Die Unternehmensteuerreform ist ein Bestandteil des Koalitionsvertrags vom 11.November 2005 zwischen CDU/CSU und SPD. Laut diesem sollte im Rahmen der Reform eine weitgehend rechtsform- und finanzierungs-
neutrale Besteuerung von Kapital- und Personengesellschaften eingeführt
werden. Am 01.02.2007 wurde der Referentenentwurf zur Unternehmensteuerreform fertig gestellt, welches in allen zentralen Punkten dem am 14.11.2006 vorgestellten Eckpunktepapier der Koalitionsparteien entspricht. Die Bundesregierung stimmte am 14.03.2007 dem Unternehmensteuerreformgesetz 2008 zu. Daraufhin bezog das Plenum des Bundesrats am 11.05.2007 Stellungnahme zum Gesetzentwurf. Am
23.05.2007 wurden Verbesserungsvorschläge des Bundestagsfinanzausschusses zum Gesetzentwurf aufgenommen und wenige Tage später (25.05.2007) wurde das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 im Bundestag verabschiedet. Der Bundesrat stimmte am 06.07.2007 zu und die Gesetzesänderung wurde am 17.08.2007 im BGBl I S.1912 ff. verkündet. Gem. Artikel 14 Abs. 1 ist das Gesetz am 18.08.2007 in Kraft getreten.
Den Gesetzesbeschluss der Bundesregierung mit den vollständigen
Änderungn im Einkommensteurrecht finden Sie im Anhang!
1.2 Problemstellung
Das Bundesfinanzministerium sieht das Unternehmensteuerreforgesetz 2008 als Lösung folgender Probleme :
• Die Ertragsteuerbelastung von Kapitalgesellschaften und
ertragsstarken Personenunternehmen ist im Vergleich mit den
übrigen Staaten der EU hoch.
• Wettbewerbsnachteil des Standorts Deutschlands aufgrund hoher Steuern bei der Standortwahl von nationalen und internationalen Investoren.
• In Deutschland ansässige Unternehmen versuchen ihre in
Deutschland erwirtschafteten Erträge in Länder mit niedrigerer
Steuerbelastung zu verlagern, z.B. durch Vergabe von
grenzüberschreitenden Krediten. Dadurch entgehen dem Staat
Steuereinnahmen in Milliarden Höhe.
• Private Haushalte versuchen ähnlich wie Unternehmen Kapital ins Ausland zu transferieren, um der Besteuerung in Deutschland auszuweichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Entstehung der Reform
1.2 Problemstellung
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Einführung des § 4h EStG
Betriebsausgabenabzug für Zinsaufwendungen (Zinsschranke)
2.1 Anlass und Ziel der „Zinsschranke“
2.2 Überblick
2.2.1 Ausnahmen vom § 4h Abs. 1 EStG:
2.2.2 Die 30 % Grenze
2.3 Anwendungsregelung § 52 Abs. 12d EStG
2.4 Problembereiche der Zinsschranke
3 Neue Fassung des § 7g EStG
3.1 Anlass und Ziel der Neuregelung
3.2 § 7g Abs. 1 - 4 EStG Investitionsabzugsbetrag
3.2.1 Inanspruchnahme § 7g Abs. 1
3.2.2 Voraussetzungen
3.2.3 Anschaffung/Herstellung des begünstigten Wirtschaftsguts
§ 7g Abs. 2 EStG
3.2.4 Rückgängigmachung des Investitionsabzugsbetrags
§ 7g Abs. 3 EStG
3.2.5 § 7g Abs. 4 EStG
3.3 Sonderabschreibung § 7g Abs. 5 und 6 EStG
3.3.1 Anwendungsvorschrift § 52 Abs. 23 EStG
4 Einführung des § 34a EStG
Begünstigung der nicht entnommenen Gewinne (Thesaurierungsbegünstigung)
4.1 Anlass und Ziel der Regelung
4.2 § 34a Abs. 1 EStG
4.3 § 34a Abs. 2 EStG
4.4 § 34a Abs. 3 EStG: Der Nachversteuerungspflichtige Gewinn
4.5 § 34a Abs. 6 EStG
Weitere Fälle einer Nachversteuerung:
4.6 Anwendungsregelung § 52 Abs. 48 EStG
4.7 Problembereiche des § 34a EStG
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert die zentralen Änderungen des deutschen Einkommensteuerrechts durch das Unternehmensteuerreformgesetz 2008. Ziel ist es, die Erforderlichkeit der Neuregelungen zu bewerten, die Intention des Gesetzgebers zu beleuchten und auf Basis der Fachliteratur die entstehenden Problembereiche für die steuerliche Praxis kritisch zu hinterfragen.
- Die Einführung der „Zinsschranke“ (§ 4h EStG) zur Begrenzung des Zinsabzugs.
- Die Neugestaltung der Investitionsförderung durch den neuen Investitionsabzugsbetrag (§ 7g EStG).
- Die Einführung der Thesaurierungsbegünstigung (§ 34a EStG) für Personenunternehmen.
- Die Analyse der Zielsetzung einer rechtsformneutralen Besteuerung.
- Kritische Würdigung der Komplexität und der praktischen Anwendungsprobleme.
Auszug aus dem Buch
2.1 Anlass und Ziel der „Zinsschranke“
Mit der Einführung der sog. „Zinsschranke“ möchte der Gesetzgeber eine überhöhte Fremdfinanzierung der Unternehmen mit einem Abzugsverbot sanktionieren! Im Grundsatz sieht die Neuregelung vor, die steuerliche Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungsaufwendungen auf den Zinsertrag des WJ zzgl. 30 % des maßgeblichen Gewinns einzuschränken. Die Neuregelung erfasst jede Art von Fremdfinanzierung, dient insbesondere der Sicherung des inländischen Steuersubstrats und betrifft ausschließlich die Ebene des Zinszahlenden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Entstehung der Reform im Kontext des Koalitionsvertrags und erläutert die ökonomischen Probleme, wie den Wettbewerbsnachteil des Standorts Deutschland und die Gewinnverlagerung ins Ausland.
2 Einführung des § 4h EStG: Erläutert die Einführung der Zinsschranke als Instrument zur Begrenzung der Abzugsfähigkeit von Zinsaufwendungen bei überhöhter Fremdfinanzierung.
3 Neue Fassung des § 7g EStG: Behandelt die Umgestaltung der Investitionsförderung für kleine und mittlere Betriebe, insbesondere durch den neuen Investitionsabzugsbetrag und die Sonderabschreibungen.
4 Einführung des § 34a EStG: Analysiert die Thesaurierungsbegünstigung für nicht entnommene Gewinne bei Personenunternehmen, die eine steuerliche Annäherung an die Kapitalgesellschaften ermöglichen soll.
5 Fazit: Fasst zusammen, dass die Reform zwar einen wichtigen Schritt zur Vereinfachung und Standortstärkung darstellt, jedoch durch hohe Komplexität und praktische Anwendungsprobleme die gesteckten Ziele teilweise verfehlt.
Schlüsselwörter
Unternehmensteuerreform, Zinsschranke, Fremdfinanzierung, Investitionsabzugsbetrag, Thesaurierungsbegünstigung, Einkommensteuerrecht, Steuerbelastung, Personengesellschaften, Kapitalgesellschaften, Steuergestaltung, Zinsaufwand, EBITDA, Sonderabschreibung, Standort Deutschland, Steuerrecht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den wesentlichen Änderungen, die durch das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 in das Einkommensteuergesetz (EStG) integriert wurden, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu stärken.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Zinsschranke (§ 4h EStG), der neue Investitionsabzugsbetrag (§ 7g EStG) sowie die Thesaurierungsbegünstigung für Personenunternehmen (§ 34a EStG).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse der Erforderlichkeit dieser Änderungen und die kritische Untersuchung der resultierenden Auswirkungen auf die steuerliche Gestaltungspraxis von Unternehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung der gesetzlichen Neuregelungen, Gesetzesbegründungen sowie aktueller fachwissenschaftlicher Literatur und Kommentierungen zur Steuerreform.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Kernkapitel, die den Aufbau, die Anwendungsvoraussetzungen, die Berechnungslogik sowie kritische Problemfelder der drei oben genannten Neuregelungen detailliert erörtern.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Schlagworte sind neben der Unternehmensteuerreform vor allem Zinsabzugsbeschränkungen, Investitionsförderung, Thesaurierung, Steuerneutralität und Eigenkapitalstärkung.
Warum ist die „Zinsschranke“ für Unternehmen so problematisch?
Die Zinsschranke erhöht die Komplexität durch strenge Anwendungsbereiche (z. B. 30%-Grenze des EBITDA) und kann auch Unternehmen treffen, die keine aggressiven Steuergestaltungen verfolgen, da sie für fast alle Rechtsformen gilt.
Was genau bewirkt der „Investitionsabzugsbetrag“ (§ 7g EStG)?
Er ermöglicht kleinen und mittleren Betrieben, bis zu 40% der voraussichtlichen Anschaffungskosten für zukünftige Investitionen bereits im Vorfeld steuerlich geltend zu machen, um die Liquidität und Innovationskraft zu fördern.
Ist durch die Thesaurierungsbegünstigung eine vollständige Rechtsformneutralität erreicht?
Nach Ansicht der Autorin ist dies in der Praxis kaum möglich, da die Belastung durch Gewerbesteuer und der Entnahmezwang für persönliche Steuern die tatsächliche Steuerersparnis schmälern und den administrativen Aufwand deutlich erhöhen.
- Quote paper
- Deniz Lara Yilmazoglu (Author), 2007, Aktuelle Änderungen durch die Unternehmensteuerreform 2008 im Bereich des EStG, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89638