Exegese Lk 13, 18 - 21 parr.

Vom Senfkorn und vom Sauerteig


Seminararbeit, 2006
75 Seiten, Note: 1-2 (gut bis sehr gut)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. „Dein Reich komme...“:

II. Textlinguistik:
a) Syntaktische Analyse:
b) Semantische Analyse:
1. ‚Senfkorn’:
2. ‚Sauerteig’:
c) Textpragmatik:
Exkurs I: Zur ‚Dynamik’ der Basileia

III. Textkritik: Übersetzungsvergleich:

IV. Literarkritik:
a) Abgrenzung der ‚ kleinsten sinnvollen Texteinheit’ vom Kontext:
1. Abgrezung vom Vorangehenden
2. Abgrenzung vom Nachfolgenden:
Exkurs II: „Letzte, die werden die Ersten sein...“
b) Einordnung von Lk 13, 18-21 in den Makrokontext:
c) Kohärenz ?

V. Synoptischer Vergleich:
a) Lk 13, 18 – 21 vs. Mk 4, 30 – 32:
b) Lk 13, 18 – 21 vs. Mt 13, 31 – 33 (vs. Mk 4, 30 – 32):
1. Lk 13, 18 – 19 vs. Mt 13, 30 – 32:
2. Lk 13, 20 –21 vs. Mt 13, 33:
3. Identifikation der ältesten Textvariante:

VI. Formgeschichte / Formkritik:
a) Prämissen und Begriffsklärung:
b) Charakteristika der Gattung ‚Gleichnis’ nach R. Bultmann:
c) Anwendung und Prüfung der bultmann’ schen Kriterien auf Lk 13, 18–21parr:

VIII. Religionsgeschichtlicher Vergleich, Traditions- und redaktionsgeschichtliche Erwägungen, im Hinblick auf die Frage nach dem Historischen Jesus:
a) Allgemeine Übereinstimmungen mit religionsgeschichtlichen Parallelphänomenen:
b) Konkretisierung des Befundes an Lk 13, 18 – 21parr:
1. Das „Senfkorn“ als metaphorische Innovation:
2. Konnotationen des „Baumes“:
3. Die „ Vögel des Himmels “ – ein redaktioneller Nachtrag?
4. Zur metaphorischen Indikation des ‚Sauerteiges’: Eine usuelle Metapher in neuem Gewand
Exkurs III: Das ‚Fest der ungesäuerten Brote’:
5. „ Drei Sea Mehl “ – nachgetragene AT-Reminiszenz?
6. Frage vs. mt Einleitungsformel: Wie leitete Jesus seine Gleichnisse ein?
Exkurs IV: Welche Vortragssituation plausibilisiert die Formulierung einer Doppelfrage?
c) Rekonsruktionsversuch der ipsissima verba Jesu und hermeneutische Konsequenzen:
d) Vergleich von Mk 4, 30 –32 mit dem rekonstruierten Prototypus und Deutung der Differenzen:
e) Mk 4, 30–32 – ‚Prototypus’ – Lk 13, 18–19 (– Q-Fassung): Vergleich und Deutung der Differenzen:
f) Integration von Lk 13, 20 – 21 und abschliessende Interpretation:

Literaturverzeichnis:

Sekundärliteratur:

Bibeln, Synopsen, Konkordanz:

Websites:

Das Fest der ungesäuerten Brote

I. „Dein Reich komme...“:

Dein Reich komme “ beten Christen weltweit im Vater Unser, als handelte es sich bei dieser Formulierung um das Herbeibitten einer ganz ‚selbstverständlichen’ Größe. Dass das erbetene ‚Reich’ (Gottes bzw. der Himmel), die βασιλεία (του θεου bzw. των ούρανων), so ‚selbstredend’ nicht sein kann, belegt dagegen schon allein der Befund, dass alle drei Synoptiker es in vielfältiger, nicht widerspruchspruchsfreier Weise thematisieren und Jesus selbst eine oft bildhaft vergleichende Rede von der Basileia in den Mund legen.[1] Schon ein grober Vergleich der relevanten Belegstellen weist die Mehrdeutigkeit dieses Begriffs aus: teils erscheint die Basileia als geographische Größe[2], in die man „ hineinkommen[3], bzw. in der man „ sein “, „ sitzen[4] oder aus ihr „ ausgestoßen sein[5] kann, teils wird sie qualitativ als göttliche Herrschaftsausübung [6] bestimmt , die, obwohl schon angebrochen, erst in der Endzeit volle Verwirklichung findet[7],.[8] Die Zuordnung der jeweiligen Belege in eine der Kategorien kann dabei oft nicht mit letzter Sicherheit getroffen werden.[9] Die offenkundige Polyvalenz des Ausdrucks liegt darin begründet, dass er selbst ja eine Metapher darstellt, „ die eine weltlich-politische Größe auf den transzendenten Bereich projiziert[10]. Wie jede Metapher, ist auch jene der Gottesherrschaft prinzipiell semantisch offen, wenn auch der kontextuelle Rahmen den Interpretationsmöglichkeiten Grenzen steckt.

Ungeachtet dieser Problemlage, legt die „ über 80malige Bezeugung des Begriffs in den synoptischen Evangelien[11] nahe, dass die βασιλεία του θεου als zentraler Verkündigungs- inhalt Jesu zu gelten hat. Nicht nur die Quantität der Belegstellen, auch ihre Verteilung über verschiedene gattungskritische Formen innerhalb, aber auch außerhalb direkter Rede Jesu, sowie ihre Eingebundenheit in unterschiedliche Kontexte zeigen, wie sehr Jesus darin bemüht war, seinen Hörern die Basileia ‚nahezubringen’. Oft, wie auch in dem nun zu besprechenden Fall, bediente er sich hierzu des einzigen Mittels, das die menschliche Sprache zur Beschreibung göttlicher Wirklichkeit zur Verfügung stellt: Bildhaftvergleichender Redeweise.

II. Textlinguistik:

a) Syntaktische Analyse:

Hinsichtlich verwendeter Wortarten und –formen ergibt die syntaktische Analyse von Lk 13,18-21 folgenden Befund: vorwiegend singularische, undeterminierte Nomina werden ohne adjektivische Charakterisierung über ausschließlich indikativisch-aktiv gebrauchte Verbformen miteinander verbunden. Die Analyse der Verb -Tempora legt eine Zweiteilung der Perikope nahe (V. 18–19 und V. 20–21), da jeweils einleitendem Imperfekt ein präsentisch formulierter Frageteil, sowie präsentische Antworteinleitung folgt, wohingegen die eigentliche Antwort beide Male im Aorist ausgedrückt wird. Gestützt wird diese These zusätzlich durch den Umstand, dass die einzigen beiden Präpositionen des Textabschnitts („ in “ V. 19 und „ unter “ V. 21) sich analog positioniert auf die beiden Antwortpassagen verteilen, wodurch die zu V. 18 parallel konstruierte Überleitung „ und wiederum sprach er “ (V. 20) die Kohärenz, welche sie suggerieren soll, herzustellen nicht mehr ausreicht. Vielmehr lassen sich zusammenfassend zwei formal in sich geschlossene, parallel strukturierte Teile identifizieren, deren jeder ebenso gut für sich allein stehen könnte, ohne dass diese Beschneidung zu seiner Unvollständigkeit führen würde.

Innerhalb des so umgrenzten ersten Teils wird Kohäsion durch die Doppelung der Frage, den relativen Nebensatz, sowie mittels der auf das Senfkorn rückbezüglichen Pronominalform „ es “ und mit der zweifachen possessivpronominalen Verzahnung („ seinen Garten “; „ seinen Zweigen “) geschaffen. Vor allem aber verleiht die dreimalige Verwendung der Konjunktion „ und “ der Antwortpassage eine hohe Dichte. Auch im zweiten Teil hat der Relativsatz, sowie das auf das Mehl (nicht den Sauerteig) rückverweisende „ es “ kohäsive Wirkung, die durch die temporale Konjunktion des Schlusssatzes („ bis “) verstärkt und gerahmt wird.

Bezüglich der strukturellen Grundlage von Lk 13,18-21 lässt sich also schließen:

Die Perikope ist in zwei formal abgeschlossene, weitgehend parallel strukturierte Einheiten gegliedert, die jeweils dem Schema ‚Überleitung – Frage – mehrgliedrige Antwort’ folgen. Spezifika des ersten Teiles sind die eingehende Doppel frage - die im zweiten Teil zur Einzelfrage komprimiert wird – und die Dreiteilung der Antwort, die der Subjektwechsel „ es “ (also: Reich Gottes) - „ Mensch “ – „ es “ (also: Senfkorn) – „ Vögel des Himmels “ markiert. Die zweite Einheit verkürzt den Antwortteil um seine Mittelpassage, wodurch nur zwei Subjektwechsel stattfinden: „ es “ (also: Reich Gottes) – „ Frau “ – „ es “ (also: Sauerteig). Trotz dieser Kürzung lassen sich beide Antworten auf folgendes Schema zurückführen:

Subjekt 1 (Reich Gottes) „ gleicht einem “║[12] Objekt 1, das ein Subjekt 2 „ nahm und “ Präposition determiniertes Objekt 2 Verb (Indikativ Imperfekt aktiv) à Konsequenz

Zwei mal wird also in direkter Rede nach einem (bildhaften) Äquivalent für das selbe Subjekt, die Basileia Gottes, gefragt. In beiden Fällen wird diese Frage anhand eines Vergleiches, bzw. Gleichnisses[13] beantwortet.

b) Semantische Analyse:

Lässt auch die Semantik eine solche Zweiteilung zu, ohne dass dadurch unzulässige Bedeutungseinbußen in Kauf genommen werden müssten? Zur Beantwortung dieser Frage beschränken wir uns auf die beiden ‚Antwortpassagen’ – ohne jedoch damit potentielle Bedeutungsverschiebungen (aufgrund der Komprimierung des Frageteils im zweiten Gleichnis) ausschließen zu wollen. Zu dieser Beschränkung legitimiert ferner der Befund, dass der Wechsel der semantischen Ebene von der Ausgangs- zur Bildebene [14] sich bei beiden Gleichnissen erst im Antwortteil vollzieht, d. h. dass erst an der im obigen Schema markierten Stelle das jeweils relevante Bildfeld betreten wird.

1. ‚Senfkorn’:

Die Basileia gleicht „ einem Senfkorn “ (κόκκος [15] σινάπεως) heißt es zunächst in Vers 19, womit die primäre Bezugsgröße der ersten Antwort benannt ist. Mehrere Arten der zu den Kreuzblütlern gehörenden Senfpflanze (σίναπι) waren in Palästina „ lange vor der ntl. Zeit[16] heimisch. Der wohl hier angesprochene schwarze Senf[17] (Sinapis nigra L. ≈ Brassica nigra Koch) wird dort auch heute noch angebaut und zu Speiseöl verarbeitet, bzw. findet als Küchengewürz Verwendung.[18] Aus seinen sprichwörtlich[19] kleinen Saatkörnern (0,95-1,6mm Durchmesser[20] ) erwächst rasch[21] die krautartige, einjährige Senfstaude, zu einer Höhe von etwa zwei bis drei Metern heran[22]. Trotz dieser Größe, und ungeachtet der Tatsache, dass der untere Teil des Stängels verholzen kann[23] bleibt die ausgewachsene Pflanze eine Staude – kein „ Baum “, zu dem Lk das Senfkorn in Vers 19 werden lässt.[24] Auch wurde der Senf rabbinischen Quellen[25] zufolge nicht im „ Garten “ (ει̉ς κη̃πος, V. 19) kultiviert, sondern auf dem Feld.

Ein weiteres Mal ist im Lukasevangelium vom Senfkorn die Rede, und zwar im Logion von der Macht des Glaubens Lk 17, 6. Auch hier bedient sich der Evangelist, respektive Jesus, dem das Wort in den Mund gelegt wird, der sprichwörtlichen Winzigkeit dieses Samens: bereits ein senfkorngroßer Glaube – sofern wahrhaftig – reiche aus um einen „ Maubeerbaum zu entwurzeln und ins Meer zu verpflanzen[26]. ‚Säen’ lässt Lukas – zwar kein „ Senfkorn “, sondern einen „ Samen “ (Lk 8, 4) – innerhalb seines Evangeliums außerdem in Lk 8, 4-15. Auch an dieser Stelle kommt Jesus in gleichnishafter Rede zu Wort, indem er die verschiedenen Geschicke beschreibt, die dem Samen nach der Aussaat widerfahren können. Interessant ist für unseren Zusammenhang vor allem die Deutung, die der lukanische Jesus dem Samen dabei gibt: „ Der Same ist das Wort Gottes “ (Lk 8, 11). Inwiefern auch das Senfkorn auf Gottes Wort hinweist, wird zu prüfen sein.

2. ‚Sauerteig’:

Innerhalb der zweiten Antwort ist die zentrale Bezugsgröße, mit der die Basileia Gottes verglichen wird, der „ Sauerteig “ (ζύμη[27] V.21). Im palästinischen Raum war Sauerteig das konventionelle Mittel zur Brotherstellung. Hierbei handelte es sich um einen bereits fermentierten Mehlteig, der in geringer Menge der zu backenden Masse beigefügt wurde, wobei der Gärungsgrad des ersteren zum Durchsäuern der letzteren genutzt wurde.[28] Zu beachten ist hierbei, dass für diese Prozedur, die, wenn einmal zu ihrem Ende gekommen, unumkehrbar ist, „ im Verhältnis zur Menge des Teiges nur wenig Sauerteig nötig ist[29]. Die hier benannten „ 3 Sea, also etwa 36, 44 l, Mehl [30] gelten dabei wohl als das größte Maß, mit dem eine backende Frau etwa arbeiten konnte[31]. Wärme beschleunigte den ohnehin raschen Gärungsprozess zusätzlich, erhöhte damit allerdings auch das Verwesungsrisiko.[32] Neben dieser wörtlichen Bedeutung wurde der Begriff ‚Sauerteig’ auch metaphorisch[33] gebraucht, und zwar zur Bezeichnung sowohl positiver, als auch negativer Durchdringungskraft (im Sinne von „Einfluss“[34] ). Dies ist auch Lk 12, 1 der Fall, wo der lukanische Jesus eine Warnung vor „ dem Sauerteig der Pharisäer “ ausspricht. Hüten sollte man sich vor ihrem negativen Einfluss, der „ Heuchelei “. Wichtig hierbei ist zu erkennen, dass der ‚Sauerteig’ erst durch den Kontext negativ konnotiert, per se aber neutral zu bewerten ist: nicht vor jeglichem ‚Sauerteig’, also Einfluss, soll man sich in Acht nehmen, sondern vor jenem der Pharisäer, welche ihrerseits im lukanischen Gebrauch negativ konnotiert sind und explizit mit der „ Heuchelei “ in Verbindung gebracht werden.[35]

Der Ertrag der semantischen Analyse ist eindeutig: Die unter syntaktischen Maßstäben angenommene Zweiteilung wird bestätigt. Während im so identifizierten ersten Teil nämlich die Nomina vornehmlich der Pflanzen- (Senfkorn, [Garten], Baum, Zweige) und Tierwelt (Vögel) entstammen und mit Verben der Aussaat und des Wachsens und Werdens korreliert werden, wird der zweite Teil substantivisch (Sauerteig, Mehl) wie verbal vom Wort- bzw. Bildfeld des Backwesens bestimmt. Semantisch gehen die beiden Gleichnisse also deutlich getrennte Wege, allerdings mit einer Ausnahme: In beiden Antworten „ nahm “ ein menschliches Subjekt das jeweilige, dem Reich Gottes gleichende Objekt, und bezog es in sein weiteres Handeln mit ein. Mit der Zweiteilungshypothese korrespondiert ferner der Subjektwechsel: Nicht mehr der ‚Mensch’, resp. ‚Mann’[36], tritt als Sämann auf, sondern die Frau, die ja traditioneller Weise für die Zubereitung der Speisen zuständig ist, begegnet als Bäckerin. Wurde also im ersten Vergleich mit der Aussaat ein typisch männlicher Aufgabenbereich ins Auge gefasst, so findet nun, beim ‚Teig vermengen’ die Frau in einer ‚typisch weiblichen Funktion’ Beachtung.

c) Textpragmatik:

Als ‚ typisch ’ sind beide Beispiele dabei nicht nur im Hinblick auf ihre geschlechtliche Verteilung zu bezeichnen, sondern sie dürfen ferner als herkömmliches und alltägliches Handeln der Hörerschaft Jesu vorausgesetzt werden. Was aber für die Hörerschaft Jesu gilt, ist in diesem Kontext auf die Adressaten des Lukas übertragbar: Mit dem Pflanzen und Backen sind Bilder gewählt, die, direkt aus dem Leben der damaligen Bevölkerung gegriffen, keiner weiteren Erläuterung bedürfen. Dem Erstrezipienten werden vielmehr Identifikationsangebote unterbreitet, die das Verständnis erleichtern, Verinnerlichung ermöglichen sollen. Über das gewählte Bildfeld und ‚Rollenangebot’ hinaus, hat bereits die Strukturierung jedes der beiden Gleichnisse hörer-, bzw. leser integrierende Wirkung: Auf die bewußt knapp gehaltene, weder Zeit und Ort, noch Sprecher und Adressat namentlich nennende Überleitung folgt in Form direkter Rede sogleich die rhetorische (Doppel-)Frage. Ohne Umschweife wird der Leser zum Hörer dessen, was „ er sprach “, und somit eingeladen, an der Verkündigung Jesu teilzuhaben.

Die vorliegende relative semantische Unschärfe verzichtet, um möglichst umfassend appellativen Effekt bemüht, bewußt auf die Benennung des Adressaten, der in direkter Rede nicht nur angesprochen, sondern befragt wird. Im Falle des Gleichnisses vom Senfkorn formuliert der lukanische Jesus sogar zwei Fragen: während die erste eindeutig an ein von ihm unterschiedenes Subjekt gerichtet ist, könnte die zweite auch deliberativ aufgefasst werden, was dann hieße, dass (der hier nicht explizit beim Namen genannte) Jesus auch sich selbst fragen, also ‚laut überlegen’ würde, womit das Reich Gottes vergleichbar sei. Diese Doppelung scheint auf den ersten Blick unnötig, wäre doch die Frage in einfacher Ausführung – wie das ja im Gleichnis vom Sauerteig der Fall ist – nicht minder verständlich. Bei näherer Betrachtung nun, wird die offensichtlich intendierte Wirkung dieser Wiederholung deutlich: „ Wem gleicht das Reich Gottes ?“ richtet sich direkt an das Imaginationsvermögen des Hörers bzw. Lesers und motiviert ihn zur eigenständigen Reflektion darüber, worüber sich auch Jesus selbst Gedanken macht. Seine Aufmerksamkeit wird also nicht nur geweckt, sondern auf die aktive Suche nach möglichen Antworten auf die nun beide Parteien, Sprecher und Hörer betreffende Frage hin gelenkt.[37] Ungeachtet dieser impliziten Aufforderung, wird die Antwort in beiden Gleichnissen faktisch dann doch vom Sprecher selbst gegeben, nicht jedoch ohne den Adressaten sogleich ein je neues Identifikationsangebot zu unterbreiten (s. o.). Über die bloße Rollenvariable hinaus, wird der Rezipient zusätzlich auf der Erzähl-, bzw. Bildebene als ‚notwendig aktiver Mitarbeiter’, als ‚Sämann bzw. Bäckerin des Reiches Gottes’ angesprochen. In beiden Fällen bedarf es explizit der ‚menschlichen Initiative’ [38]: Wenn der Mann das Senfkorn nicht ‚nimmt’ und ‚sät’ kann es ebenso wenig ein Baum werden, wie ein Sauerteig – so nicht von einer Frau ‚genommen’ und ‚unter Mehl gemengt’ – es vermag den frischen Teig ‚ganz zu durchsäuern’. Selbstverständlich ist die Mitwirkung des jeweiligen Protagonisten dabei nicht überzubewerten, da sie ja deutlich auf die initiierende Vehikelfunktion beschränkt bleibt. Zwar begegnet der Mensch als Säer, und es ist sein Garten, in den er sät. Das eigentlich Wunderbare, das Wachsen und ‚zum-Baum-Werden’ vollzieht sich aber im weiteren gänzlich ohne ‚menschliches Zutun’. Weder gießend, noch düngend, noch in sonst einer Weise ‚wachstumsunterstützend’, ‚züchtend’, oder ‚pflegend’ findet der Mensch im Folgenden Erwähnung, auch ‚erntend’ nicht, wie vielleicht zu erwarten wäre. Vielmehr wird er vollständig ausgeblendet. Bei wörtlichem Verständnis der Variablen ‚Mensch’ und ‚Frau’, wiese diese Exklusion jeglicher menschlichen Beteiligung am Wachstums-, bzw. Durchsäuerungsgeschehen, implizit gleichzeitig Gott als einzig dafür Verantwortlichen aus. Obschon der Mensch (bzw. die Frau) also als ein notwendiges Element auftritt, wird seine (bzw. ihre) Rolle als deutlich sekundär, limitiert und in doppeltem Sinne abhängig gebrandmarkt: soll ein Senfkorn zum Baum, soll eine große Menge Mehl durchsäuert werden, bedarf es zunächst der ‚Ressource Senfkorn, bzw. Sauerteig’, deren Gegebenheit Mensch, wie Frau letztlich Gott zu verdanken haben (Abhängigkeit von den Voraussetzungen). Während ihnen nur ‚Geburtshilfsfunktion’ zukommt, vollziehen sich anschließendes Wachstum und Säuerung ‚von selbst’, ‚so Gott will’.

Ob ‚Mann’ bzw. ‚Frau’ auch außerhalb der Bildebene im Sinne von Mensch (im Kontrast zu Gott) aufzufassen sind, wird zu eruieren sein. Ein Blick in die Wirkungsgeschichte – soviel sei bereits hier bemerkt – verrät jedenfalls, dass diesbezüglich keineswegs Einmütigkeit unter den Interpretatoren herrscht. Nicht zuletzt von der Entscheidung, wen ‚Säer’ bzw. ‚Frau’ in den Gleichnissen repräsentiert, hängt denn auch die interpretative Ausrichtung des gesamten Gleichnisstoffes ab. Diese hat seit Irenäus von Lyon „ allegorisch [e] “,ekklesiologisch [e] , anthropologisch [e] , universell [e] oder eschatologisch [e]“[39] Formen angenommen. Sowohl hinter dem ‚Menschen/Mann’, als auch hinter Senfkorn und Sauerteig mutmaßte man „ Christus “ zu erkennen. Die ‚Frau’ konnte alternativ mit der „ Weisheit “, der ‚ Kirche “, dem „ Fleisch des Herrn “, der Sauerteig zusätzlich mit dem „ Heiligen Geist “, „ der Heiligen Schrift “, dem „ Evangelium “, der „ Kirche “ oder der „ Welt, bis daß sie aufgeht durch das Gesetz, die Propheten, das Evangelium “ identifiziert werden. Da eine Auswertung der verschiedenen Ansätze den hier gesteckten Rahmen sprengen würde, sei stellvertretend Bovon zitiert, der zu dem resümierenden Urteil gelangt, dass jede der genannten Ausrichtungen, „die geheimnisvolle Weisheit Gottes, seine Nonkonformität zur Welt und seine nicht in Erscheinung tretende Macht“ respektiert . Der Glaubende werde aufgefordert , „das Wort Gottes, das heißt, das Evangelium Christi, anzunehmen und zu hoffen gegen jede Hoffnung.“ „ [E] ine Vision der Kirche, ihrer Mission in der Welt und der kerygmatischen Verantwortung ihrer Amtsträger“ würde so „strukturiert“. [40]

Exkurs I: Zur ‚Dynamik’ der Basileia

Bevor wir uns der textkritischen Analyse zuwenden, bedarf das Gesagte noch einiger Differenzierung: Wenn Lukas Jesus die beiden beschriebenen Vergleiche ziehen lässt, bedeutet das dann, dass das Reich Gottes einem Senfkorn (Sauerteig) gleicht? Wird hier nicht vielmehr das ‚Gesätwerden und Wachsen (das Vermengtwerden und Durchsäuern)’ der Basileia gegenübergestellt? Zweitere Deutung scheint schon deshalb plausibler, da es sich bei der βασιλεία του θεου, zumal in lukanischem Gebrauch, um keine statische Größe handelt. Vielmehr legt Lukas Wert darauf, ihre Dynamik, die Spannung zwischen dem ‚ist schon’ und ‚wird noch’ zu verdeutlichen, wenn es einerseits heißt: „ Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen “ (Lk 10, 9) und „ das Reich Gottes ist mitten unter euch “ (Lk 17, 21), was seine Gegenwärtigkeit im Hier und Jetzt andeutet. Andererseits aber stellt Lukas die Basileia als erst ausstehende, zukünftige Größe dar, wenn er Jesus explizit gegen all zu forsche Naherwartungen jener, die „ meinten, das Reich Gottes werde sogleich offenbar werden “ (Lk 19, 11) anreden und sein Kommen an noch ausstehende Vorbedingungen binden lässt (Lk 21, 31). Erst diese Dynamik der Basileia macht sie vergleichbar mit dem Werden von Baum und durchsäuerter Teig: Sie „ ist nahe “ (Lk 10, 9), kann sich aber auch entfernen (Lk 10, 10), dann nämlich, wenn die Jünger in einer Stadt nicht aufgenommen werden und sich abkehren (Lk 10, 10-12).

Die Gleichsetzung der Basileia mit dem Senfkorn (Sauerteig) verbietet sich überdies auch aus sprachlichen Gründen: Da nämlich den Formulierungen „ ein aramäisches l e zugrunde liegt das mit ‚es verhält sich mit... wie mit...’ übersetzt werden muß[41], findet „ eine formale Verschiebung des Vergleichspunktes[42] statt. Der Vergleich bleibt beim Senfkorn (Sauerteig) also nicht stehen, sondern bezieht sich auf den gesamten Wachstums- und Transformationsprozess inklusive seines Endpunktes.[43]

III. Textkritik: Übersetzungsvergleich:

Für den Übersetzungsvergleich herangezogen wurden neben der Luther-Bibel (LB) die Einheitsübersetzung (EÜ), sowie die Übersetzungen des ‚ Münchener Neuen Testaments’ (MNT), der ‚ Guten Nachricht’ (GN), ‚ Hoffnung für Alle’ (HfA), des ‚ Ulrich Wilckens’ (UW), ‚ Jörg Zinks’ (JZ) und Interlinear (Int). Ausgehend von der Annahme, dass mit der Interlinear-Übersetzung die wortgetreueste Wiedergabe des griechischen Textes vorliegt, zeigen die übrigen Ansätze bereits bei Betrachtung der Überleitung (V.18 und V.20) zum Teil deutliche Abweichungen: So wird das „ Er sagte nun “ bzw. „ Und weiter sagte er “ von einigen Interpreten offensichtlich als zu unbestimmt empfunden, weshalb sie es, wohl um Verständnisschwierigkeiten vorzubeugen, teils deutlich erweitern. Während UW eine ‚Gattungsbestimmung’ einfügt, wenn er schreibt „ Und noch ein Gleichnis sagte er “, nennt GN den Sprecher der Gleichnisse beim Namen („ Jesus sagte “) und glättet die Wiederholung des Verbs „ sagen “ zu „ Noch einmal fragte Jesus “ (V. 20). Am weitesten von der Interlinear-Fassung entfernt sich HfA, wenn hier nicht nur ‚ Jesus’, sondern darüber hinaus auch ‚ seine Zuhörer’ addiert werden, andererseits aber auf die zweite Überleitung gänzlich verzichtet wird. Richtet man den Blick auf den Frageteil der Ausgangsebene des ersten Gleichnisses, so wird offensichtlich die Bezeichnung ‚ Reich Gottes’ mitunter nicht (MNT, GN, UW, JZ) als adäquate Wiedergabe der griechischen Vorlage akzeptiert. Wo doch (LB, EÜ, HfA) divergieren die Übersetzungen dennoch in der Formulierung der gesamten Fragestellung, wobei wiederum HfA die größte ‚Originalferne’ aufweist, da hier zunächst die Doppelfrage zur einfachen Frage aufgelöst wird (V.18), um dann die erneute Frageformulierung zu Beginn des zweiten Gleichnisses auszulassen. Die übrigen Übersetzer gehen je eigen Wege: Die hinsichtlich der Frage-formulierung Intkonformen MNT und UW sprechen vom „ Königtum Gottes “ bzw. vom „ Himmelreich “. Gänzlich aufgebrochen wird die Struktur des griechischen Vorbildes bei GN und JZ: Erstere löst das einfache „ Wem gleich ist das Reich Gottes “ der Int verbal so auf, dass Gott als aktives Subjekt erscheint, der „ seine Herrschaft aufrichtet “. Eine analoge Betonung der Aktivität Gottes findet sich bei JZ, wenn er Jesus fragen lässt [m] it welchen Bildern “ man zeigen könne „ was geschieht, wenn Gott wirkt “. Die jeweilige Formulierungsweise der Frage determiniert selbstverständlich die Einleitung der Antwort. So ist es nicht verwunderlich, wenn JZ, das griechische Original weit transzendierend, bereits hier das Wachstumsmotiv anführt, welches dort erst nach der Aussaat Erwähnung findet („ Es geschiet in der Art, wie ein Senfkorn wächst: ... “). Der in der Vorlage nur implizit in der Gegenüberstellung von ‚ Senfkorn’ und ‚ Baum’ enthaltene Kontrast von ‚klein – groß’ wurde von einigen Interpreten offensichtlich als nicht aussagekräftig genug eingeschätzt und infolgedessen deutlich akzentuiert (HfA:„ winziges Senfkorn “ – „ großer Baum “; „ richtiger Baum “ GN).

Das griechische ανθρωπος ist sowohl mit ‚ Mann’, als auch mit ‚ Mensch’ übersetzbar. Interessant hierbei ist, dass die sonst dicht an Int übersetzenden LB und MNT, sowie UW sich hier gegen das interlineare ‚ Mann’ entscheiden.[44] Die übrigen Interpreten gehen mit der interlinearen Version einher. Auch die doppelte Initiative des Mannes, der laut Int. erst „ genommen habend “ in Aktion trat und dann das Senfkorn „ warf in seinen Garten “ findet sich nur bei LB, UW, MNT und JZ. Was von den übrigen Übersetzern offenbar als unnötige Doppelung angesehen und übergangen wird, zieht unter Umständen – je nach Deutungsansatz – nicht unerhebliche inhaltliche Einbussen nach sich.[45] Für eine bewußte Setzung der Doppelung „ nahm und säte “ (LB) spricht ferner die Tatsache, dass diese Formulierungsweise (freilich mit changierendem Folge-Prädikat) im zweiten Gleichnis erneut Verwendung findet („ nahm und mengte “ V.21[LB]). Es ist wohl der sehr karg gehaltenen Darstellung des zweiten Gleichnisses zu verdanken, dass hier das zweifache Aktivwerden der Frau nun auch bei HfA begegnet. Laut Int „ warf “ ein Mann das Senfkorn „ in seinen Garten “, so auch in den Fassungen des MNT und UW. Lediglich im Tempus weicht JZ vom ‚Original’ ab, wenn er in Konsequenz seiner modifizierten Fragestellung und Antworteinleitung weiterhin das Präsens statt dem Aorist benutzt, wohl um der beschriebenen Szene den episodalen Charakter zu nehmen und dem Beispiel so mehr Allgemeingültigkeit und Übertragbarkeit zu verleihen. Die selbe Intention scheint auch dem präsentischen „ aussät “ der HfA innezuwohnen, das im Verbund mit LB („ säte “), EÜ („ in die Erde steckte “), und GN („ in die Erde gesteckt hat “) sprachliche Korrekturen vornimmt, indem das schlichte „ werfen “ zum expliziten Saatvorgang hochstilisiert wird.

Was dem heutigen Leser stilistisch ‚hochwertiger’, was verständnismäßig ‚logischer’, oder doch zumindest ‚passender’ erscheint, wird durch eben diese Korrekturmaß-nahme mit einer Sinnverschiebung erkauft: Wenn ein Mann das Senfkorn lediglich in seinen Garten zu werfen braucht, um den Wachstumsprozess in Gang zu bringen, so wird sein Beitrag zum Gelingen des Werdens als geradezu minimale Leistung geschildert. Eben dieses bloße Werfen reicht aber aus, um die weitere Genese zu initiieren. Es bedarf dazu keinerlei ‚menschlicher’ Anstrengungen, noch besonderer Vorkenntnisse, denn werfen kann, sofern er zumindest über eine gesunde Hand verfügt, jeder. Nicht jeder, der werfen kann, kann aber automatisch auch säen. Zusammenfassend zeigt sich also, dass mit der Wortwahl „ werfen “ der ‚menschliche Beitrag’ zum Gelingen des Gesamtgeschehens geringer erscheint, andererseits „ werfen “ wesentlich universaler und inklusivistischer in Bezug auf die ‚Gesamtpopulation’ ist, als die hier gewählten alternativen Lösungen.

Den anschließenden Zweischritt „ wuchs und wurde “ der Interlinearübersetzung, welcher (nach der Doppel-Frage und dem „ nahm und warf “) bereits der dritte in Folge ist, behalten nun die meisten Interpreten bei. Lediglich aus dem (sekundär eingefügten) „ kleinen Samenkorn “ der HfA „ wird ein großer Baum “, ohne explizit auch zu „ wachsen “. Wieder nivelliert der Verzicht auf die Wachstumskomponente eine inhaltliche Differenzierung: „ und es wuchs “ betrifft ja zunächst ausschließlich das Wachsen des Senfkorns – ohne seine Wandlung während dieses Wachstums zu berücksichtigen. Auch die Pointierung der Opposition ‚klein – groß’ durch entsprechende Adjektiva vermag die Unterschlagung des „ wuchs “ nicht zu kompensieren, sondern verstärkt eher den Kontrast[46] zwischen Anfangs- und Endstadium und betont so die Transformation. Den entgegensetzten Weg geht freilich GN, wenn hier, statt des Zweischritts ein Dreischritt begegnet, wodurch der Schwerpunkt eher auf dem Entwicklungsprozess zum Erliegen kommt („ Es geht auf und wächst und wird ein richtiger Baum “). Meines Erachtens sind beide Lösungen als unzulässige Akzentuierungen zu verwerfen, da die Vorlage weder den Wachstumsprozess, noch Kontrast oder Transformation auf Kosten des jeweils anderen besonders herausstreicht. Einzig das neutral-ausgewogene „ es wuchs und wurde “ der LB und EÜ wahrt die Gleichwertigkeit und Balance beider Momente des Geschehens und ist deshalb jeglichen wertenden Variationen vorzuziehen.

Auch betrefflich des Schlusssatzes des ersten Gleichnisses finden sich gemessen an Int sowohl Kürzungen, als auch Erweiterungen: Gekürzt wurden vor allen Dingen die „ Vögel des Himmels “, welche man der Bestimmung „ des Himmels “ beraubte (HfA[47], JZ, GN), da diese wohl als unnötig oder gar irreführend empfunden wurde. Für den heutigen Leser ist nämlich erstens nicht ohne weiteres ersichtlich, dass „ des Himmels “ in diesem Falle keine transzendente Größe meint, sondern dass die Wendung sowohl für die Autoren des Alten, wie auch des Neuen Testaments für die ‚ganz normalen’ Vögel gebräuchlich war und ähnlich wie - und oft in Kontrast zu - den „ Tieren des Feldes “ Verwendung findet.[48] Hier zu kürzen erwiese sich so gesehen dem ‚nicht-informierten’ Leser gegenüber als legitime, da Missverständnissen entgegenwirkende Maßnahme. Setzt man aber eine „informierte“ Leserschaft[49] voraus, so hat die Streichung die schwerwiegende Konsequenz, dass der (offensichtlich intendierte) alttestamentliche Anklang mit samt den Assoziationen, die er potentiell auszulösen vermag, ersatzlos verloren geht.[50] Modifikationen finden sich schließlich auch hinsichtlich des interlinearen „ nisteten “ (κατεσκηνωσεν): Bei LB „ wohnten “ die Vögel des Himmels, in HfA, GN, sowie bei JZ „ bau(t)en sie (ihre) Nester “. Da die Gesamtaussage - dass die Vögel des Himmels Wohnstatt im Baum finden - samt potentieller AT-Konnotation nicht von der deutschen Wiedergabe dieser Vokabel abhängt, sind die Nuancierungen diesmal als unproblematisch einzustufen.

Was nun das Gleichnis vom Sauerteig betrifft, wurden von den Übersetzern – über das Gesagte hinaus – hier abermals Modifikationen hauptsächlich dahingehend vorgenommen, die Spannung zwischen ‚klein-groß’, bzw. ‚wenig-viel’ deutlicher vor Augen zu führen, als dies in der karg gehaltenen griechischen Vorlage der Fall war („ ein wenig ... unter eine große Menge Mehl “ [HfA]; „ ein Bällchen ... mit einem großen Ballen Teig “ [JZ]). Resümierend lässt sich feststellen, dass sämtliche Variationen - um größere Anschaulichkeit bemüht - die Knappheit der Vorlage zu kompensieren suchen. Bezeichnenderweise unterschlagen dabei gerade diese Kompensationsversuche den mit den „ drei Sea “ unter Umständen bewußt gesetzten Rückverweis auf das AT,[51] der einzig im MNT („ drei Saton “), sowie standardisiert bei UW („ drei Maß “) erhalten geblieben ist.

Eine Zusammenschau der Beobachtungen ergibt folglich den Ertrag, dass jede Übersetzung als solche auch schon ein Stück weit Interpretation ist, so sie nicht einfach Wort für Wort zusammenhanglos nebeneinander setzt – was einem adäquaten Verständnis kaum dienlich sein kann. Jede Übersetzung ist auch Übertragung, die einzelnen Ansätze unterscheiden sich lediglich in ihrem Bemühen um ‚Originaltreue’ bzw. Genauigkeit. Streben die einen danach möglichst nah an der Vorlage zu dolmetschen (LB, EÜ, MNT, UW), so bildet für andere der heutige Leser das Kriterium des Übersetzungsmodus (GN, JZ, HfA): Sein Verstehen zu gewährleisten genießt hier oberste Priorität, selbst wenn dies mitunter mit mehr oder minder gravierenden Abweichungen von der Vorlage erkauft werden muss. Glättungen, Zusätze und Kürzungen sind bei solchen Übertragungen nicht etwa Ausweis mangelnder Translations-Kompetenz, sondern stellen bewußt vorgenommene Aktualisierungen dar, die beabsichtigen „ Das Neue Testament in heutigem Deutsch “ – wie Die Gute Nachricht in ihrem Untertitel programmatisch formuliert – dem heutigen (potentiell un-informierten) Leser nahezubringen. Übertragungen, die einer solchen Intention folgen, sind also nicht automatisch qualitativ minderwertig, da auch Kürzungen, wie wir gesehen haben, durchaus sinnvoll und verständnis fördernd sein können. Nicht selten jedoch führen allzu rabiate Eingriffe in den griechischen Urtext zu deutlichen und damit illegitimen Sinnverschiebungen, bis hin zum Verlust wesentlicher inhaltlicher Aspekte.

Demgegenüber ist festzuhalten, dass Übersetzungen, die größtmögliche Genauigkeit und Nähe zur griechischen Vorlage intendieren, Gefahr laufen, eben aufgrund unzeitgemäßer Ausdrucksweise den heutigen Leser nicht mehr zu erreichen: ‚Sperrige Formulierungen’ sind, was die Leseästhetik betrifft nun einmal unattraktiver als die bis ins poetisch-plastische stilisierte Übertragung etwa eines Jörg Zink. Über den ästhetischen Faktor hinaus kann das Bemühen um maximale Originaltreue dem heutigen Rezipienten den Zugang zum Text auch dadurch erschweren, dass die gewählten Formulierungen schlicht nicht mehr ohne weiteres selbstredend und selbstverständlich sind. Berücksichtigt man den Umstand, dass das LkEv um 90 n. Chr.[52] in der „ Ägäis, Antiochia, Ephesus, Makedonien, Achaia, Caesarea (..), Kleinasien[53] oder auch Rom[54] abgefasst wurde, und zwar primär im Blick auf eine spezifische Gemeinde und der ihr eigenen Interessen und Bedürfnisse[55], wird die zeitliche, sprachliche und kulturelle Kluft zwischen damaligem Adressaten und heutigem Leser evident. So unterscheiden sich die anzunehmenden Präsuppositionen der Erstrezipienten, auf die der Text ja abzielt, eklatant vom Vorwissen und Vorverständnis zeitgenössischer Leser, weshalb vereinzelte Modifikationen des Originaltextes mitunter Legitimität beanspruchen können. Wie also sprachliche Ästhetik auf Kosten von Genauigkeit und Vollständigkeit gehen kann, so kann andererseits das Streben nach größtmöglicher Exaktheit Missverständnisse hervorrufen.

Schließend lässt sich festhalten: Um bestmögliches Verständnis eines Biblischen Textes zu erreichen, erweist es sich als lohnend verschiedene Bibeln zu konsultieren. Obschon jede Übersetzung, als Übertragung, ihre je eigenen Schwächen und Defizite aufweist, vermag doch jeder der Ansätze neues Licht auf die beschriebene Szene zu werfen. Erst in der Zusammenschau dieser Perspektiven gelingt es dem heutigen Leser, der ja gleichzeitig selbst Interpret ist, zu umfassender Einsicht in die biblische Botschaft zu gelangen.

IV. Literarkritik:

a) Abgrenzung der ‚ kleinsten sinnvollen Texteinheit’ vom Kontext:

Im nun folgenden methodischen Schritt soll Lk 13,18-21 unter literarkritischen Gesichtspunkten untersucht werden. Bevor die Frage nach der textinternen Kohärenz gestellt und davon ausgehend potentielle Überarbeitungsstufen identifiziert werden können, gilt es zunächst „ die kleinste sinnvolle Einheit aus dem Kontext[56] zu lösen, was in unserem Fall auch bedeutet, die oben aufgestellte Teilungshypothese einer erneuten Prüfung auf ihre Richtigkeit hin zu unterziehen.

1. Abgrezung vom Vorangehenden

In der vorangehenden Perikope (Lk 13, 10-17) berichtet Lukas von einer Heilungstat Jesu

in einer Synagoge am Sabbat “ (V. 10), welche beim dort anwesenden Publikum auf geteilte Reaktion stößt: Befürwortung auf der einen, Ablehnung und verbal artikulierter Widerspruch auf der anderen Seite. Die gegnerische Fraktion, personifiziert durch den Synagogenvorsteher, prangert an, dass für solches Handeln sechs Tage der Woche vorgesehen seien, nicht aber der Sabbattag, woraufhin sich „ der Herr “ (V.15) mit einer rhetorischen Doppelfrage verteidigt, welche den Vorwurf als illegitim brandmarkt und so die Gegnerschaft diskreditiert („ Und als er das sagte, mussten sich schämen alle, die gegen ihn gewesen waren. “ V. 17). Die anfängliche Spaltung des Zeuge gewordenen Volkes scheint damit überwunden, da nun „ alles Volk “ sich „ über alle herrlichen Taten, die durch ihn geschahen “ (V. 17) freute. Dieser summarische Schluss verbietet es den Zeitraum der ‚herrlichen Tätigkeit’ Jesu zu bestimmen. Sind damit retrospektiv „ alle herrlichen Taten “ Jesu bis einschließlich jener gerade berichteten gemeint oder vollbrachte Jesus an besagtem Sabbat noch weitere Heilungen, die nur nicht expliziert wurden? Denkbar wäre schließlich auch, dass sich diese summarische Notiz auf einen (beliebig langen) Zeitraum bezieht, der auf jenen Sabbattag folgte. Nur in letzterem Fall ließe sich die folgende Gleichnisrede zeitlich vom Vorangehenden abgrenzen. Dies würde dann auch einen Ortswechsel implizieren, welcher dem Text zwar ebenso wenig zu entnehmen ist wie ein Fortschreiten der Zeit, dem jesuanischen Sendungsbewußtsein, für welches Ortsgebundenheit gerade nicht charakteristisch ist[57], jedoch umso besser entspräche. Anderenfalls ist aber davon auszugehen, dass die Gleichnisse direkt im Anschluss an Heilung und verbaler Auseinandersetzung gesprochen wurden und somit den „ Abschluss von Jesu Rede in der Synagoge[58] bilden.

Dies legt jedenfalls die lukanische Darstellung nahe, nach welcher Lk 13, 18-31 geradezu eine Illustration[59] des vorangehenden bieten: Jesus verarbeitet die jüngsten Geschehnisse in bildhafter Rede, wobei der soeben erzielte faktische Erfolg über die gegnerische Intervention den in den Gleichnissen eröffneten Ausblick auf Wachstum und Durchsetzungskraft der Basileia exemplarisch vorwegnimmt. Was sich gerade im Kleinen vor Augen und Ohren des Publikums zugetragen hat, ist im Begriff sich auf überdimensionaler Ebene zu wiederholen. Gleichzeitig erfährt jeder derzeitig noch akute Widerstand gegen die sich formierende Christengemeinde, als nahezu notwendige Voraussetzung für den kommenden Triumph, Legitimation.[60] Die gegenwärtig vordergründliche ‚Winzigkeit’ und vermeintliche Schwäche soll von den Gegnern ruhig unterschätzt werden; für den Christen besteht kein Grund zum Zweifel: im unscheinbaren Senfkorn ist der Baum schon angelegt; dem Stückchen Sauerteig sieht man seine Wirkung nicht an; doch dies ist kein Kriterium für wahre Kraft und Größe; der frisch bereitete Teig enthält bereits alle zum Aufgehen nötigen Zutaten; jetzt braucht er Zeit um sein Volumen zu vervielfachen; doch mehr als diese Zeit braucht man ihm nicht (zu)zugeben.

[...]


[1]ή βασιλεία του θεου “ als direkte Rede Jesu findet sich 8mal in der Spruchquelle Q (zusätzlich zweimalig
nur „βασιλεία“), 13mal bei Mk; bei Mt, der – von vier Ausnahmen abgesehen - ή βασιλεία του θεου durch ή βασιλεία των ούρανων ersetzt, „ finden sich “ bis auf Mt 3,2 und Mt 20,21 „ alle theologisch qualifiziert gebrauchten Basileia-Stellen im Munde Jesu “, was nicht weniger als 34 (von insgesamt 36) Belege ausmacht. Ähnliches gilt für Lk, der insgesamt 32mal von ή βασιλεία του θεου spricht. Vgl. H. Merklein, Gottesherrschaft, 21ff, zit.: 23

[2] Vgl. Erlemann, Gleichnisauslegung, 104f

[3] Vgl. Mt 5, 20; 19, 24par; 21, 31; Mk 10, 15; Lk 13, 24; 18, 17 u.a.

[4] Lk 13, 29

[5] Vgl. Mt 8, 11.12par

[6] Vgl. Lk 10,18 und Lk11, 20par wo die Herrschaft des Satans durch den Anbruch der Gottesherrschaft

überwunden wird

[7] in diesem Sinne stellt das Reich Gottes eine „ eschatologische Größe “ dar (vgl. Bovon, EnL, 413)

[8] Bovon weist zusätzlich auf die zeitliche Dimension der Basileia hin: „ eine zeitliche Größe, ein Äon Gottes,

und zugleich eine räumliche Wirklichkeit, ein Herrschaftsgebiet, das Gott befreit und aufrichtet“ (Bovon,

EnL, 413 u. A. 28)

[9] Vgl. Merklein, Gottesherrschaft, 120 u.a., der auch dort, wo vom „ Eingehen “ oder „ Erben “ der Basileia die Rede ist, kein „ Territorium “ impliziert sieht, sondern „ das Eingehen in einen Zustand (im Sinne von Teilhaben), der vom Königsein Gottes bestimmt ist, bzw. das Erben des Gutes, das das Königsein Gottes für die Menschen konstituiert “; ή βασιλεία του θεου stelle ausnahmslos einen „ Aktionsterminus verbalen Charakters “ dar, Gottes herrschaft als „ Aktivität Gottes

[10] Erlemann, Gleichnisauslegung, 104

[11] Merklein, Gottesherrschaft, 115

[12] hier findet, wie zu zeigen sein wird, jeweils ein Wechsel der semantischen Ebene statt

[13] ‚Gleichnis’ meint hier zunächst jede Form gleichnishafter Rede. Ob es sich tatsächlich um ein ‚Gleichnis
im engeren Sinne des Wortes’ handelt, wird im Rahmen der formgeschichtlichen, bzw. formkritischen
Untersuchung zu klären sein.

[14] Vgl. u. S. (32) 33

[15] κόκκος, allg. das „ Samenkorn einer Frucht “, Michel, ThWNT, III, 810

[16] von Gemünden, Vegmet, 197, A. 101; vgl. Hunzinger, ThWNT, VII, 287, Z. 16f u. A. 10

[17] zu diesem Ergebnis kommen neb. a. Kogler, Doppelgleichnis, 48-55; Dalman, AuS, II, 293

[18] Vgl. Kalt, BRL, II, 676

[19] zur im palästinischen Raum sprichwörtlichen Kleinheit des Senfkorns siehe u. S. 41

[20] Vgl. Kogler, Doppelgleichnis, 50, A. 9, sowie Dalman, AuS, II, 293

[21] Vgl. Kogler, Doppelgleichnis, 53 und ebd., A. 21

[22] die Höhenangaben variieren: „ 1,20m bis 2,50m“ („ Größe eines Busches “, Bovon, EnL, 414); 2m
(AuS, I.2., 369), aber „ am See von Tiberias 2 ½ - 3 m “ (AuS, II, 293; ebenso: von Gemünden, Vegmet,
198), „ 3 – 4 Meter “ (Kalt, BRL, II, 676)

[23] Vgl. Kalt, BRL, II, 676; sowie Kogler, Doppelgleichnis, 53, A. 25

[24] Vgl. aber Dalman, AuS, I.2., 369, A. 4:„ šağara ‚Baum’ kann (...) ein Beduine jede Staude nennen “; auch Hunzinger, ThWNT, VII, 288, hält die Bezeichnung „ Baum “ für „ nicht unkorrekt formuliert

[25] Jeremias, Gleichnisse, 22, A. 3, spricht unter Berufung auf Kil. 3,2; Tos. Kil. 2,8 vom Verbot des „ Anbau [s] von Senf auf Gartenbeeten “ u. schließt auf „ außerpalästinische Gartenkultur “;
(vgl. Hunzinger, ThWNT, VII, 287, Z. 6ff u. A.13: „ außerpalästinische Verhältnisse “ ebenso: Kogler,
Doppelgleichnis, 54; Zingg, Wachsen, 103); Bovon, EnL, 414, A. 38 belegt selben Sachverhalt „ mKil 2,9
und 3,2; bKil 2,8 und 3,2 “; vielfach wird in dies. Zushg. Theophrast (Hist Plant, VII, 1,1f) zitiert, der Senf zu den im Garten kultivierten Krautgewächsen zählt (dies allerdings fast 4 Jhde. vor der Verfassung des Lukas Evngeliums (um 90 n. Chr.); vgl. Theophrast: †287 v. Chr.), wie a. Plinius, NatHist, XX, 236

[26] Palzkill, EWNT, III, 586

[27] das gr. ζύμη der LXX ist ungenau; es kann sowohl hebr. ץמח (‚ Gesäuertes’) als auch ראשׂ (‚ Sauerteig’) bezeichnen: der in unserem Zusammenhang gemeinte „ eigentliche Sauerteig (...) wird nicht gegessen “, sondern dient als „ Treibmittel “ der Durchsäuerung von frisch angerührtem Teig; der auf diese Weise entstandene, sauer gewordene Teig ist dementsprechend ץמח (Kellermann, ThWAT, II, 1063)

[28] Vgl. Bovon, EnL, 418

[29] Dalman, AuS, IV, 55

[30] Bovon spricht hingegen von „ etwa vierzig Liter[n ]“,die „ genügen um hundert bis hundertsechzig Personen zu ernähren “ (EnL, 419); Jeremias, Gleichnisse, 146: „ 39, 4 Liter “ d.h. „ Mahlzeit für mehr als 100 Personen “, ebenso Zingg, Wachsen der Kirche, 108; Vgl. Kogler, Doppelgleichnis, 61f, bes. A. 59 u. A. 60

[31] Dalman, AuS, IV, 56; dagegen Jeremias, Gleichnisse, 146, „ so riesige Mengen Mehl verbäckt keine Hausfrau [...] es handelt sich um Realitäten Gottes!

[32] Vgl. Kellermann, NBL, III, 452

[33] zur metaphorischen Indikation des ‚Sauerteiges’ S. u. 45f

[34] Vgl. Popkes, EWNT, II, 259ff

[35] gegen Kellermann, NBL, III, 452, der zu wenig differenziert: „ sonst herrscht im NT die negative Bewertung des S.s vor.“, Bovon, EvLk, 418f, Jeremias, Gleichnisse, 149 („ Sinnbild für Boshaftigkeit und Schlechtigkeit “), Zingg, Wachsen, 108 u. a., überzeugen vom neutralen Gebrauch des Sauerteigs : Windisch, ThWNT, II, 908 („ In diesem Fall liegt der Nachdruck nicht auf ζύμη, sondern auf den Genitiven “ Z. 24f) und vor allem Kogler, Doppelgleichnis, 56-60 bes. 59

[36] laut Bovon, EnL, 411, A.15 „ ist mit ανθρωπος ein ‚Mann’ gemeint (und nicht ein ‚Mensch’).

[37] Bultmann (GsT, 196) spricht in diesem Zusammenhang vom „ argumentativen Charakter des

Gleichnisses “; Vgl. zur Bedeutung der Doppelfrage a. u. S. 50f

[38] wenn hier und im folgenden von ‚ menschlicher Initiative’ u. ä. die Rede ist, so ist damit keine Deutung
intendiert, sondern die vorläufig um Synchronizität bemühte Lesart des Textes ‚wie er ist’; ‚Mann’/
‚Mensch’ und ‚Frau’ sollen also als Platzhalter für die spätere interpretative Füllung dienen

[39] Vgl. den Überblick bei Bovon, EnL, 420-23, der so prominente Exegeten wie Ptolemäus, Origines,
Cyrillus von Alexandrien, Ambrosius, Augustinus, Luther, oder Calvin zitiert

[40] A.a.O. 423

[41] Jeremias, Gleichnisse, 101, vgl. Bultmann, GsT, 195

[42] Jeremias, Gleichnisse 100, spricht von der „ Inkonzinnität der Einleitungsformel

[43] hier nun gegen Jeremias, der die „ Gottesherrschaft “ einseitig nur auf das „ Schlußstadium “ beziehen will
(Gleichnisse, 146), wonach dann die „ Königsherrschaft Gottes “ ausschließlich mit der „ hohen Staude, in
deren Zweigen die Vögel nisten “ bzw. „ dem fertigen, aufgegangenen Teig “ (101) zu vergleichen ist, denn
[d] er Morgenländer denkt anders, er faßt Anfangs- und Endstadium ins Auge“ (147) “ ohne die Zwischen-
zeit zu berücksichtigen “ (ebd., A. 4)

[44] Vgl. o. S. 6, A. 36

[45] fasst man bspw. ‚das Senfkorn nehmen’ im Sinne von ‚das Reich Gottes (bzw. das Evangelium vom Reich
Gottes) annehmen’ auf, so kann von einer vernachlässigbaren Nebensächlichkeit keine Rede sein

[46] zum kontrastiven Charakter der beiden Gleichnisse vgl. Jeremias, Gleichnisse, 146 – 155; zur Debatte
Wachstums- vs. Kontrastgleichnis, s. u. ab S. 55

[47] HfA kürzt hier am radikalsten: auch „ die Zweige “ werden unterschlagen

[48] Vgl. Dtn 28, 26; 2Sam 21, 10; 1Kön 14, 11 u. 16, 4; Ps 104, 12; Jer 7, 33; 9, 9; 15, 3; 16, 4; 19, 7; Ez 29, 5; 31, 6.13; 32, 4; Dan 4, 18; Zef 1, 3; Apg 10, 12; 11, 6

[49] zum Begriff des „informierten Lesers“ vgl. Erlemann, Gleichnisauslegung, 128f

[50] sollten „ die Vögel des Himmels “ nach lk Intention Präsuppositionen der Adressaten aktivieren, so
beraubt die Streichung ‚des Himmels’ das Gleichnis einer nicht geringfügigen Bedeutungsdimension; zur metaphorischen Bedeutung der „ Vögel des Himmels “, sowie des Kompositums vom ‚Wohnen’ der ‚Vögel des Himmels’ s. u. S. 42f

[51] „drei Sea“ begegnen auch Gen 18, 6; vgl. zur Signifikanz dieser Auslassung u. S. 49f

[52] Schnelle, Einleitung, 288

[53] Ebd.

[54] Ebd.

[55] zu den Bedürfnissen u. Problemlagen der lk Empfänger-Gemeinde vgl. Schnelle, Einleitung, 289-292

[56] Fenske, Arbeitsbuch, 177

[57] Vgl. Lk 4, 42-44 insbes. V.43: „ Er sprach aber zu ihnen: Ich muss auch den andern Städten das Evangelium predigen vom Reich Gottes; denn dazu bin ich gesandt

[58] von Gemünden, Vegmet, 202 u. A. 140; vgl. Grundmann, EnL, 281; beide Autoren
konstatieren, dass „ seit 12,13ff., zuletzt 13,1-9 “ (ebd.) dem Gleichnis mehrfach gesprächsabschließende
Funktion zukam; zustimmend auch Kogler (Doppelgleichnis, 211f u. A. 65, 66): “Lk 13,18-21 ist somit als Kommentar zu 13,10-17, insbesondere zu V. 17b ... zu verstehen “ (a.a.O., . 212)

[59] Kogler, Doppelgleichnis, 211f

[60] Vgl. Mt 18, 7parr: „... Es müssen ja Verführungen kommen...“, Lk 17, 1: “Es ist unmöglich, dass keine Verführungen kommen; aber weh dem, durch den sie kommen! “; wenn es in Gottes Heilsplan so angelegt ist, dass er das niedrige erhöht, so ist das vorläufige ‚Senfkornstadium’ der urchristl. Gemeinde damit ebenso gerechtfertigt, wie es auch sicher ist, dass es in ‚Baumesgröße’ münden wird

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten

Details

Titel
Exegese Lk 13, 18 - 21 parr.
Untertitel
Vom Senfkorn und vom Sauerteig
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Neutestamentliches Institut)
Veranstaltung
Einführung in den exegetischen Umgang mit neutestamentlichen Texten
Note
1-2 (gut bis sehr gut)
Autor
Jahr
2006
Seiten
75
Katalognummer
V89773
ISBN (eBook)
9783638039192
ISBN (Buch)
9783638935869
Dateigröße
950 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese, senfkorn, sauerteig, Lk 13, gleichnis
Arbeit zitieren
Andrea Mesicek (Autor), 2006, Exegese Lk 13, 18 - 21 parr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89773

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