Zahlreiche bewusste Bilanzmanipulationen bzw. Manipulationsvorwürfe wurden gerade in jüngster Zeit publik, wie z. B. in dem in dieser Arbeit betrachteten Fall der Firma Comroad AG.
Rückblickend gesehen weiß man, dass Wirtschaftskriminalität existiert, seitdem es Handel und Warenverkehr gibt. Dies ist ein ernsthaftes Problem in unserer Gesellschaft, da es vor dem Hintergrund wachsender Globalisierung und durch die zunehmende Komplexität der Geschäftsabläufe kaum möglich ist, diese Kriminalität zu kontrollieren. Daraus resultiert dann eine Zunahme der Wirtschaftsstraftaten, wie z. B. Bilanzmanipulationen.
Diese Arbeit befasst sich inhaltlich vorrangig mit einer Materie, die sowohl von wissenschaftlicher als auch von praktischer Relevanz ist. Denn durch die zahlreichen Bilanzmanipulationen führen diese für die betroffenen Akteure, also diejenigen, die dadurch ihr Geld an der Börse verlieren, zu erheblichen Vermögensschäden, was ein ernsthaftes Problem darstellt. Weiterhin beeinträchtigen Bilanzmanipulationen das Funktionieren der Kapitalmärkte. Zum Teil können die Abschlussprüfer durch ihre Kontrolltätigkeiten einen Ansatzpunkt zur Vermeidung bzw. zur Aufdeckung betrügerischer Manipulationen aufzeigen. Jedoch ist das Vertrauen in die Wirtschaftsprüfer bedingt durch die zahlreichen Bilanzmanipulationen in jüngster Zeit verlorengegangen, somit wurde der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer in der Öffentlichkeit negativ beeinträchtigt.
Ziel der Arbeit wird es sein, die Ursachen der Bilanzmanipulationen zu analysieren und deren Hintergründe näher darzustellen.
Im Rahmen dieser Arbeit wird zunächst einmal der Begriff Bilanzdelikte definiert und die dazugehörigen Eigenschaften näher erläutert. Im darauf folgenden Kapitel werden die Ursachen von Bilanzfälschungen analysiert. Hauptaugenmerk dieser Arbeit ist der Bilanzskandal der Firma Comroad AG. Hier wird dargelegt, wie die Firma vorgegangen ist und wie ihre Bilanzmanipulation schließlich aufgedeckt wurde. Anschließend folgt die Darstellung des Urteils des Landgerichtes München I im November 2002. Die Ergebnisse der Arbeit und deren kritische Betrachtung sind Gegenstand des Schlusskapitels.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2 Methodischer Aufbau
2 Bilanzdelikte
2.1 Definition
2.2 Arten von Bilanzdelikten
3 Bilanzdelikte und deren Auswirkungen auf Rechnungslegung und Abschlussprüfung
3.1 Motive
3.2 Dolose Handlungen
3.3 Gesetze
3.3.1 KonTraG
3.3.2 BilReG
3.3.3 BilKoG
3.3.4 GoB
3.4 Gesetzesverstöße im Unternehmensbereich
4 Bilanzskandal der Firma Comroad
4.1 Firmenhistorie
4.1.1 Geschäftsgebiete
4.1.2 Beteiligungen
4.1.3 Länder
4.2 Darstellung
4.3 Gerichtliche Konsequenzen
5 Kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Ursachen und Hintergründe von Bilanzmanipulationen am Beispiel des konkreten Falls der Comroad AG. Ziel ist es, die Mechanismen hinter solchen Skandalen zu durchleuchten, die Rolle der Abschlussprüfung zu beleuchten und den Einfluss neuer gesetzlicher Regulierungen auf die Unternehmensintegrität zu bewerten.
- Definition und Arten von Bilanzdelikten
- Motive für Bilanzmanipulationen und dolose Handlungen
- Rechtlicher Rahmen durch KonTraG, BilReG und BilKoG
- Detaillierte Fallstudie zum Comroad-Bilanzskandal
- Kritische Analyse der Rolle von Wirtschaftsprüfern und Kontrollinstanzen
Auszug aus dem Buch
4.2 Darstellung
In diesem Unterkapitel wird auf den Bilanzskandal der Comroad AG näher eingegangen. Dieser Skandal war bei einer Sonderprüfung im Frühjahr 2001 aufgefallen, nachdem das Anleger-Magazin „Börse Online" mehrfach über Unregelmäßigkeiten berichtet hatte.
Eine Journalistin des Anleger-Magazins „Börse Online" reiste, genährt durch ihre Skepsis, dass die Wirtschaftsprüfer von der KPMG der Comroad AG eigentlich bereits zum 31.12.1998 eine bilanzielle Überschuldung attestiert hatten, nach Hongkong, wo Comroad über ein Netz von „Partnerunternehmen" angeblich einen großen Teil seines Umsatzes tätigte, um ihre Recherchen dort fortzusetzen. Vor Ort stellte sie dann fest, dass diese Firma gar nicht existierte und es sich hier um ein Scheingeschäft seitens der Comroad AG handelte. Weiterhin war einem Kreditsachbearbeiter der Dresdner Bank zwischenzeitlich dieser Betrug aufgefallen, nachdem er mit Comroad-Kunden in Spanien und England Kontakt aufnehmen wollte, diese sich dann aber als „Phantompartner" erwiesen.
Seit 1998 tätigte die Firma in großem Stil Scheingeschäfte. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat die Jahresabschlüsse der Firma Comroad von 1998 bis 2000 geprüft und testiert. Die KPMG hat in einer Pressemitteilung erwähnt, dass sie u. a. in der Aufsichtsratssitzung am 23. Februar 2001 ausführlich über „Schwächen in der Buchführung" berichtet und diese kritisch angemerkt hatte. Die KPMG hat daraufhin die Firma Comroad dazu bewegt, ihre Buchführung zu korrigieren, da ansonsten keine Wiederannahme des Mandats erfolge.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Bilanzmanipulationen ein, erläutert die Zielsetzung der Arbeit und beschreibt den methodischen Aufbau der Untersuchung.
2 Bilanzdelikte: Dieses Kapitel definiert den Begriff Bilanzdelikt und klassifiziert verschiedene Arten von Bilanzdelikten sowie deren betriebswirtschaftliche Bedeutung.
3 Bilanzdelikte und deren Auswirkungen auf Rechnungslegung und Abschlussprüfung: Hier werden die Motive für Manipulationen, dolose Handlungen, einschlägige Gesetze wie das KonTraG sowie Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) behandelt.
4 Bilanzskandal der Firma Comroad: Dieses Hauptkapitel detailliert die Firmengeschichte, die Art und Weise der durchgeführten Scheingeschäfte und die daraus resultierenden gerichtlichen Konsequenzen.
5 Kritische Würdigung: Das Schlusskapitel resümiert die Erkenntnisse, bewertet die Rolle der Kontrollorgane und diskutiert, inwieweit Gesetzesänderungen künftige Bilanzskandale verhindern können.
Schlüsselwörter
Bilanzskandal, Comroad AG, Bilanzmanipulation, Wirtschaftskriminalität, Abschlussprüfung, KonTraG, BilReG, BilKoG, Scheingeschäfte, dolose Handlungen, Jahresabschluss, Wirtschaftsprüfer, Kapitalmarkt, Anlegerschutz, Unternehmensführung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen von Bilanzskandalen in Deutschland anhand einer detaillierten Analyse des Falls der Comroad AG.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Definitionen von Bilanzdelikten, die Analyse von Manipulationsmotiven, der rechtliche Rahmen der Rechnungslegung sowie die Rolle von Abschlussprüfern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Ursachen und Hintergründe von Bilanzmanipulationen aufzuzeigen und die Wirksamkeit von Kontrollmechanismen sowie Gesetzen zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen methodischen Aufbau, der mit einer theoretischen Definition von Bilanzdelikten beginnt und in eine tiefgehende Fallstudie (Comroad AG) mit anschließender kritischer Würdigung übergeht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung von Bilanzdelikten, die Auswirkungen auf die Prüfungspraxis, die gesetzliche Regulierung und die umfassende Darstellung des Comroad-Skandals.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bilanzskandal, Comroad, Bilanzmanipulation, Wirtschaftsprüfer und verschiedene deutsche Gesetze wie das KonTraG oder BilKoG.
Wie genau hat die Firma Comroad ihre Bilanzen manipuliert?
Comroad nutzte Scheingeschäfte über eine nicht existierende Firma (VT Electronics) in Hongkong, um fiktive Umsätze und Materialaufwendungen vorzutäuschen, ohne dass echte Geldbewegungen stattfanden.
Welche Konsequenzen hatte der Skandal für die Verantwortlichen?
Der Gründer Bodo Schnabel wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt, zudem wurden Vermögenswerte eingezogen; seine Ehefrau erhielt eine Bewährungsstrafe wegen Beihilfe.
- Quote paper
- Shara Pourmir (Author), 2007, Der Bilanzskandal bei Comroad, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89781