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Die exotischen Frauenfiguren in Gerstäckers "Tahiti" und deren rassistische Abwertung

Title: Die exotischen Frauenfiguren in Gerstäckers "Tahiti" und deren rassistische Abwertung

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Janna Schumacher (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Der Roman Gerstäckers reiht sich ein in eine lange europäische Tradition von Südseedarstellungen. Deshalb sollen zunächst in dem ersten Kapitel die Ursprünge der Südseedarstellungen anhand der Reiseberichte Louis Antoine de Bougainvilles und Georg Forsters dargestellt werden. Gerstäckers Tahiti lässt sich zwischen den Schreibstilen ethnographischer Realismus und Südsee-Utopie einordnen. Utopische Südseedarstellungen zeigen bestimmte Strukturen und Funktionen, die eine Schnittstelle von Exotismus, Rassismus und Sexismus bilden. Dies soll außerdem im ersten Kapitel der Arbeit theoretisch analysiert werden. Aus diesen Überlegungen ergeben sich bestimmte Fragen, unter denen der Roman im Folgenden untersucht werden soll. Zunächst soll im zweiten Kapitel an einzelnen Figuren rassistischer Abwertung vor allem der Zusammenhang von Exotismus und Rassismus analysiert werden, dann werden im dritten Kapitel der Hausarbeit die drei zentralen Frauenfiguren des Romans hinsichtlich der besonderen Stellung von Frauen im Rahmen von Kolonialisierung und der Darstellung von Kulturkontakt erläutert.
In dem Südseeroman Tahiti (1854) verliebt sich der Franzose René in die Insulanerin Sadie. Sie heiraten und führen ein abgeschiedenes Familienleben auf der Insel Atiu. Doch dann siedeln sie nach Tahiti über, wo das Paar mit der dortigen europäischen Gesellschaft in Berührung kommt. René verliebt sich in die Amerikanerin Susanne und verlässt Tahiti.
In einem zweiten Erzählstrang werden die politischen Verhältnisse auf Tahiti geschildert. Dort streiten sich die Engländer, vertreten auf der Insel durch protestantische Missionare, mit den katholischen Franzosen um die politische und religiöse Vorherrschaft. Die Engländer ziehen sich letztendlich zurück, die protestantische Königin Pomare flieht. Der folgende Aufstand der Insulaner wird von den Franzosen blutig niedergeschlagen. René kehrt elf Jahre später nach Tahiti zurück. Seine Frau Sadie ist tot, nur noch seine Tochter lebt auf Atiu. René, von Schulgefühlen und enttäuschten Hoffnungen getrieben, verschwindet mit einem Kanu in der Nacht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Ethnographischer Realismus und Südsee-Utopie

1.1.1. Literarische Südseebilder

1.1.2. Einordnung des Romans Tahiti

1.2. Exotismus und Rassismus

1.3. Die doppelte Kolonialisierung der Frau

1.4. Zwischenergebnis und Fragestellung

2. Figuren rassistischer Abwertung in Tahiti

2.1. Die Insulaner als unschuldige Kinder

2.2. Die Frauen als exotisch, sinnliche und (un)moralische Wesen

2.3. Die Insulaner als Müßiggänger und rein sinnliche, geistlose Wesen

3. Die Frauenfiguren Sadie, Aumama und Pomare

3.1. Sadie

3.2. Aumama

3.3. Pomare

4. Abschließende Diskussion

5. Literatur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht den Südseeroman Tahiti (1854) von Friedrich Gerstäcker im Hinblick auf die Verknüpfung von Exotismus, Rassismus und Sexismus. Dabei wird analysiert, wie das Bild der „Edlen Wilden“ als Konstrukt dient, um koloniale Machtansprüche zu legitimieren, und inwiefern insbesondere die weiblichen Romanfiguren einer „doppelten Kolonialisierung“ unterliegen.

  • Analyse der literarischen Tradition des ethnographischen Realismus und der Südsee-Utopie.
  • Untersuchung der rassistischen Stereotypisierung der Insulaner (z.B. als „unschuldige Kinder“ oder „Müßiggänger“).
  • Analyse der spezifischen Stellung der Frau im Kontext von Kulturkontakt und Kolonialismus.
  • Dekonstruktion der geschlechtlichen Semantisierung der interkulturellen Begegnung in den Liebesgeschichten des Romans.

Auszug aus dem Buch

2.2. Die Frauen als exotisch, sinnliche und (un)moralische Wesen

Wie bereits oben am Beispiel Forsters gezeigt, sind die Frauen von Tahiti Projektionsfläche für ein besonders zwiespältiges Begehren. Als Kinder der Insel, die im unschuldigen Naturzustand leben, kann ihr Handeln eigentlich nicht mit westlichen Wertvorstellungen bewertet werden, die einer kritisierten Zivilisation entspringen. So schreibt Forster:

„Ehe es ganz dunkel ward, versammelten sich die Mädchen auf dem Verdeck des Vordertheils. Eine von ihnen blies die Nasen-Flöte; die übrigen tanzten allerhand Tänze, worunter verschiedne waren, die mit unseren Begriffen von Zucht und Ehrbarkeit eben nicht sonderlich übereinstimmten. Wenn man aber bedenkt, daß ein großer Theil dessen, was nach unsern Gebräuchen tadelnswerth zu nennen wäre, hier wegen der Einfalt der Erziehung und Tracht, würklich für unschuldig gelten kann; so sind die Tahitischen Buhlerinnen im Grunde minder frech und ausschweifend als die gesittetern Huren in Europa“ (Forster 1965, S. 278).

Diesen Versuch, das Verhalten der Insulanerinnen nicht aus westlicher Sicht zu verurteilen, kann Forster nicht durchhalten (siehe oben). Gerade die Tänze der Frauen scheinen die in der eigenen Gesellschaft unterdrückten sexuellen Wünsche zu wecken. Da dieses Begehren aber stark tabuisiert und verachtet ist, müssen die Repräsentantinnen dann doch moralisch verurteilt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in den Roman Tahiti ein und umreißt die theoretischen Grundlagen der Arbeit, wobei Exotismus, Rassismus und die Frauenrolle im Kolonialismus als zentrale Analyseaspekte definiert werden.

2. Figuren rassistischer Abwertung in Tahiti: Dieses Kapitel analysiert anhand verschiedener Stereotype – wie die Insulaner als unschuldige Kinder oder Müßiggänger –, wie der Roman rassistische Strukturen und koloniale Abwertungsmechanismen reproduziert.

3. Die Frauenfiguren Sadie, Aumama und Pomare: Hier werden die drei zentralen Frauenfiguren als Fallbeispiele für die doppelte Kolonialisierung untersucht und aufgezeigt, wie ihre jeweilige Integration oder ihr Widerstand am interkulturellen Kontakt scheitern.

4. Abschließende Diskussion: Die Diskussion fasst zusammen, dass Gerstäcker zwar koloniale Machtansprüche kritisiert, dabei aber letztlich in den traditionellen, rassistischen Stereotypen der Südseedarstellung verhaftet bleibt.

Schlüsselwörter

Tahiti, Friedrich Gerstäcker, Exotismus, Rassismus, Kolonialismus, Südsee, Edler Wilder, Geschlechterdifferenz, Kulturkontakt, Stereotype, Sadie, Aumama, Pomare, doppelte Kolonialisierung, Literaturanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Friedrich Gerstäckers Roman Tahiti im Hinblick darauf, wie rassistische und exotistische Darstellungen dazu genutzt werden, das Bild des „Anderen“ zu konstruieren und koloniale Machtansprüche zu legitimieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der literarische Südseemythos, die theoretische Definition von Exotismus und Rassismus sowie die intersektionale Betrachtung von Geschlecht und Kolonialisierung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie sich die Verzahnung von Exotismus und rassistischer Abwertung im Roman zeigt und inwiefern an den Frauenfiguren eine doppelte Kolonialisierung nachgezeichnet werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die durch kulturwissenschaftliche und postkoloniale Theorien (u.a. von Gayatri Spivak und Herbert Uerlings) sowie durch die Analyse zeitgenössischer Rezensionen gestützt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung allgemeiner rassistischer Figurenkonstellationen im Roman sowie eine detaillierte Analyse der drei Protagonistinnen Sadie, Aumama und Pomare als Repräsentantinnen der indigenen Gesellschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Exotismus, Kolonialismus, Rassismus, Südseeroman und Geschlechterdifferenz beschreiben.

Wie unterscheidet sich die Rolle von Sadie im Vergleich zu Aumama?

Während Sadie durch ihre christliche Erziehung als „zivilisierte Wilde“ und angepasste Frau gezeichnet ist, fungiert Aumama als Kontrastfigur, die ihre eigene kulturelle Identität stärker wahrt, wenngleich auch ihre Beziehung zum europäischen Partner scheitert.

Was bedeutet der Begriff „doppelte Kolonialisierung“ in diesem Kontext?

Er beschreibt den Umstand, dass die Frauenfiguren im Roman sowohl durch die übergeordnete koloniale Macht als auch durch die patriarchalen Strukturen ihrer eigenen indigenen Gesellschaft oder die westlich-männliche Sichtweise unterdrückt und zum Schweigen gebracht werden.

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Details

Title
Die exotischen Frauenfiguren in Gerstäckers "Tahiti" und deren rassistische Abwertung
College
University of Hamburg  (Institut für Germanistik)
Grade
1,7
Author
Janna Schumacher (Author)
Publication Year
2007
Pages
22
Catalog Number
V89810
ISBN (eBook)
9783638035446
Language
German
Tags
Frauenfiguren Gerstäckers Tahiti Abwertung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Janna Schumacher (Author), 2007, Die exotischen Frauenfiguren in Gerstäckers "Tahiti" und deren rassistische Abwertung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89810
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