Erstellung einer computergestützten Simulation


Seminararbeit, 2006

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

1. Einleitung

Die durch den Dozenten vorgegebene Aufgabenstellung lautete wie folgt:

„Eine multinationale Gruppe aus sicherheitspolitischen Entscheidungsträgern soll für die zukünftige Politikgestaltung in Bezug auf Afghanistan beraten werden. Dazu wird sich eine Gruppe von Fachexperten drei Tage lang zu einer wissenschaftlichen Klausurtagung (Think Tank) treffen und eine systemische Analyse mit computergestützter Modellbildung und Simulation durchführen. Die erarbeiten Ergebnisse sollen die Urteilsfähigkeit und Handlungssicherheit der zu beratenden Entscheidungsträger in folgenden Problembereichen herstellen: Abschaffung der Drogenwirtschaft Einhegung der Warlords / Banden / irreguläre Kräfte und Politik(en) für den Wiederaufbau.“

Anhand dieser Aufgabenstellung wurde während des Seminars von den einzelnen Gruppen ein Computermodell erstellt, das die Situation vor Ort mit all seiner Komplexität möglichst Realitätsnah wiedergeben sollte. Im ersten Schritt dieser Arbeit soll der Ort des Szenarios mit seinen Charakteristika, kurz, dargestellt werden. Im zweiten Schritt soll Akteur vorgestellt werden. Hierbei handelt es sich um die Warlords, genauer gesagt um die Warlords im Nordwesten von Afghanistan. Im dritten Schritt Genese des Computermodells veranschaulicht werden. Hierfür werden sowohl die ersten Versuche einer Modellbildung mir der Software „Heraklit II“ herangezogen als auch das Modell zum Ende des Seminars vorgestellt. Dieser Ablauf soll die Fortschritte und Rückschläge bei dem vernetzen Denken und der computergestützten Modellbildung dokumentieren. In diesem Punkt sollen auch die Vor- und Nachteile von vernetztem Denken und der computergestützten Simulation von Modellen erarbeitet und diskutiert werden.

2. Afghanistan

Dieses Kapitel Afghanistan als Land darstellen. Hierfür wird zunächst ein historischer Überblick in Punkt 2.1 gegeben um die Geschichte des Landes besser zu verstehen. Der Ausgangspunkt ist hier der Einmarsch der Sowjetrepublik in Afghanistan. In Punkt 2.2 werden die geographischen Besonderheiten Afghanistans erläutert, da diese für die spätere Modellbildung von großer Bedeutung sein werden.

2.1 Afghanistan historisch

Den historischen Überblick über Afghanistan mit der Invasion der UDSSR in Afghanistan zu beginnen ist aus zwei Punkten äußerst sinnvoll. Zum ersten hat kein anderer Krieg auf afghanischem Gebiet, weder die Konflikte während der Monarchie noch die Kriege gegen die britischen Besatzer, die gewachsenen Stammesstrukturen so beschädigt. Die Zerstörung der Stammesstrukturen war von entscheidender Bedeutung für den Aufstieg der späteren Warlords.

Der zweite Punkt ist das durch diesen Konflikt eine starke Flüchtlingsbewegung innerhalb von Afghanistans ausgelöst, die territoriale Vermischung der unzähligen Ethnien hervorgerufen und so weitere Ursachen für die späteren Spannungen in Afghanistan gelegt.

Nachdem am 16. September 1979 Hafizullah Amin, nach internen Machtkämpfen mit seinem Kontrahenten Taraki, zum Generalsekretär der DVPA und zum Staatspräsidenten ernannt wurde. Es stand nun kein Moskaufreundlicher Staatschef an der Spitze Afghanistans. Doch die Herrschaft Amins sollte sehr schnell wieder beendet sein. Im Oktober 1979 formierte sich verstärkt Widerstand gegen ihn und sein Einflussbereich begann schnell schwinden. Bereits Ende Oktober befanden sich 23 von 29 Provinzen in den Händen der Aufständischen. Am 27. Dezember 1979 besetzten sowjetische Truppen Kabul. Moskau begründete den Einmarsch mit einem Hilferuf der afghanischen Regierung. Ob es diesen Hilferuf wirklich so gegeben hat ist zumindest fraglich, da bereits im September sowjetische Truppen an der afghanischen Grenze zusammengezogen wurden und sich zwei Wochen nach der Invasion vom 27. Dezember bereits 75.000 sowjetische Soldaten in Afghanistan befunden haben sollen. (Vgl. Behrens 1982: 51ff. ; Schwarz 2002: 96ff.)

Die Gründe für die sowjetische Intervention sind vielschichtig. Die UDSSR fürchteten die Errichtung eines antisowjetischen muslimischen Staates in Afghanistan, nach dem Vorbild Ayatollah Khomeinis im Iran (vgl. Schwarz 2002: 101) Magnus und Naby äußern sich dazu ähnlich:

„In scarcely a year and a half, by late 1979, Afghan geopolitics became still more critical fort he UDSSR. The Islamic revolution in Iran had removed the Shah, hitherto seen as the strongest regional obstacle to soviet ambitions.” (Vgl. Magnus / Naby 2000: 63)

Weitere Gründe waren laut Schwarz:

„Die strategisch günstige Lage Afghanistans […], wobei wirtschaftliche Gründe diese Überlegungen bei weitem übertrafen. […], denn die Sowjetunion hatte in den Jahren 1954 bis 1978 nicht weniger als 1,3 Milliarden Dollar an Entwicklungshilfen in Afghanistan investiert, […]. (Vgl. Schwarz 2002: 102)

Schwarz führt weiterhin die Sorge vor einem zu erwartenden Mangel an Energie-Rohstoffen und die Angst vor einer Beeinflussung der islamisch geprägten Sowjetrepubliken durch die Aufständischen in Afghanistan (vgl. Schwarz 2002: 102). Bereits im Frühjahr 1980 kam es Landesweiten aktiven Aufständen in den ländlichen Regionen. Nach und nach weiteten die Mudschaheddin ihren Krieg auf alles Ausländische aus und durch das aufkommende Banditentum wurden auch viele Personen der einheimischen Bevölkerung getötet. Über 200.000 Gotteskrieger kämpften gegen die Sowjets, wovon eine Vielzahl aus dem Ausland kam. Unter diesen Gotteskriegern war auch Osama Bin Laden. Auch aus den islamischen Sowjetrepubliken erfuhren die Afghanen Unterstützung. (Vgl. ebd.: 110f.) Ihr Einfluss ist in den Grenzregionen noch heute spürbar. Die Ernennung von Michail S. Gorbatschow zum Generalsekretär kennzeichnet die Wende in der sowjetischen Afghanistan Politik. Nachdem in langen Verhandlungen die politischen Differenzen ausgeräumt worden waren, kam es 1988 zur Unterzeichnung eines Friedensvertrags der unter anderem den Abzug der sowjetischen Truppen vorsah. Dieser wurde 1989 beendet. (Vgl. Schwarz 2002: 111ff.) In den folgenden Jahren kam es zu einem blutigen Bürgerkrieg, in dem die Leidtragenden die Zivilbevölkerung war. Wichtige Akteure waren zum Beispiel: Hekmatyar, Rabbani, Khales, Nabi Muhammadi, Abdul Rasul Sayyaf, Rashid Dostum oder Ahmed Schah Massoud. Einige Protagonisten dieses Konflikts sind auch heute noch große Machtfaktoren in Afghanistan. Die Jahre 1993 bis 1994 waren gekennzeichnet von schweren Kämpfen um Kabul, in denen aber keine der rivalisierenden Gruppen einen entscheidenden Sieg erringen konnten. (Vgl. Schwarz 2002: 126ff.) Im Herbst 1994 betraten erstmals die Taliban unter der Führung von Mullah Omar die „Bühne“ Afghanistan. Sie sicherten sich die Unterstützung des amtierenden afghanischen Präsidenten Burhanuddin Rabbani und Pakistans. Die lange Zeit des Krieges hatte in Afghanistan die Gesellschaftsstrukturen stark verändert. Schwarz hierzu:

„[Es] entstanden ganz andere, nicht unbedingt traditionelle Führungspositionen in Afghanistan. Als solche wären vor allem lokale und regionale Militärkommandanten (Warlords) zu sehen.“ (Vgl. Schwarz 2002: 134)

Diese Warlords waren in hauptsächlich an persönlicher Bereicherung und Machterhaltung interessiert. In der Regel führten sie in denen von ihnen kontrollierten Gebieten eine Terrorherrschaft und beuteten die dort ansässige Bevölkerung aus. Hierin lag der Hauptgrund für den starken Zulauf der Taliban. Sie beendeten die Herrschaft der Warlords und sorgten wieder für geregelte Verhältnisse. (vgl. ebd.: 135) Aufgrund der lang andauernden Uneinigkeit zwischen den großen Warlords, gelang es den Taliban bis Ende September 1996 Kabul zu besetzen und die Macht zu ergreifen und 85 Prozent des Landes zu erobern. Die ehemaligen Feinde Dostum, Rabbani, Massoud und Khalili schlossen sich 1997 zur Nord-Allianz zusammen. Nach einer Vielzahl von Gefechten, die die beiden Seiten abwechselnd für sich entscheiden konnten, gelang es den Taliban die Oberhand zu erlangen und 2001 fast 90 Prozent des Landes zu besetzen. Mit den Terroranschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon vom 11. September 2001 rückt Afghanistan in das Blickfeld der amerikanischen Außenpolitik. Im Oktober 2001 begannen die Luftangriffe auf die Stellungen der Taliban. Aufgrund der massiven Luftangriffe startete die Nord-Allianz ihre offensive und konnte im November 2001 Mazar-i-Sharif einnehmen. Am 13.11.2001 gelang die Eroberung Kabuls und bis Ende November wurden die Taliban in nur noch vier Provinzen zurückgedrängt. Bis zum Dezember 2001 wurde die Herrschaft der Taliban endgültig beendet (Vgl. Schwarz 2002: 168ff.). Im November 2001 wurde eine afghanische Übergangsregierung auf dem Bonner Petersberg gewählt, die diesen Posten auch am 22.12.2001 unter der Führung von Hamid Karzai antrat. Am 11. Juni 2002 wurde Karzai zum neuen Oberhaupt von Afghanistan gewählt (Vgl. ebd.: 188f.)

2.2 Afghanistan geographisch

Um die Schwierigkeiten besser zu verstehen vor denen der Neuaufbau und die Bekämpfung des Terrorismus stehen, ist es notwendig die Geographischen Besonderheiten dieses Landes zu kennen. In dem folgenden Abschnitt sollen nicht nur die landschaftlichen, sondern auch die klimatischen und ethnischen Charakteristika dargestellt werden.

Afghanistan ist eines der wenigen Länder der Erde, die über keinen zugang zum Meer verfügen. Es hat gemeinsame Grenzen mit China, Iran, Pakistan, Tajikistan, Turkmenistan und Uzbekistan (vgl. Magnus / Naby 2000: 2) Die Gesamtfläche von Afghanistan beträgt circa 650.000 Quadratkilometer und es weist sowohl ausgeprägte Tieflandzonen als auch extreme Hochgebirge auf. Insgesamt machen die Hochgebirge Vier Fünftel der Gesamtfläche Afghanistans aus. Nur Ein Fünftel besteht aus Hochebene, Tafelland und Wüste. (Vgl. Kraus 1972: 17ff. ; Magnus / Naby 2000: 2ff.) Afghanistan ist also ein ausgesprochenes Gebirgsland, dessen Hauptgebirge der Hindukush ist. Durch die hohen Gebirge wird auch das Klima beeinflusst. Es schwankt von Kontinentalklima im Hochland über Hochgebirgsklima bis zu subtropischen Bedingungen im Süden und Südosten. Temperaturschwankungen von plus 50 Grad im Sommer bis minus 25 Grad im Winter sind keine Seltenheit. (Vgl. Kraus 1972: 32ff. ; Schwarz 2002: 193) Diese Tatsachen lassen den Schluss zu, dass Afghanistan nur ein sehr schwer zugängliches Land ist und eine Einhegung der Warlords beziehungsweise eine wirksame Bekämpfung des Terrorismus sehr problematisch ist. Ähnliche Erfahrungen mit diesem Land haben bereits die sowjetischen und britischen Truppen, ja sogar die Soldaten Alexanders des Großen, machen müssen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Erstellung einer computergestützten Simulation
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V89757
ISBN (eBook)
9783656954910
Dateigröße
874 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erstellung, Simulation
Arbeit zitieren
Dennis Antons (Autor), 2006, Erstellung einer computergestützten Simulation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89757

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