Stellt man sich die Frage: Was würde ich tun, wenn ich nicht arbeiten müsste? – So fallen die Antworten meist ähnlich aus. Von „gar nichts“ bis „was ich will“ ist alles dabei. Würde die Befreiung des Zwanges von Arbeit aber wirklich eine der beiden meisten gegebenen Antworten in Erscheinung treten lassen, oder wäre gar ein ganz anderes Szenario möglich? Welches Verhalten würde der Mensch an den Tag legen? Unter dem Aspekt der vorherrschenden eher sozialwissenschaftlichen Diskussion, neben der temporären politischen, um die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens, solidarisches Bürgergeldes oder einer negativen Einkommenssteuer wird dieser Punkt neben der Finanzierungsmachbarkeit am häufigsten angesprochen und aus diesem fast immer eine Unumsetzbarkeit bescheinigt. In dieser Hausarbeit möchte ich die Veränderung der Arbeitswelt, des Arbeitsbegriffs und der Arbeitsmoral unter dem Aspekt der Erlangung von Handlungsfreiheit durch ein bedingungsloses Grundeinkommen untersuchen. Dabei spielt das Modell eines Grundeinkommens oder die Höhe gar keine Rolle. Der Fokus liegt auf dem Verhalten des Menschen und die neue nie da gewesene Situation einer Existenzsicherheit ohne Arbeit. Diese entsagt dem heutigen Verständnis von Erwerbsarbeit seine eigentliche Bestimmung und somit die mögliche Motivation zu Handeln. Eröffnet aber wiederum andere Handlungsstrategien, welche erwartet werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Abstract
1.1 Verhaltenstheoretischer Ansatz
1.2 Herleitung der Fragestellung und Hypothese
1.3 Definitionen
2. Von der Freiheit zur Handlungsfreiheit
3. Aspekte der Handlungsfreiheit durch ein bedingungsloses Grundeinkommen
3.1 Handlungsfreiheit auf dem Arbeitsmarkt
3.2 Handlungsfreiheit bei Familien und Familienarbeit
3.3 Handlungsfreiheit im Bildungsweg
3.4 Handlungsfreiheit und Soziale Exklusion
3.5 Erweiterung der Verhaltenstheorie um eine dritte Dimension
3.6 Handlungsfreiheit und individueller selbstbestimmbarer Arbeit
3.7 Eingeschränkte Handlungsfreiheit
4. Das Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen eines bedingungslosen Grundeinkommens auf die Arbeitsmotivation und das menschliche Handeln. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern eine Existenzsicherung ohne Arbeitszwang die Handlungsfreiheit erhöht und zu einer individuellen, selbstbestimmten Arbeitsweise führen kann.
- Veränderung des Arbeitsbegriffs und der Arbeitsmoral
- Handlungsfreiheit in Bezug auf Arbeitsmarkt, Familie und Bildung
- Rolle des Grundeinkommens bei der Vermeidung sozialer Exklusion
- Erweiterung der verhaltenstheoretischen Perspektive auf Arbeit
- Bedeutung von Selbstverwirklichung und Eigenleistung
Auszug aus dem Buch
3.1 Handlungsfreiheit auf dem Arbeitsmarkt
Die in der Nachkriegszeit in Deutschland etablierte Soziale Marktwirtschaft beruht auf dem formalen „Recht auf Arbeit“ (vgl. Allgemeine Erklärung der Menschenrechte Artikel 23, 10.12.1948), welches zwar explizit geschrieben steht, jedoch als solches nicht in der Realität praktikabel ist. In welcher Art und Weise dieses „Recht auf Arbeit“ (ebd.) einem jedem einzelnen zusteht soll an in dieser Hausarbeit nicht erläutert werden, vielmehr geht es um den indirekten „Zwang zur Arbeit“ (Götz, Werner 2007, S. 73). Die seit 2004 eingeführten Harz Gesetze haben die Sanktionsmaßnahmen gegenüber den Arbeitslosen und von Exklusion betroffenen Personen verschärft. Die Zumutbarkeit von Arbeit wurde neu definiert und erlangte eine neue Dimension der „Entrechtung […] nämlich eine wesentliche Einschränkung des ersten und elementarsten Grundrechts auf Freiheit“ (Götz, Werner 2007, S. 74). Der Aspekt der Arbeitsplatzwahl wurde in einigen Fällen restriktiv durch eine Zwangszuweisungsmöglichkeit des Staates ersetzt. Was würde nun aber passieren, wenn jeder einzelne diesem Zwang nicht mehr unterliegen würde, da ein bGE schließlich ohne Gegenleistung erbracht wird:
„Das Bedingungslose Grundeinkommen bedeutet die Abwesenheit staatlich-administrativ durchgesetzter Arbeits- und anderer marktbezogener Zwänge. Es würde den Kern der Freiheit, nein oder ja zu sagen, radikal auch auf den (Arbeits-)Markt beziehen: Zumutbar an Erwerbsarbeit ist dies, was an Arbeitsbedingungen, -inhalten und –entgelten nicht als Zumutung erscheint“ (Blaschke, Roland 2007, S. 46).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abstract: Einführung in die Thematik der Arbeitsmotivation bei wegfallendem Arbeitszwang und Vorstellung des verhaltenstheoretischen Ansatzes.
2. Von der Freiheit zur Handlungsfreiheit: Theoretische Herleitung des Begriffs der Handlungsfreiheit im Kontext von gesellschaftlichen Zwängen und dem Grundgesetz.
3. Aspekte der Handlungsfreiheit durch ein bedingungsloses Grundeinkommen: Analyse verschiedener Lebensbereiche, in denen ein Grundeinkommen zu mehr Autonomie führen kann, unter Einbeziehung von Arbeitsmarkt, Familie und Bildung.
4. Das Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Hypothese und Identifizierung von weiterem Forschungsbedarf hinsichtlich empirischer Untersuchungen und Störfaktoren.
Schlüsselwörter
Bedingungsloses Grundeinkommen, Handlungsfreiheit, Arbeitsmotivation, Erwerbsarbeit, Soziale Exklusion, Selbstverwirklichung, Tätigkeitsgesellschaft, Existenzsicherung, Arbeitsmarkt, Leistungsgesellschaft, Eigeninitiative, Autonomie, Arbeitsbegriff, Sinnverlust, Soziale Marktwirtschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht, wie sich die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens auf die Arbeitsmotivation und die Handlungsfreiheit des Einzelnen auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Wandel des Arbeitsbegriffs, die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die Integration von Familienarbeit, der Zugang zu Bildung und die soziale Exklusion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu prüfen, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen soziale Exklusion verringern und die Handlungsfreiheit für eine selbstbestimmte Arbeit erhöhen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse auf Basis psychologischer und sozialwissenschaftlicher Konzepte, insbesondere den verhaltenstheoretischen Ansatz von George Caspar Homans.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Lebensbereiche wie Arbeitsmarkt, Familienarbeit und Bildung unter der Hypothese der gewonnenen Handlungsfreiheit durch ein Grundeinkommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Grundeinkommen, Handlungsfreiheit, Arbeitsmoral, Selbstverwirklichung und soziale Teilhabe beschreiben.
Wie verändert das Grundeinkommen die Position von Arbeitnehmern?
Es hebt den staatlichen Zwang zur Arbeitsannahme auf, wodurch die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer gestärkt und die Definition von zumutbarer Arbeit neu bestimmt wird.
Welche Rolle spielt die „innere Lähmung“ in der Argumentation?
Die Arbeit adressiert das Gegenargument der „inneren Lähmung“, also die Befürchtung, Menschen würden bei Wegfall des Existenzdrucks untätig werden, und stellt ihr die psychologische Natur des Menschen entgegen.
Warum ist das Thema Bildung so zentral für die Argumentation?
Bildung wird als Voraussetzung für echte Handlungsfreiheit gesehen; das Grundeinkommen könnte hier den Druck mindern, sich primär auf Erwerbsarbeit statt auf geistige Entwicklung zu konzentrieren.
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- Stefan Spriestersbach (Author), 2008, Die Entkoppelung von Arbeit und Einkommen , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89834