Dieser Unterrichtsentwurf behandelt die Thematik der katholischen Kirche Rheinhessens zur Zeit des Nationalsozialismus. Die Stunde stellt einen Teil der Reihe "Die weltweite Auseinandersetzung um politische Ordnungen – Demokratie – Sozialismus – Nationalsozialismus – Weltdeutung" dar. Hierfür erarbeitet der Autor Lernziele, den geplanten Unterrichtsverlauf sowie eine Sachanalyse und didaktische Reflexion.
Schon vor der Machtübernahme der NSDAP im Jahre 1933 gab es mehrere katholische Bischöfe, die sich gegen die NS – Ideologie aussprachen. So legte die katholische Kirche ein Verbot für Katholiken aus, der NSDAP beizutreten und verwehrte ihren Parteimitgliedern den Zugang zu Sakramenten und die Beteiligung an Veranstaltungen der Kirche. Zudem bezeichneten sie Teile des NSDAP – Programms als Häresie.
Der katholische Vikar Philipp Jakob Mayer lehnte in einem Schreiben vor allem die Überschätzung der Nationalsozialisten und die damit einhergehende Geringschätzung von anderen Rassen ab. Er legitimierte seinen Standpunkt mit der katholischen und christlichen Moral, gegen die hier verstoßen wurde. Hitler reagierte auf die Kritik an seiner Partei und strebte in den Jahren 1930 und 1931 einen Kurswechsel der NSDAP an. Grund hierfür war vor allem, dass Hitler erkannte, dass kein Weg an der Katholischen Kirche vorbeiführte, wenn er seine Macht ausbauen und sichern wollte. Aufgrund dessen sicherte Hitler der Katholischen Kirche Zugeständnisse und Freiheiten zu. Er nahm zum Beispiel Abstand zu einem kontroversen Werk eines Parteimitglieds oder deutete §24 in seinem Parteiprogramm kirchenfreundlicher um.
Zudem versprach er, die Rechte der Kirche nicht anzutasten und ihren Einfluss in Schule und Erziehung zu sichern. Die Katholische Kirche sieht sich nun in einem Zwiespalt zwischen einer Ideologie, die sie ablehnt und vieler neuer, wichtiger Zugeständnisse; zwischen Widerstand und Opportunismus.
Inhaltsverzeichnis
1. Lernziele
2. Geplanter Verlauf
3. Bemerkungen zur Lerngruppe
4. Didaktische Bemerkungen
4.1.Sachanalyse:
4.2. Didaktische Reflexion:
4.2.1. Reduktion der Thematik
4.2.2. Verortung des Themas in der Reihe
4.2.3. Kompetenzerwerb anhand des Lehrplans
4.2.4. Gesellschaftliche Relevanz des Themas
4.2.5. Bedeutung des Problemziels
4.2.6. Begründung der Quellenauswahl und Textauswahl
4.2.7. Didaktische Begründung der Aufgabenstellung
4.2.8. Gegenwartsbezug, Problemorientierung
4.2.9. Multiperspektivität
4.3. Methodische Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit konzipiert eine Unterrichtseinheit für den Geschichtsunterricht, die das ambivalente Verhältnis der katholischen Kirche zum Nationalsozialismus in den Jahren 1930 bis 1933 untersucht. Das zentrale Ziel besteht darin, den Schülern durch die kritische Quellenanalyse die Spannungsfelder zwischen religiöser Moral, politischem Opportunismus und Widerstand begreifbar zu machen.
- Historische Untersuchung des Kurswechsels der katholischen Kirche und der NSDAP
- Kritische Analyse zeitgenössischer Quellen (Vikar Mayer und Adolf Hitler)
- Schulung der Methodenkompetenz durch quellenkritische Arbeit
- Förderung des historischen Urteilsvermögens durch Perspektivwechsel
Auszug aus dem Buch
4.1.Sachanalyse:
Die Diskussion um Schuld, Konformität und Widerstand der Katholischen Kirche während des Nationalsozialismus ist immer noch ein brisantes, höchst kontroverses Thema. Es handelt sich vor allem um die Diskrepanz zwischen der kirchlichen und christlichen Moralvorstellung, die Werte, die sie vertritt und ihrem Verhalten, hinsichtlich ihres teilweisen Opportunismus, gegenüber dem Nationalsozialismus. Diese Kritik wird vor allem verständlich, wenn man sich das Verhältnis beider Parteien zu einander vor und nach dem Jahr 1933 genauer anschaut. So sprechen sich mehrere katholische Amtsträger vor diesem Jahr gegen die Ideologie des Nationalsozialismus aus; verboten den Katholiken sogar, der Partei beizutreten, und verwehrten Anhängern der Partei, kirchliche Dienste zu nutzen. Aufgrund machtpolitischer Überlegungen ändert Hitler das Parteiprogramm der NSDAP in den Jahren 1930/ 1931, in Teilen, um einen kirchenfreundlicheren Eindruck zu schaffen und sichert der katholischen Kirche zudem einige wichtige Konzessionen zu. Die Katholische Kirche rudert daraufhin zurück. Sie steht immer noch zu ihren Aussagen, dass die Ideologie der Nationalsozialisten nicht mit ihren Werten und ihrer Moral zu vereinbaren seie; sie hoben jedoch die Verbote gegen die Partei auf, die sie vorher ausgerufen hatten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Lernziele: Definition der angestrebten Fach-, Methoden-, Kommunikations- und Urteilskompetenzen für die Schülerinnen und Schüler.
2. Geplanter Verlauf: Detaillierte tabellarische Darstellung der acht Phasen der Unterrichtsstunde mit Zeitangaben und methodischen Schritten.
3. Bemerkungen zur Lerngruppe: Beschreibung der Zusammensetzung und des Leistungsniveaus der Klasse 10b sowie deren Vorerfahrungen im Geschichtsunterricht.
4. Didaktische Bemerkungen: Umfassende Begründung der Unterrichtskonzeption unter Berücksichtigung von Sachanalyse, Lehrplanbezug und methodischen Überlegungen.
Schlüsselwörter
Katholische Kirche, Nationalsozialismus, Widerstand, Opportunismus, NSDAP, Quellenkritik, Geschichtsunterricht, Machtübernahme, Politische Ordnungen, Philipp Jakob Mayer, Adolf Hitler, Historisches Urteilsvermögen, Multiperspektivität, Problemorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit entwirft eine Unterrichtseinheit für die 10. Jahrgangsstufe zur Analyse des Verhältnisses zwischen der katholischen Kirche und der NSDAP in der frühen Phase der NS-Herrschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Widerstandes und des Opportunismus sowie deren Anwendung auf die Haltung der Kirche gegenüber der nationalsozialistischen Ideologie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Untersuchung der Fragestellung, inwiefern sich die katholische Kirche in der Zeit zwischen 1930 und 1933 zwischen Widerstand und Opportunismus bewegte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine kritische Quellenanalyse zweier konträrer zeitgenössischer Dokumente genutzt, um historisches Denken und multiperspektivische Urteilsbildung zu fördern.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil der Unterrichtseinheit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Heuristikphase, eine Gruppenarbeitsphase zur Auswertung von Quellen (Vikar Mayer vs. Hitler) und eine abschließende Diskussion der Ergebnisse.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit fokussiert auf Begriffe wie Katholische Kirche, Nationalsozialismus, Quellenkritik, Widerstand und Opportunismus.
Wie reagierte die NSDAP auf die anfängliche Kritik der Kirche?
Hitler änderte 1930/1931 Teile des Parteiprogramms und sicherte der Kirche Zugeständnisse zu, um ihren Widerstand zu brechen und die politische Macht zu sichern.
Welche Rolle spielt die Biografie von Vikar Philipp Jakob Mayer in der Stunde?
Er dient als Beispiel für einen frühen katholischen Widerstand, der die NS-Ideologie aus moralischen Gründen als Häresie ablehnte.
- Arbeit zitieren
- Jennifer Franz (Autor:in), 2019, Die katholische Kirche Rheinhessens zur Zeit des Nationalsozialismus. Zwischen Widerstand und Opportunismus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/899502