Die Entkoppelung von Arbeit und Einkommen

Welche Auswirkungen hätte ein Grundeinkommen auf die Arbeitseinstellung bzw. Arbeitsbereitschaft?


Hausarbeit, 2008
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Abstract
1.1 Verhaltenstheoretischer Ansatz
1.2 Herleitung der Fragestellung und Hypothese
1.3 Definitionen

2. Von der Freiheit zur Handlungsfreiheit

3. Aspekte der Handlungsfreiheit durch ein bedingungsloses Grundeinkommen
3.1 Handlungsfreiheit auf dem Arbeitsmarkt
3.2 Handlungsfreiheit bei Familien und Familienarbeit
3.3 Handlungsfreiheit im Bildungsweg
3.4 Handlungsfreiheit und Soziale Exklusion
3.5 Erweiterung der Verhaltenstheorie um eine dritte Dimension
3.6 Handlungsfreiheit und individueller selbstbestimmbarer Arbeit
3.7 Eingeschränkte Handlungsfreiheit

4. Das Fazit

1 Abstract

Stellt man sich die Frage: Was würde ich tun, wenn ich nicht arbeiten müsste? – So fallen die Antworten meist ähnlich aus. Von „gar nichts“ bis „was ich will“ ist alles dabei. Würde die Befreiung des Zwanges von Arbeit aber wirklich eine der beiden meisten gegebenen Antworten in Erscheinung treten lassen, oder wäre gar ein ganz anderes Szenario möglich? Welches Verhalten würde der Mensch an den Tag legen? Unter dem Aspekt der vorherrschenden eher sozialwissenschaftlichen Diskussion, neben der temporären politischen, um die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens, solidarisches Bürgergeldes oder einer negativen Einkommenssteuer wird dieser Punkt neben der Finanzierungsmachbarkeit am häufigsten angesprochen und aus diesem fast immer eine Unumsetzbarkeit bescheinigt. In dieser Hausarbeit möchte ich die Veränderung der Arbeitswelt, des Arbeitsbegriffs und der Arbeitsmoral unter dem Aspekt der Erlangung von Handlungsfreiheit durch ein bedingungsloses Grundeinkommen untersuchen. Dabei spielt das Modell eines Grundeinkommens oder die Höhe gar keine Rolle. Der Fokus liegt auf dem Verhalten des Menschen und die neue nie da gewesene Situation einer Existenzsicherheit ohne Arbeit. Diese entsagt dem heutigen Verständnis von Erwerbsarbeit seine eigentliche Bestimmung und somit die mögliche Motivation zu Handeln. Eröffnet aber wiederum andere Handlungsstrategien, welche erwartet werden können.

1.1 Verhaltenstheoretischer Ansatz

Diesem aus der Psychologie stammenden wissenschaftlichen Fundus von George Caspar Homans zufolge stellt ein Reiz die Erklärung für ein Verhalten eines Menschen dar (vgl. Jörg Drescher). Überträgt man dieses nun auf die Erwerbsarbeit, seit Einführung der Fremdversorgergesellschaft, dann kann man feststellen, dass die Erwerbsarbeit lediglich die Reaktion auf den Reiz zur Vermeidung von Not und Armut darstellt.

Aus dieser Perspektive unterscheidet Jörg Drescher, zwei Formen der Arbeit. Die Erste, die „primäre Arbeit“, erfüllt dabei lediglich den Zweck der „Selbsterhaltung“ (vgl. Drescher, Jörg). Die „sekundäre Arbeit“ stellt einerseits einen Ersatz für die „primäre Arbeit“ dar, andererseits subsumiert sie gleichzeitig den Reiz zur Überwindung von unbefriedigenden Zuständen, welche durch Arbeit behoben werden können (vgl. ebd.). Hierbei unterscheidet der Autor Reize, die nicht biologisch begründet sind und somit als Konsumreize bezeichnet werden können.

1.2 Herleitung der Fragestellung und Hypothese

Die in dieser Hausarbeit zu bearbeitende Fragestellung geht nun von einer möglichen Befriedigung beider Arbeitsanreize durch das bedingungslose Grundeinkommen aus. Einzig und allein in quantitativer Sicht sind dem Individuum Grenzen gesetzt. Eine Lebensstandartsicherung wäre durch ein bedingungsloses Grundeinkommen zwar gewährleistet, jedoch stünde die Erfüllung exorbitanter Wünsche natürlich nicht zur Disposition. Würde die Aussicht auf Konsum nun den einzigen Reiz darstellen, um Arbeiten zu gehen, dann müsste eine Arbeitsverweigernde Haltung von der Mehrzahl der heutigen Erwerbstätigen zu erwarten sein, sofern ihr Einkommen nicht überproportional über dem Bereich des Existenzsicherungsminimums des bGE liegt. Müssten demzufolge nicht viele, der heute noch Erwerbstätigen ähnlich reagieren, wie viele Arbeitslose dies tun, die einen zusätzlichen Verdienst gegenüber staatlichen Transferleistungen von bis zu zwanzig Prozent verweigern, da sich die Arbeit nicht lohnt? Worin liegt nun der Reiz der Arbeit, wenn die primären und sekundären Bedürfnisse schon befriedigt sind? Welche Bedürfnisse kann Arbeit infolge dessen befriedigen?

Diese Fragen sollen unter der folgenden Hypothese beantwortet werden:

Das bedingungslose Grundeinkommen trägt dazu bei, soziale Exklusion bedingt durch nicht Teilhabe am Erwerbsleben zu vermeiden und erhöht dadurch die Handlungsfreiheit zu individueller, selbstbestimmter Arbeit.

1.3 Definitionen

Der Begriff der „Autonomie“ hat, je nach wissenschaftlicher Disziplin, unterschiedliche Bedeutungen. In dieser Hausarbeit soll dem Wort „Autonomie“ die ethische Bedeutung der „Selbstverantwortlichkeit“, der „Unabhängigkeit“, der „Selbstverwaltung“ und der „Entscheidungsfreiheit“ zukommen (vgl. Wissenschaftlicher Rat, 1990).

Unter dem Begriff „bedingungsloses Grundeinkommen“ (im folgenden mit bGE abgekürzt) soll in dieser Hypothese die Tatsache verstanden werden, dass ein jeder Staatsbürger ein Anrecht auf eine vom Staat gezahlte Transferleistung in ausreichender Höhe hat, ohne eine Gegenleistungen erbringen zu müssen. Des Weiteren ist diese ausreichend, um gesellschaftlich zu partizipieren und einen durchschnittlichen individuellen Konsum zu praktizieren. Dieses wird zeitlich unbeschränkt geleistet und erstreckt sich von der Wiege bis zur Bare (vgl. Götz Werner, 2007).

2.0 Von der Freiheit zur Handlungsfreiheit

„Die Freiheit der Person ist unverletzlich“, so steht es bereits im Grundgesetz im Artikel 2 geschrieben. Ebenso steht festgeschrieben, dass dieses Grundgesetz nur dann angefochten werden darf, sofern gegen das Gesetz verstoßen wird.

Nach Ansicht von Erich Fromm: “[…] war der Mensch während seiner gesamten Geschichte durch zwei Faktoren in seiner Handlungsfreiheit eingeschränkt“ (Fromm, Erich 1986, S. 19). Wenn durch ein bGE neben den schon durch das Grundgesetz eliminierten ersten Faktor „Anwendung von Gewalt von seiten der Herrschenden (ebd.) auch der zweite Faktor „Hungertod“ (ebd.) determiniert wird, bleibt die Handlung dem Menschen selbst überlassen.

„Das garantierte Einkommen würde nicht nur aus dem Schlagwort ´Freiheit´ eine Realität

machen, es würde auch ein tief in der religiösen und humanistischen Tradition des

Westens verwurzeltes Prinzip bestätigen, dass der Mensch unter allen Umständen das

Recht hat zu leben. […] das unter keinen Umständen eingeschränkt werden darf, nicht

einmal im Hinblick darauf, ob der Betreffende für die Gesellschaft „von Nutzen“ ist“

(Fromm, Erich 1986, S. 20).

Wie kann man als Mensch nun versuchen, mit seiner neu erlangten Freiheit umzugehen? Welche Perspektiven ergeben sich für einen Menschen im Angesicht dieser >neunen Freiheit<. Ein immer oft gerne genanntes Argument, welches die solidarische Komponente des bGE anspricht ist das Szenario der ewigen Hängematte. Hierbei möchte ich den Aspekt ausklammern, dass es immer Arbeitslose gab und auch immer geben wird, welche selbst bei Repressionen und Sanktionsandrohungen in ihrer Arbeitsmotivation gehindert sind. Das zuweilen als „Sockelarbeitslosigkeit“ (Werner, Götz 2007, S. 23) bezeichnetes Phänomen, eines (Bruch)teils der Gesellschaft soll hier nicht tiefer ergründet werden. An dieser Stelle möchte ich besonders auf den Aspekt einer „inneren Lähmung“ (Werner, Götz 2007, S. 109) eines Großteils der Gesellschaft eingehen, welche bei der Einführung eines bGE erwartet wird. Neben den als „Ausnahmemenschen“ (Fromm, Erich 1986, S. 21) bezeichneten Berufen wie zum Beispiel Wissenschaftlern und Künstlern, welche ihre Motivation aus dem „Streben nach Anerkennung“ (ebd.) oder „Interesse an der Arbeit“ (ebd.) beziehen, sieht Erich Fromm für den „Durchschnittsmenschen“ (ebd.) aber ebenso Handlungsmotive. So ergibt sich die

„[…] Tatsache, dass der Mensch unter den Folgen von Untätigkeit leidet und eben gerade

nicht von Natur aus träge ist. […] Die allermeisten würden […] dringend darum bitten,

arbeiten zu dürfen, selbst wenn sie nichts dafür bezahlt bekämen“

(Fromm, Erich 1986, S.22).

Jedoch ist dieses nicht die einzige Auswirkung, welches nach Meinung von Erich Fromm zu erwarten ist. Einen besonderen Aspekt in Folge des Sinnverlustes von Erwerbsarbeit betrachtet er wie folgt:

„Eine zweite Auswirkung des garantierten Einkommens [ist], daß die geistigen und reli-

giösen Probleme des menschlichen Daseins real und bestimmend würden. Bisher war der

Mensch mit seiner Arbeit zu sehr beschäftigt (oder er war nach der Arbeit zu müde), um

sich ernsthaft mit den Problemen abzugeben: „Was ist der Sinn des Lebens?“, „Woran

glaube ich?“, „Welche Werte vertrete ich?“, „Wer bin ich?“ usw.“(ebd).

Kann man davon ausgehen, dass allein das bGE den Menschen zu Fragen nach dem Sinn des Lebens veranlassen würde? Wären diese Fragen ein Kriterium dafür, ob man sich für Erwerbsarbeit oder dagegen entscheidet? Eine näher liegende Frage bei dem Erhalt von Handlungsfreiheit durch ein bGE wäre sicherlich der, der Arbeitsmotivation.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Entkoppelung von Arbeit und Einkommen
Untertitel
Welche Auswirkungen hätte ein Grundeinkommen auf die Arbeitseinstellung bzw. Arbeitsbereitschaft?
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Sozialpolitik: Theorie und Praxis
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V89834
ISBN (eBook)
9783638070010
ISBN (Buch)
9783638955270
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entkoppelung, Arbeit, Einkommen, Sozialpolitik, Theorie, Praxis
Arbeit zitieren
Stefan Spriestersbach (Autor), 2008, Die Entkoppelung von Arbeit und Einkommen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89834

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