Einsatzmöglichkeiten und -grenzen der RFID-Technologie im Handel


Seminararbeit, 2007

25 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 RFID-Technik
2.1 Begriffserklärung RFID
2.2 Bestandteile eines RFID-Systems
2.2.1 Erklärung von Transponder und Lesegerät
2.2.2 Elektronischer Produktcode
2.3 Einsatzmöglichkeiten und Ziele des Einsatzes

3 Handel
3.1 Begriffserklärung Handelsbetrieb
3.2 Funktioneller und institutioneller Handel
3.3 Klassifizierung der Handelsunternehmen

4 Einsatzmöglichkeiten von RFID im Handelsbetrieb
4.1 Chancen von RFID
4.2 Einsatz auf Palettenebene
4.3 Einsatz auf Kartonageebene
4.4 Einsatz auf Artikelebene

5 Grenzen und Risiken des Einsatzes von RFID
5.1 Kosten der RFID-Systeme
5.2 Technische Hindernisse
5.3 Unzureichende Standardisierung der Systeme
5.4 Datenschutzrechtliche Bedenken gegenüber RFID
5.5 Fehlende Erfahrung des Handels im Umgang mit der RFID-Technik

6 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Automatische Identifikationssysteme (Auto-ID) werden heutzutage in vielen Bereichen wie z.B. in der Beschaffungs- und Distributionslogistik, in Produktionsbetrieben und im Handel eingesetzt.[1] Mit diesen Systemen sollen Informationen gespeichert und bei Bedarf wieder abgerufen werden. Besonders verbreitet sind die sehr preisgünstigen Barcode-Etiketten. Allerdings lassen sich mit Barcodes Probleme wie Lagerbestandsabweichungen, Diebstahl und Rückrufaktionen von Produkten nicht vollständig lösen. Mit RFID-Systemen hingegen lassen sich alle Lagerbewegungen von entsprechend identifizierbaren Produkten in Echtzeit im Lagerverwaltungssystem abbilden.[2] Die Übertragung der Daten zwischen dem Datenträger und dem Lesegerät erfolgt kontaktlos, wodurch Umgebungseinflüsse wie Feuchtigkeit, Staub, Öl und Schmutz bei dieser Technologie kein Problem darstellen.[3] RFID findet heute schon verbreitet Anwendung bei Zutrittskontrollen, bei Skipässen oder zur Tieridentifikation. Im Handel steht die Entwicklung und Verbreitung noch am Anfang, da hier der flächendeckende Einsatz besonders schwierig ist, weil die Technik von Lieferanten und Anbietern aufeinander abgestimmt bzw. eine durchgängige Standardisierung erfolgen muss um die Optimierungspotenziale ausschöpfen zu können.[4] Dieses Standardisierungsproblem ist zum Teil wegen der noch vorherrschenden Zweifel an der Technologie nur schwer zu überwinden. Aber „trotz aller Hindernisse halten viele Industriebeobachter die RFID-Technik für die nächste große Welle, auf der die Rationalisierungsbemühungen der Industrie reiten werden.“[5]

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Einsatz von RFID im Handel. In den nächsten Kapiteln möchte ich nach den Begriffserklärungen zuerst die Einsatzmöglichkeiten und danach die Grenzen und Risiken des Einsatzes der RFID-Technik im Handel darstellen. Im letzten Kapitel fasse ich die Ergebnisse schließlich zusammen.

2 RFID-Technik

2.1 Begriffserklärung RFID

Radio Frequency Identification (RFID) übersetzt man ins Deutsche als Identifizierung mit Hilfe von Hochfrequenz, was bedeutet, dass die Technik es ermöglicht Daten per Funk zu übertragen. Dabei handelt es sich um eine Technologie, die zur Kennzeichnung von Gegenständen, Tieren und Personen verwendet wird.[6] Ein großer Vorteil dieser Technologie ist, dass sie die Möglichkeit bietet Daten lesen zu können, ohne diese Daten berühren oder direkt sehen zu müssen.[7]

2.2 Bestandteile eines RFID-Systems

2.2.1 Erklärung von Transponder und Lesegerät

Ein RFID-System besteht aus einem Transponder, der sich am oder im Gegenstand bzw. Lebewesen befindet und diese kennzeichnet, und einem Lesegerät zum Auslesen der Transponder-Kennung.[8]

Der Transponder besteht aus einem Mikrochip, einer Antenne, einem Träger und unter Umständen einer Energiequelle. Er besitzt außerdem einen Sender- und Empfänger-Schaltkreis, damit entweder die vorhandenen Daten an das Lesegerät gesendet oder neue Daten von dort empfangen werden können.[9] Man unterscheidet zwischen aktiven und passiven Transponder Systemen. In aktiven Transponder Systemen besitzt der Chip eine eigene Energiequelle um Funkwellen auszusenden, auch wenn kein RFID-Lesegerät in Reichweite ist. Bei passiven Transponder-Systemen haben die Chips keine eigene Energiequelle, da sie stattdessen die Energie der Radiowelle, die das Lesegerät aussendet, benutzen um die Daten abzufragen.[10] Dadurch sind die passiven Transponder relativ günstig in der Herstellung und für den Handel sinnvoll, da sie für die dortigen Anforderungen ausreichen.

Das Lesegerät beinhaltet typischerweise eine Sender- und Empfängereinheit, eine Kontrolleinheit sowie ein Koppelelement zum Transponder. Um erfasste Daten an weiterführende Systeme zu leiten, sind viele Lesegeräte mit zusätzlichen Schnittstellen ausgestattet.[11] Mit dem Lesegerät werden die Daten auf dem RFID-Chip ausgelesen.

2.2.2 Elektronischer Produktcode

Bei der Nutzung im Handel ist auf dem Chip ein Nummerncode gespeichert, der als elektronischer Produktcode (EPC) bezeichnet wird. Durch den EPC kann jedes Objekt weltweit genau identifiziert werden. Der EPC setzt sich zusammen aus der Europäischen Artikelnummer (EAN) und einer neunstelligen Seriennummer.[12] Die EAN ist heute in Form des Barcodes auf allen Produkten aufgedruckt und gibt Auskunft über das Herkunftsland und den Hersteller und ordnet diesem Produkt eine Artikelnummer zu. Die ersten beiden Zahlen stellen dabei das Länderkennzeichen dar, was aber nicht bedeutet, dass das Produkt in diesem Land hergestellt wurde. Die folgenden fünf Ziffern repräsentieren den Hersteller. Die darauf folgenden fünf Ziffern werden vom Unternehmen den jeweiligen Artikeln zugeordnet und die letzte Zahl dient als allgemeine Prüfziffer.[13] Der letzte Nummernblock, die Seriennummer, unterscheidet den EPC von einem Barcode. Diese Nummer lässt einen Artikel einzigartig werden, da sie individuell nur ein bestimmtes Objekt bezeichnet. Mit dem EPC kann man ein Produkt durch die gesamte Wertschöpfungskette verfolgen, was die Herkunft, z.B. bei Fleisch, und den Verbleib der Waren transparenter macht bzw. eine Rückverfolgbarkeit ermöglicht.[14]

Seit Anfang 2006 gibt es die neuen und verbesserten EPC-Gen2-Chips. Diese Bezeichnung beschreibt die zweite Generation des EPC und versucht sich durch die Bezeichnung von der ersten abzugrenzen. Die Vorteile gegenüber den Vorgängern sind die höhere Leistungsfähigkeit und ein standardisiertes Übertragungsprotokoll.[15] RFID-Transponder dieser neuen Generation können damit überall gelesen werden, auch wenn sie von verschiedenen Herstellern sind. Weitere Verbesserungen sind die Möglichkeit zur Verschlüsselung und zur Passwortsicherung.[16]

2.3 Einsatzmöglichkeiten und Ziele des Einsatzes

Einsatzgebiete der Radiofrequenztechnik zu Identifikationszwecken sind z.B. die Fahrzeugidentifikation, die Identifizierung von Personen, als Echtheitsmerkmal für Medikamente, als Container-Siegel, als automobile Wegfahrsperre oder auch im Waren- und Bestandsmanagement, womit vorwiegend die Verwendung im Handel gemeint ist.[17] Ein wesentliches Einsatzgebiet der RFID-Technologie ist die Logistik und damit auch die Logistik von Handelsbetrieben, wo sich ein großes Rationalisierungspotenzial ergibt.

Der Einsatz von RFID verspricht viele Vorteile in der Konsumgüterbranche, sowohl bei den Händlern als auch bei den Herstellern. Die Speicherkapazität auf dem Transponder ist um einiges größer als bei Barcodes und sie sind wiederbeschreibbar . Die Daten sind auch dann lesbar, wenn keine Sichtverbindung zwischen dem Lesegerät und dem Transponder besteht und es können problemlos mehrere Chips gleichzeitig gelesen werden, was beides bei der heutzutage eingesetzten Scannertechnik nicht der Fall ist. Des Weiteren wird die Lesbarkeit des Transponders durch Verschmutzung oder Verpackung nicht eingeschränkt.[18]

Die folgenden Ziele der Hersteller und Händler sollen die erhofften großen Einsparungen durch den Einsatz der Technologie ermöglichen.[19] Erstens können durch RFID Warenverluste in der Lieferkette verringert werden, da durch den Einsatz auf Kartonageebene und die damit verbundene bessere Kontrolle weniger Waren verloren gehen. Als zweites ist die erhöhte Transparenz im Bestandsmanagement zu erwähnen, da dadurch die Bestände verringert bzw. die Umschlagshäufigkeit erhöht und die Warenfülle verbessert werden können. Des Weiteren lassen sich durch die kontaktlose Datenübertragung manuelle Arbeitsschritte der Warenprüfung, Dateneingabe und Datenverarbeitung automatisieren, was den Warenfluss beschleunigt und die Arbeitskosten verringert. Als nächstes ist die Fehlervermeidung beim Warenein- und -ausgang und bei der Kommissionierung zu nennen, da die RFID-Transponder automatisch erfasst und mit dem zugeordneten Lieferschein verglichen werden können.[20] Außerdem ermöglichen die Speicherchips in jedem Artikel eine permanente Inventur und Bestandskontrolle, was reduzierte Bestände und damit eine geringere Kapitalbindung ermöglicht. Als letztes Ziel ist die bessere Kenntnis über Abverkaufsdaten und die daraus resultierende Erhöhung der Bestellhäufigkeit zu nennen. Der Warenfluss wird dadurch kontinuierlicher und es kann schneller auf Marktgegebenheiten reagiert werden.[21]

Auf diese gesetzten Ziele und inwieweit sie mit dem heute erreichten Stand der Technik im Einzelhandel erreicht werden können, wird im 4. Kapitel näher eingegangen.

3 Handel

3.1 Begriffserklärung Handelsbetrieb

In arbeitsteiligen Volkswirtschaften fallen Gütererzeugung und Güterverwendung auseinander, wodurch räumliche, zeitliche, qualitative und quantitative Spannungen entstehen, die durch den Handel ausgeglichen werden sollen.[22] Unter Handel versteht man den Ankauf, Transport und Verkauf von nicht wesentlich veränderten oder weiterverarbeiteten Gütern und Dienstleistungen.[23]

3.2 Funktioneller und institutioneller Handel

Man unterscheidet zwischen funktionellem und institutionellem Handel. Von Handel im funktionellen Sinne spricht man dann, „wenn Marktteilnehmer Güter, die sie in der Regel nicht selbst be- oder verarbeiten, von anderen Marktteilnehmern beschaffen und an Dritte absetzen. In der Praxis wird der Begriff im Allgemeinen auf den Austausch von Sachgütern, noch häufiger auf den Austausch von beweglichen Sachgütern eingeschränkt.“[24] Mit Handel im funktionellen Sinne sind Tätigkeiten in der Wirtschaft gemeint, mit denen die oben genannten Spannungen beseitigt werden.[25] Unter Handel im institutionellen Sinne versteht man hingegen „jene Institutionen, deren wirtschaftliche Tätigkeit ausschließlich oder überwiegend dem Handel im funktionellen Sinne zuzurechnen ist.“[26]

3.3 Klassifizierung der Handelsunternehmen

Man unterscheidet zwischen Binnenhandel und Außenhandel. Das Kriterium zur Unterscheidung ist die Überschreitung von Staatsgrenzen. Binnenhandel läuft innerhalb der nationalen Grenzen oder einer Staatengruppe ab, während der Außenhandel grenzüberschreitend ist.[27] Für den Einsatz von RFID im Rahmen dieser Arbeit ist nur der Binnenhandel von Bedeutung. Auf den Außenhandel wird nur kurz eingegangen, wenn es um die unzureichende Standardisierung der Technik geht.

Nach der Zielgruppe lassen sich auf dem Binnenmarkt Großhandel und Einzelhandel unterscheiden. Die verschiedenen Großhändler und Einzelhändler nehmen den Herstellern die Aufgabe die Ware an den Endverbraucher zu verkaufen ab.

Im Großhandel werden die Waren und sonstigen Leistungen an Wiederverkäufer, Weiterverarbeiter, gewerbliche Verwender oder Großverbraucher verkauft.[28] Der Großhandel versteht sich als Bindeglied zwischen den verschiedenen Vertriebsstufen und ist ein distributionspolitisches Instrument. Die Abnehmer des Großhandels sind Einzelhandelsfirmen, Gastgewerbe, Industrie- und Handwerksbetriebe sowie nachgelagerte, regionale Großhändler.[29]

Unter Einzelhandel versteht man ein Handelsunternehmen, das darauf ausgerichtet ist, Waren an Endkunden bzw. Letztverbraucher auch in Kleinmengen zu verkaufen.[30] Die Unternehmen des Einzelhandels unterscheiden sich hauptsächlich durch ihr Sortiment, die gehandelten Güter, ihrer Betriebsgröße, usw. Die verschiedenen Betriebsformen am Markt sind z.B. Supermärkte, Verbrauchermärkte, Discounter und Fachmärkte. Die Einzelhandelsbetriebe verkaufen Verbrauchs- oder Gebrauchsgüter. Verbrauchsgüter sind solche, die verbraucht werden und eine schnelle Wiederverkaufsrate haben, wie z.B. Lebensmittel. Gebrauchsgüter sind Güter, die über einen längeren Zeitraum Nutzen stiften, z.B. Waschmaschine oder Fernseher.[31]

Der Schwerpunkt dieser Arbeit wird auf den Einsatzmöglichkeiten und –grenzen von RFID im Einzelhandel liegen.

[...]


[1] Vgl. Finkenzeller, K. (2002), S.1

[2] Vgl. Fleisch, E. (2006), S.73

[3] Vgl. Gritsch, A. (2006), S.17

[4] Vgl. Hildebrand, K. (2004), S.55

[5] Quack, K. (2004), abrufbar unter: http://www.computerwoche.de/it_strategien/rfid/551261/, 25.09.2007

[6] Vgl. Gritsch, A. (2006), S.43

[7] Vgl. RFID-Journal, abrufbar unter: http://www.rfid-journal.de/, 27.09.2007

[8] Vgl. Finkenzeller, K. (2002), S.7

[9] Vgl. Schoblick, R. und G. (2005), S14

[10] Vgl. Schoblick, R. und G. (2005), S.121f

[11] Vgl. Fischer, H. (2007), S.77

[12] Vgl. Das RFID-Informations-Portal, abrufbar unter: http://www.rfid-basis.de/epc.html, 02.10.2007

[13] Vgl. Gritsch, A. (2006), S.33ff

[14] Vgl. Das RFID-Informations-Portal, abrufbar unter: http://www.rfid-basis.de/epc.html, 02.10.2007

[15] Vgl. Füßler, A. und Springob, K. (2006), abrufbar unter: http://www.computerwoche.de/knowledge center/rfid/572546, 02.10.2007

[16] Vgl. inconso AG (2005), S.13

[17] Vgl. Kern, C. (2006), S.100ff

[18] Vgl. Gritsch, A. (2006), S.57

[19] Vgl. Kniffler, A. (2005), S.126

[20] Vgl. Lietz, K. J., abrufbar unter: http://www.competence-site.de/wincor.nsf/C1FD1E030B3308D2 C1256E8C 002B2211/$File/rfidartikelteil2.pdf, S.5, 04.10.2007

[21] Vgl. Alicke, K. (2003), S.110

[22] Vgl. Barth, K., Hartmann, M., Schröder, H. (2002), S.1

[23] Vgl. Wikipedia, abrufbar unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Handel, 15.10.2007

[24] Hertel, J. (1999), S.1

[25] Vgl. Lerchenmüller M. (1992), S.13

[26] Hertel, J. (1999), S.1

[27] Vgl. Lerchenmüller, M. (1992), S.14

[28] Vgl. Tietz, B. (1993), S.26

[29] Vgl. Wikipedia, abrufbar unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fhandel, 16.10.2007

[30] Vgl. Tietz, B. (1993), S.27

[31] Vgl. Lerchenmüller, M. (1992), S.22

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Einsatzmöglichkeiten und -grenzen der RFID-Technologie im Handel
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Produktions- und Logistikmanagement
Note
2.0
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V89777
ISBN (eBook)
9783638039208
ISBN (Buch)
9783638935968
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einsatzmöglichkeiten, RFID-Technologie, Handel, Produktions-, Logistikmanagement
Arbeit zitieren
Jennifer Hage (Autor), 2007, Einsatzmöglichkeiten und -grenzen der RFID-Technologie im Handel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89777

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