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Das ontologische Problem der Negation - Platons Bezugnahme auf Parmenides im "Sophistes"-Dialog

Title: Das ontologische Problem der Negation - Platons Bezugnahme auf Parmenides im "Sophistes"-Dialog

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anke Beiler (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit behandelt den platonischen Dialog „Sophistes“, welcher zu den Spätwerken von Platon gezählt wird. In diesem Dialog treffen sich Sokrates, Theodoros, Theätet und ein Gast aus Elea zu einem Gespräch, dessen Thema die Wesensbestimmung des Sophisten ist. Diese Bestimmung des Sophisten ist aber nur die Hülle für die eigentliche Kernuntersuchung, nämlich die Frage nach einer Existenz des Nichtseins und des Falschen.
Parmenides hat in seinem ganzen Leben nur eine kurze Schrift geschrieben, ein Lehrgedicht. Allerdings macht er in diesem Gedicht Aussagen über das Seiende, an denen nur wenige vorbei kommen und die eine beträchtliche Wirkung auf die philosophischen Schulen hatten.
Und so stößt auch Platon im Sophistes bei der Suche des Sophisten und der Frage nach dem Nichtsein und des Falschen auf die Lehre des Parmenides. Laut Riezler hat Platon das ganze Lehrgedicht von Parmenides gekannt und noch von seinem, zu seiner Zeit schon verschollenen, ursprünglichen Sinn gewusst.
Ziel dieser Arbeit ist es dazulegen, wann und wie Platon im „Sophistes“ auf die Lehre von Parmenides Bezug nimmt und wie er sie korrigiert, indem er beweist, dass das Nichtseiende seiend ist.
Dazu zeige ich zu Beginn die erste Kollision zwischen Platon und der Ontologie von Parmenides auf und erkläre anschließend die Notwendigkeit einer Korrektur an dieser Lehre vom Seienden. Danach lege ich dar, wie Platon die Lehre von Parmenides vor einer Korrektur überprüft, dabei auf eine Aporie stößt und diese, indem er das Seiende untersucht, versucht zu lösen. Zum Schluss lege ich dann die Korrektur von Platon an Parmenides dar. Der Sophist wird im ersten Teil des Dialoges durch die Methode der Dihairese als ein Wesen bestimmt, das „nur den Schein erweckt, die Zusammenhänge des Seienden in seinen Reden abzubilden, die er in Wahrheit verkehrt und verschleiert“. Er ist also ein „Nachahmer des Seienden“ , der „nur ein scheinbares Wissen über alles besitzt, nicht aber die Wahrheit“. Er täuscht, bewirkt falsche Meinungen, und falsche Meinungen zu haben bedeutet, das Entgegengesetzte zu meinen von dem was ist.
Diese Definition aber wirft ein Problem auf, denn sie setzt voraus, dass es ein „Sagen und Meinen des Nichtwahren“ gibt, dass Nichtseiendes sei, denn sonst gäbe es auch keinen Schein, Irrtum oder Falschheit. Der Schein kann nur trügen, wenn er selber Wirklichkeit ist. Aber genau das widerspricht der Lehre von Parmenides.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erste Kollision mit der Ontologie von Parmenides

3. Die Notwendigkeit einer Korrektur an der Lehre von Parmenides

4. Überprüfung der Ontologie des Parmenides

4.1 Die erste Stufe der Aporie – Die Rede von Etwas

4.2 Die zweite Stufe der Aporie – Die Gattung Zahl

4.3 Die dritte Stufe der Aporie – Die Unwiderlegbarkeit des Nichtseienden

4.4 Die vierte Stufe der Aporie – Die Widersprüchlichkeit im Begriff der falschen Aussage

5. Der Begriff des Seienden

5.1.1 Seiendes als Vieles

5.1.2 Seiendes als Eines

6. Die Korrektur der Ontologie von Parmenides

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Platon im Dialog „Sophistes“ auf die Ontologie des Parmenides Bezug nimmt. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Platon durch die Beweisführung, dass das Nichtseiende seiend ist, die Lehre des Parmenides korrigiert, um eine fundierte Wesensbestimmung des Sophisten zu ermöglichen.

  • Die Auseinandersetzung mit dem parmenideischen Seinsbegriff
  • Die Problematik der Negation und der falschen Aussage
  • Die Untersuchung der Kategorien des Seienden (Quantität und Qualität)
  • Die Lehre von der Gemeinschaft der Gattungen (Teilhabe)
  • Die philosophische Bestimmung des Nichtseienden als Anderssein

Auszug aus dem Buch

4.1 Die erste Stufe der Aporie – Die Rede von Etwas

Platon beginnt die Prüfung, ob Nichtseiendes seiend sein kann mit der Frage, ob das, was ist keinerlei Weise seiend ist, eigentlich irgendwie sprachlich formuliert werden kann.29

Um dies zu beantworten, stellt er zunächst fest, „dass auf irgend etwas unter dem Seienden <die Bezeichnung> das Nichtseiende nicht bezogen werden darf“.30 Und daraus schließt er wiederum, dass man das Nichtseiende auch nicht auf Etwas beziehen kann, denn wenn jemand von Etwas spricht, dann spricht er notwendigerweise auch von etwas Einem, weil das Etwas ein Zeichen für Eines ist, so wie Beides ein Zeichen für Zweifaches ist.31 Die Konsequenz aus diesen Feststellungen ist, „dass derjenige, der versuchen sollte, Nichtseiendes in Wortgebilden zu fassen, überhaupt nicht redet“.32 Schon der Gedanke des reinen Nichtseins ist undenkbar und unsagbar. Nichts als die eine Hälfte der Wirklichkeit hat in dieser Logik keinen Platz.33 Man kann Nichtseiendes weder erklingen lassen, noch sagen, noch denken.34 Und damit könnte das Nichtseiende sprachlich nicht formuliert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in den Dialog „Sophistes“ ein und umreißt die Notwendigkeit, das Verhältnis zwischen dem platonischen Denken und der Ontologie des Parmenides zur Bestimmung des Sophisten zu klären.

2. Erste Kollision mit der Ontologie von Parmenides: Dieses Kapitel thematisiert den logischen Konflikt zwischen der Definition des Sophisten als „Nachahmer des Seienden“ und dem parmenideischen Verbot, über das Nichtseiende zu sprechen.

3. Die Notwendigkeit einer Korrektur an der Lehre von Parmenides: Es wird dargelegt, dass eine Korrektur an Parmenides unumgänglich ist, da sonst weder Täuschung noch Falschheit ontologisch begründbar wären.

4. Überprüfung der Ontologie des Parmenides: Platon analysiert in vier Stufen der Aporie, warum die strikte Verneinung des Nichtseienden zu logischen Sackgassen in Sprache und Denken führt.

5. Der Begriff des Seienden: In diesem Teil wird die Beschaffenheit des Seienden (Quantität und Qualität) hinterfragt, wobei Platon sich kritisch mit den Ansichten der Materialisten und der „Ideenfreunde“ auseinandersetzt.

6. Die Korrektur der Ontologie von Parmenides: Platon führt die „Lehre von der Gemeinschaft der Gattungen“ ein, um durch die fünf höchsten Ideen zu beweisen, dass das Nichtseiende als Anderssein existiert.

7. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Platon das Nichtseiende erfolgreich als „Anderssein“ in das Gefüge des Seienden integriert und damit das Seinsverbot des Parmenides wissenschaftlich überwunden hat.

Schlüsselwörter

Platon, Sophistes, Parmenides, Ontologie, Nichtsein, Seinsbegriff, Aporie, Gemeinschaft der Gattungen, Teilhabe, Anderssein, Dialektik, Falsche Aussage, Sophist, Ideenlehre, Philosophische Logik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht den Umgang Platons mit der Philosophie des Parmenides, insbesondere die Überwindung des logischen Verbots, über das „Nichtseiende“ zu sprechen, um das Wesen des Sophisten zu definieren.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit konzentriert sich auf die Ontologie, die Sprachphilosophie, die Dialektik der Gattungen und die theoretische Fundierung des Begriffs der „falschen Aussage“.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es darzulegen, wie Platon im „Sophistes“ beweist, dass das Nichtseiende seiend ist, um damit die Lehre von Parmenides zu korrigieren und die Existenz von Irrtum und Schein zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit nutzt die interpretative Textanalyse des platonischen Dialogs „Sophistes“ unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur und philosophischer Kommentare.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Aporien (logische Schwierigkeiten) bei der Überprüfung des Nichtseins, die Untersuchung des Begriffs des Seienden bei Materialisten und Ideenfreunden sowie die Ausarbeitung der Gemeinschaft der Gattungen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Ontologie, Parmenides, Nichtsein, Anderssein, Teilhabe und platonische Dialektik charakterisieren.

Warum bezeichnet Platon sich selbst als „Vatermörder“ im Kontext seiner Korrektur?

Dieser Begriff illustriert die Ehrfurcht Platons vor seinem Vorgänger Parmenides, dessen Lehre er durch seine Korrekturen zwar nicht vollständig vernichtet, aber in einem wesentlichen Punkt grundlegend kritisieren und modifizieren muss.

Was ist die Lösung der Aporie durch die Lehre von der „Gemeinschaft der Gattungen“?

Platon löst die Aporie, indem er zeigt, dass Ideen untereinander teilhaben können; das Nichtseiende ist demnach kein absolutes Nichts, sondern „Anderssein“ in Bezug auf andere Gattungen des Seienden.

Wie lautet die Kritik am platonischen Lösungsansatz in der Sekundärliteratur?

Kritiker wie Bröcker, Gauss oder Schmitfranz werfen Platon vor, er unterscheide nicht präzise genug zwischen dem „Ist“ der Existenz und dem „Ist“ der Identität oder setze das „Anderssein“ fälschlicherweise mit dem „Nichtsein“ gleich.

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Details

Title
Das ontologische Problem der Negation - Platons Bezugnahme auf Parmenides im "Sophistes"-Dialog
College
University of Mannheim  (Lehrstuhl Philosophie I)
Course
Platon: Sophistes
Grade
1,3
Author
Anke Beiler (Author)
Publication Year
2006
Pages
20
Catalog Number
V89952
ISBN (eBook)
9783638041041
ISBN (Book)
9783638938662
Language
German
Tags
Problem Negation Platons Bezugnahme Parmenides Sophistes Platon Sophistes
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anke Beiler (Author), 2006, Das ontologische Problem der Negation - Platons Bezugnahme auf Parmenides im "Sophistes"-Dialog, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89952
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