Durch das Fortschreiten der Technik entwickeln sich auch die Möglichkeiten zur gesundheitlichen Versorgung weiter, so dass die Menschen nicht nur immer älter werden, sondern dass auch immer mehr Menschen die Chance bekommen zu überleben, denen noch vor wenigen Jahrzehnten niemand hätte helfen können. Darwins Selektionstheorie handelt von dem Überleben und Aussterben bestimmter Merkmale und Individuen während der Evolution. Diese Arbeit will herausfinden, inwieweit die Selektion nach Darwin durch die Gesundheitsversorgung beeinflusst wird und welche moralischen Kriterien dabei bedacht werden müssen.
Es soll zuerst die Anwendbarkeit von Darwins Selektionstheorie auf die Fragestellung geprüft werden, indem die Theorie dargestellt und auf ihre Aktualität hin untersucht wird. Außerdem wird der Mensch als Teil der Selektionstheorie betrachtet, um den Transfer von Darwins Arbeit auf den Menschen zu testen. Des Weiteren soll die Beeinflussung der Selektion durch unbehandelbare Krankheiten und durch neue Selektionsfaktoren geprüft werden. Dabei wird gefragt, inwieweit eine oder eben keine Intervention in die Selektion moralisch vertretbar ist.
Die zugrunde liegende These soll dabei lauten, dass wir die Selektion und damit die Evolution durch Gesundheitsversorgung verhindern.
Mit dem Begriff Selektionstheorie ist im Folgenden die von Darwin geprägte Bedeutung des Aussterbens schwächerer und weniger gut an ihre Umgebung adaptierte Organismen, sowie das Überleben der am besten angepassten Individuen gemeint. Diese Auswahl führt zur allmählichen Umbildung der Lebewesen und zur Entstehung neuer Arten.
Mit Evolution wird die Entwicklung der Lebewesen von niedrigeren Organisationsstufen bis hin zu den heutigen hoch entwickelten Formen bezeichnet. Darwin macht verschiedene Faktoren für die Evolution verantwortlich. Es gibt unter den Angehörigen einer Art beträchtliche Differenzen, diese Variabilität der Organismen ist ein auffälliges Phänomen. Außerdem setzten alle Arten mehr Nachkommen in die Welt, als für die Bewahrung einer Art notwenig wäre. Die Überproduktion wird jedoch dadurch kompensiert, dass viele Nachkommen vernichtet werden und nur wenige das Fortpflanzungsalter erreichen. Hängt die Vernichtung der Lebewesen mit den Leistungsunterschieden einer Art zusammen, so spricht man von Selektion, ist sie diesen Unterschieden gegenüber neutral, bezeichnet man das als Situationstod.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Anwendbarkeit von Darwins Selektionstheorie
2.1 Die Anwendbarkeit der Selektionstheorie auf die heutige Zeit
2.2 Die Anwendbarkeit der Selektionstheorie auf den Menschen
3. Die Beeinflussung der Selektion
3.1 Neue Krankheiten als Selektionsfaktoren
3.2 Weitere neue Selektionsfaktoren
4. Moralische Aspekte
5. Schluss
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss des medizinischen Fortschritts auf die klassische Selektionstheorie von Charles Darwin und analysiert, inwieweit moderne Gesundheitsversorgung die menschliche Evolution verändert. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob der Mensch durch gezielte Eingriffe die natürliche Selektion behindert oder lediglich zu einem Selektionswandel beiträgt, und welche moralischen Konsequenzen sich daraus für die Ressourcenverteilung ergeben.
- Anwendbarkeit von Darwins Selektionstheorie auf den Menschen
- Einfluss medizinischer Möglichkeiten auf Selektionsfaktoren
- Pränataldiagnostik und künstliche Zuchtauswahl
- Die Rolle von Geld, Intelligenz und Ressourcen als neue Selektionsmechanismen
- Moralische Bewertung des Selektionswandels im Kontext des Grundgesetzes
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Anwendbarkeit der Selektionstheorie auf den Menschen
Es wurde schon gezeigt, dass die Selektionstheorie durch Gentechnik und Pränatalmedizin auch in aktuellen Diskussionen eine Rolle spielt. Dabei geht es natürlich gerade um die Selektion in Bezug auf den Menschen.
Eine Abtreibung ist in Deutschland nach § 218 des StGB gegen das Gesetz. Dennoch bleibt sie straffrei, wenn sie binnen zwölf Wochen nach der Empfängnis durchgeführt wird und sofern zuvor eine Konfliktberatung stattgefunden hat. Jedoch ist ein Schwangerschaftsabbruch bis zur Geburt erlaubt, wenn Gefahr für das Leben der Mutter besteht oder es zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Mutter kommen kann, die nur durch eine Abtreibung verhindert werden kann. Im Falle einer Behinderung des Kindes ist es also möglich, dies als Beeinträchtigung des mütterlichen Zustandes zu deklarieren und den Fötus bis kurz vor der Geburt abzutreiben. Dies wird von Kritikern als „selektive Pränataldiagnostik“ bezeichnet, da die Vermeidung von Lebendgeburten aufgrund eines unerwünschten Diagnoseergebnisses eine selektive Form annehme.
So wurde beispielsweise bei einer Studie von Lumkemann (2001) herausgefunden, dass sich mittlerweile die große Mehrzahl der Eltern eines Kindes mit Down-Syndrom (72% der befragten Mütter, 100% der befragten Väter) nach der Geburt mit der Frage konfrontiert sieht, warum man keine pränatale Diagnostik in Anspruch genommen hätte, was indirekt den Vorwurf, nicht abgetrieben zu haben, mit einschließt.
Diese „selektive Pränataldiagnostik“ kann man als weitergeführte Form von Darwins „künstlicher Zuchtauswahl“ verstehen.
Der Schlüssel zu allem diesem ist das Vermögen des Menschen, immer wieder Individuen zur Zuchtwahl auszuwählen, kurz: sein akkumulatives Wahlvermögen. Die Natur schafft allmähliche Veränderungen, und der Mensch gibt ihnen die für ihn nützliche Richtung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, inwiefern der medizinische Fortschritt die durch Darwin beschriebene natürliche Selektion beeinflusst und welche moralischen Kriterien bei diesem Eingriff eine Rolle spielen.
2. Die Anwendbarkeit von Darwins Selektionstheorie: Dieses Kapitel prüft die Aktualität der Darwinistischen Theorie und untersucht, wie der Mensch als Teil dieser Theorie durch moderne Technologien wie Gentechnik und Pränataldiagnostik in die Selektion eingreift.
3. Die Beeinflussung der Selektion: Es wird analysiert, ob Krankheiten und sozioökonomische Faktoren wie Geld, Bildung oder plastische Chirurgie heute als neue Selektionsfaktoren fungieren und die Evolution des Menschen verändern.
4. Moralische Aspekte: Dieser Abschnitt erörtert die moralische Vertretbarkeit des beobachteten Selektionswandels im Kontext von Verteilungsgerechtigkeit und den im Grundgesetz verankerten Menschenrechten.
5. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Gesundheitsversorgung die Selektion nicht aufhebt, sondern die Faktoren verschiebt, was eine ständige moralische Auseinandersetzung über Ressourcenverteilung erfordert.
6. Literaturverzeichnis: Hier sind alle verwendeten Quellen, inklusive Primärliteratur, Sekundärliteratur, Internetquellen und Nachschlagewerke aufgeführt.
Schlüsselwörter
Darwins Selektionstheorie, Evolution, Medizin, Gesundheitsversorgung, Selektionsfaktoren, Pränataldiagnostik, künstliche Zuchtauswahl, Gentechnik, Kampf ums Dasein, Ethik, Ressourcenverteilung, biologische Anpassung, menschliche Entwicklung, soziale Ungleichheit, Bioethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss des medizinischen Fortschritts auf Darwins Selektionstheorie und analysiert, wie moderne menschliche Eingriffe die natürliche Evolution verändern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die menschliche Evolution, medizinische Technologien wie Gentechnik und Pränataldiagnostik, sozioökonomische Selektionsfaktoren sowie die ethische Bewertung des menschlichen Eingreifens in biologische Prozesse.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, inwieweit die Selektion nach Darwin durch die moderne Gesundheitsversorgung beeinflusst wird und welche moralischen Kriterien dabei beachtet werden müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse der Darwinistischen Selektionstheorie und setzt diese in Bezug zu aktuellen medizinischen und gesellschaftlichen Entwicklungen sowie ethischen Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Anwendung der Selektionstheorie auf den Menschen, der Rolle neuer Selektionsfaktoren wie Krankheit und Geld sowie der moralischen Bewertung dieser Entwicklungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Selektionstheorie, Evolution, medizinischer Fortschritt, Pränataldiagnostik, künstliche Zuchtauswahl, ethische Verantwortung und Ressourcenverteilung.
Inwiefern beeinflusst der Faktor Geld die menschliche Selektion?
Die Arbeit argumentiert, dass Geld den Zugang zu medizinischer Versorgung bestimmt und somit zu einem neuen Selektionsmerkmal wird, das nicht mehr primär auf biologischer Anpassung, sondern auf finanziellen Möglichkeiten beruht.
Welche Rolle spielt die Pränataldiagnostik für die Selektion?
Sie wird als eine Form der „künstlichen Zuchtauswahl“ betrachtet, bei der der Mensch durch das Wahlvermögen über den Verbleib von Leben entscheidet, was eine Abkehr von rein natürlichen Evolutionsprozessen darstellt.
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- Bettina Meyer (Author), 2006, Der Einfluss der Medizin auf Darwins Selektionstheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89676