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Psychoanalyse und Literatur (Freud)

Title: Psychoanalyse und Literatur (Freud)

Term Paper , 2007 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Kirstin Kannwischer (Author)

German Studies - Miscellaneous
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In der Literaturwissenschaft lassen sich eine ganze Reihe von Methoden finden, um einen Text auf unterschiedliche Art und Weise zu interpretieren. Eine davon ist die psychoanalytische Literaturinterpretation, die in erster Linie auf den Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud zurückgeht, der es als einer der bedeutendsten und zugleich umstrittensten Wissenschaftler seiner Zeit geschafft hat, dass seine Theorie und Werke trotz vieler Kritik auf der ganzen Welt bekannt wurden und noch heute eine überaus wichtige Rolle in der Psychologie spielen. Doch Freuds Theorie hatte nicht nur Auswirkungen auf dieses Gebiet der Wissenschaft, sondern auch auf den Bereich der Literaturwissenschaft. Ein Grund dafür, dass sich die Psychoanalyse auf die Literaturwissenschaft anwenden lässt, könnte dabei die Tatsache spielen, dass beide „gleichermaßen auf Methoden der Interpretation beruhen.“ [...]
In dieser Arbeit soll die Psychoanalyse als literaturwissenschaftliche Methode untersucht und somit festgestellt werden, ob die Anwendung dieser Methode heute noch gerechtfertigt werden kann oder nicht. Die erwähnten Ansätze und Verbindungen zur Literaturwissenschaft beziehen sich dabei in erster Linie auf Sigmund Freud. Um einordnen zu können, wie es zu solch einer Literaturinterpretation gekommen ist, wird daher im ersten Kapitel das Verhältnis von Literatur und Psychoanalyse dargestellt, indem Teile von Freuds psychoanalytischer Theorie auf die Literatur übertragen werden. Im zweiten Kapitel wird gezeigt, auf welche Art und Weise die Psychoanalyse auf Literatur angewendet werden kann, wobei zwei Möglichkeiten dargestellt werden: zum einen die auf den Dichter bezogene und zum anderen die auf den Text bezogene Literaturinterpretation. Im darauf folgenden Kapitel werden diese beiden Möglichkeiten der psychoanalytischen Literaturinterpretation am Beispiel von Kafkas Urteil verdeutlicht. Im vierten Kapitel wird die psychoanalytische Interpretation schließlich kritisch betrachtet und somit überprüft, ob sie auch heute noch den Ansprüchen einer literaturwissenschaftlichen Methode gerecht wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Verhältnis von Psychoanalyse und Literatur

1.1 Die Bedeutung vom kindlichen Spiel und vom Phantasieren

1.2 Von der Traumarbeit zur Literaturinterpretation

2. Anwendung der Psychoanalyse auf die Literatur

2.1 Bezug zum Dichter

2.2 Bezug zum literarischen Text

3. Psychoanalytische Literaturinterpretation am Beispiel von Kafkas Urteil

3.1 Autorenbezogene Interpretation

3.2 Textbezogene Interpretation: Das Motiv der Schuld

4. Kritik an der psychoanalytischen Literaturinterpretation

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die psychoanalytische Literaturinterpretation als wissenschaftliche Methode, um zu klären, inwieweit ihre Anwendung auf literarische Texte heute noch gerechtfertigt ist. Dabei wird insbesondere geprüft, ob die Übertragung psychoanalytischer Verfahren – etwa durch die Analyse des Autors oder der fiktiven Figuren – zu validen Erkenntnissen führt oder ob die Methode aufgrund ihrer spekulativen und reduktionistischen Züge als überholt betrachtet werden muss.

  • Grundlagen der psychoanalytischen Literaturdeutung nach Sigmund Freud
  • Differenzierung zwischen autorenbezogenen und textbezogenen Interpretationsansätzen
  • Praktische Anwendung der Methode am Beispiel von Franz Kafkas Erzählung "Das Urteil"
  • Kritische Reflexion der Subjektivität und der Analogie von Traum und literarischem Werk
  • Diskussion über die therapeutische Funktion des Schreibens im Kontext von Kafkas Biografie

Auszug aus dem Buch

3.2 Textbezogene Interpretation: Das Motiv der Schuld

Wie bereits bei der autorenbezogenen Interpretation kurz genannt wurde, spielt das Schuldgefühl in Kafkas Urteil eine bestimmte Rolle. Dieser Aspekt ist aus dem Grund nennenswert, da es „vornehmlich Schuld- und Bestrafungsphantasien (sind), die in den literarischen Darstellungen seines inneren Lebens zur Geltung kommen.“34 Kafka thematisiert also häufig die Frage nach der Schuld und daher wird dieses Motiv im Folgenden bezüglich des Urteils untersucht, wobei diesmal nicht der Autor im Mittelpunkt der Interpretation steht, sondern der Text selber und somit auf der Ebene der Figuren analysiert wird.

Das Motiv der Schuld ist aus dem Grund so wichtig zu untersuchen, da dem Leser auf den ersten Blick nicht begreiflich ist, warum der Sohn das harte Urteil des Vaters einfach so annimmt. Die Ursache dafür ist nämlich im Schuldbewusstsein des Sohnes selbst festzumachen, das im Laufe der Geschichte zum Vorschein kommt.

Auch wenn die Frau in Kafkas Urteil nicht direkt auftritt, sondern nur in Form der toten Mutter und als Verlobte Frieda Brandenfeld in den Gedanken Georgs bzw. in dem Gespräch zwischen Vater und Sohn, so spielt sie dennoch eine entscheidende Rolle, denn „sie ist letzten Endes die Ursache und Bedingung allen Gelingens.“ 35 Mit dem Tod der Mutter und der Verlobung Georgs steigt der Sohn im Geschäft auf und scheint den Vater gleichsam zu entmachten, der zu Lebzeiten der Mutter die Machtposition innehatte. Sowohl der Vater als auch der Freund in Russland, die beide keinen allzu großen geschäftlichen Erfolg haben, sind Junggesellen, was darauf schließen lässt, dass die Frau die Ursache für den Geschäftserfolg darstellt. In gewisser Weise lässt sich im Urteil ein ödipaler Konflikt festmachen, denn dadurch, dass der Vater nun keine Frau mehr hat, Georg jedoch eine Verlobte, versucht der Sohn die Position des Vaters einzunehmen und diesen komplett zu entmachten, was durch eine Heirat letztendlich geschehen würde.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die psychoanalytische Literaturinterpretation und Darlegung der zentralen Forschungsfrage bezüglich ihrer heutigen methodischen Rechtfertigung.

1. Verhältnis von Psychoanalyse und Literatur: Theoretische Herleitung der Methode durch die Analogie von kindlichem Spiel, Tagtraum und dichterischer Tätigkeit nach Freud.

2. Anwendung der Psychoanalyse auf die Literatur: Darstellung der zwei primären Interpretationswege, die entweder die Psyche des Autors oder die psychologische Ebene der fiktiven Figuren fokussieren.

3. Psychoanalytische Literaturinterpretation am Beispiel von Kafkas Urteil: Praktische Erprobung der Ansätze anhand von Kafkas Werk, wobei insbesondere die autobiografischen Parallelen und das Motiv der Schuld analysiert werden.

4. Kritik an der psychoanalytischen Literaturinterpretation: Kritische Auseinandersetzung mit der Einseitigkeit, der spekulativen Natur und der Gefahr der Reduktion literarischer Kunst auf pathologische Grundmuster.

Fazit: Abschließende Bewertung, dass die Methode trotz interpretativer Hilfestellungen als weitgehend überholt anzusehen ist.

Schlüsselwörter

Psychoanalyse, Literaturwissenschaft, Sigmund Freud, Franz Kafka, Das Urteil, Schuldgefühl, Traumarbeit, ödipaler Konflikt, Literaturinterpretation, Autorenpsyche, Werkanalyse, literarische Moderne, Unbewusstes, methodische Kritik, Triebregungen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der psychoanalytischen Literaturinterpretation als Methode der Textdeutung und untersucht kritisch deren wissenschaftliche Relevanz und Anwendbarkeit.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte von Sigmund Freud, die Übertragbarkeit seiner Traumtheorie auf literarische Texte, die Verknüpfung von Biografie und Werk sowie die kritische Reflexion methodischer Grenzen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist festzustellen, ob die psychoanalytische Interpretation literarischer Werke unter heutigen wissenschaftlichen Kriterien noch als gerechtfertigte und valide Methode betrachtet werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen literaturwissenschaftlichen Diskursansatz, der theoretische Grundlagen der Psychoanalyse auf konkrete Textstellen anwendet und diese anschließend einer kritischen Revision unterzieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der psychoanalytischen Verfahren, deren Anwendung auf Franz Kafkas Erzählung "Das Urteil" und eine detaillierte Kritik an den Schwachstellen dieser Interpretationsweise.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Psychoanalyse, Literaturwissenschaft, das Motiv der Schuld, der ödipale Konflikt und die kritische Distanz zur psychologischen Überinterpretation.

Wie erklärt die Arbeit das Verhältnis von Kafka zu seinem Werk "Das Urteil"?

Die Arbeit zeigt auf, dass Kafka autobiografische Elemente wie sein schwieriges Vaterverhältnis und seine Ambivalenz zwischen Schriftstellerei und bürgerlichem Leben bewusst in die Erzählung einfließen ließ.

Warum wird die psychoanalytische Methode in der Arbeit als kritisch angesehen?

Kritisiert wird, dass die Methode den Autor oft vorschnell zum psychisch Kranken stilisiert und die literarische Kunst auf simple, stereotype psychoanalytische Grundmuster reduziert.

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Details

Title
Psychoanalyse und Literatur (Freud)
College
University of Vechta  (Institut für Anglistik und Germanistik)
Course
Methoden der Literaturwissenschaft
Grade
1,0
Author
Kirstin Kannwischer (Author)
Publication Year
2007
Pages
22
Catalog Number
V89867
ISBN (eBook)
9783638070041
Language
German
Tags
Psychoanalyse Literatur Methoden Literaturwissenschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kirstin Kannwischer (Author), 2007, Psychoanalyse und Literatur (Freud), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89867
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