Amerika und der Völkerbund


Essay, 2007

6 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1. These Präsident Thomas Woodrow Wilson wollte Amerika nach dem ersten Weltkrieg zu einer globalen Friedensmacht machen.

Als die Amerikaner am 6. April 1917 in den ersten Weltkrieg eintraten, betonten sie bereits, dass es ihnen hauptsächlich darum ginge, den Frieden zu sichern. So bemühten sie sich auch nach Ende des ersten Weltkriegs weiter um die internationale Friedenssicherung.

Zur konkreten Umsetzung äußerte sich der damalige amerikanische Präsident Woodrow Wilson auf der Pariser Friedenskonferenz (18.01.1919-21.01.1919) mit seinem 14-Punkte Plan. In diesen wurden nicht nur die Kriegsziele Amerikas deutlich, sondern auch eine Reihe von Bedingungen, die die demokratische Friedenssicherung in Europa sichern sollten. Eine Bedingung war beispielsweise das Ende der Geheimdiplomatie. Der 14. Punkt war jedoch einer der wichtigsten, er enthielt die Forderung nach einer Gründung eines überstaatlichen Zusammenschlusses, eines Völkerbundes. Dieser sollte künftig die Beziehungen zwischen den Völkern friedlich regeln, um gewaltvolle Auseinandersetzungen zu vermeiden. Allerdings schien es dabei so, als ob sich die USA zunächst keine Gedanken über mögliche negative Auswirkungen eines solchen Bundes machen würden. Anders reagierten die Franzosen und Engländer, die frühzeitig Studien in Auftrag gaben, um mögliche negative Auswirkungen des Völkerbundes aufzudecken. Zudem arbeiteten beide schon an einem konkreten Satzungsentwurf.. Als die Engländer dann im März 1918 ihre Studie, die von Lord Phillimore geleitet wurde, beendeten und auch die Franzosen ihren Bericht, für den Léon Bourgeois mitverantwortlich war, kurze Zeit später abgeschlossen, war Woodrow Wilson förmlich dazu gezwungen sich intensiver mit seinem Gedanken des Völkerbundes und dessen konkreten Aufbau zu machen. Folglich beauftragte er Colonel House, einen seiner Vertrauten, einen Satzungsentwurf im Namen der Amerikaner anzufertigen. Letztendlich legten die USA zwei Entwürfe vor, in denen nicht nur die politische Unabhängigkeit, sondern auch die territoriale Integrität der einzelnen Mitgliedsstaaten gefordert wurde. Dieser Gedanke ist sicherlich als Erweiterung der Monroe-Doktrin, die die bisherige Außenpolitik der USA gut widerspiegelt, anzusehen. Die beiden amerikanischen Entwürfe befassten sich zudem noch mit der Frage der Abrüstung. Ein Staat solle nur so viele Waffen, Truppen, etc. besitzen, wie für die Garantie der inneren Sicherheit erforderlich seien. Seien nicht mehr Waffen erforderlich, so solle abgerüstet werden.

Die USA veröffentlichten ihre Entwürfe jedoch erst auf der Pariser Friedenskonferenz, auf der es zu einer lebhaften Diskussion über den allgemein gültigen Satzungsentwurf kam. Woodrow Wilson gelang es jedoch, viele ungeklärte Angelegenheiten im Sinne der USA zu klären und sich somit zu etablieren. Man beschloss beispielsweise, dass der Völkerbund nicht nur für die Förderung der internationalen Zusammenarbeit, sondern auch für die Friedenssicherung zuständig sei. Zudem wurde eine Kommission eingesetzt, deren Aufgabe es war eine Satzung anzufertigen, die Grundlage aller Friedensverhandlungen werden sollte. Die USA konnten zunehmend Einfluss nehmen, so zum Beispiel durch die Wahl Woodrow Wilsons (3.Februar 1919), zum Vorsitzeden der oben genannten Kommission. Der am 14. Februar 1919 von der Kommission vorgestellte Satzungsentwurf, löste eine große Diskussion, beispielsweise über Territorien aus. Woodrow Wilson schränkte die Gültigkeit seiner 14-Punkte stark ein, um den europäischen Mächten entgegen zu kommen, die dem Völkerbund teilweise kritisch gegenüber standen. Dieses Entgegenkommen löste wiederum bei den Amerikanern eine kritische Haltung gegenüber dem Völkerbund aus. Letztendlich wurde eine Verfassung, in Form von 26 Artikeln, angefertigt und mit in den Versailler Vertrag aufgenommen. Als dieser dann am 10.Januar 1920 in Kraft gesetzt wurde, nahm auch der Völkerbund seine Arbeit auf.

Die oben genannte These kann man meiner Meinung nach bestätigen, da die USA in der Gründungs- und Aufbauphase des Völkerbundes eine aktive Rolle spielten. Woodrow Wilson war stets bemüht Einfluss zu nehmen, um die Idee des Völkerbundes zu verwirklichen. Er versuchte auf Widerstände mit einem gewissen Entgegenkommen zu reagieren, um so möglichst viele Gegner des Bundes umzustimmen. Der Frieden war für ihn als amerikanischer Präsident das höchste Ziel.

2. These T. Woodrow Wilsons Versuch, die amerikanische Außenpolitik zu revolutionieren, war der Grund dafür, warum diese nie Mitglied des Völkerbundes wurden.

Wie in der ersten These bereits näher erläutert, war das Hauptanliegen Woodrow Wilsons, den Frieden auf der Welt und somit zwischen den einzelnen Staaten zu sichern. Seiner Ansicht nach solle Amerika bei dieser Sicherung eine Art Führungsrolle übernehmen. Viele Amerikaner waren jedoch anderer Meinung, sie wollten zwar den Frieden sichern, jedoch keinesfalls Mitglied des Völkerbundes werden. So verloren auch viele Senatoren das Vertrauen in ihren Präsidenten. Für sie war es unvorstellbar, sich dem Völkerbund als Nation unterzuordnen, da dies bedeuten würde, alle bisher verfolgten Prinzipien als nichtig zu erklären und die amerikanische Außenpolitik in eine völlig andere Richtung zu lenken. Gegen ein bisher gültiges Prinzip verstieß Wilson beispielsweise, als er sagte, dass es die Aufgabe Amerikas sei, sich aktiv in die Angelegenheiten anderer Völker einzumischen, um die Demokratie gewährleisten zu können. Dieser neue Gedanke bedeutete im Bezug auf die amerikanische Außenpolitik eine Revolutionierung, da er dem Gedanken der bisher gültigen Monroe Doktrin widersprach. Anstatt Amerika als unabhängig von den europäischen Mächten zu sehen, sollte Amerika von nun an alle Interessen anderer Nationen als die eigenen ansehen, um sich so aktiv für den Frieden einzusetzen. Amerika sollte sich also keinesfalls isolationistisch ausrichten. Woodrow Wilson sah in dem Eintritt in den Völkerbund und den damit verbundenen außenpolitischen Veränderungen keinen Widerspruch zur Monroe Doktrin, denn diese interpretierte er auf eine andere Art und Weise. Er sah in ihr nur die Garantie dafür, dass sich die europäischen Mächte nicht in die Angelegenheiten amerikanischer Staaten einmischen, sodass diese vor Kolonisation geschützt und unabhängig blieben.1 Cabot Lodge, Führer der republikanischen Senatsmehrheit, äußerte sich hingegen eindeutig gegen den Eintritt der USA in den Völkerbund. Er war der Meinung, dass sich die Monroe Doktrin keinesfalls mit dem Eintritt in den Völkerbund vereinbaren lasse. Dieser Meinung schlossen sich nicht nur die isolationistisch ausgerichteten Senatoren an. Um aber auch diese Kritiker aus den eigenen Reihen dem Völkerbund gegenüber positiv zu stimmen, setzte Woodrow Wilson, auch gegen massive Widerstände, Artikel 21 auf der Pariser Friedenskonferenz durch. Dieser besagt, dass sich die Monroe Doktrin und die Satzung des Völkerbundes nicht widersprechen. Doch Cabot Lodge genügte dieses Entgegenkommen nicht, er forderte weiterhin einen Zusatz zu Artikel 10 der Völkerbundssatzung. Dieser sollte die USA dazu berechtigen, die Monroe Doktrin nach eigenem Ermessen auszulegen und anzuwenden. Dies ging Wilson jedoch zu weit, sodass eine Einigung mit Cabot Lodge scheiterte. Nun äußerte sich auch Theodore Roosevelt kritisch gegenüber den von Wilson geforderten außenpolitischen Veränderungen. Er war der Meinung, dass Wilson nicht die Autorität habe, für das amerikanische Volk zu sprechen und in dessen Namen eigenständig Entscheidungen zu fällen, da die vertragschließende Gewalt immer noch der Senat sei.2

Sowohl am 19. November 1919, als auch am 19.März 1920 fanden nun zwei Abstimmungen statt, die sich äußerst negativ auf das erfolgreiche Voranschreiten des Völkerbundes auswirkten. Es waren die Abstimmungen, die in den USA über die Ratifizierung des Versailler Vertrags bestimmten. Laut amerikanischer Verfassung brauchte man eine Zweidrittelmehrheit der Senatoren, um diesen zu ratifizieren. Cabot Lodge hatte jedoch schon im Vornherein für eine kritische Stimmung gegenüber dem Völkerbund gesorgt, da er hoffte, so eine Zweidrittelmehrheit verhindern zu können. Dies gelang ihm auch, sodass der Versailler Vertrag nicht ratifiziert wurde. Folglich wurden die USA auch kein Mitglied des Völkerbundes. Cabot Lodge sah in diesem Fernbleiben der USA, einen massiven Machtverlust des Völkerbundes.3

Ich denke, dass die obigen Ausführungen meine zweite These belegen. Wilsons Zugeständnisse den europäischen Mächten gegenüber, hatten zur Folge, dass er das Vertrauen vieler Senatoren verlor. Dies führte letztendlich zu Beibehaltung der bisherigen Außenpolitik, die sich bewährt hatte.

[...]


1 H.Cabot Lodge, S.283

2 Internetartikel „Die Zeit“: Wlsons Vision, Amerikas Mission

3 The American Historical Review, Vol.45, Nr.3 - D.Llyod George - Memoirs of the Peace Conference S.651

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Amerika und der Völkerbund
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Einführung in das Studium der Neueren und Neusten Geschichte Weimarer Republik)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
6
Katalognummer
V90007
ISBN (eBook)
9783638036917
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Amerika, Völkerbund, Proseminar
Arbeit zitieren
Anna Hillebrand (Autor), 2007, Amerika und der Völkerbund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90007

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