Obwohl die Jugendsprache keinesfalls ein Phänomen ist, welches erst in den letzten Jahren aufkam, ist sie noch unzureichend erforscht.
Bisher gibt es unter den Linguisten weder eine einheitliche Bezeichnung, noch eine konkrete Definition. Dennoch werde ich versuchen, in den folgenden Kapiteln einen angemessenen Überblick über die Entstehung der Jugendsprache, deren Geschichte und Merkmale zu geben.
Des Weiteren werde ich mich an die Frage, inwieweit die Jugendsprache einen eigenständigen Substandard darstellt, herantasten und einen Vergleich zwischen der spanischen und mexikanischen Jugendsprache wagen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Charakteristika
3 Geschichte der Jugendkultur und Entstehung deren „Sprache“
4 Analyse der spanischen Jugendsprache
4.1 Wortbildung
4.1.1 Semantische Deformation
4.1.2 Metaphern
4.1.3 Dysphemismen
4.1.4 Suffigierung
4.1.5 Apokopen
4.1.6 Wortspiele
4.1.7 Anglizismen
5 Spanische und mexikanische Jugendsprache im Vergleich
6 lenguaje móvil
7 Zusammenfassung
8 Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung der Jugendsprache in Spanien. Das primäre Ziel ist es, die Entstehung, Charakteristika und die sprachliche Struktur dieses Phänomens zu analysieren, wobei insbesondere die Rolle von Wortbildungsprozessen sowie der Einfluss digitaler Kommunikationsmittel untersucht werden.
- Charakteristika und Definitionsproblematik der Jugendsprache
- Geschichte der Jugendkultur und ihrer Sprache
- Strukturanalyse: Wortbildung (u.a. Metaphern, Suffigierung, Anglizismen)
- Vergleich der spanischen und mexikanischen Jugendsprache
- Einfluss neuer Medien auf die Verschriftlichung (lenguaje móvil)
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Semantische Deformation
Laut dem Strukturalismus besteht keine Beziehung zwischen signifié (Bedeutung) und signifiant (Lautung) eines Wortes; d.h. sie wurden einander willkürlich zugeordnet. Diese Tatsache machen sich die Jugendlichen unbewusst zu Nutze, indem sie bereits bestehenden Lautungen eine neue semantische Entsprechung geben: sie hebeln die ursprüngliche Bedeutung eines Wortes aus um diese durch eine neue zu ersetzen. Mit Hilfe dieser semantischen Deform-mation schaffen sie Homophone - Wörter, die zwar dieselbe lautliche Realisierung, aber eine andere Bedeutung und teilweise Orthographie aufweisen. Durch die scheinbare Verständlich-keit der Wörter werden Außenstehende folglich bewusst in die Irre geführt und so ein Bruch mit der Gesellschaft herbeigeführt. Rodríguez (1989: 163) erläutert dieses Verfahren folgendermaßen: „[…] bien estableciendo una nueva relación entre significante y significado, lo cual se traduce en una enorme polisemia que depara nuevos o inevitables ‘ruidos’ al acto de la comunicación, especialmente al receptor adulto o extraño al grupo cuya confusión en parte se pretende.”
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Jugendsprache ein, betont die unzureichende Erforschung und stellt die Forschungsfrage nach dem Status als Substandard sowie den Vergleich zwischen Spanien und Mexiko vor.
2 Charakteristika: Hier wird die Jugendsprache als Sonder- oder Gruppensprache eingeordnet, verschiedene Definitionsansätze diskutiert und der Einfluss von Alter, Identitätssuche und Abgrenzung gegenüber der Erwachsenenwelt beleuchtet.
3 Geschichte der Jugendkultur und Entstehung deren „Sprache“: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von der 60er-Jahre-Protestkultur bis hin zur Spaßgesellschaft der 90er Jahre nach und erläutert, wie sich sprachliche Bedürfnisse durch Subkulturen entwickelten.
4 Analyse der spanischen Jugendsprache: Dieses Hauptkapitel untersucht die morphologischen und lexikalischen Besonderheiten der spanischen Jugendsprache und deren parasitäre Instrumentalisierung der Standardsprache.
4.1 Wortbildung: Dieser Abschnitt analysiert detailliert die verschiedenen Mechanismen der Wortneuschöpfung und Sprachverfremdung, die zur Bildung des gruppenspezifischen Jargons führen.
4.1.1 Semantische Deformation: Es wird erläutert, wie durch die Änderung der Bedeutung bei gleichbleibender Lautung Homophone erzeugt werden, um Außenstehende bewusst zu täuschen.
4.1.2 Metaphern: Dieser Teil beschreibt die bildliche Sprache als Herzstück des Jargons, die besonders häufig im Drogenmilieu Anwendung findet.
4.1.3 Dysphemismen: Hier wird der Einsatz von Schimpfwörtern und Vulgarismen zur Verstärkung von Aussagen und zur Erzeugung eines abwertenden oder humoristischen Tons analysiert.
4.1.4 Suffigierung: Dieses Kapitel behandelt die Verschleierung von Wortbedeutungen durch das Anhängen von Affixen, insbesondere das häufige Suffix -ata.
4.1.5 Apokopen: Hier wird die Kürzung von Wörtern aus Gründen der Sprachökonomie und die damit verbundene Akzentverschiebung beschrieben.
4.1.6 Wortspiele: Dieser Abschnitt untersucht den ironischen oder pejorativen Gebrauch von Wörtern mit ähnlicher Lautung.
4.1.7 Anglizismen: Es wird dargelegt, wie englische Begriffe durch Lehnübersetzungen oder direkte Übernahme in die spanische Jugendsprache integriert werden.
5 Spanische und mexikanische Jugendsprache im Vergleich: Ein Vergleich der beiden Varietäten anhand des Drogenwortschatzes zeigt die starke diatopische Divergenz trotz formaler Ähnlichkeiten in den Wortbildungsprozessen.
6 lenguaje móvil: Dieses Kapitel befasst sich mit der Verschriftlichung der Jugendsprache durch SMS und Chats, wobei Merkmale wie Abkürzungen, Zeichenersatz und Lautumschriften erläutert werden.
7 Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass die Jugendsprache durch das Alter geeint ist, diatopisch stark variiert und als ständige Weiterentwicklung („perpetuum mobile“) verstanden werden muss.
8 Bibliographie: Das Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, Spanien, Mexiko, Soziolekt, Wortbildung, Semantik, Metapher, Dysphemismus, Sprachwandel, lenguaje móvil, SMS-Sprache, Gruppensprache, Diatopische Variation, Identität, Jugendkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die linguistischen Strukturen und Merkmale der Jugendsprache im spanischsprachigen Raum, mit besonderem Fokus auf Spanien und einem Vergleich zu Mexiko.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Definition der Jugendsprache, ihre Entstehungsgeschichte, spezifische Wortbildungsprozesse, der Einfluss neuer Medien auf die Verschriftlichung sowie der Vergleich unterschiedlicher nationaler Varietäten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist ein Überblick über die Merkmale der Jugendsprache sowie die Untersuchung, inwieweit sie einen eigenständigen Substandard darstellt, der die Standardsprache instrumentalisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse und vergleichende Untersuchung bestehender linguistischer Aufsätze sowie die Auswertung spezifischer Internetquellen zur digitalen Jugendsprache.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Wortbildungsmethoden (Deformation, Metaphern, Suffigierung etc.), einen Vergleich des Drogenwortschatzes zwischen Spanien und Mexiko sowie eine Untersuchung der digitalen Kommunikationsformen (lenguaje móvil).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Jugendsprache, Wortbildung, Soziolekt, Gruppensprache, Semantik und Sprachwandel.
Wie unterscheidet sich die spanische von der mexikanischen Jugendsprache laut der Analyse?
Obwohl die morphologischen Verfahren ähnlich sind, zeigt der Vergleich des Wortschatzes – insbesondere im Bereich der Drogenbezeichnungen – eine sehr hohe Divergenz von etwa 99 %.
Welchen Einfluss haben neue Medien auf die Jugendsprache?
Durch SMS und Internet-Chats ist eine neue Form der Verschriftlichung entstanden (lenguaje móvil), die durch ökonomische Abkürzungen, Zahlen und Symbole gekennzeichnet ist und von der standardisierten Orthographie abweicht.
Warum wird die Jugendsprache als „perpetuum mobile“ bezeichnet?
Der Begriff beschreibt die ständige Weiterentwicklung der Jugendsprache, da Jugendliche ein dauerhaftes Bedürfnis nach Abgrenzung gegenüber Erwachsenen haben, was zu kontinuierlichen Wortneuschöpfungen führt.
- Quote paper
- Stefanie Schumann (Author), 2007, Jugendsprache in Spanien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90013