Opiumkriege und Taiping-Aufstand

Entstehung des außenpolitischen Konflikts und seine Beziehungen zur innenpolitischen Krise


Seminararbeit, 2004

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Außenpolitischer Konflikt - Die Opiumkriege
2.1 Das chinesische Weltbild und das Tributsystem
2.2 Die Handelsbeziehungen Chinas mit dem Westen
2.2.1 Der Kantonhandel
2.2.2 Die Ostindienkompanie
2.2.3 Die Probleme des Chinahandels
2.3 Die Entwicklung und Bedeutung des Opiumhandels
2.3.1 Die Folgen des Opiumhandels für China
2.3.2 Die Entstehung der Opiumnachfrage in China und Legalisierungsdebatte
2.4 Der Anlass und die Ursachen des 1. Opiumkrieges
2.5 Der Verlauf des 1. Opiumkrieges
2.6 Der Vertrag von Nanjing und seine Folgen für die Qing
2.7 Die weitere Entwicklung der Beziehungen zwischen Großbritannien und China
2.8 Der Anlass und Verlauf des 2. Opiumkrieges
2.9 Der Vertrag von Tianjin und seine Folgen für die Qing

3. Die innenpolitische Krise - Der Taiping-Aufstand
3.1 Ursachen für die Entstehung des Konflikts
3.2 Entwicklung und Verlauf der Rebellion
3.3 Ursachen für den Untergang der Taiping

4. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

Innerhalb der modernen Geschichte Chinas stellen die Opiumkriege den Anfangspunkt der direkten Interventionen westlicher Staaten auf dem chinesischen Hoheitsgebiet dar. Sie markieren auch den Beginn einer bis zur Entstehung der Volksrepublik andauernden Phase der politischen und ökonomischen Bevormundung Chinas durch den Westen. Durch die Opiumkriege kam das chinesische Kaiserreich zum ersten Mal in Kontakt mit einer durch die Industrielle Revolution gestärkten westlichen Welt, die mit ihrer aggressiven Kolonialpolitik das chinesische Weltbild aus den Angeln zu heben drohte. Die Arbeit will sich innerhalb des Themas „Opiumkriege und Taiping-Aufstand“ vor allem mit der Frage nach den Ursachen für die Entstehung dieses außenpolitischen Konflikts beschäftigen. Daher soll, auf dem Zusammenprall der westlichen mit der chinesischen Kultur aufbauend, sowohl der politische als auch der ökonomische Charakter des Konflikts dargestellt werden. Auf diese Weise will die Arbeit den Leser für die Tiefe des Konflikts sensibilisieren und diesen von seinem, im Namen festgeschriebenen, Charakter eines bloßen Handelskrieges trennen. Der Verlauf der militärischen Auseinandersetzungen soll hierbei zwar berücksichtigt werden, aber nicht im Fordergrund stehen. Auf die Folgen der Opiumkriege und des aus ihnen entstandenen Vertragsystems will die Arbeit insbesondere im Hinblick auf ihren Bezug zur Inneren Krise des Qing-Reiches, dem Taiping-Aufstand, eingehen.

Der Taiping-Aufstand stellte eine ernsthafte Gefahr für die Herrschaft der Qing-Dynastie dar. Er war der größte von vielen Aufständen, die in Folge der schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunehmenden Unruhen und Konflikte im Inneren des Landes aufbrachen. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik, inwieweit die außenpolitische Krise für die Entstehung und Unterdrückung des Konflikts von Bedeutung war und ob die innenpolitische Krise die außenpolitischen Entwicklungen beeinflusst hat. Hierbei soll der Aufstand selbst nur in groben Zügen dargestellt und auf eine genauere Betrachtung der ideologischen und institutionellen Grundlagen verzichtet werden.

In ihrem Aufbau versucht die Arbeit der Chronologie der Ereignisse gerecht zu werden und die Entwicklungen zugleich in einem sinnvollen Zusammenhang darzustellen. Die so erreichte Form hofft die Aussagen der Arbeit zu verdeutlichen und zu einem bessern Verständnis des Inhalts beizutragen.

2. Der Außenpolitischer Konflikt - Die Opiumkriege

Unter den Opiumkriegen versteht man die von Großbritannien, als Hauptakteur, von 1840 bis 1860 gegen China geführten Kriege. Diese Kriege sollten zum Einen zu einer Öffnung des chinesischen Marktes für den Freihandel und zum Anderen zur Einbindung Chinas in die Internationale Politik der westlichen Staaten, führen. Im weiteren Verlauf werden die tiefliegenden Ursachen des Konflikts genauer beleuchtet, der Verlauf beschrieben und die Folgen dargestellt.

2.1 Das chinesische Weltbild und das Tributsystem

Das chinesische Weltbild im 19. Jahrhundert war geprägt von einer langen Tradition des chinesischen Selbstverständnisses als Zentrum der Zivilisation. Innerhalb der Staaten Südostasiens nahm China aufgrund seiner geographischen, militärischen und kulturellen Überlegenheit die Führungsposition ein und wurde von den Anderen, sogenannten Tributstaaten, als überlegene Kultur angesehen.[1] Diese Anerkennung des chinesischen Führungsanspruchs schlug sich in den Auslandsbeziehungen des Kaiserreichs nieder, die basierend auf dem Konfuzianismus nicht von einer Gleichheit der Staaten ausgingen, sondern von einer Hierarchie in welcher das chinesische Kaiserreich an oberster Stelle stand. Gestützt wurde dieser universelle Herrschaftsanspruch des chinesischen Kaisers vom Tributsystem in dem China seine Beziehungen zum Ausland geregelt sah.[2] Durch die Entsendung von Tributgesandtschaften brachten die Nachbarstaaten Chinas die Anerkennung der chinesischen Überlegenheit zum Ausdruck. Weiterhin bestätigten sie die kulturelle Strahlungskraft der herrschenden Dynastie und so auch den Herrschaftsanspruch des Kaiser über das chinesische Volk.[3] Denn die Herrschaft eines Kaiser, als Sohn des Himmels ( tianzi 天 子 ), wurde im chinesischen Verständnis, vom Himmel als übergeordnete Instanz legitimiert. Dieses sogenannte himmlische Mandat konnte ein Kaiser auch wieder verlieren, was den Untergang der Dynastie, im Verlauf des dynastischen Zyklus von Aufstieg, Herrschaft und Untergang, andeutete. Anzeichen dafür waren Naturkatastrophen, moralischer Verfall, Armut, Hungersnöte und Verlust der universellen Überlegenheit gegenüber den ausländischen „barbarischen“ Staaten.[4] Das sinozentrische Weltbild Chinas musste fast zwangsläufig zu Kontroversen mit den westlichen Mächten, insbesondere Großbritannien, führen.[5]

Großbritannien als Vorreiter der Industriellen Revolution hatte zu Beginn des 19. Jahrhunderts die notwendigen Kapazitäten für eine offensive Expansionspolitik des britischen Empires geschaffen, die sich auf die weltweit überlegene britische Seestreitmacht stützt. Neben der Durchsetzung der Vorherrschaft in Indien bestimmte der Freihandel maßgeblich das Auftreten Großbritanniens in Asien.[6] Die Politik einer solchen expandieren britischen Weltmacht, die sich nicht mit dem Status eines „barbarischen“ Tributstaates abfinden konnte, musste unvermeidlich zu einem Konflikt mit dem sinozentrischen chinesischen Kaiserreichs führen.[7]

2.2 Die Handelsbeziehungen Chinas mit dem Westen

Nach dem Flint-Zwischenfall von 1759 wurden die Handelsbeziehungen Chinas mit ausländischen Händlern auf den Hafen von Kanton beschränkt. Flint hatte ,als Abgesandter der Ostindischen Kompanie, Beschwerden über Handelsbeschränkungen und Korruption in Kanton direkt an den Kaiser herangetragen, was eine gravierende Missachtung des Protokolls und des Status des Kaiser darstellte.[8] Infolge der Beschränkung entwickelte sich Kanton, das schon früher ein traditionelles Handelszentrum war, zu einem florierenden Handelshafen.[9]

2.2.1 Der Kantonhandel

Der Handel in Kanton unterlag auf chinesischer Seite einem speziellen System des Monopolhandels, das die Geschäfte mit Ausländern nur bestimmten Händlern, den sogenannten Hong Kaufleuten erlaubte. Diese Hong Kaufleute, die sich zur Cohong-Gilde zusammenschlossen, erhielten ihr Handelsprivileg durch zahlreiche Abgaben an den chinesischen Hof. Sie waren dem kaiserlichen Handelsbeamten gegenüber, nicht nur für die Einnahme von Abgaben und Gebühren der britischen Kaufleute sondern auch für ihr Verhalten verantwortlich.[10] Auch die offizielle Kommunikation der ausländischen Händler mit chinesischen Beamten verlief nur über die Cohong-Gilde. Direkt an kaiserliche Beamte gerichtete Petitionen wurden als unverschämte Missachtung der Regularien angesehen und nicht beachtet.[11] Das Leben der Ausländer war durch zahlreiche Einschränkungen geregelt. So erging mit der Beschränkung des Handel auf Kanton 1759 auch der Erlass eines umfangreichen Regelkatalogs zur Abwicklung der Geschäfte und zum Verhalten der Ausländer. Das Verhältnis der ausländischen Händler zu den Hong Kaufleuten war freundlich und machte, neben der Aussicht auf finanziellen Gewinn, die Restriktionen durchaus erträglich.[12]

2.2.2 Die Ostindienkompanie

Auf britischer Seite war der Handel mit China ebenfalls durch ein Monopolsystem geprägt, dessen Träger die 1600 gegründete Ostindien Kompanie war.[13] Die Ostindien Kompanie nahm nicht nur in China, sondern auch in Indien, dem neuen Territorium des britischen Empires in Asien, eine Monopolstellung ein. Neben dem Handel der über die Schiffe der Kompanie ablief, gab es noch das System der „country trader“, die unter Linzens von Indien nach China segelten. In Kanton verkauften sie ihre Waren gegen Silber, das sie wiederum gegen Wechsel der Ostindienkompanie eintauschten, da ihnen die Ausfuhr von Silber aus Kanton verboten war. Die Wechsel konnten die „country trader“ dann in London oder Kalkutta gegen Bargeld eintauschen und die Ostindien Kompanie konnte mit dem Silber chinesische Produkte einkaufen.[14]

2.2.3 Die Probleme des Chinahandels

Insgesamt kann das Handelsystem auf chinesischer Seite als Ausdruck oder Umgestaltung des Tributsystems gesehen werden, denn aus chinesischer Sicht gewährte der Kaiser den Ausländern das Privileg in Kanton Handel treiben zu dürfen. Ein Privileg, das bei unsittlichem und falschem Verhalten, auch jederzeit wieder zurückgenommen werden konnte. Die Vorstellung der Briten von einem dem Freihandel entspringenden Recht auf Handel war den Chinesen fremd. Allerdings hatte der chinesische Staat durchaus wirtschaftlichen Vorteil aus den Geschäften des Kantonhandels, so füllten die zahlreichen Abgaben der Cohong-Gilde die staatlichen Kassen und trieben die Hong-Kaufleute zeitweise an den Rand des Ruins.

Traditionelle Güter des Chinahandels waren vor allem Seide, Porzellan, Rhabarber und Tee, die sich in England besonderer Beliebtheit erfreuten.[15] Besonders wichtig ist hier die Rolle des Tees, dessen Konsum in England nach dem „Commutation Act“ von 1784 stark anstieg. Hierbei handelt es sich um eine Reduzierung der auf Tee erhobenen Steuern von 110 Prozent auf nur noch 10 Prozent. Infolge dieser Steuersenkung erhöhte sich die Nachfrage nach Tee in Großbritannien so stark, dass sich die Steuereinnahmen noch erhöhten und Tee zum Nationalgetränk wurde.[16] Aus dem gesteigerten Handel mit China ergab sich das Problem ein geeignetes Produkt zu finden, dass die zu Seiten Großbritanniens stark defizitäre Handelsbilanz ausgleichen konnte.[17] So sollte eine 1792 unter Lord McCartney ausgelaufene Gesandtschaft den chinesischem Kaiser nicht nur von der Qualität der britischen Produkte und einer Ausweitung des Handels überzeugen, sondern auch die Aufhebung des Handelsbeschränkungen und die Einrichtung einer diplomatischen Vertretung in Peking erwirken. Sämtliche Forderungen Macartneys wurden allerdings, mit dem Hinweis darauf dass China keinen Bedarf an britischen Produkten habe, abgelehnt.[18] Also mussten die chinesischen Waren weiterhin mit Silber eingekauft werden, das die Briten aus Amerika nach Kanton brachten[19] Zwischen 1781 und 1790 flossen so 16,4 Millionen Tael Silber nach China, zwischen 1800 und 1810 erhöhte sich diese Summe sogar noch auf 26 Millionen Tael, bis sie 1826 ihren Höhepunkt erreichte und sich die Handelsbilanz zu Gunsten Großbritanniens umzukehren begann.[20]

[...]


[1] Vgl. Yen-ping Hao u. Erh-min Wang 1980, 143f

[2] Vgl. Hsü 1983, 130.

[3] Vgl. Gray 1990, 34.

[4] Vgl. Hsü 1983, Anfang Taiping.

[5] Vgl. Spence 2001, 154.

[6] Vgl. Osterhammel 1989, 128, 133, 137.

[7] Vgl. Tsiang 1971, 133.

[8] Vgl. Spence 2001, 155f.

[9] Vgl. Hsü 1983, 140.

[10] Vgl. Hsü 1983, 142-145.

[11] Vgl. Spence 2001, 156.

[12] Vgl. Hsü 1983, 150ff.

[13] Vgl. Gray 1990, 24.

[14] Vgl. Hsü 1983, 143.

[15] Vgl. Hsü 1983, 142-150.

[16] Vgl. Gray 1990, 24f.

[17] Vgl. Wakeman 1978, 168.

[18] Vgl. Spence 2001, 157.

[19] Vgl. Wakeman 1978, 164.

[20] Vgl. Hsü 1983, 168.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Opiumkriege und Taiping-Aufstand
Untertitel
Entstehung des außenpolitischen Konflikts und seine Beziehungen zur innenpolitischen Krise
Hochschule
Universität zu Köln  (Ostasiatisches Seminar)
Veranstaltung
Grundzüge der modernen chinesischen Geschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V89778
ISBN (eBook)
9783638039215
ISBN (Buch)
9783640760039
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Opiumkriege, Taiping-Aufstand, Grundzüge, Geschichte
Arbeit zitieren
Franz-Josef Kemnade (Autor), 2004, Opiumkriege und Taiping-Aufstand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89778

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Opiumkriege und Taiping-Aufstand



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden