Sozialisationstheorien im kurzen Überblick


Seminararbeit, 2005
11 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Klärung des Theoriebegriffs

3 Über Sozialisationstheorien im Speziellen

4 Gemeinsamkeiten eines wissenschaftlichen Vorgehens

5 Resümee

6 Literaturverzeichnis

1 Einführung

Sozialisation ist die Grundlage unserer Gesellschaft, ohne Sozialisation könnten unsere komplexe Gesellschaft, Kultur, Politik, kurz, unser Zusammenleben nicht funktionieren. Über Sozialisation wird viel geschrieben und geredet; wenn Schüler in ihrer Schule Amok laufen, stellt man sich die Frage, warum hier die Sozialisation versagt hat, wird in der Politik Wählerbeschimpfung betrieben, kann man das polemische Argument hören, „die seien doch durch die Sozialisation des so oder so gefärbten Bundeslandes, oder gar durch die DDR so geprägt, daß sie automatisch das Falsche wählen würden“. Wie gesagt, Polemik. Feststeht jedenfalls, daß die Sozialisation in Debatten und Diskussionen gerne als Argument für oder gegen etwas eingesetzt wird. Ist die Sozialisation in den USA schuld, daß es bei der Flutkatastrophe in New Orleans zu Plünderungen kommt? Könnte das in Deutschland so auch passieren? Auch das hört man gelegentlich.[1]

Will eine Pädagogin oder ein Pädagoge sich über die Grundlagen des Fachgebietes Gedanken machen, kommt sie oder er nicht umhin, den Aspekt Sozialisation zu betrachten. Kenntnisse über die Sozialisation von Menschen helfen dabei zu verstehen, welche Faktoren auf das menschwerdende Individuum Einfluss nehmen, beziehungsweise wie ein Mensch zu dem wurde, was er ist. Wer möglichst viele dieser Faktoren kennt, kann einer Familie, einem Kind, einem „Zögling“ wirksame Unterstützung und/oder Hilfe zukommen lassen. Denn sie oder er kann die Gründe abschätzen, wieso sich etwas so verhält, wie es das tut.

Es wird folglich viel über Sozialisation nachgedacht. Der Begriff an sich wurde bereits mehrfach definiert und erklärt. So heißt es beispielsweise in Friedrich W. Kron, Grundwissen Pädagogik: „Sozialisation bezeichnet den Prozess des Aufbaus von Verhaltensdispositionen und der Eingliederung eines Individuums in die Gesellschaft oder in eine ihrer Gruppen über den Prozess des Lernens der Normen, Werte, Symbolsysteme und Interpretationssysteme der jeweiligen Gruppe und Gesellschaft. […]“[2] Viele Begriffsdefinitionen existieren, auf die und deren (Weiter)Entwicklung hier nicht eingegangen werden soll. In dieser Arbeit soll es statt dessen grundlegend und in knapper und grober Übersicht um das gehen, mit dem sich Pädagoginnen und Pädagogen auseinandersetzen, wenn sie sich mit Sozialisation beschäftigen: Sozialisationstheorien.

2 Klärung des Theoriebegriffs

Bevor nun einige allgemeine Erkenntnisse über das Thema Sozialisationstheorien zusammengetragen werden, gilt es zuallererst zu klären, was man überhaupt unter dem Begriff „Theorie“ versteht.

Auf der Homepage der Universität Trier findet sich hierzu die folgende Definition, die zwar ein Papier zum Thema „Die Außenpolitik des wiedervereinigten Deutschland [sic!]“ einleitet, jedoch aufgrund ihrer Allgemeingültigkeit auch in der vorliegenden Arbeit benutzt werden kann: „Theorien sind Sätze von Aussagen, die in einem logischen Zusammenhang stehen und die beanspruchen, der Wirklichkeit in überprüfbarer oder nachvollziehbarer Weise strukturell zu entsprechen. […]“[3] Ebenfalls in dieser Datei werden zudem vier Funktionen von Theorien genannt: 1) Die Selektionsfunktion – das heißt aus einer Vielzahl von Daten die relevanten Fakten auszuwählen –, 2) die Ordnungsfunktion – die wahrgenommene Realität zu ordnen –, 3) die Erklärungsfunktion – also Schlüsse zu ermöglichen und außerdem gewonnene Einsichten zu vermitteln – und 4) die Operative Funktion – die Ermöglichung der Anwendung von Wissen in Forschung und […] Praxis.[4]

Bei Tillmann findet sich, in einer „ersten Annäherung“, eine noch allgemeiner gehaltene Definition: „Eine Theorie ist ein nach wissenschaftlichen Prinzipien erstelltes Aussagesystem.“[5] Dies ist im Endeffekt eine verkürzte Definition der obigen; wissenschaftliche Prinzipien sind z.B. die oben erwähnte Überprüfbarkeit der Aussagen und die Logik in den Zusammenhängen.

Nimmt man als Beispiel für Theorien und ihre Bildung die Sozialisationstheorien, kann man folgende Ebenen unterscheiden[6]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die „unterste“ Ebene sind die real ablaufenden Sozialisationsprozesse, die Prozesse, die beispielsweise aktiv und passiv in der Schule, in der Peergroup oder im Elternhaus stattfinden. Dies ist der Gegenstandsbereich, das Objekt, um das es in der Theoriebildung darüber geht. Um diesen Gegenstandsbereich zu fassen, wird eine Objekttheorie formuliert, in unserem Fall also eine Sozialisationstheorie. Will man jedoch über die Sozialisationstheorien nachdenken und welche Anforderungen man an sie stellen will/muss, spricht man von Metatheorien, „Wissenschaftstheorien“.

[...]


[1] Z.B. in Diskussionsforen im Internet. Der Verfasser dieser Arbeit ist nicht dieser Meinung; die Sache hat weitaus mehr Gründe. Freilich spielen Bildung, Ausbildung und reale Vorbilder im täglichen Leben eine Rolle. Aber eben nicht nur.

[2] Friedrich W. Kron, Grundwissen Pädagogik. München/Basel 2001. S.52. Das Zitat stammt ursprünglich aus: H. Fend, Gesellschaftliche Bedingungen schulischer Sozialisation. Soziologie der Schule I. Weinheim/Berlin/Basel 1977. S.18 f. – andere Definitionen finden sich u. a. in Klaus-Jürgen Tillmann, Sozialisationstheorien. Eine Einführung in den Zusammenhang von Gesellschaft, Institution und Subjektwerdung. Reinbek bei Hamburg 2003. S.10 ff. [Anm. d. Verf.]

[3] http://www.politik.uni-trier.de/mitarbeiter/harnisch/ss05/vl_1.pdf, 5.9.2005

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. K.-J. Tillmann, Sozialisationstheorien. Eine Einführung in den Zusammenhang von Gesellschaft, Institution und Subjektwerdung. Reinbek bei Hamburg 2003. S.23 – Im Folgenden als Tilmann zitiert.

[6] Ebd. – die Ebenen können auch auf andere Theorien angewandt werden. [Anm. d. Verf.]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Sozialisationstheorien im kurzen Überblick
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Instutut für Pädagogik)
Veranstaltung
Sozialwissenschaftliche Grundlagen der Pädagogik
Autor
Jahr
2005
Seiten
11
Katalognummer
V89875
ISBN (eBook)
9783638040846
ISBN (Buch)
9783638937177
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialisationstheorien, Sozialwissenschaftliche, Grundlagen, Pädagogik, Sozialwissenschaftliche Grundlagen, Theoriebegriff, Sozialisation, Metatheorie
Arbeit zitieren
M.A. Claus Carl Jakob (Autor), 2005, Sozialisationstheorien im kurzen Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89875

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