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Essen und Sozialität

Die symbolische Bedeutung von Nahrung

Titel: Essen und Sozialität

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2006 , 16 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Caroline Dorsch (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Nahrung und soziale Beziehungen stellen für die menschliche Existenz essentielle Faktoren dar.
Der Mensch braucht Nahrung, um biologisch am Leben bleiben zu können, soziale Kontakte sind in psychologischer Hinsicht aber ebenso wichtig. Dies sind sicherlich Universalien, die für nahezu alle Menschen auf der Welt gelten können.
Es gibt nun aber dennoch Unterschiede, wie Nahrung innerhalb einer Gesellschaft gewichtet wird.
Das westliche Konzept sieht in Nahrung weitestgehend den biologischen Aspekt, den Menschen mit lebensnotwendigen Stoffen zu versorgen und am Leben zu erhalten. In der westlichen schnelllebigen Gesellschaft, in der Nahrung und die Nahrungsaufnahme mehr und mehr in die Kategorie Fast Food eingeordnet werden können, verliert Essen im Alltag zunehmend die soziale Dimension.
Im Gegensatz zu unserer westlichen Gesellschaft nimmt Essen in verschiedenen Gesellschaften in Ozeanien unterschiedliche Stellenwerte ein. Nahrung dient hier nicht nur dem Erhalt der biologischen Funktionen des menschlichen Körpers, sondern ist vielmehr wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens.
In dieser Hausarbeit sollen verschiedene Aspekte von Nahrung in unterschiedlichen Gesellschaften näher betrachtet werden und im Schlussteil mit westlichen Vorstellungen bzw. Praktiken verglichen werden.
Welche unterschiedlichen symbolischen Bedeutungen dem Essen bzw. der Nahrung zugeschrieben werden können, soll im ersten Teil dieser Hausarbeit verdeutlich werden. Somit eröffnet das erste Kapitel mit einem Beispiel der Cook Insulaner. Migration stellt in vielen Teilen Ozeaniens ein probates Mittel dar, um verschiedene Aspekte des Lebens in einem anderen Land zu verbessern – eine bessere schulische Ausbildung für die Kinder, höhere Chancen einen Beruf zu finden, der adäquat bezahlt wird usw. Deshalb sind Migration, die Bildung von Diasporas und die Kontakte der Migranten zum Heimatland ein immer wichtigeres Thema.
Häufig werden hierbei Zahlungen, die Migranten an in der Heimat gebliebene Angehörige leisten, betont. Es wird zum Teil aber übersehen, dass das Verhältnis zwischen Migranten und Familienangehörigen in der Heimat von einem reziproken Charakter geprägt ist. Um dies zu veranschaulichen und als Beispiel dafür, wie es Migranten gelingt, ihre Verbundenheit mit dem Heimatland und ihre sozialen Kontakte mit ihren Familienangehörigen aufrechtzuerhalten, soll das Beispiel der Cook Insulaner näher besprochen werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der besondere Stellenwert von Essen aus der Heimat für Migranten

3 Zusammenhänge zwischen Arbeit, Anerkennung und Nahrung

4 Erziehung bzw. die Vermittlung der Zusammenhänge zwischen Arbeit, Anerkennung und Nahrung

5 Unerfüllte Erwartungen

6 Das Zeigen von Gefühlen durch Nahrung

a) Bereitstellen bzw. Weitergeben von Nahrungsmitteln

b) Verweigern bzw. Ablehnen von Nahrungsmitteln

7 Nahrungstabus als Kennzeichen für die soziale, familiäre Struktur

7.1 Nahrungstabus

7.2 spezielle Rituale, bei denen die Nahrungstabus außer Kraft gesetzt sind

8 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die symbolische und soziale Bedeutung von Nahrung in verschiedenen ozeanischen Gesellschaften und setzt diese in Bezug zu westlichen Vorstellungen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Nahrung weit über die biologische Funktion der Lebenserhaltung hinaus als Instrument für soziale Interaktion, Anerkennung, Beziehungsstiftung und die Aufrechterhaltung von Hierarchien fungiert.

  • Symbolik von Essen in Migrationskontexten (Cook Inseln)
  • Zusammenhang zwischen Arbeit, Anerkennung und Ernährung (Murik-Gesellschaft)
  • Nahrungstabus als Ausdruck sozialer Hierarchien (May River Iwam)
  • Die Rolle der Erziehung bei der Vermittlung sozialer Normen durch Nahrung
  • Vergleich der beobachteten kulturellen Praktiken mit westlichen Verhaltensweisen

Auszug aus dem Buch

2 Der besondere Stellenwert von Essen aus der Heimat für Migranten

Migration stellt in vielen Teilen Ozeaniens ein probates Mittel dar, um verschiedene Aspekte des Lebens in einem anderen Land zu verbessern – eine bessere schulische Ausbildung für die Kinder, höhere Chancen einen Beruf zu finden, der adäquat bezahlt wird usw. Deshalb sind Migration, die Bildung von Diasporas und die Kontakte der Migranten zum Heimatland ein immer wichtigeres Thema.

Häufig werden hierbei Zahlungen, die Migranten an in der Heimat gebliebene Angehörige leisten, betont. Es wird zum Teil aber übersehen, dass das Verhältnis zwischen Migranten und Familienangehörigen in der Heimat von einem reziproken Charakter geprägt ist. Um dies zu veranschaulichen und als Beispiel dafür, wie es Migranten gelingt, ihre Verbundenheit mit dem Heimatland und ihre sozialen Kontakte mit ihren Familienangehörigen aufrechtzuerhalten, soll das Beispiel der Cook Insulaner näher besprochen werden.

Als wichtiges Hilfsmittel hierbei dienen vor allem Nahrung und deren Austausch. Dies erklärt die Tatsache, dass Nahrungsmittel aus der Heimat für Cook Insulaner einen höheren Stellenwert einnehmen als das Essen, das im Einwanderungsland erhältlich ist. (vgl. Alexeyeff 2004: 72). Sie erachten Nahrung nicht nur als lebensnotwendig für den Körper, sondern sehen darin eine weitaus wichtigere symbolische Bedeutung. Eine in Neuseeland lebende Cook Insulanerin beschreibt dies wie folgt: "Food nurtures not just our bodies but also our kinship ties and spiritual ties to homeland." (Alexeyeff 2004: 69). Die symbolische Bedeutung wird durch die Assoziation von Essen mit Liebe verständlich. Um dies zu verstehen, muss man wissen, dass es in der Sprache der Cook Insulaner weder ein Wort für Liebe noch die Möglichkeit, „Ich liebe dich“ zu sagen, gibt (vgl. Alexeyeff 2004: 71).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der soziokulturellen Bedeutung von Nahrung ein und stellt die untersuchten Fallbeispiele (Cook Insulaner, Murik, May River Iwam) vor.

2 Der besondere Stellenwert von Essen aus der Heimat für Migranten: Dieses Kapitel erläutert, wie Migranten der Cook Inseln durch den Austausch von Nahrung aus ihrer Heimat soziale Beziehungen zu ihren Verwandten aufrechterhalten und ihre Verbundenheit symbolisch ausdrücken.

3 Zusammenhänge zwischen Arbeit, Anerkennung und Nahrung: Hier wird der theoretische Rahmen umrissen, wie in nicht-westlichen Gesellschaften Nahrungserwerb eng mit sozialem Status und Anerkennung verknüpft ist.

4 Erziehung bzw. die Vermittlung der Zusammenhänge zwischen Arbeit, Anerkennung und Nahrung: Das Kapitel beschreibt den Lernprozess der Murik-Kinder, bei dem sie durch das Bereitstellen von Nahrung Anerkennung für ihre Arbeit erfahren und zunehmend sozial kompetent handeln.

5 Unerfüllte Erwartungen: Anhand eines Beispiels wird verdeutlicht, wie eine als ungerecht empfundene Nahrungsverteilung innerhalb einer Familie zu Spannungen führen kann, da sie den erlernten sozialen Regeln widerspricht.

6 Das Zeigen von Gefühlen durch Nahrung: Dieses Kapitel zeigt, wie Nahrung sowohl zur Ausdrucksweise von Zuneigung und Solidarität dient als auch durch Verweigerung als Instrument der Trauer oder des sozialen Protests eingesetzt wird.

7 Nahrungstabus als Kennzeichen für die soziale, familiäre Struktur: Hier wird analysiert, wie bei den May River Iwam Nahrungstabus soziale Distanz schaffen und eine hierarchische Ordnung innerhalb der Familie sicherstellen.

8 Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Bedeutung von Nahrung als soziales Bindemittel zusammen und vergleicht diese Erkenntnisse mit den Praktiken in westlichen Gesellschaften.

Schlüsselwörter

Nahrung, Sozialität, Migration, Cook Inseln, Murik, May River Iwam, Reziprozität, Symbolik, Nahrungstabus, Anerkennung, soziale Struktur, kulturelle Praxis, Arbeit, Diaspora, Ethnologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser ethnologischen Hausarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Nahrung in verschiedenen Gesellschaften über ihre rein biologische Funktion hinaus als zentraler Bestandteil des sozialen Lebens und der kulturellen Identität wahrgenommen wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf dem Austausch von Nahrung bei Migranten zur Aufrechterhaltung sozialer Kontakte, dem Zusammenhang zwischen Arbeit, Leistung und Anerkennung bei den Murik sowie der Funktion von Nahrungstabus zur hierarchischen Strukturierung bei den May River Iwam.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Das Ziel ist es, unterschiedliche symbolische Bedeutungen von Nahrung aufzuzeigen, diese innerhalb der jeweiligen kulturellen Kontexte zu analysieren und abschließend mit westlichen Vorstellungen zu vergleichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird für die Arbeit verwendet?

Die Hausarbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse ethnographischer Studien, um die kulturellen Praktiken und sozialen Konzepte der untersuchten Gemeinschaften vergleichend darzustellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in konkrete Fallstudien zu den Cook Insulanern, den Murik und den May River Iwam, wobei Aspekte wie Migration, Kindererziehung, soziale Konflikte und rituelle Nahrungstabus im Detail betrachtet werden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind die symbolische Bedeutung von Essen, soziale Reziprozität, Diaspora-Kontakte, soziale Hierarchie durch Nahrungstabus sowie der Wandel der Bedeutung von Nahrung in modernen Gesellschaften.

Warum weinen Cook-Insulaner, wenn ihnen Nahrungsmittel am Flughafen abgenommen werden?

Das Weinen rührt nicht vom Verlust der Lebensmittel als physisches Gut her, sondern aus der Trauer darüber, dass die symbolische Verbindung zu ihrer Heimat und ihren Verwandten durch die Konfiszierung unterbrochen wird.

Warum gibt es bei den May River Iwam Rituale, bei denen Nahrungstabus außer Kraft gesetzt werden?

Diese Rituale, wie etwa nach einer rituellen Kopfjagd, dienen dazu, kurzzeitig die normalen sozialen Hierarchien auszusetzen und ein Gefühl der Gemeinschaft und Gleichheit unter den Beteiligten zu erzeugen.

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Details

Titel
Essen und Sozialität
Untertitel
Die symbolische Bedeutung von Nahrung
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Ethnologie)
Veranstaltung
Personenkonzepte in Ozeanien
Note
1,3
Autor
Caroline Dorsch (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V89780
ISBN (eBook)
9783638039314
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Essen Sozialität Personenkonzepte Ozeanien
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Caroline Dorsch (Autor:in), 2006, Essen und Sozialität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89780
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Leseprobe aus  16  Seiten
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