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Die "Vernichtung lebensunwerten Lebens" oder der Umgang mit Behinderten im Dritten Reich

Título: Die "Vernichtung lebensunwerten Lebens" oder der Umgang mit Behinderten im Dritten Reich

Trabajo de Seminario , 2007 , 28 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Steffen Schönfelder (Autor)

Pedagogía - Otras
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Erst seit Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts widmeten sich die Historiker einem Thema, das bis dahin eher selten und dann auch meist nur von „Insidern“ behandelt wurde: die Euthanasieverbrechen im Nationalsozialismus. Hunderttausende Menschen – darunter viele Kinder und Jugendliche – wurden in einem bis dato ungekannten systematischen Prozess erfasst und getötet, um die „Gesundheit des Volkskörpers“ zu garantieren. Diese Menschen waren vor allem körperlich oder geistig Behinderte, aber auch Verhaltensauffällige, also Kategorien, die nicht in das Weltbild der Nationalsozialisten von der starken Herrenrasse passten. Meist unter Vorwänden wurden Menschen regelrecht zusammen getrieben und systematisch ermordet. Aus dem „Therapieren“ der Krankheiten des Volkskörpers – um bei dieser Wortwahl zu bleiben – wurde eine gnadenlose, systematische Ausmerze aller Krankheitsanzeichen. Diese Entwicklung hatte ihre Wurzeln weit vor der Zeit des Nationalsozialismus und kam dort zumeist in Fachkreisen – in der Ärzteschaft und in der Psychiatrie/ im Heil- und Anstaltswesen – auf. Sie spitzte sich bis zum Ende von Hitlers Regime immer weiter zu und war sozusagen der Ausgangspunkt – oder wenn man so will die „Generalprobe“ – der so genannten Endlösung, der Massenvernichtung von Millionen von Menschen. Unter den Opfern der euphemistisch „Euthanasie“ genannten Vorgänge waren eine sehr hohe Zahl an Kindern und Jugendlichen, die auf Grund angeborener Behinderungen oftmals nur einige Monate alt oder später auf Grund bestimmter Verhaltensmuster als untragbar bezeichnet wurden. Eines der Zentren dieser Mordmaschinerie war dabei Leipzig. Hier gab es mehrere spezielle Einrichtungen, die sich um die eugenischen Maßnahmen „kümmern“ sollten. Vor allem in Bezug auf die Kindereuthanasie war Leipzig zentral: hier wurde das erste Kind getötet, der so genannte „Initialfall“, außerdem waren hier Persönlichkeiten tätig, die in den Entwicklungen eine wichtige Rolle spielten, so z.B. der Arzt Werner Catel.
Die vorliegende Arbeit setzt sich sowohl mit den Ursprüngen der nationalsozialistischen Euthanasie auseinander, als auch mit den Vorgängen während der NS-Diktatur. Einen Schwerpunkt bilden dabei die Entwicklungen in Leipzig und die damit eng verbundenen Vorgänge der Kindereuthanasie.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffe

3. Historische Entwicklungen vor 1933

4. Entwicklungen während des NS-Regimes

4.1 Erste Phase „Prävention und Zwang“

4.2 Zweite Phase „therapeutisches Töten“

4.3 Dritte Phase „Wilde Euthanasie“

5. Euthanasie in Leipzig

6. Kindereuthanasie

6.1 Der Fall „K.“

6.2 Entwicklungen

6.3 Personen

7. Entwicklungen nach 1945

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit den Ursprüngen der nationalsozialistischen Euthanasie sowie den systematischen Tötungsvorgängen während des NS-Regimes auseinander, wobei der Fokus auf dem bedeutenden Standort Leipzig und der dortigen Kindereuthanasie liegt. Ziel ist es, die ideologischen Grundlagen, den entscheidenden Anteil der Ärzteschaft an den Verbrechen und die Kontinuität eugenischen Gedankenguts bis in die Nachkriegszeit zu beleuchten.

  • Historische und ideologische Vorläufer der Euthanasie (Sozialdarwinismus, Eugenik).
  • Die drei Phasen der nationalsozialistischen Euthanasie: von Prävention und Zwangssterilisation bis zur „wilden Euthanasie“.
  • Leipzig als zentraler Ort der Mordmaschinerie und des „Initialfalls“ der Kindereuthanasie.
  • Die Rolle zentraler Akteure wie Werner Catel und Arthur Mittag.
  • Die unzureichende Aufarbeitung der Verbrechen und das Fortbestehen rassenhygienischer Denkweisen nach 1945.

Auszug aus dem Buch

6.1 Der Fall „K.“

Wie schon erwähnt hat Leipzig im Euthanasieprogramm des nationalsozialistischen Regimes Hitlers einen besonderen Stellenwert. Hier gab es im Frühjahr 1939 den in der Literatur als „Initialfall“ bezeichneten Fall des Kindes „K.“. Dieser wird Fall „K.“ genannt, weil aus den Akten nicht eindeutig ersichtlich ist, ob der Familienname des Kindes Kressler oder Knauer war. Ein weiterer Name, der in diesem Zusammenhang auftaucht, ist der Name „Kretzschmar“. Dieser bezieht sich nach neuesten Erkenntnissen (nach Benzenhöfer) jedoch auf einen Fall, der fälschlicherweise von dem französischen Journalisten Philippe Aziz mit dem als Fall „K.“ bezeichneten Vorgang in Verbindung gebracht wurde. Zum besseren Verständnis bleibe ich also bei dem Namen Knauer, da dieser in der meisten Literatur genutzt wird.

Am 22. Mai 1939 hatte Herr Willi Knauer und seine Frau eine Unterredung mit Prof. Dr. Werner Catel, Chefarzt der Universitätskinderklinik in Leipzig. In dieser Unterredung ging es um das gemeinsame Kind der Knauers, dem Sohn Gerhard Herbert, der etwa Ende 1938 oder Anfang 1939 geboren wurde (die Daten dazu sind teils sehr widersprüchlich, etwa die unklaren Angaben Hefelmanns zu dem Fall) und behindert zur Welt gekommen war. Ihm fehlten der linke Unterarm und ein Bein, außerdem war er blind. Die Diagnose Catels lautete: „Das beste wäre der Tod … für das Kind und für die Eltern!“ (Kaul, S.21). Das Kind war seit seiner Geburt an der Klinik untergebracht, in der Catel wirkte, der es seitdem auch immer wieder zu Vorführungszwecken in seinen Vorlesungen nutzte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Euthanasieverbrechen im Nationalsozialismus ein und definiert Leipzig als eines der Zentren dieser Mordmaschinerie.

2. Begriffe: Hier werden zentrale Konzepte wie Faschismus, Nationalsozialismus, Euthanasie, Eugenik und Sozialdarwinismus erläutert, um die ideologischen Grundlagen der späteren Verbrechen zu verstehen.

3. Historische Entwicklungen vor 1933: Das Kapitel beschreibt den gesellschaftlichen Wandel des 19. Jahrhunderts, die Entstehung von Heil- und Pflegeanstalten sowie die wachsende eugenische Debatte, die den Nährboden für die nationalsozialistische Ideologie bereitete.

4. Entwicklungen während des NS-Regimes: Es werden die drei Phasen des Euthanasieprogramms – von Prävention und Zwang, über das therapeutische Töten, bis zur wilden Euthanasie – detailliert aufgezeigt.

5. Euthanasie in Leipzig: Dieser Abschnitt beleuchtet die Rolle Leipzigs und seiner Einrichtungen (Heil- und Pflegeanstalt Dösen sowie Universitätskinderklinik) bei den reichsweiten Euthanasieaktionen.

6. Kindereuthanasie: Im Fokus stehen hier der „Initialfall“ des Kindes „K.“, die administrativen Prozesse der Kindertötung und die involvierten Hauptakteure.

7. Entwicklungen nach 1945: Es wird die mangelnde strafrechtliche Aufarbeitung nach 1945 sowie das Fortbestehen rassenhygienischer Denkweisen in der Nachkriegszeit thematisiert.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Euthanasie, Eugenik, Rassenhygiene, Kindereuthanasie, Leipzig, Werner Catel, Sozialdarwinismus, Aktion T4, Gnadentod, Sterilisation, Lebensunwertes Leben, Heil- und Pflegeanstalt, Medizinethik, Volkskörper.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit den Euthanasieverbrechen während der Zeit des Nationalsozialismus, wobei der Fokus auf der historischen Herleitung der Ideologie und der praktischen Umsetzung, insbesondere in Leipzig, liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Rolle der Ärzteschaft, die verschiedenen Phasen der Euthanasie (von der Sterilisation bis zur gezielten Tötung) sowie die Aufarbeitung dieser Verbrechen in der Nachkriegszeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Euthanasieverbrechen kein reines NS-Produkt waren, sondern auf jahrzehntelangen eugenischen Debatten basierten, bei denen die Ärzteschaft eine entscheidende Mitverantwortung trug.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse unter Einbeziehung von Fachliteratur, zeitgenössischen Dokumenten und Berichten über die Geschehnisse in den psychiatrischen Einrichtungen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die ideologischen Grundlagen, die Phasen des Programms und eine Fallstudie zu den Vorgängen in Leipzig, insbesondere zur Kindereuthanasie, detailliert dargelegt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Nationalsozialismus, Euthanasie, Eugenik, Rassenhygiene, Kindereuthanasie und der Standort Leipzig.

Warum ist der Standort Leipzig für die Forschung so wichtig?

Leipzig war ein bedeutender Knotenpunkt, da hier nicht nur eine der zentralen Kinderfachabteilungen existierte, sondern mit dem Fall „K.“ auch der „Initialfall“ stattfand, der den Anstoß für das reichsweite Tötungsprogramm gab.

Welche Rolle spielte Dr. Werner Catel?

Dr. Werner Catel war ein prominenter Mediziner, der als Gutachter für das Tötungsprogramm fungierte, die Kinderfachabteilung in Leipzig-Dösen persönlich mit einrichtete und maßgeblich an der Ermordung tausender Menschen beteiligt war.

Final del extracto de 28 páginas  - subir

Detalles

Título
Die "Vernichtung lebensunwerten Lebens" oder der Umgang mit Behinderten im Dritten Reich
Universidad
University of Leipzig  (Erziehungswissenschaftliche Fakultät)
Curso
Jugendhilfe und Psychiatrie
Calificación
1,0
Autor
Steffen Schönfelder (Autor)
Año de publicación
2007
Páginas
28
No. de catálogo
V89992
ISBN (Ebook)
9783638042215
ISBN (Libro)
9783640765676
Idioma
Alemán
Etiqueta
Vernichtung Lebens Umgang Behinderten Dritten Reich Jugendhilfe Psychiatrie
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Steffen Schönfelder (Autor), 2007, Die "Vernichtung lebensunwerten Lebens" oder der Umgang mit Behinderten im Dritten Reich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89992
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