Politökonomische Erklärungen individueller Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates


Diplomarbeit, 2004

71 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Die Akzeptanzforschung des Wohlfahrtsstaates
2.1 Definition und Operationalisierung individueller Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates
2.2 Bedeutung der Akzeptanz für den Wohlfahrtsstaat und den politischen Entscheidungsprozess
2.3 Stand der Akzeptanzforschung des Wohlfahrtsstaates

3 Erklärungsfaktoren in politökonomischen Modellen
3.1 Grundmodell
3.2 Dynamische Ineffizienz und begrenzter Zeithorizont
3.3 Heterogenität und intragenerative Umverteilung
3.4 Crowding out-Effekte
3.5 Mehrdimensionale Modelle
3.6 Kollektive Rationalität, Risikoteilung und effiziente Allokation
3.7 Normativ-soziale Erklärungsfaktoren
3.7.1 Altruismus
3.7.2 Fairness
3.7.3 Werte
3.7.4 Normen
3.8 Weitere politökonomische Erklärungsfaktoren
3.8.1 Übergangskosten bei Reformen des Wohlfahrtsstaates
3.8.2 Interessensgruppen
3.8.3 Soziale Rivalität
3.8.4 Beschäftigung im Wohlfahrtsstaat
3.9 Kritik, Erweiterungen und Zusammenfassung

4 Erklärungsfaktoren außerhalb politökonomischer Modelle
4.1 Psychologische Verhaltensmuster
4.2 Parteipräferenz und politische Ideologie
4.3 Kognitive Beschränktheit
4.4 Unvollkommene Informationen und Medien
4.5 Institutionelle und kulturelle Rahmenbedingungen
4.6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

5 Empirische Bewertung der Erklärungsfaktoren
5.1 Individual- und Aggregatdaten
5.2 Relevanz einzelner Erklärungsfaktoren
5.3 Generelle Relevanz politökonomischer Erklärungsfaktoren

6 Zusammenfassung und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Schaubilder und Tabellen

Abbildungen im Text

Abbildung 1: Einfluss-, Verstärkungs- und Erklärungsfaktoren

Tabellen im Text

Tabelle 1: Aggregatdaten

Tabelle 2: Individualdaten

Abbildungen im Anhang

Abbildung A1: Maximierungsproblem eines alten Aktiven

Abbildung A2: Effizientere Allokation durch Umverteilung und Bildung

Abbildung A3: Verknüpfung von Framing-Effekt und Verlustaversion

Abbildung A4: Erklärung von Ungleichheitsaversion anhand der Daten aus 12 Europäischen Ländern

Abbildung A5: Bestimmungsfaktoren für die Bereitschaft zur Umverteilung in den USA

Tabellen im Anhang

Tabelle A1: PAYG vs. Risikolose Anlage am Kapitalmarkt 1961-1996

Tabelle A2: Empirische Relevanz der Erklärungsfaktoren

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

Nicht nur die annährend 500.000 Demonstranten, die im April 2004 auf die Straßen gingen um gegen die Reformen der Agenda 2010 zu protestieren, zeigen, dass der Wohlfahrtsstaat einen großen Rückhalt in der Bevölkerung genießt. Auch Meinungsumfragen, in Deutschland wie in allen anderen westlichen Industriestaaten, machen deutlich, wie groß die Akzeptanz staatlich betriebener, sozialer Sicherungssysteme ist – und wie gering im selben Moment die Akzeptanz gegenüber Reformen ausfällt, die Leistungskürzungen mit sich bringen.

Dabei sehen Wohlfahrtsstaaten gewaltigen Herausforderungen und vielfältigen Problemen entgegen. Neben demographischen Entwicklungen stellen Phänomene wie Massenarbeitslosigkeit, Globalisierung und Arbeitsmigration gerade die Prinzipien des Wohlfahrtsstaates in Frage, denen die Bevölkerung ein hohes Maß an Akzeptanz (wenn auch nicht Vertrauen) entgegenbringt.

Damit der Wohlfahrtsstaat den veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden kann, ist es von Bedeutung, die Erklärungsfaktoren für die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung zu bestimmen und zu analysieren. Dazu sind verschiedene analytische Fähigkeiten und theoretische Perspektiven gefordert. Neben Philosophen, Politologen, Soziologen und Psychologen können Ökonomen einen entscheidenden Beitrag dabei leisten. Von Erkenntnissen über die Gründe der breiten Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates kann die angewandte wirtschaftswissenschaftliche Forschung ihrerseits profitieren.

Ungeachtet dessen haben politökonomische Modelle bisher kaum explizit individuelle Akzeptanzfragen behandelt und die Rolle der Politischen Ökonomie für die Akzeptanzforschung des Wohlfahrtsstaates kritisch reflektiert. Vielmehr existieren zahlreiche politökonomische Modelle, die allgemein die Ausweitung der Wohlfahrtsstaaten im vergangenen Jahrhundert erklären. Implizit beruhen diese Modelle auf Faktoren, die zur Erklärung der individuellen Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates beitragen. Diese Faktoren werden in dieser Arbeit systematisch herausgearbeitet, in das Feld der Akzeptanzforschung eingebettet und einer empirischen Untersuchung unterworfen. Dabei wird die Relevanz politökonomischer Modelle für die Akzeptanzforschung und die Möglichkeiten der Erweiterung und Ergänzung politökonomischer Modelle durch benachbarte Forschungsgebiete analysiert. Ziel ist es, der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung eine Grundlage bei der Auseinandersetzung mit Widerständen gegen Reformen des Wohlfahrtsstaates zu bieten.

Zur Beantwortung der Frage, was politökonomische Modelle zur Erklärung der stabilen und hohen Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates beitragen, wird in Kapitel 2 zunächst auf die Probleme, die Bedeutung und den aktuellen Stand der Akzeptanzforschung eingegangen. Ullrichs (2000) Anmerkungen zum Forschungsstand der Akzeptanzforschung dienen dabei als Grundlage.

Kapitel 3 begründet Interessenorientierungen gegenüber dem Wohlfahrtsstaat, die in politökonomischen Modellen abgebildet werden und über das unmittelbare Interesse als Leistungsempfänger hinausgehen. Das Grundmodell, auf das aufbauend die einzelnen Erklärungsfaktoren eingeführt werden, stammt von Galasso und Profeta (2002), die ähnlich wie Breyer (1994) einen Überblick über politökonomische Modelle intergenerativer Umverteilung geben.

Für eine differenzierte Analyse der politischen Hindernisse und der politischen Anreize der Entscheidungsträger[1] ist die Kenntnis aller Erklärungsfaktoren individueller Akzeptanz von hoher Bedeutung. Mit diesem Ziel vor Augen werden in Kapitel 4 Erklärungsfaktoren außerhalb politökonomischer Modelle vorgestellt. Teilweise handelt es sich dabei um alternative Erklärungsansätze, teilweise um Faktoren, die verstärkend bzw. verzerrend auf die Erklärungsfaktoren aus politökonomischen Modellen einwirken. Der Blick über den Tellerrand der Ökonomie unter Zuhilfenahme spezialisierter Theorieansätze aus der Psychologie sowie der Kognitions- und Kommunikationswissenschaft rundet die theoretische Erklärung individueller Akzeptanz ab und erlaubt es, Vergleiche zwischen den verschiedenen Ansätzen zu ziehen.

In Kapitel 5 wird in erster Linie anhand von zwei Untersuchungen (Börsch-Supan u.a. 2004; Breyer, Craig 1997) gezeigt, wie einzelne persönliche Merkmale und nationale Kennzahlen die individuelle Akzeptanz bzw. die Größe sozialer Sicherungssysteme erklären. Darauf aufbauend werden die einzelnen Erklärungsfaktoren auf ihre empirische Relevanz geprüft. Schließlich gilt es die Frage zu klären, wie politökonomische Modelle insgesamt individuelle Akzeptanz erklären. Stimmt die politökonomische These, dass politische Präferenzen weitgehend mit der individuellen wirtschaftlichen Situation zusammenhängen und ein großer Sozialstaat von denen unterstützt wird, die von ihm profitieren? Zudem werden Überlegungen angestellt, wie eine Untersuchung aussehen müsste, die gleichzeitig möglichst viele Faktoren testet und einen Vergleich verschiedener Erklärungsfaktorgruppen zulässt.

Abschließend werden die Antworten auf die zentralen Fragen dieser Arbeit zusammengefasst: Welchen Beitrag leisten politökonomische Modelle zur Erklärung der individuellen Akzeptanz? Welche Aspekte wurden noch nicht in politökonomischen Modellen aufgenommen? Gibt es Möglichkeiten zur Erweiterung oder stößt die (Neue) Politische Ökonomie bereits an Ihre Grenzen? Die letzte Frage wird mit einem Ausblick verknüpft, wie die Erkenntnisse dieser Arbeit weiter entwickelt werden können.

2 Die Akzeptanzforschung des Wohlfahrtsstaates

Die Akzeptanzforschung des Wohlfahrtsstaates sowie die Neue Politische Ökonomie sind eigenständige Forschungsgebiete, deren Schnittpunkte bislang wenig wissenschaftliche Beachtung zu Teil wurde. Nachfolgend wird zunächst die Akzeptanzforschung des Wohlfahrtsstaates beschrieben, Begriffe definiert und die Bedeutung der Akzeptanz für den politischen Entscheidungsprozess herausgestellt. Ein erster Überblick über den Stand der Akzeptanzforschung dient schließlich als Ausgangspunkt für die Beschreibung der Erklärungsfaktoren individueller Akzeptanz in den darauf folgenden Kapiteln, in denen die angesprochenen Schnittpunkte verdeutlicht werden.

2.1 Definition und Operationalisierung individueller Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates

Im Folgenden wird mit individueller Akzeptanz grundsätzlich eine „positive“ Akzeptanz des Einzelnen gegenüber dem Wohlfahrtsstaat bezeichnet, die sich entweder in einer Zustimmung mit der vom Staat wahrgenommenen Zuständigkeit im wohlfahrtsstaatlichem Bereich oder sogar dem Wusch nach einem umfassenderen Wohlfahrtsstaat ausdrückt.[2]

Dementsprechend wird in empirischen Untersuchungen die individuelle Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates meist als gewünschte staatliche Zuständigkeit für sozialpolitische Ziele und über den Wunsch nach Leistungserhöhungen und Leistungskürzungen operationalisiert.[3]

Die Summe individueller Akzeptanzurteile wird als „soziale“ Akzeptanz bezeichnet, wenn mindestens eine einfache Mehrheit individueller, positiver Akzeptanzurteile gemessen werden kann.

Die individuelle Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates im engeren Sinne gilt dem globalen Wohlfahrtsstaat in seiner ursprünglichen Form als Institution zur Sicherung des Lebensnotwendigen. Diese Essenz des Wohlfahrtsstaates sieht Wilensky (1975, S. 1) in „government-protected minimum standards of income, nutrition, health, housing and education, assured to every citizen as a political right.” Die individuelle Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates im engeren Sinne bedarf nahezu keiner Erklärung, die Sicherstellung eines minimalen Lebensstandards gilt in westlichen Wohlfahrtsstaaten als weitgehend selbstverständlich.

Nachfolgend wird die individuelle Akzeptanz im weiteren Sinne gemessen und erklärt, die dem gewachsenen, bürokratisch – professionellen Wohlfahrtsstaat gegenüber gerichtet ist, dem es weniger um die Sicherung einer minimalen Grundausstattung, als der Erhaltung bereits erreichter Lebensstandards geht. Mittels einkommensbezogener Leistungen und gezielten inter- und intragenerativen Umverteilungen hat der Wohlfahrtsstaat im weiteren Sinne zudem eine Entschärfung bzw. Reduktion von gegebenen Ungleichheiten der Wohlstandsverteilung zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Auge.[4]

Erklärungsfaktoren individueller Akzeptanz stellen schließlich alle Ursachen, Motive bzw. Mechanismen dar, die zu einer Unterstützung des Wohlfahrtsstaates führen. Sie können auf verschiedene Weise kategorisiert werden. Am häufigsten ist die Unterscheidung zwischen Interessenslagen und Wertorientierungen zu beobachten. Diese Arbeit wird zudem Erklärungsfaktoren behandeln, die auf kognitiver Beschränktheit und unvollkommenen Informationen beruhen und damit weder auf Interessenslagen noch auf Wertorientierungen zurückzuführen sind.

2.2 Bedeutung der Akzeptanz für den Wohlfahrtsstaat und den politischen Entscheidungsprozess

„In der Demokratie werden die Entscheidungen verankert in den Meinungen und legitimiert durch den Willen der Mehrheit der Bürger."

Christian von Weizsäcker (2002, S. 37)

Ein Mindestmaß an Akzeptanz kann demnach als eine funktionale Vorraussetzung sowie als Legitimitätsbasis des Wohlfahrtsstaates angesehen werden.[5] Individuelle Meinungen zum Wohlfahrtsstaat, welche im Aggregat die öffentliche Meinung bilden, beeinflussen politische Entscheidungen in repräsentativen Demokratien zumindest mittelbar.

Pierson (1996) argumentiert, dass Politiker die Priorität auf ihre Wiederwahl legen. Die daraus resultierende Ausrichtung politischer Entscheidungen auf die Popularität in der Bevölkerung ist ein plausibler Erklärungsfaktor, sowohl für die rasche Expansion, als auch für die zögerliche Konsolidierung des Wohlfahrtsstaates. In Phasen der Expansion sind Politiker demnach darauf bedacht, ihre Popularität zu steigern (credit claiming), in Phasen der Konsolidierung gilt die Aufmerksamkeit der Begrenzung des Imageschadens (blame avoidance).[6]

Damit stellt die soziale Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates einen wichtigen Grund für das relative Scheitern „neokonservativer“ bzw. „neoliberaler“ Bemühungen um einen strukturellen Um- und Abbau wohlfahrtsstaatlicher Leistungen dar.[7] Zwar sind einige Beispiele von einschneidenden Wohlfahrtsstaatsreformen bekannt, die gegen den Willen einer Mehrheit der Bevölkerung durchgesetzt wurden, doch ist in der Mehrheit der westlichen Wohlfahrtsstaaten (dazu zählt auch Deutschland) zu beobachten, dass Versuche eines strukturellen Umbaus der Sicherungssysteme scheitern.[8] Wer die Gründe des Scheiterns von Reformbemühungen kennen will, kommt demnach nicht daran vorbei, sich mit den Gründen für die soziale Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates auseinanderzusetzen.

2.3 Stand der Akzeptanzforschung des Wohlfahrtsstaates

Ungeachtet dessen, dass Vertreter einer “Legitimitätskrise” des Wohlfahrtsstaates davon ausgehen, die bestehende Form des Wohlfahrtstaates sei mit zu hohen Kosten verbunden, greife zu stark in lebensweltliche Zusammenhänge ein und verletze moralische Grundintuitionen, ist als zentrales Ergebnis der bisherigen[9] empirischen Untersuchungen eine hohe und stabile Akzeptanz des Wohlfahrtstaaten festzustellen.[10]

Auch Boeri u.a. (vgl. 2000, S. 5) kommen in einer Untersuchung für Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland zu dem Ergebnis, dass der bestehende Umfang des Sozialstaates[11] dem Willen der Mehrheit entspricht und nicht nur von einer einflussreichen Minderheit getragen wird. Insbesondere wende sich in allen Ländern eine Mehrheit gegen einen Abbau des Sozialstaates.

Unterschiede zwischen den einzelnen Wohlfahrtsstaaten werden lediglich hinsichtlich des Grades der Akzeptanz gemessen. So stimmen vergleichende Untersuchungen darin überein, dass die soziale Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates in den USA insgesamt geringer ist als in den untersuchten europäischen Ländern.[12]

Einigkeit besteht ebenfalls darüber, dass Konfliktlinien zwischen Berufsgruppen, Generationen oder Geschlechtern deutlicher hervortreten, wenn statt nach einer Globalbeurteilung nach Akzeptanzurteilen über einzelne Sicherungssysteme, Empfängergruppen und wohlfahrtsstaatliche Ziele gefragt wird.[13] Demnach besteht zwar weitgehender Konsens hinsichtlich des Wohlfahrtstaates an sich, aber nicht unbedingt Konsens über alle Teilbereiche. Vielmehr ist eine relativ eindeutige Hierarchie der Beliebtheit der Sicherungssysteme zu erkennen:

Systeme der Alterssicherung nehmen in allen Wohlfahrtsstaaten die “Spitzenposition” ein, dicht gefolgt von sozialen Gesundheitssystemen. Auch für Ausgaben für Bildung, Wohnen und Familienleistungen lässt sich noch breite Akzeptanz in der Bevölkerung finden. „Spätestens bei Leistungen für Arbeitslose, vor allem aber bei Steuerfinanzierten Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts […] kann aber nicht mehr von einem allgemeinen Konsens gesprochen werden. Hier liegen die Akzeptanzwerte deutlich niedriger und zumindest in Einzelfällen überwiegen sogar negative Beurteilungen.“[14]

Es bleibt festzuhalten, dass insgesamt von einer anhaltend hohen sozialen Akzeptanz für „den“ Wohlfahrtsstaat global betrachtet, sowie für Alterssicherungs- und Gesundheitssysteme im Speziellen ausgegangen werden kann. Diese ersten Erkenntnisse gilt es nachfolgend zu erklären. Eine weitergehende empirische Diskussion folgt in Kapitel 5, wo die einzelnen Erklärungsfaktoren auf ihre empirische Relevanz hin untersucht werden.

3 Erklärungsfaktoren in politökonomischen Modellen

Der homo oeconomicus effect [15] - die Gründe eines rationalen Individuums Akzeptanz für den Wohlfahrtsstaat zu entwickeln - wird in der politökonomischen Literatur anhand verschiedenster Faktoren erklärt, welche nachfolgend vorgestellt werden.

Begonnen wird mit Modellen, die auf dem Grundmodell von Galasso und Profeta (2002) aufbauen und als eindimensionale, politökonomische Modelle intergenerativer Umverteilung bezeichnet werden. Eindimensional bedeutet, dass nur eine Eigenschaft sozialer Sicherungssysteme (typischerweise die Größe des Systems) erklärt wird. Modelle intergenerativer Umverteilung konzentrieren sich in erster Linie auf die Entstehung von Altersicherungssystemen und behandeln andere wohlfahrtsstaatliche Systeme nur, wenn diese zur Erklärung der Alterssicherung beitragen. Die Fokussierung auf Systeme der Alterssicherung ist insoweit gerechtfertigt, da Ausgaben für die Altersicherung einen Großteil des Sozialbudgets ausmachen[16] und da den Systemen der Altersicherung eine besonders hohe Akzeptanz entgegengebracht wird. Zudem ist die intergenerative Umverteilung besonders gut geeignet, um in politökonomischen overlapping generations (OLG) Modellen abgebildet zu werden.

Den politökonomischen Modellen zur intergenerativen Umverteilung ist grundlegend gemein, dass sie Transferzahlungen in Form von Renten als bewusstes Ergebnis eines politischen Entscheidungsprozesses verstehen.[17] Dieser Entscheidungsprozess wird jedoch unterschiedlich modelliert und von verschiedenen Faktoren erklärt. Was die Zeitstruktur betrifft, wird das Leben eines Individuums meist in OLG Modellen in ein oder zwei Arbeitsperioden und eine Rentenperiode eingeteilt. Dabei ist die Alte Generation als Empfänger von Transferzahlungen grundsätzlich Befürworter der Umverteilung. Damit kommt bei der Modellierung von sozialen Sicherungssystemen den Faktoren eine entscheidende Rolle zu, die dazu führen, dass sich auch unter den „aktiven“ Generationen bzw. unter den „Einzahlern“ Befürworter für eine intergenerative Umverteilung finden.[18]

Bis einschließlich der in Kapitel 3.5 behandelten mehrdimensionalen Modelle wird der politische Prozess als Mehrheitsregel in einer direkten Demokratie modelliert, in welchem dem Medianwähler die entscheidende Rolle zukommt. Zur Errichtung und Aufrechterhaltung eines bestimmten Systems sozialer Sicherung ist dabei die Zustimmung mindestens einer Mehrheit notwendig.[19]

Ab Kapitel 3.5 werden politökonomische Modelle vorgestellt, die sich von der eindimensionalen, auf Altersicherung fokussierten Blickweise trennen und weitere Eigenschaften sozialer Sicherungssysteme und weitere Eigenschaften menschlichen Verhaltens in die Betrachtung aufnehmen. Die Diskussion in Kapitel 3.7 macht schließlich deutlich, von welchem Menschenbild klassische und erweiterte politökonomische Modelle ausgehen und wo die Trennlinie zwischen politökonomischen Modellen und alternativen Ansätzen zu ziehen ist.

Grundsätzlich erklären politökonomische Modelle, welche ökonomischen Auswirkungen politische Konstellationen und politische Entscheidungen haben.[20] Dabei stellt sich der positiven politischen Ökonomie die Frage, wie politische Zwänge suboptimale politische Entscheidungen und suboptimale ökonomische Ergebnisse erklären können. Die normative politische Ökonomie fragt darauf aufbauend, wie angesichts gegebener politischer Gegebenheiten am besten ökonomische Zielvorstellungen erreicht werden können.[21]

Die Akzeptanz, auch die der jungen Generation, entspringt in politökonomischen Modellen einem Abwägungsprozess rationaler Individuen. Entsprechend dem Rational-Choice Ansatzes wird der Mensch als homo oeconomicus modelliert, der eigennützig und zweckrational, d. h. zielorientiert handelt. „Aus einer gegebenen Anzahl von Handlungsalternativen wählt der rationale Akteur in jeder Situation neu die Alternative, die seinen Nutzen maximiert. Bei dieser Wahl orientiert er sich an seinen konstant unterstellten Präferenzen, die mit Hilfe einer Nutzenfunktion dargestellt werden. Dabei unterliegt das Individuum gewissen Restriktionen, wie etwa Budgetbeschränkungen, die es als Nebenbedingung eines Optimierungsansatzes beachten muss.“[22]

In Kapitel 3.7 werden normativ-soziale Erklärungsansätze vorgestellt, die diesen Definitionen folgend keine klassischen politökonomischen Modelle sind, da sie nicht den Versuch darstellen, den politischen Entscheidungsprozess und seine ökonomischen Konsequenzen zu modellieren und da sie Abweichungen vom klassischen Bild des homo oeconomicus zulassen. Sie wurden dennoch in diesem Kapitel aufgenommen, da sie im Grundsatz die Rationalitätsannahme unangetastet lassen und im Modellzentrum weiterhin von einem nutzenmaximierenden Individuum ausgehen.

Trennendes Merkmal der Modelle aus Kapitel 3 und der aus Kapitel 4 ist somit, dass erstere individuelle Akzeptanz ungeachtet der Komplexität menschlichen Verhaltens in einfachen Modellen abbilden, während sich letztere Modelle stärker vom Idealbild des homo oeconomicus lösen und Erklärungen in komplexen psychologischen Verhaltensmuster, politischen Ideologien oder beschränkten kognitiven Fähigkeiten suchen. Diese Trennung kann jedoch nicht immer klar und eindeutig vollzogen werden, vielmehr sind Überschneidungen zu beobachten.

3.1 Grundmodell

Galasso und Profetas (2002) OLG-Modell, welches den Rahmen für die weitere Untersuchung darstellt, geht von drei lebenden Generationen aus, die im Folgenden als „junge Aktive“, „alte Aktive“ und „Rentner“ bezeichnet werden. Die Bevölkerung wächst mit einer konstanten, nicht-negativen Rate μ. Es folgt, dass in jeder Periode auf jeden Rentner (1+μ) alte Aktive und (1+μ)2 junge Aktive folgen. Jedes Individuum ist je Periode mit einer Zeiteinheit ausgestattet, die es in den ersten beiden Lebensperioden in Arbeit, υ, und Freizeit, l, aufteilen kann: 1=[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], wobei der untere Index die aktuelle Periode und der obere Index die Geburtsperiode bezeichnet. Individuen unterscheiden sich in Ihrer Arbeitsfähigkeit, et, welche positiv ist und welche verzerrt linkssteil verteilt ist, so dass die Medianarbeitsfähigkeit, eM kleiner ist als die durchschnittliche Arbeitsfähigkeit, [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]: eM<[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].[23] Bei allen Rentnern wird die Arbeitsfähigkeit gleich null gesetzt.

Nicht-altruistische Individuen bewerten Freizeit, l, und Konsum, c, entsprechend einer additiv-separablen, streng monotonen und streng konkaven Nutzenfunktion:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wobei β[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] den individuellen Zeitdiskontierungsfaktor darstellt, und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] gilt. Die Budgetrestrektionen eines Individuums vom Typ et, geboren in Periode t, sind während der gesamten Lebenszeit:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

wobei [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]die Ersparnis zu Beginn der Periode t+1 bezeichnet und rt, wt, τt sowie Pt den realen Zinssatz, den Lohnsatz, den Beitragssatz und die Rentenzahlungen in der Periode t bezeichnen. Individuen maximieren ihren Nutzen (3.1) bedingt die Budgetrestriktionen (3.2), der Zeitrestriktion und unter der Annahme, dass die sozialen Sicherungssysteme als gegeben angesehen werden.[24]

Die sozialen Sicherungssysteme erfordern einen Beitragssatz, τt, auf die Arbeitseinkommen der aktiven Generationen. Das Beitragsaufkommen wird in voller Höhe als lump sum Transferzahlungen, Pt, an die aktuellen Rentner ausgezahlt. Das Budget ist immer ausgeglichen. Somit entsprechen die ausgezahlten Renten dem Beitragssatz multipliziert mit dem durchschnittlichen Arbeitseinkommen: [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Das durchschnittliche Arbeitsangebot in Effizienzeinheiten ergibt sich als Summe des durchschnittlichen Arbeitsangebotes der jungen und alten Aktiven: [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Eine Beitragserhöhung führt zunächst zu einer direkten Erhöhung der Renten, kann aber zu einem niedrigeren Arbeitsangebot führen, [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], wenn der negative Substitutionseffekt den positiven Einkommenseffekt übersteigt.

Auf der Produktionsseite gehen Kapital und Arbeit bei konstanten Skalenerträgen in die Produktionsfunktion für Konsumgüter ein. Die Produktionsfaktoren werden ihrem Grenzprodukt entsprechend entlohnt. Das gesamte Kapital entspricht den aggregierten Ersparnissen bzw. dem Eigentum aller Generationen am Ende einer Periode.

Standardmäßig wird im Marktgleichgewicht das Konsumentenproblem für jedes Individuum gelöst, die Firmen maximieren ihre Profite, das Budget der sozialen Sicherungssysteme ist ausgeglichen und die Märkte für Arbeit, Kapital und Güter werden geräumt.

Mit Hilfe der indirekten Nutzenfunktionen der Individuen vom Typ e der jeweiligen Generationen kann für jeden gegebenen Beitragssatz das Nutzenniveau jedes Individuums im Marktgleichgewicht bestimmt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die nachfolgende Betrachtung beschränkt sich auf konstante Sequenzen von Beitragssätzen,[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Die jungen Generationen können demnach davon ausgehen, dass das System der intergenerativen Umverteilung keinerlei Modifikationen erfahren wird. Diese Annahme kann aufgelockert werden und beispielsweise durch eine spieltheoretische Modellierung des Generationenvertrages ersetzt werden.

Wie auch immer die intergenerative Abhängigkeit modelliert wird, gilt es zu bedenken, dass abgesehen von den normativ-sozialen Faktoren in Kapitel 3.7 alle nachfolgenden Erklärungen darauf angewiesen sind, dass der jungen Generation glaubwürdig in Aussicht gestellt wird, selber einmal von Transferzahlungen zu profitieren, um rationale, individuelle Akzeptanz gegenüber PAYG Alterssicherungssystemen abbilden zu können.[25]

3.2 Dynamische Ineffizienz und begrenzter Zeithorizont

Zunächst sei die Bestimmung des optimalen Beitragssatzes, τt, aus Sicht eines jungen Aktiven betrachtet. Dieser kann als Maßstab für den sozial optimalen Beitragssatz angesehen werden, da ein junger Aktiver die vollen Kosten und Erträge der Rentenversicherung (RV) berücksichtigt.

Angenommen es besteht keine Heterogenität (et wird auf 1 normalisiert) und es wird von Reallohnwachstum abgesehen ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]), so ergibt das Maximierungsproblem eines jungen Aktiven im Steady State[26] folgende FOC:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entscheidend ist der Vergleich der Erträge aus den sozialen Sicherungssystemen (1+μ)+(1+μ)2 bzw. (1+μ)(2+μ) zu den entsprechenden Erträgen aus dem Kapitalmarkt (1+r)+(1+r)2 bzw. (1+r)(2+r).

Es zeigt sich, dass nur bei dynamischer Ineffizienz junge Aktive für ein positives Level sozialer Sicherheit (τ>0) stimmen. Eine Volkswirtschaft ist dynamisch ineffizient, wenn die Bevölkerungswachstumsrate (und damit die implizierte Ertragsrate der sozialen Sicherungssysteme) größer als der reale Zins auf dem Kapitalmarkt ist, (μ>r). Jedes Individuum kann in diesem Fall seine Wohlfahrt durch die Einführung sozialer Sicherungssysteme verbessern.[27]

Browning (1975) zeigte in seinem wegweisenden Modell wie auch alte Aktive in einer dynamisch effizienten Volkswirtschaft für ein positives Level sozialer Sicherheit stimmen.[28] Der zentrale Faktor dabei ist, dass nur die derzeitigen und zukünftigen Ein- und Auszahlungen in das soziale Sicherungssystem berücksichtigt werden, und bereits in der Vergangenheit entrichtete Zahlungen als sunk costs[29] betrachtet werden. Die Individuen berücksichtigen somit nur einen begrenzten Zeitraum und nicht die gesamten Kosten der sozialen Sicherung in ihrer Kalkulation.

Dieser Effekt kann in einer dynamisch effizienten Volkswirtschaft, μ<r, ohne Heterogenität, e=1, und ohne Reallohnwachstum, ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]), isoliert betrachtet werden. Die implizite Rendite eines alten Aktiven, 1+iMA, unter der Annahme das vergangene Einzahlungen als sunk costs betrachtet, ist gleich dem Verhältnis zwischen erwarteten Renten in der Zukunft und derzeitigen Beiträgen. Im Steady State ist 1+iMA=(1+μ)(2+μ) und als FOC aus dem Maximierungsproblem eines alten Aktiven, deren Herleitung der Abb. A1 im Anhang zu entnehmen ist, ergibt sich:[30]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die notwendige Bedingung für ein Votum der alten Aktiven zu einem positiven Beitragssatz ist nun iMA=1+3μ+μ2>r>μ und damit wesentlich schwächer als die entsprechende Bedingung eines jungen Aktiven, der nur für soziale Sicherung stimmt, wenn die Bevölkerung schneller als der Kapitalmarktzins wächst, μ>r.

Alte Aktive werden also auch dann für die Einführung einer umlagefinanzierten RV stimmen, wenn deren Rendite bis zu einem gewissen Maß unter der Ertragsrate auf dem Kapitalmarkt zurückfällt. Breyer (vgl. 1990, S. 143) zieht das Fazit, dass sich in einer demokratischen Mehrheitsabstimmung die Interessen der alten Aktiven (zu denen der Medianwähler zählt) durchsetzen, und diese Interessen zu einem Beitrags- und Leistungsniveau führen, welches größer ist, als das gesellschaftlich Optimale.

Besonders bei der Erklärung der erstmaligen Einführung eines sozialen Sicherungssystems ist die Idee des begrenzten Zeithorizontes von großer Relevanz. All diejenigen, die zum Zeitpunkt der Einführung oder des Ausbaus einer Versicherung entweder bereits Rentner sind oder schon einen großen Teil ihres Erwerbslebens hinter sich haben (Angehörige einer Übergangsgeneration), können ohne sunk costs von der Einführung der Umverteilung zu Lasten der jungen und zukünftigen Generationen profitieren. Es zeigt sich zudem, dass wenn sich die Interessen von alten Aktiven durchsetzen (wie im Medianwählermodell angenommen wird[31] ), das Beitrags- und Leistungsniveau größer ist als das gesellschaftlich Optimale – welches sich nach Abwägung aller Kosten und Erträge durch einen jungen Aktiven einstellen würde.

[...]


[1] Vgl. Boeri u.a. (2000, S. 3).

[2] Vgl. Ullrich (2000, S. 2).

[3] Ullrich (vgl. 2000, S. 11ff.) zufolge ergeben sich bei der Operationalisierung von Akzeptanzurteilen Probleme, wenn unterschiedliche Begriffe verwendet und einseitige Fragen gestellt werden, die die Kosten der sozialen Sicherung unberücksichtigt lassen. Für ein rationales Individuum steht außer Frage, sich einen Staat zu wünschen, der sich um alle denkbaren sozialpolitischen Ziele kümmert, solange damit für ihn/sie keine Kosten verbunden sind. Kritisch sieht Ullrich (ebenda) zudem, dass qualitative Aspekte oftmals unberücksichtigt bleiben und Akzeptanz wird auf ein simples Mehr oder Weniger reduziert wird. So kann nicht ausgeschlossen werden, dass Fehler bei der empirischen Umsetzung zum Teil zwar nicht zur Erklärung der tatsächlichen individuellen Akzeptanz, aber doch zur Erklärung der gemessenen individuellen Akzeptanz beitragen.

[4] Roller (vgl. 1992, S. 59ff.) zufolge verbindet die Mehrheit der bundesdeutschen Bürger den Begriff Wohlfahrtsstaat eher mit dieser weit gefassten Definition bzw. mit einer Intervention des Staates zur Realisierung sozialer Sicherheit und sozialer Gerechtigkeit.

[5] Vgl. Ullrich (2000, S. 1).

[6] Vgl. Pierson (1996, S. 2).

[7] Vgl. Borchert (1995, S. 247ff.).

[8] Relativ erfolgreiche Strukturreformen fanden in GB und in den USA der 80er Jahre statt. Welche politischen Faktoren der Regierung Thatcher und der Regierung die Durchsetzung von Strukturreformen ermöglichten analysiert Pierson (1994, 1996).

[9] Die Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates ist seit nunmehr über zwei Jahrzehnten Gegenstand empirischer Untersuchungen (vgl. Ullrich 2000, S. 2).

[10] Vgl. Ullrich (2000, S. 2). Zu Untersuchungen, die zu diesem Ergebnis kommen, gehören wiederholt durchgeführte Bevölkerungsumfragen wie ISSP, ALLBUS und SOEP. Diese Untersuchungen werden vom gleichen Erkenntnisinteresse geleitet, auch wenn teilweise statt sozialer bzw. individueller Akzeptanz andere Begriffe wie „politische Unterstützung“ oder „Zustimmung“ bzw. in englischsprachigen Untersuchungen „political-“, „popular-“, oder „public support“ verwendet werden.

[11] Der Begriff Sozialstaat wird nachfolgend synonym mit dem zuvor definierten Begriff Wohlfahrtsstaat verwendet, auch wenn einige Forscher unterschiedliche Konzepte mit den jeweiligen Begriffen verbinden (vgl. z.B. Roller 1992).

[12] Vgl. Ullrich (2000, S. 3).

[13] Vgl. Ullrich (2000, S. 4).

[14] Ebenda.

[15] Corneo, Grüner (2002, S. 85).

[16] In Deutschland beanspruchte die Rentenversicherung 2002 mehr als 1/3 des 658,1 Mrd. Euro großen Sozialbudgets (vgl. BMGS 2003). Zusätzlich findet auch in der Kranken- und Pflegeversicherung eine Umverteilung von Jung zu Alt statt.

[17] Vgl. Breyer (1994, S. 62).

[18] Vgl. Galasso, Profeta (2002, S. 6).

[19] Damit stimmen diese Modelle mit der in Kapitel 2.2 dargelegten Überzeugung überein, dass die individuellen Akzeptanzurteile in demokratischen Staaten Einfluss auf den politischen Entscheidungsprozess haben. Dass sich für die jeweiligen Sicherungssysteme des Wohlfahrtsstaates empirisch eine mehrheitliche Zustimmung in der Bevölkerung messen lässt wurde bereits in Kapitel 2.3 gezeigt.

[20] Vgl. Drazen (2000, S. 7ff.).

[21] Vgl. Ebenda.

[22] Zoll (2003, S. 22).

[23] Auf die Unterschiede hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit wird in Kapitel 3.3 zurückgegriffen, wenn eine intragenerative Umverteilung behandelt wird.

[24] Von einem Vererbungsmotiv wird abgesehen.

[25] Vgl. Galasso, Profeta (2002, S. 6).

[26] Zur Vereinfachung wird angenommen β(1+r)=1. lt und lt+1 ergeben sich aus der Bedingung erster Ordnung des Maximierungsproblems. Es folgt, dass bei , und bei im Steady State das Arbeitsangebot in allen Generationen gleich ist, (vgl. Galasso, Profeta 2002, S. 7).

[27] Vgl. Aaron (1966, S. 372) - Da im Falle dynamischer Ineffizienz mehr Konsum in der Zukunft durch mehr Konsum in der Gegenwart möglich wäre wird sich aus theoretischer Sicht kein Individuum in diesem Zustand befinden.

[28] Browning (1975) geht von den denkbar einfachsten Annahmen aus: Entscheidungen werden mit einfacher Mehrheit beschlossen, sind ewig bindend, Individuen sind homogen und eigennützig, das Arbeitsangebot sowie die Faktorpreise sind exogen gegeben und die Möglichkeit der Kreditaufnahme wird ausgeschlossen. Hu (1982) und Sjoblom (1985) haben auf der Idee Brownings (1975) aufbauend den zugrunde liegenden politischen Prozess genauer spezifiziert.

[29] Sunk costs entstehen bei solchen Investitionen, die einmal getätigt keiner alternativen Verwendung mehr zugeführt werden können (vgl. Zoll 2003, S. 169).

[30] Vgl. Galasso, Profeta (2002, S. 8).

[31] Dem Medianwählermodell folgend setzen sich die Interessen des Wählers im Median der Altersverteilung durch, d.h. desjenigen, für den es genauso viele jüngere wie ältere Wähler gibt (vgl. Breyer 1990, S. 143).

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Details

Titel
Politökonomische Erklärungen individueller Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
71
Katalognummer
V89936
ISBN (eBook)
9783638042147
ISBN (Buch)
9783638942508
Dateigröße
812 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politökonomische, Erklärungen, Akzeptanz, Wohlfahrtsstaates
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Dipl. Vw.; M.A. Nils Christian Hesse (Autor), 2004, Politökonomische Erklärungen individueller Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89936

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Titel: Politökonomische Erklärungen individueller Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates



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