Dynamisches Sitzen: ein Element der bewegten Schule


Seminararbeit, 2001
15 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung der Fachliteratur zur Bewegten Schule

3. C. Müllers Konzept der „Bewegten Grundschule“

4. Dynamisches Sitzen

5. Dynamisches Sitzen in weiterführenden Schulen

6. Bewegte Schule und dynamisches Sitzen in den Rahmenplänen der Schulbehörde Hamburg

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„In der Schule musst du auch still sitzen!“

Diesen Satz hören viele SchülerInnen zu Hause, wenn sie bei den Hausaufgaben nicht still sitzen. Ein Ereignis mit einer Nachhilfeschülerin machte mich auf diese Problematik aufmerksam.

Miriam[1] ist in der vierten Klasse und steht kurz vor dem Schulwechsel auf ein Gymnasium. Sie arbeitet stets konzentriert und hat kaum Probleme die Hausaufgaben zu bewältigen. Während der Bearbeitung der Hausaufgaben steht Miriam hin und wieder auf und arbeitet im Stehen weiter. Sie ist für ihren Schreibtisch und ihren Stuhl noch etwas zu klein und die Stehhaltung ist ihr angenehmer als durchgehend zu sitzen. Nach der zweiten Nachhilfestunde werde ich von der Mutter auf diese „Problematik“ angesprochen. Sie zeigt kein Verständnis für meine Einwände und fordert mich auf, Miriam das Stehen zu verbieten und sie zu ermahnen, im Sitzen zu arbeiten. Ihre Vorstellung von der Schule entspricht dem Bild einer „Sitzschule“ und ihr Argument steht fest: „In der Schule muss Miriam auch still sitzen! Das muss sie lernen.“

Dieses Ereignis brachte mich dazu, mich mit der „Sitzproblematik“ der Schule näher zu befassen. Denn ich bin der Meinung, dass Miriam auch im Stehen sehr konzentriert arbeitet. Warum sollte das Lernen nur im Sitzen möglich sein? Was für andere Möglichkeiten gibt es? Welche Argumente sprechen für alternative Körperhaltungen beim Lernen?

Um Antworten auf meine Fragen zu finden, habe ich mich mit den Ergebnissen der Forschungsgruppe „Bewegte Grundschule“[2] befasst. Die Forschungsgruppe hat ein gleichnamiges Forschungsprojekt konzipiert, das in den Jahren 1996 bis 2000 in vier Versuchsschulen in Sachsen und einer Schule in Rheinland-Pfalz erprobt wurde. Die Ergebnisse wurden von Christina Müller in ihrer Monografie „Bewegte Grundschule“[3] zusammengefasst.

2. Entwicklung der Fachliteratur zur bewegten Schule

Seit Mitte der 80-er Jahre gibt es Fachbeiträge zur bewegten Schule. Die Verfasser sind meist Lehrer, Fachdidaktiker, Pädagogen, aber auch Mediziner.[4] In den 90-er Jahren nehmen die Veröffentlichungen zu dem Thema zu und die Bezeichnung „bewegte Schule“ wird spätestens jetzt zum Schlagwort in der Forschungsliteratur der Sportwissenschaft.

Alle Beiträge haben das Ziel, mehr Bewegung in die Schule zu bringen und das gesamte Schulleben bewegter zu gestalten. Die grundlegenden Aussagen der Beiträge lassen sich grob zusammenfassen. Sie betreffen meist alle Fächer, d.h. es soll eine fächerübergreifende Veränderung stattfinden. Es besteht die Forderung, dass theoretische Konzepte konkrete Konsequenzen für den gesamten Schulalltag nach sich ziehen sollen. Darüber hinaus wird dargelegt, dass zwischen Lernen und Bewegung ein Zusammenhang besteht und dass Lernen nicht nur im Stillsitzen erfolgen kann bzw. muss.[5]

Thematisch können die Veröffentlichungen in drei Kategorien eingeteilt werden. Es gibt Beiträge zur fachdidaktischen Entwicklung, zu empirischen Untersuchungen und Berichte über durchgeführte Projekte.[6]

In der Fachliteratur wurden verschiedene Ansätze und Konzepte zur bewegten Schule entwickelt. Die Ansätze sind zwar im Detail unterschiedlich, aber sie bestehen aus inhaltlich ähnlichen Elementen, aus deren Zusammenwirken eine bewegte Schule entstehen soll.

In der Literatur genannte Elemente wurden von Eckart Balz wie folgt zusammengefasst:

1. Bewegtes Sitzen (z.B. Wechsel der Sitzposition)
2. Bewegter Schulraum (z.B. variable Tische und Stühle)
3. Bewegtes Lernen (z.B. handlungsorientierte Unterrichtsvorhaben)
4. Bewegungspausen im Unterricht (z.B. Spielformen zur Entmüdung)
5. Bewegter Sportunterricht (z.B. aktiver Stundenbeginn, Vielseitigkeit)
6. Bewegungsangebote im außerunterrichtlichen Schulsport (z.B. Feste)
7. Bewegte Pausen (z.B. Bereitstellen von „Pausenspieltonnen“)[7]

Aus dieser kurzen Zusammenfassung wird ersichtlich, dass es sich bei der bewegten Schule um ein Konzept handelt, dass weit über die Grenzen des Fachbereichs Sport hinausgeht. Die geforderten Maßnahmen betreffen das gesamte Schulleben. Somit kann das Konzept der bewegten Schule einen wichtigen Beitrag zur gesamten Schulentwicklung leisten, wenn die praktische Umsetzung an Schulen[8] gelingt.[9]

Eines der in den letzten 5 Jahren entwickelten Konzepte ist C. Müllers Konzept der „Bewegte Grundschule“, welches in der Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe „Bewegte Grundschule“ entstand.

3. C. Müllers Konzept der „Bewegten Grundschule“

C. Müller entwickelt Aspekte einer Didaktik der Bewegungserziehung, welche sie als umfassende Aufgabe der Grundschule sieht.

Der Begriff „Bewegungserziehung“ ergibt sich aus der Bedeutung der Bewegung für die kindliche Entwicklung und der Notwendigkeit der Erziehung zur Bewegung.

Die Bewegung ist „für Kinder ein Erfahrungsorgan und Gestaltungsinstrument in einem...“ „..., denn durch Bewegung können sie die Welt erleben, erfahren, erkennen und gleichzeitig formen und gestalten.“[10] Darüber hinaus bezieht sich C. Müller auf die anthropologischen Grundannahmen, dass Bewegung ein Grundbedürfnis und neben Sprechen und Denken eine fundamentale Daseinsweise des Menschen ist. Da Bewegung nicht angeboren, sondern erworben ist, ist eine Erziehung zur Bewegung notwendig.[11]

Die Bewegungserziehung muss daher das gesamte Schulleben bestimmen und kann nicht nur von dem Fach Sport geleistet werden.

Das Hauptziel der Bewegungserziehung ist „die Befähigung der Kinder zur individuellen Handlungskompetenz, die darauf gerichtet ist, durch Bewegung die Umwelt zu erfahren und zu gestalten.“[12] Dabei wird betont, dass die Bewegungserziehung auf die Ganzheit des Kindes gerichtet sein soll und die SchülerInnen zur Selbständigkeit erzogen werden sollen.

[...]


[1] Der Namen wurde aus Datenschutz geändert.

[2] Dies ist eine Forschungsgruppe des Bereiches der Sportpädagogik der Fakultät Erziehungswissenschaften der Technischen Universität in Dresden. Vgl. Müller, Christina: Bewegte Grundschule. Aspekte einer Didaktik der Bewegungserziehung als umfassende Aufgabe der Grundschule. Academia Verlag, Sankt Augustin. 1. Aufl.1999. S.9.

[3] Müller, Christina: Bewegte Grundschule. a.a.O.

[4] Vgl. Kößler, Christoph: Die bewegte Schule- Anspruch und Wirklichkeit. Diss. Regensburg, 1999. S.9. Urs Illi war einer der ersten Sportwissenschaftlern, der im deutschsprachigen Raum Mitte der 80-er Jahre Beiträge zur Bewegten Schule veröffentlichte und deren praktische Umsetzung verfolgte (vgl. S. 26 a.a.O.). Viele Autoren beziehen sich auf seine Veröffentlichungen.

[5] Vgl. Kößler, C. a.a.O., S.9

[6] Vgl. Kößler, C. a.a.O., S.114

[7] Vgl. Balz, Eckart: Die bewegte Schule- Konzept und Kritik. In: Sportuntericht. Schorndorf, 1999. Heft 10. S.417-424. Vgl. S.420

[8] Die meisten Ansätze beziehen sich auf den Bereich der Grundschule. Es gibt -noch- verhältnismäßig wenige Beiträge, die Maßnahmen für weiterführende Schulen thematisieren.

[9] Vgl. Balz, E. a.a.O. S.423

[10] Müller, C. a.a.O. S.39

[11] Vgl. Müller, C. a.a.O. S.39

[12] Müller, C. a.a.O. S.40

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Dynamisches Sitzen: ein Element der bewegten Schule
Hochschule
Universität Hamburg  (Grundschulpädagogik)
Veranstaltung
Seminar II: Sportdidaktische Themen und Examensvorbereitung
Note
gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V8976
ISBN (eBook)
9783638157988
ISBN (Buch)
9783640864454
Dateigröße
674 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es geht in der Arbeit um das Konzept der Bewegten Schule für die Grundschule. Speziell wird die Sitzthematik näher beleuchtet. 332 KB
Schlagworte
Dynamisches, Sitzen, Element, Schule, Seminar, Sportdidaktische, Themen, Examensvorbereitung
Arbeit zitieren
Katja Sen (Autor), 2001, Dynamisches Sitzen: ein Element der bewegten Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8976

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