Familie im Hinblick auf die spezifischen Wandlungsprozesse, denen sie im Zuge der Modernisierung unterliegt, möchte ich zum Gegenstand meiner Abhandlung machen. Häufig wurde die These vertreten, die Familie befände sich in einer anhaltenden Krise, die oftmals als ein Strukturverfall der Familie angesehen wird.
In vielen Publikationen über die Familie seit den sechziger Jahren taucht diese These über den Strukturverfall der Familie und damit zusammenhängend die Frage auf, ob sich die Familie seit Beginn des gesellschaftlichen Wandels hin zur Moderne in einer stetigen Krise befindet.
Ich habe mich mit dieser Thematik beschäftigt und vertrete die Ansicht, dass gerade die veränderten Bedingungen, die die Umstrukturierung der Gesellschaft hin zur Moderne mit sich gebracht hat, die Familie tatsächlich einem enormen Wandlungsprozess unterliegt. Dieser resultiert wohl in erster Linie aus der heutigen Pluralisierung der Lebensformen und damit einhergehend den erschwerten Definitionsbedingungen einer geltenden Familienform.
Im ersten Teil dieser Arbeit beschäftige ich mich mit der Familie allgemein. Wie ihre Definition im Makrosoziologischen und Mikrosoziologischen ist, welche Funktionen sie besitzt und ihren Sozial-Kulturellen Grundlagen.
Des weitern möchte ich kurz auf den sozial-geschichtlichen Hintergrund der Familie eingehen und dabei ihre Strukturen, sowie ihren Wandel betrachten.
Im nachfolgenden Teil möchte ich mich mit der Pluralität der Lebensformen und dem meiner Meinung nach nicht gerechtfertigten Begriff, der im Zusammenhang genannt wird, dem totalen Strukturverfall und Funktionsverlust der Familie beschäftigen. Anschließend werde ich untersuchen, inwieweit sich Funktionen der Familie gewandelt oder verändert haben und was mit dieser Entwicklung einhergeht, sowie die Bedeutung der Verwandtschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Zusammenhänge und Grundlagen der Familie
2.1. Begriffliche Klärung
2.2. Funktionen der Familie
2.3. Sozial-kultureller Hintergrund
2.4. Historischer Hintergrund – Strukturen und Wandel der Familie
3. Pluralität und Funktionswandel
3.1. Formen der modernen Familie
3.2. Funktionserweiterung der Familie
3.3. Verwandtschaftssysteme und ihre neue Bedeutung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die These eines angeblichen Strukturverfalls der Familie im Zuge der gesellschaftlichen Modernisierung und hinterfragt kritisch, ob sich die Familie in einer anhaltenden Krise befindet oder ob sie einen dynamischen Wandlungsprozess durchläuft.
- Historische Entwicklung und Grundlagen der Familie
- Pluralisierung moderner Lebensformen
- De-Institutionalisierung und Funktionswandel der Familie
- Netzwerktheoretische Analyse von Generationsbeziehungen
- Bedeutung der Verwandtschaft in der Moderne
Auszug aus dem Buch
3.1. Formen der modernen Familie
Wenn man untersuchen möchte, inwieweit sich die Lebensführung geändert hat, dann müssen die Lebensformen definiert werden, denn wenn von Familie gesprochen wird, ist die neolokale Gattenfamilie mit Kindern gemeint, welche als dominante Familienform der fünfziger Jahre galt.
Wie schon erörtert, hat die Zivil-Ehe in den letzten zwei Jahrzehnten einiges von ihrer Monopolstellung verloren. Viele verschiedene familienähnliche Lebensformen haben sich herausgebildet.
Eine davon ist die nichteheliche Lebensgemeinschaft. Aus einem Familienbericht der Bundesregierung geht hervor, dass die Zahl der nichtehelichen Lebensgemeinschaften von 136 000 auf 515 000 von 1972 und 1982 zugenommen hat. Heute dürfte sie sich verdoppelt haben.
1982 waren ein Drittel aller Männer und Frauen in dieser nichtehelichen Gemeinschaft jünger als 35 Jahre. Man spricht von dem Trend „Ehe auf Probe“. In der Literatur lässt sich auch der Begriff „Quasi Ehe“ finden.
Die nichteheliche Lebensgemeinschaft lässt sich in allen Bevölkerungsschichten und Altersklassen entdecken. Es gibt jedoch noch regionale und konfessionelle Unterschiede.
Nichteheliche Lebensgemeinschaften können auch aus gleichgeschlechtlichen Partnern bestehen.
Die Zahl der kinderlosen Ehen ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Von den Ehen, die 1899 geschlossen wurden, blieben 8,4% kinderlos und von den Ehen, die im Zeitraum von 1973/77 geschlossen wurden, lag die Zahl der kinderlosen Ehe bei 18%. Natürlich muss hierbei noch berücksichtigt werden, dass viele Paare auch unfreiwillig kinderlos blieben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die These des Strukturverfalls der Familie und definiert das Ziel der Arbeit, den Wandlungsprozess der Familie im Kontext der Moderne soziologisch zu hinterfragen.
2. Historische Zusammenhänge und Grundlagen der Familie: Dieses Kapitel definiert Familie soziologisch, erläutert ihre zentralen Funktionen wie Sozialisation und thematisiert den geschichtlichen Strukturwandel vom bürgerlichen Familienideal bis zur Gegenwart.
3. Pluralität und Funktionswandel: Hier werden neue, moderne Lebensformen wie die nichteheliche Lebensgemeinschaft analysiert und die netzwerktheoretische Perspektive auf Generationsbeziehungen sowie die vermeintliche Überlastung der Familie erörtert.
4. Fazit: Das Fazit widerlegt die These eines totalen Strukturverfalls und konstatiert stattdessen einen Wandel von der neolokalen Gattenfamilie zur multilokalen Mehrgenerationsfamilie bei gleichzeitig anhaltender Bedeutung familiärer Netzwerke.
Schlüsselwörter
Familie, Strukturwandel, Modernisierung, Sozialisation, Lebensformen, Pluralisierung, De-Institutionalisierung, Ehe, nichteheliche Lebensgemeinschaft, Generationenbeziehungen, Netzwerktheorie, Funktionswandel, Verwandtschaft, Wertewandel, Familienpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem soziologischen Wandel der Familie in der modernen Gesellschaft und setzt sich kritisch mit der häufig vertretenen These eines "Strukturverfalls" der Familie auseinander.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die Definition von Familie, der historische Strukturwandel, die Pluralität moderner Lebensformen sowie die Bedeutung der Generationsbeziehungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass sich die Familie nicht in einem Auflösungsprozess befindet, sondern durch einen Wandlungsprozess neue Formen und Funktionen innerhalb der Gesellschaft entwickelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine soziologische Analyse, die theoretische Grundlagen mit empirischen Daten und netzwerktheoretischen Ansätzen verbindet, um Beziehungsmuster zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Familienstrukturen, eine Analyse neuer Lebensformen wie der Einelternfamilie oder nichtehelicher Gemeinschaften sowie eine Untersuchung der Funktionserweiterung innerhalb der Familie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Strukturwandel, Sozialisation, Pluralisierung, De-Institutionalisierung und Generationsbeziehungen.
Was versteht man in der Arbeit unter der "Überlastungsthese"?
Die Überlastungsthese führt den vermeintlichen Verfall der Familie auf gestiegene Anforderungen an das Familienleben zurück, die durch eine hohe Pluralität, Gleichberechtigung und den Druck der übrigen Gesellschaft entstehen.
Warum betont die Autorin die Bedeutung der Großeltern?
Basierend auf netzwerktheoretischen Analysen zeigt die Autorin, dass Großeltern im modernen Familiennetzwerk eine zentrale Rolle für die Generationssolidarität spielen, was eine Verschiebung von horizontalen zu vertikalen Verwandtschaftsstrukturen markiert.
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- Sandra Zehl (Author), 2002, Verfall der Familie?!, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8988