Möglichkeiten und Grenzen der Beeinflussung des Gesundheitsverhaltens bei sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen


Hausarbeit, 2004

10 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung:

1. Interventionen an aktiv teilnehmenden Zielgruppen:
1.1. Die fünf Stadien der Verhaltensänderung:

2. Interventionen, die Veränderungen von Lebensumwelt beinhalten:

3. Veränderungen von Lebens und Umgebungsbedingungen:

4. Intervention, die für die Zielgruppe mit einer Einschränkung des Entscheidungsspielraums oder mit Sanktionen verbunden sind:

Zusammenfassung:

Literatur:

Einleitung:

Den Versuch die soziale Ungleichheit verschiedener gesellschaftlicher Schichten zu beseitigen, gibt es schon seit Jahren. Sehr stark damit verknüpft, ist auch die Ungleichheit bei der gesundheitlichen Versorgung und der damit verbundene schlechtere allgemeine Gesundheitszustand solcher Schichten. In Großbritannien wurde seit 1980 über die gesundheitliche Ungleichheit diskutiert, und auf Grund dessen ein Ministerium für Public Health geschaffen. Die Schwerpunktaufgabe des Ministeriums war es, die gesundheitliche Ungleichheit zu reduzieren. Das Problem was sich hier stellt ist, dass nicht alle vorgenommenen Maßnahmen immer direkt an der Zielgruppe ankommen. Und wenn die Zielgruppe erreicht wird, ist immer noch nicht sichergestellt ob die angedachten Maßnahmen auch bei ihr angenommen werden, oder ob diese einfach wirkungslos verpuffen.1 Es ist meines Erachtens auch Trend abhängig wann und wie auf eine Gesundheitsstörung reagiert wird. So sind manche Verhaltensweisen modeabhängig, oder haben ein Vorbild, welches den entsprechenden Trend auslöst. So verwendet die mediterrane Küche überwiegend Olivenöl als Speiseöl. Jetzt ist aber nicht gleich davon auszugehen, dass jeder, der Olivenöl verwendet, verbesserten Gesundheits- und Ernährungsbedingungen ausgesetzt ist, denn die sind stark an das Produkt und dessen Herstellungsverfahren gebunden. Das ist z.B. bei „Extra Nativen“ Olivenölen der Fall, welches sich die untere soziale Schicht nicht leisten kann, weil anders hergestellte Olivenöle billiger sind. Somit relativiert sich recht schnell die positive Wirkungsweise des Olivenöls.

1. Interventionen an aktiv teilnehmenden Zielgruppen:

Hier sind vor allem Gruppen gemeint die aktive teilnehmen. Die Intervention richtet sich nicht an die gesamte Bevölkerung. Beispielsweise Maßnahmen zur Herzinfarktprävention, Maßnahmen zur Reduzierung des Rauchens, zum Kondomgebrauch zur Verhütung von HIV- Infektionen. Der Schwerpunkt solcher Programme liegt in der Informationsverteilung die über die Massenmedien erfolgt. Und zusätzlich noch über interpersonelle Kontakte zur Zielgruppe. Ein weiterer Versuch wurde in Finnland gestartet. Diesmal ging es um Präventionsmaßnahmen für Typ2- Diabetes, wobei bei den Probanden ein hohes Diabetesrisiko und Übergewicht bestand. Weitere Erkrankungen sollten die Probanden nicht aufweisen. Hierbei wurden 522 Männer und Frauen per Zufallszuweisung in eine Interventionsgruppe und in eine weitere Kontrollgruppe eingeteilt.2 Dennoch ist dies mit der Gefahr verbunden, dass die Massenmedien, je nach Programmmuster, immer nur spezielle Zielgruppen anspricht, nicht jedoch gleich jede soziale Schicht. Denn die Unterschiedlichen Medien werden von den verschiedenen sozialen Schichten, in unterschiedlicher Ausprägung genutzt. Somit besteht auch die Gefahr, dass ein Gegentrend entsteht oder sogar eine Art Trotzreaktion im Verhalten. Darüber hinaus kann auch die Werbung direkt in Form einer „Guerilla Taktik“ mit dem Slogan werben „Ich rauche gern“. Was einen absoluten kontraproduktiven Effekt aufweist.

1.1. Die fünf Stadien der Verhaltensänderung:

1. Wissensvermittlung: Individuen nehmen Informationen auf und erkennen den möglichen Nutzen sowie die Umsetzungsmöglichkeiten für sich selbst.
2. Überzeugung: Individuen bilden sich eine zustimmende oder ablehnende Haltung.
3. Entscheidung: eine Entscheidung zur Übernahme oder zur Ablehnung wird getroffen.
4. Implementation: Individuen setzen die Maßnahmen um und verändern ihr verhallten
5. Bestätigung: Individuen suchen Bestätigungen für ihre Entscheidungen.3

Diese fünf Stadien werden in der Bevölkerung nicht kontinuierlich durchlaufen. Neben individuellen Merkmalen sind es Gruppeneigenschaften, welche die Bereitschaft für die Übernahme von Maßnahmen bestimmen. An dieser Stelle zeigt sich wiederum die soziale Ungleichheit. Angehörige unterer sozioökonomischer Gruppen gehören seltener zu den Innovatoren.4 Dies ist meines Erachtens eine Ursache des individuellen Wohnumfeldes und die der Vorbilder. Leben Eltern schlechte Lebensgewohnheiten vor, werden diese von den Kindern als gängige Norm angesehen, und imitiert. Ein früher oder später auftretender Gruppenzwang ist dann ebenfalls nicht auszuschließen wenn unterschiedliche Personen aus verschiedenen Haushalten bei ihren sozialen Kontakten ebenfalls mit diesen negativen Verhaltensmustern konfrontiert werden. Die ist sicherlich dann der Fall, wenn Wohngebiete überwiegend die gleiche soziale Schicht aufweisen.

Das zentrale Merkmal hier ist die Bildung, wobei mit dem Bildungsgrad auch die Bereitschaft steigt, Neuerungen zu übernehmen.

Damit einhergehen:

- Positive Einstellung zu Veränderungen
- Fähigkeiten, mit Unsicherheiten und mehrdeutigen Situationen umgehen zu können.
- Ein geringeres Maß an Fatalismus, mit Unsicherheiten und mehrdeutigen Situationen umgehen zu können.
- Ein hohes Maß an Vernetzung mit Individuen aus unterschiedlichen Bereichen.
- Bereitschaft, aktiv nach Informationen zu suchen.5

Diese Punkte zeigen, dass ein gutes Bildungssystem, beginnend in der Kindertagestätte über die Grundschule bis in die Berufsschulen, unabdingbar ist. Nur ein kontinuierliches, regelmäßiges, im Schulunterricht gelehrtes und gelebtes Gesundheits- sowie Umweltbewusstsein, kann die Volksgesundheit langfristig auch bei den sozial schwachen Bevölkerungsschichten verbessern.

2. Interventionen, die Veränderungen von Lebensumwelt beinhalten:

Hierbei ist keine aktive Mitwirkung der Zielgruppe erforderlich. So wurde in einer Studie mit Kindern als Zielgruppe, in Großbritannien, durch Trinkwasser Fluoridierung herausgefunden, dass diese eine bessere Zahngesundheit aufwiesen. In diesem Zusammenhang konnte auch bewirkt werden, dass die soziale Ungleichheit neutralisiert wurde. Ähnliche Erfolge haben auch bauliche Veränderungen, die dazu führen dass Kinder weniger Unfälle haben. Schutzimpfungen zählen ebenfalls dazu. Die gilt auch für Maßnahmen der Unfallprävention am Arbeitsplatz. Darüber hinaus gilt, dass solche Maßnahmen gegenwärtig den größten Wirkungsgrad aufweisen.

- Sie erfordern für Angehörige der Zielgruppen keine oder kaum zusätzliche Anstrengungen, um den Gesundheitsschutz zu verbessern.
- Sie sind Teil des Alltags und erfordern keine Modifikation eingelebter Verhaltensweisen.
- Sie erfordern, im Gegensatz zu Umstellungen des Lebensstils, keine Überzeugungsarbeit.
- Sie erfordern kein Erlernen neuer Verhaltensweisen
- Barrieren, die üblicherweise die Inanspruchnahme beeinträchtigen, sollten unwirksam sein. Etwa die finanzielle Lage oder ungünstige Arbeitszeiten.

Veränderungen der Umwelt führen jedoch nicht pauschal zum Abbau von gesundheitlichen Benachteiligungen.6 Sicher sind solche Maßnahmen leichter umzusetzen als die gezielte Prävention für Zielgruppen. Dennoch halte ich einen grundsätzlichen Einsatz in manchen Bereichen für sehr bedenklich. Bei der Trinkwasser Fluoridierung würde man in Deutschland eindeutig mit dem Grundgesetz in Konflikt geraten, wenn man solche Maßnahmen einsetzt. Ein ähnliches Beispiel finden wir auch in der Schweiz, wo grundsätzlich nur jodiertes Speisesalz verkauft und in der Gastronomie verwendet werden darf.

3. Veränderungen von Lebens und Umgebungsbedingungen:

Untersuchungen, die gesundheitliche Ungleichheit zum Gegenstand haben, verwenden als Indikatoren für die sozioökonomische Position meist den beruflichen Status, die schulische Qualifikation oder das Einkommen. Das Einkommen steht für unterschiedlich ausgeprägte Optionen. Das Erreichen einer möglichst hohen Schulbildung oder einer möglichst hohen Qualifikation ist gesellschaftlich erwünscht. Schulbildung hat eine Platzierungsfunktion für beruflichen Status und für die Chancen, ein höheres Einkommen zu erzielen. Der berufliche Status hat langfristig einen erheblichen Einfluss auf das Denken und Wahrnehmen der sozialen Umwelt.7 Daher sollten meines Erachtens auch alle Maßnahmen ergriffen werden, die das berufliche Weiterkommen der einzelnen sozialen Schichten ermöglichen. Nur wenn hier so früh wie möglich den Bildungswilligen Wege öffnet werden, ist mit einer langfristigen Verbesserung des beruflichen Status des Einzelnen sowie dessen Nachkommen zu rechnen. Bedauerlicherweise sind hier schlechte Vorbilder immer noch ein Hemmschuh, der mit den unterschiedlichsten Methoden angegangen werden muss.

Der Faktor „Soziale Schicht“ besteht je nach seiner soziologischen Definition aus einer Kombination unterschiedlicher Indikatoren der sozialen Lage von Bevölkerungsgruppen ( wie z.B. Beruf, Einkommen, Ausbildung, Wohngegend). Dabei ist es häufig schwierig den Einfluss der einzelnen Faktoren bestimmten Verhaltensweisen wie Ernährungsgewohnheiten oder Krankheitsverhalten, in der jeweiligen Bedeutung für die Krankheitsentstehung zu unterscheiden.8 Unabhängig von der Zuordnung ist aber grundsätzlich davon auszugehen, dass untere soziale Schichten weniger finanziellen Ressourcen haben, ebenso fällt es ihnen schwerer die hierfür erforderliche Zeit für gesundheitsförderliche Maßnahmen zur Verfügung zu stellen. Deshalb gilt: Die unteren Schichten sind in allen Altersklassen gesundheitlich benachteiligt. Während die Lebenserwartung in den oberen Sozialschichten zugenommen hat, ist sie in den unteren Sozialschichten gleich geblieben oder hat sich sogar verringert. Und darüber hinaus nutzen Angehörige unterer Sozialschichten die Gesundheitsdienste im Verhältnis zu ihren Gesundheitsproblemen seltener.9 Reichtum sammelt sich oben, Risiko unten.

[...]


1 Vgl. Geyer, Siegfried: Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheit

2 Vgl. Geyer, Siegfried: Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheit

3 Vgl. ebd.

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. Geyer, Siegfried: Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheit

6 Vgl. Geyer, Siegfried: Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheit

7 Vgl. Geyer, Siegfried: Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheit

8 Vgl. Waller, Heiko: Sozialmedizin. Grundlagen und Praxis.

9 Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten und Grenzen der Beeinflussung des Gesundheitsverhaltens bei sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Gesundheitswissenschaft)
Veranstaltung
MPH 27 Vertiefungsveranstaltung Gesundheitspädagogik und -psychologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
10
Katalognummer
V900224
ISBN (eBook)
9783346189769
ISBN (Buch)
9783346189776
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheit, Pädagogik, Psychologie, Gesundheitswissenschaft, Gesundheitsverhalten, Bevölkerungsgruppen, Beeinflussung, Lebensumwelt, Sanktionen, Umwelt, Bedingungen, Verhalten, Intervention, Sozial, Ungleichheit, Erkrankungsrisiken, Rauchverbot, Prävention, Rauchen, Massenmedien, Gruppen, Sozioökonomie, Ablehnung, Merkmale, Innovatoren, Eltern, Gruppenzwang
Arbeit zitieren
Stefan Schrank (Autor), 2004, Möglichkeiten und Grenzen der Beeinflussung des Gesundheitsverhaltens bei sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/900224

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