus in Namibia? Welche Bedeutung kann der Tourismus für die Gesamtwirtschaft einnehmen? Kann der Tourismus endogene Wachstumsprozesse für die gesamte Wirtschaft initiieren?

Um diese Fragen zu beantworten, werde ich im nächsten Kapitel soweit möglich die derzeitige Situation des Tourismus in Namibia aufzeigen. Kapitel 3 beschäftigt sich mit den Projekten und Zielen der Regierung den Tourismus zu lenken und zu fördern. Anschließend geht es um die Folgen die das weitere Wachstum des Tourismus mit sich bringt und als Beispiel für einen sensiblen Aufbau soll abschließend der Community Based Tourism dienen.

2. Aktuelle Tourismusstruktur

Ziel dieses Kapitels ist es, darzustellen wie die aktuelle Situation im Bereich Fremdenverkehr in Namibia ist. Wie ist die infrastrukturelle Ausstattung des Landes in Bereichen, die den Tourismus betreffen? Wie viele Touristen besuchen Namibia aus welchen Ländern und wie ist die Entwicklung in den letzten Jahren? Welchen Stellenwert nimmt der Tourismus innerhalb der Gesamtwirtschaft von Namibia ein?

2.1. Infrastruktur

Namibia besitzt mit dem „Husea Kutako Airport“ in der Nähe von Windhoek einen Internationalen Flughafen der noch Kapazitäten für weitere Flüge verarbeiten kann. Derzeit bieten nur 3 Gesellschaften Direktflüge im Überregionalenbereich nach Namibia an. Auffallend ist hierbei das Fehlen von Direktflügen nach Nordamerika und Ostasien und damit in bzw. aus Gebieten mit potenziellen Touristen für Namibia (BAUER 2003, S. 61 ff.).

Das Straßennetz Namibias gilt als eines der besten in Afrika, wenn man die Größe des Landes und seine geringe Bevölkerungsdichte mit bedenkt. Jedoch bestehen große Disparitäten innerhalb von Namibia bezüglich des Straßennetzes. So ist die Mitte des Landes so wie der Süden, also die Gebiete der weißen Farmer, durchweg gut erschlossen, während im Norden immer noch großen Lücken klaffen. Geteert ist nur ein geringer Anteil des Straßennetzes. Dieser Umstand schlägt sich auch in einem weiteren Bereich nieder und zwar den Mietpreisen für Pkws. Die Mietpreise sind eine der höchsten auf der Welt, aufgrund der starken Abnutzung der Fahrzeuge durch Schotterpisten und der hohen Unfallgefahr (BAUER 2003, S. 69 ff.).

Der Schienenverkehr in Namibia darf vernachlässigt werden. Zwar gibt es ein Schienennetz, doch wird es weitgehend zum Warentransport genutzt. Der Straße ist die Schiene aufgrund langer Beförderungszeiten unterlegen und wird dem entsprechend nur mit Nischenprodukten touristisch genutzt (BAUER 2003, S. 74).

Kommunikationsmöglichkeit, Strom- und Wasserversorgung und die medizinische Versorgung gelten als Grundvorrausetzung zur touristischen Nutzung bestimmter Regionen. Der Verzicht auf diese Grundbedürfnisse würde potenzielle Touristen abschrecken, doch auch hier zeigen sich ähnliche regionale Disparitäten wie im Straßennetz von Namibia. Im Norden des Landes ist die Gewährleistung nicht immer gegeben. Das Kommunikationsnetz hat auch durch die allgemeine weite Verbreitung von terrestrisch gestützten Mobiltelefonen keine höhere Dichte erreicht (BAUER 2003, S.77 ff.).

Um die Anzahl der Beherbergungsmöglichkeiten, ihre Auslastung und Verteilung genau zu analysieren, fehlen leider genaue statistische Daten. Zwar veröffentlicht das Ministry of Environment and Tourism (MET) in unregelmäßigen Abständen Daten, doch ergeben sich bei genauem Hinsehen viele Ungereimtheiten. Das Problem ist das die Datenerhebung auf freiwilliger Basis geschieht. Da viele Unterbringungen sich die Abgaben an den Staat ersparen wollen, melden sie sich nicht an. Ein weiteres Problem stellt die Differenzierung in unterschiedliche Typen von Herbergen dar. So ist in vielen Fällen unklar in welche Kategorie eine Herberge fällt (BAUER 2003, S.87 ff., LAMPING 1996, S.1 ff.).

1997 hat die Regierung die Unterkünfte in 4 Kategorien unterteilt. In Gästefarmen, also Farmen mit ausschließlicher und angeschlossener Unterbringung weniger Gäste, Hotels, Pensionen und Rest Camps. Es ist unklar in welche Kategorie z.B. Lodges fallen. Für das Jahr 1997 gibt es 265 Herbergen mit insgesamt 4.928 Zimmer und 11.574 Betten (Siehe Tabelle 1). Wenn man dies mit den Zahlen von 1992 vergleicht, wo es nur 180 Herbergen mit 3.339 Zimmer und 8.219 Betten gab (siehe Tabelle 2), ist eine Steigerung von ca. 40% innerhalb von 5 Jahren erkennbar.

Auffallend für ganz Namibia ist die geringe Anzahl von Zimmern pro Herberge. Einzig 2 Hotels in Windhoek bieten größere Kapazitäten. Damit sind Rundreisen in größeren Gruppen kaum möglich.

2.2. Touristen

Im Jahr 1997 besuchten bereits 571.174 Touristen das Land Namibia, während es 1991 erst 213.000 Besucher waren (Siehe Tabelle 3). Innerhalb von 6 Jahren wurde der Touristenstrom also um ca. 168% gesteigert (BAUER 2003, S.100 ff.). (Alle Touristenzahlen im Text sind incl. Ein-Tages-Besucher)

Wobei Tourist nicht gleich Tourist ist. Die unterschiedlichen Herkunftsregionen der Besucher geben auch indirekt Aufschluss über Art der Reise nach Namibia. Touristen aus Europa bleiben meist lange Namibia, oftmals in Form geführter Rundreisen, und geben viel Geld aus. Ihre Zahl hat sich von 1991 mit 55.900 auf ca. 111.000 im Jahr 1997 fast verdoppelt, wovon deutsche Besucher fast die Hälfte ausmachen. Diese Touristengruppe gilt als interessanteste bei der Entwicklung des Tourismus. Touristen aus Südafrika dagegen bleiben im Schnitt mindestens eine Woche weniger in Namibia und geben auch nur ein Viertel der Geldmenge eines europäischen Touristen aus. Häufig sind es Freundes- bzw. Verwandschaftsbesuche mit dem eigenen Fahrzeug die mit einer kurzen Rundreise durch Namibia verbunden werden. Ihre Zahl hat sich zwischen 1991 und 1997 um ca. 67% auf 223.409 Besucher gesteigert (LAMPING 1996, S.12 ff.).

Die größte Steigerung der Besucherzahlen ergibt sich erstaunlicher Weise durch große Besucherströme aus den übrigen Anrainerstaaten insbesondere Angola. Verschwand der Name Angola 1991 in der Statistik noch unter „Other Africa“ mit gerade 17.300 Besuchern, kamen bereits 1997 173.184 Menschen aus Angola und stellten damit nach den Südafrikanern das zweitgrößte Kontingent. Ursache ist eine zwischenzeitliche Wiederaufflammen des Bürgerkriegs in Angola und damit handelt es sich viel mehr um Flüchtlinge, die vielleicht bei zwar bei Verwandten untergekommen sind, dennoch nur ein künstliches Aufblähen der Tourismusstatistik in diesem Fall darstellen.

Neben den ausländischen Touristen darf der Binnentourismus nicht vergessen werden. Hierbei handelt es sich fast ausschließlich um weiße Namibier. Am gesamten Gästeaufkommen hat der Binnentourismus 1997 ca. einen Anteil von 35% (BAUER 2003, S.107).

Für die Herbergen bedeutet dieses Touristenaufkommen eine Auslastungsquote von 43,4%. Eine sehr geringe Quote, insbesondere bei den Gästefarmen mit 25,8%. Jedoch muss man anmerken, dass hier die Statistiken des Staates wohl wieder sehr ungenau sind. So ergeben Touristenzahl und durchschnittliche Aufenthaltszeit und statistisch erfasste verkaufte Tagesübernachtungen eine Differenz von 6 Millionen, also fast die Hälfte der gesamt möglichen Übernachtungen. Erklärbar ist dies wohl hauptsächlich durch Übernachtungen bei Verwandten, jedoch auch durch Wildcampen und viele illegale bzw. unregistrierte Übernachtungsmöglichkeiten (BAUER 2003, S.90 f.).

2.3. Wirtschaftsfaktor

Nach dem Bergbau und der Landwirtschaft hat sich der Tourismus zum drittstärksten Faktor für das Bruttoinlandsprodukt entwickelt. Zwischen 1991 und 1996 hat sich der Anteil am BIP jedoch nicht merklich erhöht. So lag er bei 1991 bei 6,2% und stieg auf 6,4% im Jahr 1996 (Siehe Tabelle 4).

Wenn man sich den Arbeitsmarkt anschaut, bekommt man ähnlich Ergebnisse. Für 1991 rechnet Speich (1994) mit 10.000 Menschen die direkt im Tourismus beschäftigt sind, was 5% der Vollzeitbeschäftigten sind und 2,4% der arbeitsfähigen Bevölkerung. Hinzu kommen noch mal 10.000 Beschäftigte in vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen. Fürs Jahr 1996 gibt Bauer (2003) 11.000 Direktbeschäftigte und ebenso viele in angelagerten Bereichen. Der prozentuale Anteil wird sich wahrscheinlich nicht sehr verändert haben, da es in dieser Zeit auch ein Bevölkerungswachstum gab.

Es fallen zwei Dinge auf. Zum eine besitzt die Tourismusbranche eine höhere Produktivität als der Landesdurchschnitt, da mit 5% Beschäftigten 6,4% des BIP erwirtschaftet wird. Des Weiteren ist der geringe Anstieg der Beschäftigungszahlen verwunderlich. Während das Aufkommen „gut“ zahlender Gäste mindestens um 40% gestiegen ist und ebenso die Bettenzahl, jedoch die Produktivität nicht gesteigert wurde im betrachteten Zeitrahmen, ist eine Steigerung von nur 10% der Beschäftigtenzahlen nicht zu erklären. Es lässt nur den Schluss zu das einige Zahlen schlichtweg falsch sind oder der Gewinn verstärkt informell verschwindet.

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Details

Title
Die Bedeutung des Fremdenverkehrs als möglicher Entwicklungsmotor in Namibia
College
University of Hamburg  (Geographisches Institut)
Course
Namibia
Grade
2,0
Author
Year
2004
Pages
20
Catalog Number
V89593
ISBN (eBook)
9783638040532
ISBN (Book)
9783656057758
File size
455 KB
Language
German
Tags
Bedeutung, Fremdenverkehrs, Entwicklungsmotor, Namibia
Quote paper
Alexander Wijgers (Author), 2004, Die Bedeutung des Fremdenverkehrs als möglicher Entwicklungsmotor in Namibia, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89593

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