Die Wissensgesellschaft, insbesondere das Beschäftigungssystem, verlangt
nach Akteuren, die nach einer beruflichen Aus- und Weiterbildung ohne
Zeitverlust in der Praxis handlungsfähig sind, d.h. gelerntes Wissen
anwenden und bedingt durch den rasanten sozialen Wandel auch selbständig
aktualisieren können. Sie müssen über Kompetenzen verfügen, die auf die
Lösung komplexer Probleme zielen. Die vorliegende Arbeit soll das
Interesse von Lernenden und Lehrenden für die optimale Gestaltung von
mediengestützten Lern- und Lehrprozessen wecken. Mit „optimal“ ist
kompetenzbasiertes Lernen in authentischen Kontexten gemeint. Der
Wissenstransfer und der Erwerb von Handlungswissen über die gesamte
Lebensspanne stehen dabei im Vordergrund. (Bastiaens & Martens, 2000, S.
9). Ziel der Arbeit ist es, aufzuzeigen, wie mit Hilfe des Instructional
Designs (dt. Instruktionsdesign), Lernumgebungen systematisch geplant,
gestaltet und umgesetzt werden können. Im Mittelpunkt steht das Four-
Components Instructional Design System (4C/ID-model), das van
Merriënboer (1997) speziell für das Training komplexer kognitiver
Fähigkeiten entwickelte. Welche Vorzüge hat diese Lernmethode des
komplexen Lernens gegenüber traditionellen Lernarrangements und welche
Rolle spielt dabei der Einsatz neuer Medien? Im zweiten Kapitel wird
anhand eines praktischen Beispiels, der Schulung von
Bildenswissenschaftlern in der Jugendarbeit, die Entwicklung eines
Blueprints (Entwurf) für einen Lehrplan dargestellt. Das dritte Kapitel dient
der theoretischen Reflexion des Anwendungsbeispiels in Bezug auf den
mediendidaktischen Zusammenhang. Das vierte Kapitel beinhaltet eine
einschätzende Zusammenfassung der dargestellten Anwendung und des
theoretischen Ansatzes des 4C/ID-Modells unter Beachtung der
aufgeworfenen Fragen. Das Fazit der Verfasserin geht auf die gewonnene
Erfahrung bei der Beschäftigung mit dem Modell ein und macht Vorschläge
zum Einsatz in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Der Entwicklung des
Lehrplanentwurfs liegt eine fiktive Trainingssituation
zu Grunde: BildungswissenschaftlerInnen sollen zukünftig bei einem
kleinem Träger der außerschulischen Jugendarbeit effektive
Arbeitsleistungen erbringen. Für das Training wurde ein komplexer
Aufgabenbereich aus dem weiten Feld der Jugendarbeit gewählt, das
Gestalten von Jugendfreizeitangeboten. Das Gestalten umfasst hier alle
Tätigkeiten vom Konzipieren bis zum Evaluieren der Angebote.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das 4C/ID-Modell am Beispiel der Gestaltung von Jugendfreizeitangeboten
2.1 Analyse der Kompetenz
2.2 Aufgabenklassen
2.3 Lernaufgaben
2.4 Unterstützende Informationen
2.5 Just-in-time-Informationen
3 Das 4C/ID-Modell im Kontext von Mediendidaktik
3.1 Lerntheoretischer Bezug
3.2 Situiertes Lernen
3.3 Didaktische Szenarien
3.4 Medien
4 Zusammenfassung und persönliches Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das 4C/ID-Modell von van Merriënboer zur systematischen Planung und Gestaltung kompetenzbasierter Lernumgebungen in der Jugendarbeit eingesetzt werden kann. Ziel ist es, einen praktischen Blueprint für die Ausbildung von Bildungswissenschaftlern in der Jugendarbeit zu entwickeln und theoretisch im mediendidaktischen Kontext zu reflektieren.
- Grundlagen des 4C/ID-Modells für komplexes Lernen
- Systematische Zerlegung von Kompetenzen in Teilfertigkeiten
- Sequentialisierung von Aufgabenklassen mit zunehmender Komplexität
- Strategien zur Auswahl von Lernaufgaben und unterstützenden Informationen
- Integration in didaktische Szenarien und zielgerichteter Medieneinsatz
Auszug aus dem Buch
2. Das 4C/ID-Modell am Beispiel der Gestaltung von Jugendfreizeitangeboten
Der Entwicklung des Lehrplanentwurfs liegt eine fiktive Trainingssituation zu Grunde: BildungswissenschaftlerInnen sollen zukünftig bei einem kleinem Träger der außerschulischen Jugendarbeit effektive Arbeitsleistungen erbringen. Für das Training wurde ein komplexer Aufgabenbereich aus dem weiten Feld der Jugendarbeit gewählt, das Gestalten von Jugendfreizeitangeboten. Das Gestalten umfasst hier alle Tätigkeiten vom Konzipieren bis zum Evaluieren der Angebote. Damit zielt das Training auf den Erwerb einer Kompetenz ab, die dem Jugendarbeiter typischerweise im beruflichen Alltag abverlangt wird.
Eine mit dem 4C/ID-Modell optimal gestaltete Lernumgebung, die auf komplexem Lernen beruht, umfasst vier wesentliche, miteinander in Relation stehende Komponenten: Lernaufgaben, klassifiziert in unterstützende Informationen, Just-in-time Informationen und Part-task Practice. Hervorzuheben ist, dass bei dieser Konzeption komplexe kognitive Fähigkeiten ganzheitlich vermittelt und geübt werden können (Niegemann, 2001, S. 60). Van Merriënboer, Clark & de Croock führen dazu aus (2002, S.40):
„Complexe learning ...has little to do with learning separate skills in isolation, but it is foremost dealing with learning to coordinate and integrate the separate skills that constitute real-life task performance. ...the whole is more than the sum of its parts because it also includes the ability to coordinate and integrate those parts.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit erläutert die Notwendigkeit von kompetenzbasiertem Lernen in der Wissensgesellschaft und führt das 4C/ID-Modell als Methode zur Gestaltung komplexer Lernumgebungen ein.
2 Das 4C/ID-Modell am Beispiel der Gestaltung von Jugendfreizeitangeboten: Dieses Kapitel beschreibt die praktische Anwendung des Modells durch die Entwicklung eines Blueprints für die Schulung von Bildungswissenschaftlern.
3 Das 4C/ID-Modell im Kontext von Mediendidaktik: Hier erfolgt eine theoretische Reflexion über das Verhältnis des Modells zur Lerntheorie, zu situierten Lernszenarien und zum Medieneinsatz.
4 Zusammenfassung und persönliches Fazit: Die Autorin fasst den Entwicklungsprozess des Blueprints zusammen und evaluiert den Nutzen des 4C/ID-Modells für die berufliche Aus- und Weiterbildung.
Schlüsselwörter
4C/ID-Modell, Instruktionsdesign, Jugendarbeit, Kompetenzbasiertes Lernen, Lernaufgaben, Aufgabenklassen, Mediendidaktik, Situiertes Lernen, Blueprint, kognitive Schemata, Scaffold, Wissenskonstruktion, berufliche Weiterbildung, komplexe Fertigkeiten, Lehrentwurf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des 4C/ID-Modells zur systematischen Gestaltung von Lernumgebungen, beispielhaft angewendet auf den Bereich der Jugendarbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Instruktionsdesign, die Entwicklung von Lehrplänen (Blueprints) für komplexe kognitive Fähigkeiten und die Integration mediendidaktischer Prinzipien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lernumgebungen mithilfe des 4C/ID-Modells systematisch geplant und umgesetzt werden können, um Handlungswissen in authentischen Kontexten zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das 4C/ID-Modell nach van Merriënboer als theoretischer Rahmen verwendet, um eine fiktive Trainingssituation für Bildungswissenschaftler in der Jugendarbeit zu analysieren und zu strukturieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die praktische Entwicklung eines Blueprints in fünf Schritten sowie eine theoretische Einordnung des Modells in den mediendidaktischen Zusammenhang und die Lerntheorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind 4C/ID-Modell, Instruktionsdesign, Jugendarbeit, komplexe Lernaufgaben, Aufgabenklassen und situiertes Lernen.
Warum wurde gerade die Jugendarbeit als Fallbeispiel gewählt?
Die Jugendarbeit dient als Beispiel für einen komplexen, nicht-technischen Bereich, in dem personales und soziales Handeln gefordert sind, was eine ganzheitliche Lernmethode wie das 4C/ID-Modell besonders sinnvoll macht.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen unterstützenden und Just-in-time-Informationen?
Diese Unterscheidung ist zentral, um einerseits kognitive Schemata für neue, nicht-wiederkehrende Aufgaben aufzubauen und andererseits die Ausführung häufiger, wiederkehrender Fertigkeiten durch gezielte Hilfestellungen zu automatisieren.
- Quote paper
- Antje Pauer (Author), 2008, Das 4C/ID Modell am Beispiel 'Bildungswissenschaftler im Bereich der Jugendarbeit', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89710