Hochschulbildung als Gut


Seminararbeit, 2005

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Güter und Märkte
2.1 Güter: Allgemeine Definition und Abgrenzung
2.2 Private Güter / Öffentliche Güter
2.3 Meritorische Güter
2.4 Erfahrungsgüter
2.5 Allgemeine Markttheorie
2.5.1 Der Markt
2.5.2 Der Preis
2.6 Marktversagen 5-

3 Hochschulbildung als Gut
3.1 Allgemein
3.2 Bezug zu einem privaten / rein öffentlichen Gut
3.3 Bezug zu einem meritorischen Gut
3.4 Bezug zu einem Erfahrungsgut

4 Hochschule im Markt
4.1 Derzeitiger Hochschulmarkt
4.2 Modellvarianten
4.2.1 Einleitung
4.2.2 Privates Gut
4.2.3 Rein öffentliches Gut

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Durch die öffentliche Diskussion, die in den letzten Monaten die Medien beschäftigt hat, steht die Finanzierung und die damit verbundene Umstrukturierung der Hochschulen im Blickpunkt. Die Frage, die sich als erstes stellt ist die, in wie weit die Hochschulbildung überhaupt als ein Gut behandelt werden kann und welche möglichen Auswirkungen eine Umstrukturierung hätte. Um dazu eine Aussage zu treffen werden wir als erstes die Güterklassifikationen erläutern und einen Bezug zu der Hochschulbildung herstellen. Über eine Markterläuterung mit Marktversagen können wir Szenarien einzelner möglicher Entwicklungen aufzeigen.

2 Güter und Märkte

Bevor eine Einordnung der Hochschulbildung in die verschiedenen Güterarten erfolgt, soll zunächst eine theoretische Grundlage hierfür gelegt werden. Es werden nur diejenigen Güterarten behandelt, welche die Hochschulbildung näher tangieren. Dies erfolgt zunächst anhand einer allgemeinen Definition und Abgrenzung der Güter. Anschließend wird auf spezifische Güterarten eingegangen.

Ähnlich wird bei der Beschreibung des Hochschulmarktes bzw. dessen möglicher Ausprägungen vorgegangen. Die theoretische Grundlage bildet eine Definition des Marktes sowie des Marktversagens.

2.1 Güter: Allgemeine Definition und Abgrenzung

Als grundlegende Gütereigenschaft wird die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse genannt (Demmler 1995: 1). Übersteigen die Bedürfnisse (Ziele) das Güterangebot, entstehen knappe und somit wirtschaftliche Güter. Alle Mittel, welche bei der Herstellung von Gütern eingesetzt werden, nennt man Produktionsfaktoren (Demmler 1995: 2). Eine konsequente Trennung von Gütern und Produktionsfaktoren ist jedoch nicht einfach. So kann ein Gut unter bestimmten Bedingungen auch ein Produktionsfaktor sein. Dies wird unter Punkt 3.1 anhand der Hochschulbildung näher gezeigt. Wichtig für die Arbeit ist im Weiteren die Unterteilung in private, rein öffentliche, meritorische und Erfahrungsgüter. Auf diese wird im Folgenden näher eingegangen.

2.2 Private Güter / rein öffentliche Güter

Die Unterscheidung zwischen den privaten und den öffentlichen - hier rein öffentlichen - Gütern zeichnet sich durch zwei Merkmale aus. Zum einen durch das Ausschlussprinzip und zum anderen durch die Rivalität in der Nutzung.

Das Ausschlussprinzip besagt, dass durch bestimmte Kriterien Konsumenten von der Nutzung des Gutes ausgeschlossen werden. Als Beispiel ist das Auto zu nennen. Dieses hat einen Preis. Wer diesen nicht zahlen kann, wird vom Kauf ausgeschlossen.

Die Rivalität in der Nutzung wird so definiert, dass bei Nutzung des Gutes von einer Person eine andere das Gut nicht mehr nutzen kann oder erhebliche Nutzeneinschränkungen hat. Zum Beispiel ein Brötchen. Wenn eine Person ein Brötchen gegessen hat, kann eine weitere Person dieses nicht mehr essen.

Wenn diese beiden Punkte zutreffen haben wir es mit einem privatem Gut zu tun, anderenfalls mit einem Öffentlichen (Blankart 2001: 56,57). Ein Beispiel eines öffentlichen Gutes ist ein Leuchtturm. Kein Mensch kann von der Nutzung ausgeschlossen werden und es herrscht keine Rivalität, da alle das Licht sehen können, egal wie viele Menschen es sich anschauen (Pyndick/Rubinfeld 2003: 817).

2.3 Meritorische Güter

Meritorische Güter stehen in engem Zusammenhang mit öffentlichen Gütern. Häufig wird lediglich erwähnt, dass die Kriterien der öffentlichen Güter nicht auf alle vom Staat oder der Natur zur Verfügung gestellten Güter zutreffen. Jene öffentlichen Güter, die, obwohl der Markt sie liefern könnte, trotzdem der Staat bereitstellt, werden in der Literatur teilweise auch als meritorisch bezeichnet (Brümmerhoff 2001: 113 f. und Häuser 1983: 21 ff.).

Im Zusammenhang mit meritorischen Gütern lässt sich häufig der Namen Richard A. Musgrave finden, der sich intensiv mit der Lehre der öffentlichen Güter befasste. Nach Musgrave hat der Staat neben der Bereitstellung der öffentlichen Güter in bestimmten Fällen auch die Aufgabe in den Markt einzugreifen (Brümmerhoff 2001: 113 f.). Dies seien Fälle in denen der Markt zwar technisch die Versorgung gewährleistet, aber unerwünschte Ergebnisse hervorbringt (ebenda). Meritorische Güter sind demnach grundsätzlich privatwirtschaftlich produzierbare, aber dennoch vom Staat bereitzustellende Güter (Häuser 1983: 23).

Als meritorische Güter kommen jene Güter in Betracht, deren Verteilung aus folgenden Gründen nicht dem Markt überlassen bleiben sollte:

- Weil Unzulänglichkeiten des Marktes, z.B. durch fehlende oder ungenügende Information der Nachfrager, auftreten. Diese können zu unerwünschten Resultaten führen. Man spricht hier auch von verzerrten oder deformierten Präferenzen (ebenda).
- Weil eine ausschließlich marktwirtschaftliche Regelung des betreffenden Gutes eine Verteilung hervorruft, welche aus sozial- und gesellschaftlichen Gründen nicht akzeptabel erscheint (ebenda).
- Weil die Wirkungen des betreffenden Gutes nicht ausschließlich die Anbieter und Nachfrager betrifft, sondern auch so genannte externe Effekte eintreten, die entweder anderen oder Dritten zugute kommen bzw. belasten (ebenda).

Diese Gründe unterstellen ein partielles Marktversagen, d.h. ein Marktversagen für den Markt der betroffenen Güter. Das Thema Marktversagen werden wir im Punkt 2.6 noch weiter erläutern.

Ein häufig zitiertes Beispiel zur Verdeutlichung ist die Schulbildung. Diese könne zwar durchaus durch den Markt geregelt werden, es bestünden allerdings Risiken. So könnten Eltern aus finanzieller Knappheit (entstanden aufgrund der ungleichmäßigen Verteilung) oder aus reiner Kurzsichtigkeit und mangelnder Information nicht dazu bereit seien, ihrem Kind eine angemessene Schulbildung zu ermöglichen (Häuser 1983: 21 f.).

Allgemein zu beachten ist allerdings, dass die Lehre von meritorischen Gütern teilweise als unbefriedigend formalisiert bzw. völlig überflüssig angesehen wird (Brümmerhoff 2001: 114). Im Bereich der verzerrten Präferenzen wird folgende Problematik angeführt. Wird einfach nur deshalb in die Präferenzen des Einzelnen eingegriffen, weil die Entscheidungsträger ihre Präferenzen für besser halten? „Woher wissen die Informierten, was für die Nichtinformierten besser ist - Handeln des Einzelnen oder des Staates?“ (ebenda). Aus Sicht der „liberalen“ Ökonomik, welche besagt, dass die Individuen stets am besten wissen was ihre wahren Präferenzen sind, ließe sich ein Eingreifen des Staates nicht rechtfertigen. Auch die von Staat ausgehenden Zweifel an der Rationalität des individuellen Handelns sollten in Frage gestellt werden. Beispielsweise Pflichtversicherung könnten nicht mit Nicht- Rationalität der unfreiwilligen Versicherungsnehmer begründet werden. Der Staat zwänge damit auch jenen Bürgern einen Vertrag auf, die rational handelnd keinen abschließen würden (Fritsch/Wein/Ewers 1999: 343).

2.4 Erfahrungsgüter

Eine weitere wichtige Güterart stellen Erfahrungsgüter dar. Deren Besonderheit liegt darin, dass die Qualität erst nach dem Konsum des Gutes vollständig bekannt wird. Vor Vertragsabschluss ist die Qualität nur unter relativ hohen Kosten zu beurteilen (Fritsch/Wein/Ewers 1999: 269)

Abb.1: Zusammenfassung, Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.5.1 Der Markt

Grundsätzlich ist ein Markt ein „[…] ökonomischer Ort des Tausches, an dem sich die Preisbildung vollzieht“ (Demmler 1995: 35). Es gibt zwei Akteure auf einem Markt. Zum einen die Nachfrager (Konsumenten) und zum anderen die Anbieter (Produzenten). Die Konsumenten haben nach der Mikroökonomielehre immer den Wunsch durch den Konsum von Gütern ihren Nutzen zu maximieren. Die Produzenten streben nach Gewinnmaximierung. Neben diesen Zielen gibt es Restriktionen. Bei den Konsumenten steht das Einkommen als Begrenzung. Des Weiteren der Preis eines Produktes und ob von dem Einkommen etwas gespart wird oder ein Kredit für ein bestimmtes Gut in Anspruch genommen werden soll (Pyndick/Rubinfeld 2003: 88). Die Produzenten haben die Beschränkung ihrer Produktion mit der Auswahl ihrer Produktionsfaktoren. Hierbei ist entscheidend, wie viel von einem Produktionsfaktor eingesetzt wird (Pyndick/Rubinfeld 2003: 212).

Das Angebot eines Marktes ist abhängig von der Nachfrage der Konsumenten und von dem Angebot der Produzenten. Man unterscheidet die Märkte in Monopol, Oligopol und Polypol. Zur vereinfachten Darstellung wird im Folgenden angenommen, dass viele Konsumenten auftreten (Mankiw 2004: 69).

- Monopol: Hier existieren nur ein Anbieter und viele Nachfrager. Hier herrscht kein Wettbewerb, da der Anbieter mit keinen anderen um die Kunden konkurrieren muss (Mankiw 2004: 69).
- Oligopol: In dieser Marktform sind mehrere Anbieter vorhanden und viele Nachfrager. Die Anbieter haben einen so großen Marktanteil, dass sie in der Lage sind die anderen Anbieter in Absatz und Gewinn zu beeinflussen (Demmler 1995: 36).
- Polypol: Ein Polypol besteht aus vielen Anbietern und Nachfragern. Hier sind die Marktanteile der einzelnen Anbieter so gering, das sie, anders als beim Oligopol, die anderen Anbieter nicht in Absatz und Gewinn beeinflussen können (Demmler 1995: 37).

Des Weiteren unterscheidet man zwischen vollkommenem Markt und unvollkommenen Markt. Ergänzungen und weitere Beschreibungen sind bei der Gruppe „vollkommene Märkte“ zu finden. Bei den weiterführenden Beispielen wird zu Gunsten der Übersichtlichkeit von einem vollkommenen Markt ausgegangen.

2.5.2 Der Preis

Im Zusammenhang mit dem Preis spricht man von einem „Gesetz der Nachfrage: Bei sonst gleichen Bedingungen fällt die nachgefragte Gütermenge, wenn der Preis des Gutes ansteigt.“ (Mankiw 2004: 70). Ebenso wird von einem „Gesetz des Angebotes: Bei sonst unveränderten Randbedingungen nimmt die angebotene Menge eines Gutes bei steigendem Preis des Gutes zu, während sie bei einem fallenden Preis sinkt.“ (Mankiw 2004: 77) gesprochen. Die diversen Nachfrager stehen in Konkurrenz zueinander (Fritsch/Wein/Ewert 1999: 7). Bei oben genannten Marktformen stehen diesen um das Gut konkurrierenden Nachfragern verschiedene Anzahlen an Anbietern gegenüber. Bei einem Monopol hingegen nur einer. Dies bedeutet, dass die Nachfrager nur bei einem Anbieter kaufen können, der den Preis festlegt. Letztendlich bleibt dann die Wahl zwischen Kauf oder Nichtkauf.

Bei einem Oligopol hat der Konsument schon mehr Auswahl an Anbietern. Hier herrscht Wettbewerb zwischen den einzelnen Anbietern und es kann Preisunterschiede geben, so dass der Kunde zwischen den Anbietern wählen kann. Die Preise klaffen nicht extrem auseinander, da sich die Anbieter immer nur zeitweilig auf Preiskämpfe einlassen (Mankiw 2004: 69).

Ein Sonderfall ist der Polypolmarkt, da hier die Preise überall fix sind und nur Mengenanpassungen geschehen. Hier stehen sich viele Anbieter und Nachfrager gegenüber. Der Konsument kann unter vielen Anbietern wählen. Diese Marktform ist allerdings nur ein Modell (Mankiw 2005: 69).

Die Preisbildung wird häufig als die unsichtbare Hand des Marktes beschrieben (Fritsch/Wein/Ewers 1999: 7). Diese findet in einem staatlichen Reglement statt. „Adam Smith, einer der Väter der Nationalökonomie, betonte, daß „die drohende Hand des Rechts“ gut sichtbar sein muß, damit „die unsichtbare Hand des Marktes“ auch funktioniert.“ (Fritsch/Wein/Ewers 1999: 9). Auch bedeutet die Preisbildung die Darstellung der Knappheit der verwendeten Ressourcen und deren Güte (Fritsch/Wein/Ewers 1999: 7).

2.6 Marktversagen

Allgemein bedeutet Marktversagen, „daß die Marktpreise nicht die richtigen Signale an die Konsumenten und Produzenten geben“ (Pyndick/Rubinfeld 2003: 355), so dass der Markt nicht in der Art und Weise funktioniert wie oben beschrieben. „Beispielsweise kann Marktversagen vorkommen, wenn es den Konsumenten an Informationen über die Qualität oder Art des Produktes fehlt und sie deshalb keine nutzenmaximalen Kaufentscheidungen treffen können“ (Pyndick/Rubinfeld 2003: 355).

Marktversagen kann in mehreren Formen auftreten, wobei im Folgenden nur die Formen betrachtet werden, welchen in Bezug auf Hochschulbildung eine Bedeutung beikommt. Relevant für das Gut Hochschulbildung ist zunächst das Marktversagen aus Informationsmängeln. In diesem Fall ist auch von Informationsasymmetrie die Rede. Beim Marktversagen aus Informationsmängeln wird zwischen Unkenntnis und Unsicherheit unterschieden. „Unkenntnis liegt dann vor, wenn Marktakteure unzureichend informiert sind, es aber grundsätzlich möglich ist, diese Lücke durch entsprechende Informationsbeschaffung zu beseitigen. Unsicherheit bezieht sich auf die zukünftige Entwicklung, die auch unter großem Aufwand nicht mit vollkommener Gewissheit prognostiziert werden kann“ (Fritsch/Wein/Ewers 1999: 262). Unter den Punkt Informationsmangel durch Unkenntnis fällt die Nutzenunkenntnis sowie die Qualitätstunkenntnis. Bei der Nutzenunkenntnis besteht für die Nachfrager kein Mangel an Information über die Qualität eines bestimmten Gutes bzw. Angebots. Die Nachfrager schätzen den Nutzen jedoch falsch ein und konsumieren daher eine zu geringe oder zu große Menge (Fritsch/Wein/Ewers 1999: 263). Qualitätsunkenntnis liegt vor, wenn die Marktakteure die Qualität eines Gutes nur relativ schlecht einschätzen können (ebenda) (siehe auch 2.4).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Hochschulbildung als Gut
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen
Note
1,3
Autoren
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V89714
ISBN (eBook)
9783638038553
ISBN (Buch)
9783638935463
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hochschulbildung
Arbeit zitieren
Sven Vandreike (Autor)Matija Tkalcec-Maturanec (Autor)Joschka Siemer (Autor), 2005, Hochschulbildung als Gut, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89714

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