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"gestorben ... für unsere Sünden" (1Kor 15,3) - "für uns gestorben ..., als wir noch Sünder waren" (Röm 5,8)

Vorpaulinische und paulinische Verwertung des Stellvertretungsmotivs bei der Deutung des Todes Jesu im Vergleich: Rein formale Diskrepanz oder auch inhaltliche Modifikation?

Title:  "gestorben ... für unsere Sünden" (1Kor 15,3) -  "für uns gestorben ..., als wir noch Sünder waren" (Röm 5,8)

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 60 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Andrea Mesicek (Author)

Theology - Miscellaneous
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Warum musste Jesus sterben, wenn er wirklich Christus war? Wenn das Kreuz Jesus nicht als Blender entlarvte, seine Botschaft nicht annullierte, seine Sendung nicht widerlegte, musste sein Tod als integraler Teil der gottgewollten Heilsgeschichte verständlich gemacht werden. Dass dies seiner schockierten Anhängerschaft nicht ohne weiteres gelang, eine hinreichend befriedigende Erklärung ihr also offensichtlich nicht vorgegeben war, vermag die ‚Jüngerflucht’ zu belegen: Die erste Antwort, die Karfreitag fand, war der Rückzug. Erst Ostern - und später Pfingsten – scheinen die Jünger mit Argumenten ausgerüstet zu haben, die sie befähigten, dem Tod ihres ‚Hirten’ eine Bedeutung beizumessen, die die profangeschichtlichen Zusammenhänge transzendierte, die von ihnen aufgeworfenen Fragen heilsgeschichtlich einbettete und so Zweifel durch Gewissheit ersetzte. Den frühesten Deutungsversuchen des Todes Jesu ist dabei das für die Konstituierung, den Ausbau und die Erhaltung der Christengemeinde Unverzichtbare gelungen: Wurde zunächst das durchweg negative ‚Jesus Christus ist gestorben’ mit den Ostergeschehnissen um das Freudenzeugnis seiner Auferweckung ergänzt und damit bereits fundamental aufgewertet, so leistete die Einsicht in die Notwendigkeit des Sterbens Jesu, der Nachweis der Schriftgemäßheit seines Geschickes, einen weiteren bedeutenden Beitrag zu dessen positiver Reinterpretation. Sein originäres Missionspotential verdankte das frühe Christentum aber wohl erst der revolutionären Beantwortung der Frage nach den Finalursachen, dem ‚Wozu?’, bzw. ‚Wofür?’ des Kreuzestodes: Dieser Jesus von Nazaret hat in seiner Auferstehung nicht nur den eigenen Tod überwunden und damit sein Heil erlangt; beides, sein Sterben und Auferstehen, erfolgten υπερ ημων, hatten in uns ihren Grund und ihr Ziel, ihre Ursache und ihren Adressaten.
Christi Sterben als ‚Sterben-für’ zu verstehen, verlieh diesem Geschehen eine soteriologische Relevanz, deren Tragweite das individuelle Heil des so Gestorbenen transzendierte, indem es der Interpretation die Motive der Stellvertretung und Sühne eröffnete. Ob es einen sachlich signifikanten Unterschied macht, als Objekt dieses ‚Pro-Todes’ vorpaulinisch „unsere Sünden“ (1Kor 15,3), oder aber paulinisch „uns ... (als wir noch Sünder waren)“ (Röm 5,8) anzusehen und - falls dem so ist - zu klären, ob die paulinische Modifikation als Addition oder Subtraktion zur ursprünglichen Formelgestalt zu gelten hat, wird in dieser Arbeit erörtert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. „INRI...“:

B. Vorpaulinische und paulinische Verwertung des Stellvertretungsmotivs bei der Deutung des Todes Jesu im Vergleich: Rein formale Diskrepanz oder auch inhaltliche Modifikation?

1. Der Tod Jesu – Ein Geschehen multidimensionaler Bedeutung sucht nach terminologisch adäquater Erfassung

1.1. „Sühne“ (H. GESE):

1.2. „Sühne“, „Stellvertretung“, „stellvertretender Sühnetod“ – Differenzierung impossible?

1.3. „Zwitterwesen“ Stellvertretung: „einschließend/inklusiv/inkludierend“ vs. „ausschließend/exklusiv/exkludierend“ (O. HOFIUS vs. G. RÖHSER)

1.3.1. Otfried Hofius

1.3.2. Günter Röhser

1.4. Zusammenfassung und methodische Konsequenzen

2. Das vorpaulinische Traditionsgut

2.1. Sonderrolle 1Kor 11,24

2.2. Vergleichende Analyse von 1Kor 15,3, Gal 1,4 und Röm 4,25

2.2.1. Allgemeine Vorbetrachtungen

2.2.2. Röm 4,25

2.2.2.1. „Sühne“ oder „Stellvertretung“ ?

2.2.2.2. „Inkludierende“ oder „Exkludierende“ Stellvertretung ?

2.2.2.3. „Sühnemotiv“?

2.2.3. 1Kor 15, 3b und Gal 1, 4

3. Paulinische Sterben-für-Aussagen

3.1. 1Thess 5, 10

3.2. 2Kor 5, 14ff

3.3. 2Kor 5, 21

3.3.1. Theozentrik?

3.3.2. „Zur Sünde“ oder „zum Sündopfer gemacht“?

3.3.3. „Inkludierende Stellvertretung“ = „Sühnemotiv“ ?

3.4. Gal 3, 13

3.5. Röm 8, 32 :„Dramatische Theozentrik“

3.6. Röm 5, 6 – 11

3.6.1. Die menschliche Existenz extra Christum

3.6.2. Röm 5, 9: „Sühne“

C. Resumé: Die paulinische Neuformulierung des stellvertretenden Sterbens Jesu als missionsstrategische Akkomodation: Konsequenz von Gottesbild, Soteriologie und Selbstverständnis des „Apostels der Heiden“

1. „Vorpaulinisch“ verhält sich zu „paulinisch“ wie „implizit zu explizit“

2. Das paulinische Novum: Universale Ausweitung des Geltungsbereiches des ‚Sterbens-für’ Jesu

2.1. Jes 52,13 – 53,12: Gemeinsamer Motivspender für Paulus und Tradition ?

2.1.1. Potentielle Quelle des paulinischen Universalitätsgedankens

2.1.2. Selektive Adaption des 4. EJL von den Trägern der vorpaulinischen Tradition: Vorpaulinischer „Heilsexklusivismus“?

3. Diskriminante Gottesbild

4. Konsequenzen für Soteriologie und Terminologie

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Vergleich zwischen vorpaulinischen Formeln und genuin paulinischen Aussagen zur Deutung des Todes Jesu als „Sterben für“. Das Ziel ist es zu klären, ob die Unterschiede lediglich in der formalen Ausdrucksweise liegen oder eine inhaltliche Modifikation darstellen, insbesondere im Hinblick auf das Stellvertretungsmotiv und das Konzept der Sühne.

  • Stellvertretung als zentrales Deutungsmotiv des Kreuzestodes
  • Differenzierung zwischen inkludierender und exkludierender Stellvertretung
  • Die Entwicklung vom impliziten vorpaulinischen zum expliziten paulinischen Sündenverständnis
  • Die universale Ausweitung des Geltungsbereichs des „Sterbens für“ bei Paulus
  • Rolle von Gottesbild und Soteriologie in der paulinischen Theologie

Auszug aus dem Buch

3.6.1. Die menschliche Existenz extra Christum

War Röm 8,32 von ‚dramatischer Theozentrik’ geprägt, so scheinen Röm 5,6 die Momente von Dramatik und Christozentrik nebeneinander zu liegen. Letztere ließe sich daran festmachen, dass versintern hier nicht Gott, sondern allein Christus als Initiator seines ‚Sterbens für’ benannt wird. Die Dramatik aber ergibt sich weniger aus diesem Aspekt, der ja sowohl vorpaulinisch, als auch in den betrachteten genuin paulinischen Belegen mehrheitlich bereits der Fall war. Ein Moment des Dramatischen liegt vielmehr in der vorliegenden Charakterisierung des Objektes dieses Sterbens. Die paulinische Vorliebe, traditionell mit Abstraktum konzipierte ‚Sterben-für-Aussagen’ zu personalisieren, kannten wir bereits. Auch eine universalisierte Adressatenschaft des Christusgeschehens hätte nicht verwundert. Statt das Objekt aber, wie 2Kor 5,14f und Röm 8,32, numerisch auszuweiten, wird es hier nun qualitativ näher beschrieben. Schon der Tatbestand, dass der Personenkreis, dem das Sterben Jesu gilt, überhaupt näherer Betrachtung unterzogen wird, ist ein Novum gegenüber den bisher behandelten Vergleichsstellen.

Dort nämlich war nur qua Rückschlussverfahren möglich zu ermitteln, dass sie: a) vorpaulinisch „Sünden“ (1Kor 15,3, Gal 1,4), bzw. „Verfehlungen“ (Röm 4,25a) begangen hatten und daher der „Errettung“ (Gal 1,4), bzw. „Gerechtmachung“ (Röm 4,25) bedurften und b) paulinisch als selbstbezogene, gottferne Egozentriker (2Kor 5,15) und Sünder (2Kor 5,21a) der „Gerechtigkeit Gottes“ ermangelten (2Kor 5,21b), als unter dem Fluch des Gesetzes Versklavte des Freikaufs aus diesem bedürftig waren (Gal 3,13), von Gott Dahingabe statt Verschonung verdient hätten (Röm 8,32) und nichtsdestotrotz zu heilvoller Lebensgemeinschaft mit Christus bestimmt (1Thess 5,9f) sind.

Zusammenfassung der Kapitel

Der Tod Jesu – Ein Geschehen multidimensionaler Bedeutung sucht nach terminologisch adäquater Erfassung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Begriffsverwirrung bei der Deutung des Todes Jesu ein und analysiert die Konzepte von Sühne und Stellvertretung.

Das vorpaulinische Traditionsgut: Hier wird das vorpaulinische Material untersucht, wobei insbesondere das Brotwort (1Kor 11,24) und die Formeln in 1Kor 15,3, Gal 1,4 und Röm 4,25 im Fokus stehen.

Paulinische Sterben-für-Aussagen: Dieses Hauptkapitel analysiert ausgewählte paulinische Stellen wie 1Thess 5,10, 2Kor 5,14ff, 2Kor 5,21 und Röm 5,6-11 hinsichtlich ihrer spezifisch paulinischen Akzente.

Resumé: Die paulinische Neuformulierung des stellvertretenden Sterbens Jesu als missionsstrategische Akkomodation: Konsequenz von Gottesbild, Soteriologie und Selbstverständnis des „Apostels der Heiden“: Abschließend wird die paulinische Innovation durch die universale Ausweitung und das Gottesbild des Apostels zusammengefasst und bewertet.

Schlüsselwörter

Stellvertretung, Sühne, Tod Jesu, Paulus, Sterben für, Sündenvergebung, Inklusion, Partizipation, Versöhnung, Neuschöpfung, Gottesknecht, Soteriologie, Rechtfertigung, Exegese, Christologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie das Motiv des stellvertretenden Todes Jesu in der vorpaulinischen Tradition und bei Paulus selbst gedeutet wird und ob sich dabei inhaltliche Verschiebungen feststellen lassen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind das „Sterben-für“-Motiv, die Begriffe „Sühne“ und „Stellvertretung“, das Verhältnis von Inklusion und Exklusion sowie das Sünden- und Gottesverständnis bei Paulus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu klären, ob die paulinische Neuformulierung nur eine formale Anpassung an neue Empfängerkreise ist oder ob Paulus das traditionelle Deutemodell inhaltlich weiterentwickelt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-kritische Exegese angewandt, die den Kontext der biblischen Texte genau beachtet und aktuelle exegetische Forschungspositionen kritisch diskutiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden sowohl das vorpaulinische Traditionsgut als auch genuin paulinische Aussagen in Briefen wie 1Thessalonicher, 2Korinther, Galater und Römer detailliert exegetisch analysiert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie „Stellvertretung“, „Sühnemotiv“, „Partizipation“, „Neuschöpfung“ und die „Universale Ausweitung“ des Heilshandelns gekennzeichnet.

Inwiefern spielt der Begriff „Sühne“ bei Paulus eine Rolle?

Die Arbeit differenziert zwischen einer kultisch-opfertheologischen Sühne und einem weiter gefassten Sühnemotiv, das bei Paulus oft mit dem Aspekt der Neuschöpfung und Gemeinschaft mit Gott verbunden ist.

Was ist das „paulinische Novum“ bei der Deutung des Todes Jesu?

Das paulinische Novum besteht laut der Arbeit in der universalen Ausweitung des Geltungsbereichs des stellvertretenden Sterbens Jesu, das nun die gesamte Menschheit – nicht nur Juden, sondern auch Heiden – umfasst.

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Details

Title
"gestorben ... für unsere Sünden" (1Kor 15,3) - "für uns gestorben ..., als wir noch Sünder waren" (Röm 5,8)
Subtitle
Vorpaulinische und paulinische Verwertung des Stellvertretungsmotivs bei der Deutung des Todes Jesu im Vergleich: Rein formale Diskrepanz oder auch inhaltliche Modifikation?
College
LMU Munich  (Neutestamentliches Institut)
Course
Die Deutung des Todes Jesu als Stellvertretung
Grade
1,0
Author
Andrea Mesicek (Author)
Publication Year
2006
Pages
60
Catalog Number
V89650
ISBN (eBook)
9783638036894
ISBN (Book)
9783638934527
Language
German
Tags
Sünden Sünder Deutung Todes Jesu Stellvertretung paulus paulinisch vorpaulinisch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Mesicek (Author), 2006, "gestorben ... für unsere Sünden" (1Kor 15,3) - "für uns gestorben ..., als wir noch Sünder waren" (Röm 5,8), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89650
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