Das Verhältnis von Kommunikation und Kompetenz– Kann die Persönlichkeit durch Kommunikations- und Kompetenzschulung entwickelt werden?

Eine Detailanalyse der Termini


Hausarbeit, 2007
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung
1.1 Biografie
1.2 Werk
1.3 Definitionen

2 Kritik an Watzlawick

3 Kompetenzentwicklung und Kommunikation..
3.1 Eigenschaften von Kompetenzen und Besonderheiten bei der
Kompetenzentwicklung
3.2 Kommunikation bei Vonken
3.3 Der Zusammenhang zwischen Watzawicks und Vonkens Gedanken

4 Fazit

5 Literatur- und Quellenangabe

1 Einleitung

Kommunikation ist gleichzeitig immer Interaktion. Bereits im Gegenübertreten ge­winnt der Gesprächspartner einen ersten Eindruck, welcher die nachfolgende Unterhaltung beeinflusst. Die Kommunikation läuft häufig verdeckt und unbewusst ab. Aus diesem Grund ist es heute wichtiger denn je, in der zwischenmenschlichen Interaktion bewusst darauf zu achten. In den Bereichen der Mitarbeiterführung und dem Pflegen von Geschäftsbeziehungen ist es grundrelevant, die kommunikative Kompetenz der Manager zu schulen.

Paul Watzlawick[1] hat bezüglich seines Werkes „Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien“ (erschienen 1969 in der 1. Aufl.) scharfe Kritiken erhalten. Ich möchte in dieser Arbeit hinterfragen, ob seine theoretischen Ansätze aktuell noch prak­tisch verwertbar sind. Mein Schwerpunkt liegt dabei in der Kompetenzschulung und Persön­lichkeitsentwicklung, das heißt deren Beeinflussung durch Kommunikation. Dazu definiere ich zunächst einige Grundbegriffe und fasse Watzlawicks Modell in Auszügen zusammen. Nach einer Kritik werde ich die Verwertbarkeit seiner Theorie für den Kompetenz- und Per­sönlichkeitsentwicklungsprozess beurteilen. Resümierend beurteile ich die aktuelle Relevanz der watzlawick’schen Kommunikationstheorie. Anders ausgedrückt, stellt sich die Frage, ob das von Watzlawick aufgestellte Modell für eine Kommunikationsschulung mit dem Ziel der Kompetenz- und Persönlichkeitsentwicklung anwendbar ist?

Ich werde in dieser Arbeit hermeneutisch-deduktiv vorgehen, wenn es sich um allge­meingültige Erkenntnisse handelt. Gelegentlich werde ich Einzelfallbeispiele einbringen und diese hermeneutisch-induktiv begründen.

1.1 Biografie

Paul Watzlawick wurde 25. Juli 1921 im kärntnerischen Villach, Österreich geboren. Im Jahre 1939 bestand er die Matura[2] und begann im Anschluss das Studium der Philosophie und Philologie in Venedig, wo er 1949 in ersterer Disziplin promovierte. Von 1950 bis 1954 absolvierte er am Carl-Gustave-Jung-Institut in Zürich eine Ausbildung zum Psychothera­peuten. Ab 1954 unterhielt Watzlawick eine psychotherapeutische Privatpraxis. 1957 nahm er den Ruf der Universität El Salvador an und leitete den Lehrstuhl für Psychotherapie drei Jahre lang. Als Forschungsbeauftragter für Kommunikationswissenschaft bei Don D. Jackson trat er 1960 zum kalifornischen „Mental Research Institute“ in Palo Alto über. Seit 1976 be­tätigte er sich zusätzlich als „Clinical Associate Professor“ des psychiatrischen und verhal­tenswissenschaftlichen Sektors der Stanford-Universität in Palo Alto. Mit seinem Werk „Menschliche Kommunikation“ machte er in 70er Jahren zum ersten Mal auf sich aufmerk­sam, wurde allerdings in der Deutschland erst in den 90ern durch sein Buch „Anleitung zum Unglücklichsein/Vom Schlechten des Guten“ berühmt. Watzlawick lebte und wirkte bis zu seinem Tod am 31.03.2007 in Kalifornien (vgl. Becker 1989, S. 13; Goethe-Institut e. V. 2007, pass., boersenblatt 2007, pass.).

1.2 Das Werk

Paul Watzlawick analysiert und beschreibt in seinem Buch die Kommunikation als Basis der Interaktion. Das Werk stellt eine Introduktion in die Pragmatik[3] der menschlichen Kommunikation dar. Um die Kommunikation zu charakterisieren, stellt Watzlawick fünf Axiome5 auf, die für eine erfolgreiche Kommunikation zu beachten sind. Der Autor stellt die Konsequenzen menschlicher Kommunikation unter dem Fokus von Verhaltensstörungen dar. Er verbalisiert, dass die menschliche Interaktion immer unter Beachtung der einwirkenden Umweltfaktoren zu sehen ist. Die Kommunikation stellt eine Existenzgrundlage dar, bei deren Wegfall die Individuen zu Grunde gehen. „Kommunikationsstrukturen [haben], sobald sie einmal zustande gekommen sind, ein Eigenleben, demgegenüber die einzelnen Individuen weitgehend machtlos[[4] ] sind“ (Watzlawick 2003, S. 48). Er untersucht die pragmatische Ver­wertbarkeit der Kommunikation. Diese spiegelt sich in seinen axiomatischen Ansätzen[5] wie­der.

1.3 Definitionen

Kommunikation [von lat.: communicare – (mit-)teilen, besprechen]: Als ein Hauptbestand­teil interaktiven Verhaltens ist unter Kommunikation das Übermitteln und Empfangen von Informationen mit Hilfe von Medien[6], der Mimik und der Gestik zu verstehen. Es sind min­destens ein Kommunikator und ein Rezipient[7] erforderlich. Die Kommunikation wird durch folgende Faktoren administriert:

- Initiator (Sender)
- Information (inhaltlich fundierte Nachricht)
- Kommunikationskanal (das im Einzelnen verwendete Medium)
- Rezipient (Empfänger)
- Effekt (Wirkung nach dem Erhalt der Mitteilung)

(vgl. Schaub 2000, S. 324).

Durch die Nachrichtenübermittlung lässt der Kommunikator seinem Gegenüber an seinen Empfindungen teilhaben.

Die Kommmunikation nach Watzlawick (2003) basiert im Wesentlichen auf fünf Axiomen, welche das pragmatische Kalkül bilden. Die fünf Axiome des Kommunikationsmodells Watzlawicks werden allgemeingültig angenommen. Entsprechende Ausprägungen, Anwendungsalternativen und –erfolge sind individuell differenziert ausgeprägt.[8]

Kompetenz (von lat.: competens – geeignet, zuständig): Kompetenz bezeichnet das Wissen, Qualifikationen, Methoden, Werte, Einstellungen, die Fähig- und Fertigkeiten eines Menschen, wodurch er den An­forderungen einer bestimmten Situation gerecht wird (vgl. Schaub 2000, S. 326). Der Terminus charakterisiert den Grad der eigenstän­digen Handlungsfähigkeit und des Fachverstandes. Kompetenzen werden im alltäglichen Leben, jedoch nicht jederzeit und allerorts, benötigt. Die Kompetenzentwicklung ist ein indivi­duell und eigenständig ablaufender Lernprozess mit dem Ziel des Erwerbs reflexiver Hand­lungsfähigkeit (vgl. KomNetz 2006, S. 78). Es existiert ein differenziertes Verständnis von Kompetenz jeweils in Abhängigkeit der Sichtweise[9]. Kompetenz entspricht einem dispositionalem Konstrukt funktional handelnder, komplexer psychischer Systeme, kurz Individuen. Die Kompetenz ist individuell veranlagt und kann weiter spezifiziert werden, exemplarisch der Fach-, Methoden-, Sozial-, Handlungs- und anderen Kompetenzen.

Performanz: Die Fähigkeit des aktuellen Gebrauchs von Sprache oder das Verhalten in konkreten Situationen, sowie die Entscheidungsfähigkeit des Sprechers über eine korrekt angewendete sprachliche Struktur, werden als Performanz bezeichnet. Die Performanz eines Menschen äußert sich angesichts des vorliegenden Auftrages und möglicher Lösungsalternativen (vgl. Schaub 2000, S. 426).

2 Kritik an Watzlawick

Bettina Girgensohn-Marchand (1992, S. 11f.) übt an vielerlei Stellen Kritik an Watzla­wicks Kommunikationstheorie. Ihr Hauptanliegen ist das Unverständnis des Erfolgs einer derartigen Theorie. Diese Tatsache resultiert aus einer metaphorischen Hilfsfunktion, die von Watzlawick auf viele Studenten projiziert wurde. In diesem Alter haben viele Studenten Kommunikations- und Beziehungsprobleme zu bewältigen. Die watzlawick’sche Kommuni­kationstheorie bietet eine Lösung, in der die Schuld geteilt oder durch Alternativenlosigkeit abgeschwächt wird.

So behauptet Watzlawick (2003, S. 56) „ [j]ede Kommunikation [habe] einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, daß letzterer den ersteren bestimmt [...] “ Das heißt, der soziale Kontext dominiert den Inhalt der Kommunikation, so dass man sich teilweise an­ders verhält, als dies gewollt und geplant ist (vgl. Ziegler 1978, S. 11). Der gesellschaftliche und kulturelle Kontext steuert das zwischenmenschliche Verhalten unbewusst, aber sehr in­tensiv.

Im ersten Axiom der Primärliteratur heißt es, „ [m]an kann nicht nicht kommunizieren “ (Watzlawick 2003, S. 53). Die unbeholfenen Teenager flüchten sich mit Hilfe dieser Aussage in die Annahme, es sei verzeihlich sich falsch zu verhalten, denn die Möglichkeit zur Enthal­tung bestünde ja nicht. Die eigene Schuld wird nicht länger als solche empfunden, sondern für alles das aktuelle, soziale Umfeld und der Interaktionskontext der Vergangenheit zur Verant­wortung gezogen (vgl. Girgensohn-Marchand 1992, S. 11).

[...]


[1] Watzlawick ist der Erstautor des Buches. Wenn von Watzlawick die Rede ist, sind gleichzeitig immer auch die Mitherausgeber Janet H. Beavin und Don D. Jackson gemeint.

[2] österreichische Reifeprüfung

[3] Die Pragmatik beschäftigt sich als partialer Sektor der Linguistik mit dem Zusammenhang von Zeichen und Bezeichnetem, d. h. Sprache und Sprecher. Unter Einfluss der Semantik und der Syntax wird die Sprache als sozial-praktizierbare Interaktion betrachtet.

[4] Nach Watzlawick ist eine Kommunikationsschulung generell zwecklos (vgl. Punkt 3.3 und 4)

[5] Watzlawicks (2003) pragmatische Axiome beinhalten die Unmöglichkeit zu kommunizieren (S. 53), die Dominanz des Beziehungsaspekts gegenüber dem Inhaltlichen (S. 56), die Interpunktion von Ereignisfolgen hin zu einer Kreisförmigkeit (S. 61), die Präferenzen und Mangel digitaler und analoger Kommunikation (S. 68) und letztens die Symmetrie bzw. Komplementarität zwischenmenschlicher Beziehungen (S. 70).

[6] Medien dienen der Verständigung, sind also Hilfsmittel wie die Sprache, das Telefon, das Radio u. a. Nur wenn der Rezipient auf die Mitteilung reagiert, kann die Kommunikation erfolgreich verlaufen.

[7] Der Kommunikator sendet die Mitteilung mit dem Ziel, dass der Rezipient diese empfängt. Letzterer kann der direkte Gesprächspartner, der Zuschauer vor dem TV-Gerät, der Theatergast u. a. sein.

[8] Diese Zusammenhänge werden in Punkt 4 von mir weiter ausgeführt und detaillierter dargestellt.

[9] Ich beziehe mich hier auf die Sichtweise von Erpenbeck (1999, S. 156), welcher die Kompetenz auf fühlende, denkende, wollende und handelnde Individuen bezieht. Ich erachte diese Sichtweise für sinnvoll, da die Kompetenzentwicklung auf einer ähnlichen Ansicht basiert.

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Details

Titel
Das Verhältnis von Kommunikation und Kompetenz– Kann die Persönlichkeit durch Kommunikations- und Kompetenzschulung entwickelt werden?
Untertitel
Eine Detailanalyse der Termini
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Ein Kommunikationsmodell in der Kritik – das Inhalts-Beziehungs-Modell der Kommunikation von P. Watzlawick in systematischer Sicht unter verschiedenen Kriterien
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V89664
ISBN (eBook)
9783638026833
ISBN (Buch)
9783638924382
Dateigröße
671 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Verknüpfung der Systemtheorie, Kommunikationswissenschaften und des Personalmanagements sind heute unterschwellig überall zugegen. Watzlawick hat mit seiner Arbeit ein Paradebeispiel für komplexe Verknüpfungen geliefert. Die Kompetenzentwicklung ist ein vordergründiges Thema in Vermittlung beruflicher Fähigkeiten und Fertigkeiten. Nicht auf den ersten Blick erkennbar ist die Verwertbarkeit derartiger Basisliteraturen, wie das Kommunikationsmodell Watzlawicks. Seine Erkenntnisse sind aktueller den je und gerade in der modernen Wissens- und Informationsgesellschaft nicht zu unterschätzen.
Schlagworte
Verhältnis, Kommunikation, Kompetenz–, Kann, Persönlichkeit, Kommunikations-, Kompetenzschulung, Kommunikationsmodell, Kritik, Inhalts-Beziehungs-Modell, Watzlawick, Sicht, Kriterien
Arbeit zitieren
Etienne Pflücke (Autor), 2007, Das Verhältnis von Kommunikation und Kompetenz– Kann die Persönlichkeit durch Kommunikations- und Kompetenzschulung entwickelt werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89664

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