Jugendsprache in Spanien


Seminararbeit, 2007

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Charakteristika

3 Geschichte der Jugendkultur und Entstehung deren „Sprache“

4 Analyse der spanischen Jugendsprache
4.1 Wortbildung
4.1.1 Semantische Deformation
4.1.2 Metaphern
4.1.3 Dysphemismen
4.1.4 Suffigierung
4.1.5 Apokopen
4.1.6 Wortspiele
4.1.7 Anglizismen

5 Spanische und mexikanische Jugendsprache im Vergleich

6 lenguaje móvil

7 Zusammenfassung

8 Bibliographie

1 Einleitung

Obwohl die Jugendsprache keinesfalls ein Phänomen ist, welches erst in den letzten Jahren aufkam, ist sie noch unzureichend erforscht.

Bisher gibt es unter den Linguisten weder eine einheitliche Bezeichnung, noch eine konkrete Definition. Dennoch werde ich versuchen, in den folgenden Kapiteln einen angemessenen Überblick über die Entstehung der Jugendsprache, deren Geschichte und Merkmale zu geben. Des Weiteren werde ich mich an die Frage, inwieweit die Jugendsprache einen eigenständigen Substandard darstellt, herantasten und einen Vergleich zwischen der spanischen und mexikanischen Jugendsprache wagen.

2 Charakteristika

Wie bereits angedeutet, liegt bisher keine griffige Definition zur Jugendsprache vor.

Will man eine linguistische Einordnung vornehmen, so lässt sich zu Beginn sagen, dass die Jugendsprache eine Sonder- beziehungsweise Gruppensprache ist. Die exakte Abgrenzung beider Begriffe von einander gestaltet sich sehr schwierig und würde den Rahmen der Arbeit sprengen. Dennoch möchte ich an dieser Stelle jeweils eine Definition anführen:

„Sondersprachen entwickeln sich immer dort, wo spezifische Gruppen innerhalb einer Sozietät in Erscheinung treten: Solche Gruppen wollen oder müssen sich absondern – auch sprachlich. […] Ein Wesenszug der Sondersprachen ist ihr kryptologischer Charakter.“ (Betz 1992: 337)

Laut Niceforo (1972: 13) wird die Jugendsprache auch als Gruppensprache begriffen:

“Ogni associazione dalla normale alla criminale […]possiede queste forme di

gergo […]. Quanto più l’associazione ha bisogno di difesa contro l’ambiente

in cui agisce, tanto più cresce la organizzazione del gergo.”

Casado (1988: 101) hat den Versuch unternommen, Jugendsprache zu definieren:

„Por jergo júvenil entiendo un conjunto de fenómenos lingüisticas – la mayor parte de ellos relativos al lexico – que caracterizan la manera de hablar de amplios sectores juveniles con vistas a manifestar la solidaridad de edad y/o grupo. Estos sectores son, por lo general, estudiantiles y urbanos, y con una edad comprendida –

aproximadamente – entre los 14 y los 22 años.”

Da diese Definitionen recht allgemein ist, möchte ich an dieser Stelle noch ein Zitat von Zimmermann (1996: 484) anführen:

“El fenómeno tiene que determinarse entonces por las tres dimensiones : la dimensión oralidad, la dimensión edad (juventud) y la dimensión marginalidad.”

Der gravierende Einfluss des Alters auf die Sprache wird im Lexikon der romanistischen Linguistik jedoch relativiert:

„[…] la intervención de la edad […] parece mucho menos importante que otros factores, como pueden ser profesión, la distribución del trabajo, el grado de

instrucción, los ingresos y el lugar de residencia.” (Jiménez 1992: 268)

Vielmehr wird angeführt, dass der Parameter “Alter” lediglich eine Klassifikation der

Sprecher der Jugendsprache wäre (Jiménez: 269).

Umstritten ist auch die Eingrenzung des Begriffes „Jugend“. Henne hat diese unter Berück-sichtigung der körperlichen sowie der geistigen Reife folgendermaßen definiert: „Die Phase der Jugend liegt für den einzelnen zwischen biologischer Geschlechtsreife, also zwischen 12 bis 13 Jahren, und sozialer Reife, die vielfach mit 25 noch nicht erreicht ist.“ (Henne 1986: 202)

An dieser Stelle kommt die Frage auf, warum mittlerweile viele jugendsprachliche Wörter in die Umgangssprache eingegangen sind. Dies ist der Tatsache zu schulden, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der viele Menschen einem fast zwanghaften Jugendwahn nacheifern und somit auch die Sprache der Jugendlichen adaptieren. Das bedeutet zwar, dass die Jugend-sprache von der Gesellschaft instrumentalisiert wird, diese aber nur von den Jugendlichen neue Impulse zur Weiterentwicklung erfährt. Wieland (in: Henne 1986: 207) bezeichnete die Sprache als „eine Tochter des Bedürfnisses und ein Pflegekind der Geselligkeit“, womit der kontinuierliche Wandel der Jugendsprache mit dem Bedürfnis nach bewusster Abgrenzung gegenüber der „norma escolar, el estilo culto y la cultura de los adultos“ erklärt werden kann (Zimmermann 1996: 483). Die Jugendlichen nutzen ihren Jargon bewusst zur Selbstbestätigung beziehungsweise zur Betonung der gemeinsamen Identität und als „mecanismo de defensa“ (Rodríguez 1989: 142) gegenüber Außenstehenden.

Das Merkmal der Mündlichkeit, ist mit kleineren Einschränkungen zu betrachten. Durch die Nutzung des Internets, wurde die Jugendsprache in den zahlreichen Chats festgehalten. Der Verschriftung liegt zwar immer noch eine mündliche Konzeption zu Grunde, jedoch eröffnen sich auf diesem Wege ganz neue Formen der Sprachverfremdung, die im Kapitel 6 „lenguaje móvil“ genauer erläutert werden sollen.

Die Marginalität der Jugendsprache, welche Zimmermann angeführt hat, ist meiner Meinung nach nicht zu verallgemeinern. Sicherlich bedient sich die Jugendsprache zahlreicher Lexeme marginaler Gruppierungen, die Jugendlichen selbst stellen aber seltener eine Randgruppe der Gesellschaft dar. Deshalb fügt Zimmermann (1996: 484) des Weiteren hinzu: „Si los jóvenes son miembros de grupos marginados, llevan las características de la variedad diastrática respectiva.”

Im Allgemeinen lässt sich über die Charakteristika der Jugendsprache Folgendes sagen: die Grundlage bildet eine homogene Sprechergruppe, die durch das gemeinsame Alter geeint ist. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass es nicht nur eine Jugendsprache gibt, sondern eine große diatopische Varianz vorherrscht, welche im Kapitel 5 „Spanische und mexikanische Jugendsprache im Vergleich“ genauer dargestellt werden soll.

Eine Schwierigkeit stellt die Bezeichnung der spanischen Jugendsprache unter den Sprach-wissenschaftlern dar, da bisher keine eindeutigen Definitionen für die jeweiligen Begriffe vor-liegen: lenguaje juvenil, argot juvenil, gergo juvenil, jerigonza, pasota. Die ersten drei Benenn-ungen finden sich am häufigsten in der einschlägigen Literatur. Ich werde im Folgenden lenguaje juvenil verwenden, da die Begriffe argot und gergo meines Erachtens zu sehr eine Beeinflussung durch die Verbrecher- und Untergrundsprache implizieren.

3 Geschichte der Jugendkultur und Entstehung deren „Sprache“

Die Jugendsprache ist ein relativ junges Phänomen. In den 60ern kam es mit der Entstehung der Rock-/Pop-Kultur zu einer kulturellen Revolution. Die Suche der Jugendlichen nach ihrem Platz in der Gesellschaft mündete in einem Protest gegen die bis dahin vorherrschenden Werte der Gesellschaft und man schuf eine alternative Gegenkultur, die durch neue musikalische Ein-flüsse, einen eigenen Kleidungsstil, Drogen und orientalische Philosophie gekennzeichnet war. Die Gründung von Kommunen stellte dabei ein Extrem der Subkulturen mit eigenen Werten, Normen und sich daraus ergebenden sprachlichen Bedürfnissen dar. Die Jugendkultur in Spanien setzte erst in den 70ern mit dem so genannten „rollo“ ein.

Spätere Jugendbewegungen zeigten ihre Andersartigkeit weniger mit Hilfe von Symbolen in der Öffentlichkeit als ihre Vorreiter. (Sanmartín 1998: 200-201)

In den 90ern uferte das Ganze in einer Spaßgesellschaft, die sich an Hand von Äußerlichkeiten definierte. Körperkult und Ästhetik wurden groß geschrieben. Weitere Merkmale waren Technomusik und Alkohol- und Drogenkonsum.

Mit zunehmender Verbreitung neuer Kommunikationsmittel wurde die Verbreitung der Jugendsprache vereinfacht und erlangte überregionalen Einfluss. Heute ist die Jugendsprache bei Weitem nicht mehr auf eine Gruppe beschränkt, sondern hat Eingang in den Sprachge-brauch der gesamten Bevölkerung gefunden:

„Lo juvenil ha alcanzado una posición de privilegio en el comercio de los valores sociales: «Si hubo un tiempo en que la gente miraba a sus mayores como modelo a seguir en su forma de vida, sus modales, su lenguaje, a partir de ahora el mimetismo cambia de dirección y son los mayores los que imitan y pretenden parecerse a los jovenes» [...] En este context, las diferentes jergas juveniles «han incorporado un rico caudal de voces a la lengua popular y al habla coloquial de todos, constituyendo un fenómeno inédito en la historia de nuestra lengua»”

(Jiménez 1992: 269).

Eine Untersuchung von Zimmermann (2002: 244) hat ergeben, dass deutsche Jugendliche der Ansicht sind, mehr mit Jugendlichen aus anderen Ländern gemeinsam zu haben als mit Er-wachsenen des eigenen Landes, da man sich über Landesgrenzen hinaus über ähnliche Hobbys, Lebenssituationen und Probleme identifiziert.

4 Analyse der spanischen Jugendsprache

Die Jugendsprache ersetzt nicht die Muttersprache, in diesem Fall Spanisch, sondern instrumentalisiert diese lediglich, um neue Strukturen und Wörter in diese einzunisten wie ein Parasit.

Rodríguez (1989: 142) beschreibt die spanische Jugendsprache folgendermaßen:

„[…] [los jovenes] crean palabras nuevas, las deforman o dan nuevas acepciones a las ya existences, o bien las toman directmente de sociolectos marginales o lenguas extranjeras. Las diferentes afectan principalmente a la morfología y al

léxico, y en menor medida a la sintaxis y la fonética.”

Die Besonderheit der Jugendsprache liegt demnach hauptsächlich in der Lexik. Die Jugendlichen schaffen einen zusätzlichen gruppenspezifischen Wortschatz. „Entgegen der Annahme, die in manchen, vor allem jugend- und jugendsprachkritischen Erörterungen gemacht wurde, dass die Jugendsprache nur unnötige Dubletten von Lexemen hervorgebracht hätte […], ist davon auszugehen, dass spezifische, für die Kommunikation in dieser Lebenswelt notwendige neue oder partiell anders gelagerte Inhalte […] erfunden worden sind.“ (Zimmermann 2002: 244)

Durch die Kritik an der Gesellschaft sympathisieren die Jugendlichen oftmals mit marginalen Gruppierungen wie zum Beispiel mit denen aus der Drogenszene. Aufgrund dessen entlehnen sie häufig Lexeme aus marginalen Soziolekten, verändern dabei aber oftmals deren Bedeutung. Somit hat die Jugendsprache eine Vermittlerfunktion zwischen marginalen Jargons und der Umgangssprache inne, in welche viele jugendsprachliche Wörter übernommen werden. Durch den fließenden Übergang zur Umgangssprache fällt eine klare Definition der Jugendsprache schwer.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Jugendsprache in Spanien
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Romanistik)
Veranstaltung
Varietätenlinguistik des Spanischen
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V90013
ISBN (eBook)
9783638026857
ISBN (Buch)
9783638925341
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendsprache, Spanien, Varietätenlinguistik, Spanischen
Arbeit zitieren
Stefanie Schumann (Autor), 2007, Jugendsprache in Spanien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90013

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