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Wiederherstellung des katholischen Exerzitiums

Die Visitationsakten der Generalvikare Hartmann und Nicolartius aus den Jahren 1613 bis 1631/32 als normatives Instrumentarium zum konfessionellen Wandel im Niederstift Münster

Title: Wiederherstellung des katholischen Exerzitiums

Thesis (M.A.) , 2007 , 236 Pages , Grade: 1,5 (sehr gut)

Autor:in: Markus Schubert (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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1613- 1615 ist exemplarisch für die Thematik dieser Arbeit und auch für die Person des Ferdinand von Bayern (1577-1650). Sein Anliegen war es, die für die katholische Kirche schwierigen Verhältnisse im nördlichen Teil seines Bistums positiv zu verändern. Das Hauptziel Ferdinands war die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in seinem Herrschaftsbereich. Für das Gebiet des Niederstifts Münster erhielt sein Generalvikar Hartmann daher einen eindeutigen Auftrag. Diese Anweisung Ferdinands gibt Dr. Hartmann gleich zu Beginn seiner Aufzeichnungen wieder:

„Es beginnt das Protokoll und die Erörterung, auf welche Weise zur Zeit des durchlauchtigsten und gesegneten Fürsten und Herren Ferdinand, des Kölner Erzbischofs und Bischofs von Münster, der katholische Gottesdienst in den Kirchen des Emslandes wiederhergestellt werde.“

Welchen hohen persönlichen Stellenwert der münstersche Landesherr seinem Reformvorhaben beimaß, lässt sich daran erkennen, dass er mehrere Male persönlich ins Niederstift kam, um sich von den Fortschritten vor Ort zu überzeugen und seinem Generalvikar wichtige Impulse zu geben. So ermahnte der Fürstbischof den Generalvikar Hartmann bei seinem Besuch im März 1613 in Meppen, die lutherischen Prediger zu entfernen und durch katholische Priester zu ersetzen. Am 26. März nämlich war Dr. Hartmann von Meppen aus zu seiner ersten Visitationsreise aufgebrochen. Dabei sollte er die Geistlichen des Niederstifts auf ihre Tauglichkeit hin überprüfen.

Die vorliegende Arbeit widmet sich dem konfessionellen Wandel im Niederstift von der dortigen Einführung der Reformation im Jahr 1543, den münsterschen Anstrengungen zur Wiederherstellung des Katholizismus bis zur beginnenden Verankerung der bischöflichen Gegenmaßnahmen in der Bevölkerung im Niederstift 1703/ 1749. Hauptsächlicher Gegenstand sind die Visitationen der beiden münsterschen Generalvikare Hartmann und Nicolartius.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der historische Kontext

1.1 Die Quellen im historischen Kontext

1.2 Abriss der Ereignisse und Maßnahmen in den Protokollen

1.2.1 Die „revolutionäre Phase“: Die Visitationen des Generalvikars Hartmann 1613-1615

1.2.2 Die Konsolidierung in den Visitationen 1616-1620

1.2.3 Die Visitationen des Petrus Nicolartius 1622-1631

1.3 Die Personen

1.3.1 Die Bischöfe

1.3.1.1 Ferdinand von Bayern

1.3.1.2 Franz Wilhelm von Wartenberg

1.3.1.3 Christoph Bernhard von Galen

1.3.1.4 Clemens August von Bayern

1.3.2 Die Generalvikare

1.3.2.1 Johannes Hartmann (1613-1621)

1.3.2.1 Petrus Nicolartius (1621-1634)

1.3.2.3 Johann Kaspar Bordewick (1652-1721)

1.3.2.4 Egon Reichsfreiherr von Fürstenberg (1737-1761)

1.3.3 Die Multiplikatoren

1.3.3.1 Die Jesuiten

1.3.3.2 Die Lehrer

1.3.3.3 Die Amtleute

2. Der Prozess der Umsetzung der Ideale des Tridentinums im Niederstift

2.1 Das ideale Priesterbild des Konzils von Trient

2.1.1 Das Priesterbild des Guten Hirten

2.1.2 Die Übernahme des neuen Priesterideals im Niederstift

2.1.3 Die Visitation als Instrumentarium zur Disziplinierung des Klerus

2.1.4 Die Visitationspraxis

2.2 Die Fragenkataloge

2.2.1 Zweck, Stil und Aufbau von Interrogatorien

2.2.2 Die in den Fragenkatalogen des Nicolartius enthaltenen Prämissen

2.2.3 Die Rückschlüsse aus der Visitationspraxis anhand der Interrogatorien

2.3 Der Vergleich der Konfessionalisierung zwischen dem Niederstift Münster und dem Hochstift Osnabrück

2.3.1 Der Stand der Konfessionalisierung im Bistum Osnabrück 1624/25

2.3.2 Das Beispiel des Kirchspiels Schledehausen

2.3.3 Die weitere Entwicklung der Pfarrgemeinde Schledehausen

2.3.4 Der Vergleich der Visitationen Lucenius` im Hochstift Osnabrück und der Generalvikare Hartmann und Nicolartius im Niederstift

3. Verschiedene Ansätze der Forschung

3.1 Die kritische Auseinandersetzung mit den Ansätzen der Mentalitätsgeschichte

3.2 Die Voraussetzung: Konfessionstrennende Merkmale beim Bestattungs- und Ehedekret

3.3 Die Untersuchung der vorgefundenen Mentalität

3.4 Wie wurden die Initiativen der Visitatoren bei der Bevölkerung aufgenommen?

3.4.1 Die verschiedenen Formen des Widerstands und die Darstellung des Protests

3.4.2 Abklingender Widerstand

3.4.3 Instrumente des religiösen Wandels

3.4.4 Der Wandel des Bekenntnisses

3.5 Der Erfolg des konfessionellen Wandels

3.5.1 Die Bestandsaufnahme der Kommunikantenzahlen unter Franz Wilhelm von Wartenberg

3.5.2 Der Status animarum von Vechta 1703

3.5.3 Der Status animarum im Kirchspiel Meppen von 1749

4. Fazit und abschließende Bemerkungen

5. Anhang

5.1 Denkschrift des Generalvikars Dr. Hartmann über seine Visitationen im Niederstift Münster von 1613 – 1615

5.2 Visitationsakten 1 (1613-1615)

5.3 Visitationsakten 2 (1616)

5.4 Visitationsakten 4 (1618)

5.5 Visitationsakten 5 (1619)

5.6 Visitationsakten 6 (1620)

5.7 Visitationsakten 7 (1622/24)

5.8 Visitationsakten 8 (1625)

5.9 Visitationsakten 9 (1630)

5.10 Visitationsakten 10 (1631/32)

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den konfessionellen Wandel im Niederstift Münster zwischen der Einführung der Reformation im Jahr 1543 und der gefestigten Rekatholisierung im 18. Jahrhundert. Ziel ist es, mittels der Visitationsakten der Generalvikare Hartmann und Nicolartius nachzuvollziehen, wie die bischöflichen Reformbemühungen des Konzils von Trient in der Bevölkerung aufgenommen wurden und inwieweit diese zu einem mentalitätsgeschichtlichen Wandel führten.

  • Konfessionalisierungsprozess im Niederstift Münster im 17. und 18. Jahrhundert
  • Die Rolle der Visitationen als Instrument der bischöflichen Reform
  • Methodische Anwendung der Mikrogeschichte auf kirchliche Quellen
  • Widerstand und Akzeptanz bei Klerus, Adel und Bevölkerung
  • Entwicklung des katholischen Milieus im Emsland und Südoldenburg

Auszug aus dem Buch

Die Vechtaer Adeligen protestierten

Als wir aus dem Haus des Adeligen von Dorgelo herausgegangen sind, in der Mitte des Bredburg genannten Ausgangs liegend, hatte wir 12 oder mehr Adelige jener Präfektur, die uns durch einen Redner signalisierten, dass sie hoffen zu wünschen, dass wir nicht festhalten an der geplanten einzurichtenden Reform in der Stadt Vechta. Er wolle dringend bitten beim Durchlauchtigen und hoffen das seine Durchlaucht in der Verhandlung der Religion und des Gewissens ruhig sei, nicht aufwiegle.

Wir antworteten, dass wir deutliche Mandate hatten, sowohl von seiner Durchlaucht, als auch vom ehrwürdigen Kapitel und das von diesen uns nicht erlaubt worden sei, zurückzutreten: Daher rieten wir ihnen, uns nicht in unserem Vorschlag zu behindern.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der historische Kontext: Dieses Kapitel erläutert den zeitlichen und politischen Rahmen der Reformation und Gegenreformation im Niederstift, einschließlich der Rollen der Bischöfe und der Ereignisabfolgen.

2. Der Prozess der Umsetzung der Ideale des Tridentinums im Niederstift: Es werden die zentralen Reforminstrumente wie das tridentinische Priesterideal, Fragenkataloge und die Visitationspraxis untersucht, wobei auch ein Vergleich zum Hochstift Osnabrück erfolgt.

3. Verschiedene Ansätze der Forschung: Hier wird die Methodik der Mentalitätsgeschichte und Mikrohistorie diskutiert und auf die empirischen Daten der Visitationen und Seelenstandsregister angewendet.

4. Fazit und abschließende Bemerkungen: Das Fazit fasst die langfristigen Auswirkungen der Rekatholisierung auf die Region und das entstandene katholische Milieu zusammen.

5. Anhang: Der Anhang bietet eine detaillierte Edition der visitationsrelevanten Quellen, Denkschriften und Visitationsakten aus dem Untersuchungszeitraum.

Schlüsselwörter

Niederstift Münster, Konfessionalisierung, Katholische Reform, Visitation, Generalvikar, Tridentinum, Glaubenswandel, Mentalitätsgeschichte, Mikrogeschichte, Klerusdisziplinierung, Rekatholisierung, Emsland, Seelenstandsregister, Ferdinand von Bayern, Gegenreformation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit untersucht den konfessionellen Wandel im Niederstift Münster, ausgehend von der Reformation im Jahr 1543 bis zur gefestigten Rekatholisierung im 18. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen der Prozess der Konfessionalisierung, die Durchsetzung der tridentinischen Reformen durch bischöfliche Visitationen sowie die Reaktion der Bevölkerung auf diese Maßnahmen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu analysieren, wie die Kirche durch Reformmaßnahmen und Visitationen den katholischen Glauben im Niederstift wiederherstellen konnte und wie die Bevölkerung, der Klerus und der Adel darauf reagierten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor verwendet mikrogeschichtliche Ansätze und die Methode der Mentalitätsgeschichte, um die lokalen Auswirkungen der kirchlichen Politik anhand der Visitationsakten zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Rahmenbedingungen, das Priesterbild nach dem Konzil von Trient, die Visitationspraxis der Generalvikare Hartmann und Nicolartius sowie den mentalitätsgeschichtlichen Wandel in den einzelnen Pfarreien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Niederstift Münster, Konfessionalisierung, Katholische Reform, Visitation, Klerusdisziplinierung, Rekatholisierung und Seelenstandsregister.

Wie unterscheidet sich die Situation im Niederstift von der im Hochstift Osnabrück?

Das Niederstift wurde durch eine gezielte, münsterische Rekatholisierungspolitik geprägt, während Osnabrück nach 1648 eine Paritätslösung ("Alternat") mit einer religiös gemischten Führung und Bevölkerung entwickelte.

Welche Bedeutung haben die Visitationsprotokolle für die Forschung?

Sie dienen als zentrale Quellen, um den tatsächlichen Bekenntnisstand und die Umsetzung der Reformen vor Ort zu dokumentieren, auch wenn sie stark durch die obrigkeitliche Perspektive der Visitatoren geprägt sind.

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Details

Title
Wiederherstellung des katholischen Exerzitiums
Subtitle
Die Visitationsakten der Generalvikare Hartmann und Nicolartius aus den Jahren 1613 bis 1631/32 als normatives Instrumentarium zum konfessionellen Wandel im Niederstift Münster
College
Carl von Ossietzky University of Oldenburg  (Institut für Geschichte)
Grade
1,5 (sehr gut)
Author
Markus Schubert (Author)
Publication Year
2007
Pages
236
Catalog Number
V90008
ISBN (eBook)
9783638038737
Language
German
Tags
Wiederherstellung Exerzitiums
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Schubert (Author), 2007, Wiederherstellung des katholischen Exerzitiums, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90008
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