Karl V. und Isabella von Portugal. Vergleich der Verbindung der rivalisierenden Königreiche Spanien und Portugal nach der Hochzeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

15 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur gemeinsamen Vorgeschichte
2.1 Der Vertrag von Alcáҫovas
2.2 Der Vertrag von Tordesillas

3. Die Heiratspoltik der Habsburger

4. Karl V
4.1 Karls Eheprojekte
4.2 Karl V. und Isabella von Portugal

5. Der Vertrag von Saragossa

6. Portugals Abhängigkeit von Spanien

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die im Jahre 1526 stattgefundene Hochzeit Karls V. und Isabellas von Portugal war eine geplante, politische Partnerschaft, die auf die taktische Heiratspolitik der Habsburger zurückging. Durch das Erheiraten von Territorien ebnete sich die Familiendynastie den Aufstieg zu einer Universalmonarchie.1 Die Ehe mit Isabella sollte zunächst Karls persönlichen, politisch motivierten Interessen dienen, jedoch zugleich auch die Verbindung zum einst verfeindeten Königreich Portugal stärken.2 Um Karls Wahl nachvollziehen zu können, sollen in dieser Arbeit die Motive Karls für die Entscheidung für dieses Eheprojekt aufgegriffen werden.

Der Fokus dieser Untersuchung liegt vor allem auf dem 16. Jahrhundert, da die beiden Persönlichkeiten in diesem Zeitraum lebten und auch heirateten. Ziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkung, welche die Heirat auf die Verbindung der rivalisierenden Königreiche hatte, zu betrachten. Um herauszufinden, ob sich diese Beziehung verbessert, verschlechtert oder gar kaum verändert hat, soll auf die Vorgeschichte beider Parteien eingegangen werden, um auch die Gründe für die Konkurrenzsituation besser verstehen zu können. Hierbei soll sich größtenteils auf das 15. Jahrhundert beschränkt werden.

Neben den ausführlichen Arbeiten zu Kaiser Karl V., den Habsburgern und ihrer Heiratspolitik, scheinen die Werke, die Isabella von Portugal und ihre Heirat mit dem spanischen Habsburger thematisieren, weit weniger zahlreich auszufallen. Während die Publikationen zu Karl V. seit 2000 aufgrund des 500. Geburtstagsjubiläums des Kaisers erneut zugenommen haben3, lassen sich zu Isabella größtenteils Einträge in Personenlexika und Monographien finden, wie zum Beispiel die nur kurze Erwähnung in der Einzelschrift „Die Frauen der Habsburger“ verdeutlicht. Um Erkenntnis über dieses Eheprojekt zu gewinnen, sind Gesamtdarstellungen zu Karls V. Leben, wie das von Hugo Soly herausgegebene Sammelwerk „Karl V. und seine Zeit“ aufschlussreich. Auch die immer wieder aktualisierten Überblicksdarstellungen zur Iberischen Halbinsel unterrichten den Leser über die Verbindung der beiden Königreiche vom Spätmittelalter bis zur Neuzeit, wie zum Beispiel die 2015 erschienene, aktualisierte Auflage der Monographie „Geschichte Portugals“4 von Walther L. Bernecker und Horst Pietschmann oder „Spanische Geschichte“5 von Bernecker.

2. Zur gemeinsamen Vorgeschichte

Die Anfänge der Konfliktsituation zwischen den beiden Großmächten Portugal und Spanien reichen bis in die Zeit vor Karls V. Regentschaft zurück. Zu diesem Zeitpunkt bestand das Königreich Spanien6 noch nicht. Im Norden des spanischen Teils der Iberischen Halbinsel bildeten sich einzelne unabhängige Königreiche, die sich aufgrund ihres christlichen Glaubens vom islamischen Herrschaftsbereich, dem der Großteil des Territoriums zustand, loslösen wollten.7 Nach ihrer Unabhängigkeit suchten diese Königreiche nach Expansionsmöglichkeiten, woraufhin Kastilien im Laufe des 14. Jahrhunderts die Kanarischen Inseln einnahm. Diese Entscheidung führte zu einer Konkurrenzsituation mit der Großmacht Portugal, das ebenfalls Ansprüche auf die Inseln geäußert hatte.8 Zu Zeiten der Reconquista, der Rückeroberung des südlichen Teils der Iberischen Halbinsel von muslimischen Herrschern, war Spanien das „Gebiet des Heiligen Krieges [...] in der westlichen Islamwelt“9.10 Während die spanischen Christen in den Kampf gegen die Muslime verwickelt waren, etablierte Portugal seine Macht im atlantischen Raum und entwickelte sich zur führenden Seemacht. Nach Abschluss der Rückeroberung ihrer Gebiete 1492 konnten die Katholischen Könige nun erneut den „Wettlauf um die Herrschaft zur See“ aufnehmen.11

Auch die geographische Lage spielte bei den Auseinandersetzungen der beiden Mächte eine Rolle. Da Portugal, hinsichtlich seiner geographischen Gegebenheiten, stärker dem Ozean zugewandt war und auch heute noch ist, war dies auch der Bereich, in dem das Königreich seine Herrschaft ausweiten wollte. Außerdem waren Konflikte oftmals unumgänglich, da Portugal und Kastilien direkte Nachbarn waren.12 Streitpunkt war zum Beispiel die mehrmals versuchte Einnahme der ehemals römischen Provinz Lusitanien durch Spanien.13 Aber auch bereits im späten 9. Jahrhundert trafen Spanien und Portugal zu Zeiten der Reconquista aufeinander. 868 wurde die Stadt Portucale, die später den Namen des Landes stiften sollte, von König Alfons III. erobert. Darauf folgte die Zugehörigkeit Portugals zum leonesischen Kaisertum, die erst mit dem Aufgeben Leóns des Anspruchs der Vorherrschaft über Portucale im Jahre 1166 endete.14

In der Vorzeit vor Karls V. und Isabellas Hochzeit wurden unterschiedliche Verträge zwischen den beiden Streitparteien geschlossen, die den Konflikten ein Ende bereiten und die Verbindung der rivalisierenden Mächte stärken sollten. Zu diesen Verträgen gehören unter anderem der Vertrag von Toros de Guisando, der Vertrag von Alcáҫovas und der Vertrag von Tordesillas, auf die in dieser Untersuchung vorerst genauer eingegangen werden soll.

2.1 Der Vertrag von Alcáҫovas

In den 60er Jahren des 15. Jahrhunderts wurde in Kastilien ein Erbfolgekrieg geführt, ein militärischer Konflikt zwischen Alfons V. von Portugal an der Seite Johannas von Kastilien gegen Isabella I. von Kastilien. Auslöser waren die Frage nach einem Nachfolger für Heinrich IV. aus dem Haus Trastámara sowie die Unzufriedenheit des Adels und sein Verhältnis zur Monarchie.15 Bereits 1468 wurde durch den Vertrag von Toros de Guisando die Anerkennung Isabellas als legitime Thronfolgerin festgelegt.16 Nach dem Tod Heinrichs IV. übernahm seine Halbschwester 1474 die Krone Kastiliens und regierte fortan, mit ihrem Mann Ferdinand, dem Sohn von König Johann II. von Aragonien an ihrer Seite, das Königreich Kastilien. Dies jedoch nicht zur Freude eines jeden, da die Rolle Isabellas als Thronfolgerin umstritten war. König Alfons V. von Portugal rebellierte gegen diese Aktion, da er Johanna, die Tochter Heinrichs IV. als dessen legitime Erbin anerkannte und sich deshalb dazu bereit erklärte, ihren Thronanspruch militärisch zu verteidigen. Die Tatsache, dass Alfons bei diesem Unternehmen Unterstützung des kastilischen Adels erlangte, machte aus der dynastischen Auseinandersetzung zeitgleich einen Kampf des Adels um seine Position im Reichsgefüge.17

Isabella und Ferdinand konnten den Krieg schließlich für sich entscheiden und unterzeichneten daraufhin den, das Ende des Kastilischen Erbfolgekriegs markierenden, Vertrag von Alcáҫovas im Jahre 1479. Der Vertrag sollte die „Unveränderlichkeit der Grenzen“ der zwei Parteien bestätigen sowie die Verbindung zwischen Kastilien und Portugal wiederherstellen und stärken.18 Neben dynastischen Fragen wurden in diesem Vertrag aber auch wirtschaftliche und territoriale Ansprüche geklärt. Um Portugal von seinen Erbansprüchen in Kastilien abzubringen, machte Kastilien dem Königreich wirtschaftliche Zugeständnisse im Atlantik. Die damit festgelegte Ost-West-Linie auf der Höhe Kap Bojadors steigerte die Erfolge des maritimen Handelsimperiums Portugal, da Kastilien sich mit der Unterzeichnung des Vertrags dazu verpflichtet hatte, südlich der Linie auf „Schifffahrt, Fischfang und Handel“ zu verzichten.19. Der Vertrag sicherte Kastilien hingegen die Herrschaft über die umstrittenen Kanarischen Inseln, welche sich noch als strategisch wichtig für die Fahrt in den westlichen Atlantik erweisen sollten.20

2.2 Der Vertrag von Tordesillas

Der als „Teilung der Welt“21 in die Historiographie eingegangene Vertrag, dessen Originaltext verloren gegangen ist, sollte die spanischen und portugiesischen Einflusszonen in der Welt definieren und eine bewaffnete Konfrontation der zerstrittenen katholischen Mächte verhindern.22

Nachdem Christopher Kolumbus 1492 die Bahamas, Cuba und Española entdeckt hatte, wendeten Ferdinand und Isabella sich an den Papst Alexander VI., der ihnen die Kontrolle und Rechte über diese Territorien sichern sollte .23 Allerdings beanspruchte auch König Johann II. von Portugal die neu entdeckten Gebiete für sich und basierte sich dabei auf den 1479 geschlossenen Vertrag von Alcáҫovas.24 1493 wurden die päpstlichen Bullen erlassen., die Spanien „lands already discovered and to be discovered“25 zuschrieben. Im Gegenzug wurden Portugal jene Gebiete überlassen, die sich bereits im Herrschaftsbereich Johanns II. befunden hatten. Eine der Bullen enthielt die Forderung nach einer Errichtung einer „line of demarcation“, die die Welt in zwei Teile gliedern sollte. Diese Abgrenzungslinie sollte die Umsetzung von Kolumbus Vorstellungen sein, denn „The line of demarcation was the brain child of Columbus“.26

Portugal missfiel das von seinen Rivalen eingeleitete Abkommen mit dem Papst, da das Königreich bereits ein Drittel der Welt und die von Kolumbus entdeckten Gebiete für sich beansprucht hatte. Bevor Portugal zu gewaltsamen Maßnahmen übergehen konnte, rief Spanien zu einer Verhandlung auf, in der die umstrittenen Forderungen besprochen werden konnten. Aus diesem Zusammentreffen der Großmächte resultierte der „long-lived and troublesome“ Vertrag von Tordesillas von 1494. Im Vertrag fand sich keine Erwähnung vorheriger „popal grants“ oder Teilungen, sondern nur die Festsetzung einer von Pol zu Pol verlaufenden Linie im Atlantik und das Recht Spaniens auf die Gebiete im Westen und den Anspruch Portugals auf die östlich der Linie liegenden Territorien. Da Portugal sich der päpstlichen Linie widersetzt hatte wurde ein Kompromiss getroffen und die Linie wurde ungefähr 300 Meilen westlich der Kapverdischen Inseln festgelegt.27

In den darauffolgenden Jahren wurde Spanien durch den Besitz des Goldes und Silbers Mexikos und Perus zum wohlhabendsten und mächtigsten Land Europas. Es folgte jedoch auch die bisher längste Periode der Inflation auf dem Kontinent. Innerhalb von zehn Jahren nach Unterzeichnen des Vertrags hatte Portugal Indien erreicht und sich somit den Gewürzhandel im pazifischen Raum gesichert. Zu den Konsequenzen des Vertrages gehörte unter anderem, dass die Handelsstruktur neu orientiert und zum Atlantik ausgerichtet wurde. Die beiden europäischen Imperien dominierten daraufhin die Welt während Jahrzehnten.28

3. Die Heiratspolitik der Habsburger

Im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurden Ehen zur „Absicherung von Herrschaft und […] dynastischen Stabilisierung“ geschlossen.29 Das habsburgische Adelshaus war für seine taktische Heiratspolitik bekannt, mit der es sich seit dem ausgehenden Mittelalter eine Ausdehnung seines Herrschaftsbereichs durch Heirat sicherte. Aus dem konstanten Machtgewinn durch Eheschließungen resultierte der Spruch „Bella gerant alii tu felix Austria nube.“, der dem König von Ungarn, einem habsburgischen Gegner, zugeschrieben wurde und so viel wie „Andere mögen Kriege führen, du glückliches Österreich, heirate.30 bedeutet. Die Habsburger schafften es, durch die erfolgreiche Heiratspolitik ein Weltreich aufzubauen, in dem „die Sonne nie unterging“31. Die Hochzeiten dienten nicht nur der Erweiterung des Territoriums, sondern auch als Garantie für Bündnisse (Philipp-Johanna I.) oder zur Stärkung von Verbindungen zweier Mächte (Karl V.-Isabella).32

Die Heirat Friedrichs III. mit der portugiesischen Königstochter Eleonore war von großer politischer Bedeutung, da es sich bei Portugal um eine „angesehene(n) Königsdynastie Europas“ handelte.33 Wie bereits bei der 1315 geschlossenen Ehe von Friedrich dem Schönen mit Isabella von Aragón war auch hier wieder ein habsburgischer Herrscher eine taktisch wichtige Heiratsverbindung eingegangen, die erneut die „Weite des Horizonts“ der habsburgischen Großdynastie verdeutlichen sollte.34 Allerdings waren es erst seine unmittelbaren Nachfahren, die sein Ziel der habsburgischen Weltherrschaft erreichten. Sein Wahlspruch „Austriae est imperare orb universo“ (Alles Erdreich ist Österreich Untertan) wurde zunächst von seinem Sohn Maximilian I. in Realität umgesetzt.35 Der sogenannte „letzte Ritter“36 hat die „großdynastisch angelegte Politik“ seines Vaters fortgeführt und sogar vorangetrieben.37 Durch Heiratsverbindungen für sich und seine Nachfahren sorgte er für den Erhalt der Macht seines Hauses. Ihm selbst kam durch seine Heirat mit Maria von Burgund 1477 die Herrschaft über die burgundischen Lande zu.38

Die zweite Ehe Maximilians I. mit Bianca Maria Sforza, der Erbin des Herzogtums Mailand, erlaubte Habsburg seine politische Präsenz in Italien zu etablieren. Maximilians Plan war es, mithilfe seiner Nachfahren, „Österreich seine Nachbarländer erheiraten“ zu lassen.39 Mit der Heirat seines Sohns Philipp dem Schönen mit Johanna I. und dem Tod der Schwiegereltern fiel ganz Spanien mit Neapel und Sizilien und allen überseeischen, von Kolumbus entdeckten, Gebieten an Habsburg. 1521 heiratete Philipps Sohn Ferdinand Anna, die Erbin von Ungarn und Böhmen, während seine Schwester Maria den letzten König der beiden Länder Ludwig II heiratete. Diese Heiratsverbindungen ermöglichten es den Habsburgern, nach mehreren temporären Versuchen, die „beiden wichtigsten Länder im Osten“ endgültig einzunehmen.40 All diese Ehen verhalfen dem Hause Habsburg innerhalb von 50 Jahren sein Weltreich zu errichten und auf dem Höhepunkt seiner Macht zu stehen.41

4. Karl V.

Der 1500 in Gent, in den Niederlanden, geborene Karl war der Sohn Philipps des Schönen und Johanna von Kastilien. Nachdem nach dem Tod Ferdinands „des Katholischen“ das vereinigte spanische Erbe an Karl gefallen war, stieg das Haus Habsburg zur europäischen Universalmacht auf.42 Diese große Hausmacht verstärkte Karls Drang, die kaiserliche Herrschaft über Europa ausweiten zu wollen. Sein Ziel war die Vergrößerung der habsburgischen Einflusssphäre zur Durchsetzung seiner Vorstellung einer „habsburgischen Vorherrschaft in Europa“43. Im Laufe der Zeit kamen Karl die Titel Herzog von Burgund, erster spanischer König44, Erbe der österreichischen Erblande und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zu, bis er dann 1530 von Papst Clemens VII. als letzter Habsburger zum letzten römisch-deutschen Kaiser gekrönt wurde.45 Die enorme territoriale Macht Karls V., die aus diesen Titeln hervorging, stellte sich zugleich als eine seiner Schwächen heraus. Die Größe und Uneinheitlichkeit des Reiches machte es unregierbar für den einzelnen Herrscher.

Der „letze(r) Kaiser des Mittelalters“, der an der Schwelle zur Neuzeit seine Herrschaft antrat, war der einzige Kaiser, der „das Gesamtreich unter seiner Herrschaft zu vereinigen mochte“.46 Dieses gewaltige Reich zu verwalten erforderte enorme Organisation sowie die nötigen Finanzierungsmittel. Karl gab sich deshalb bereits im jungen Alter der Aufgabe hin, eine Eheverbindung zu planen, die seinen dynastisch-politischen Interessen entsprach und seine Regentschaft stabilisieren würde.47 Die Ehe mit Isabella war allerdings nicht die erste geplante Hochzeit, sondern die einzige, die nach etlicher, gescheiterten Eheprojekten, gelingen sollte.

4.1 Karls Eheprojekte

Bereits vor seinem ersten Geburtstag war Karl mit der französischen Prinzessin Claudia verlobt worden. Das Eheprojekt zwischen ihm und seiner minderjährigen Cousine Maria Tudor, der Tochter Heinrichs VII. scheiterte.48 Das vor allem von seiner Tante Margarete erhoffte Bündnis mit England konnte deshalb nicht umgesetzt werden, weil Maria 1514, auf einen Vorschlag ihres Bruders Heinrich VIII. hin, den König Ludwig XII. von England heiratete.49 Unter Berücksichtigung der jeweiligen politischen Situation, wurden noch viele weiter Verbindungen für den jungen Karl geplant, unter anderem war er 1515 mit der französischen Prinzessin Renée verlobt und versprach 1517 dem französischen König eine seiner Töchter heiraten zu wollen. Diese geplanten Eheverbindungen dienten unter anderem dem Aufrechterhalten „freundschaftlicher Beziehungen“.50

Karl zögerte bei der Wahl seiner Braut aufgrund der politischen Konsequenzen, die fürstliche Heiraten oft mit sich zogen. Vor allem für Karl waren die Eheprojekte komplex, da seine Untertanen eine Ehe mit einer Verschiebung des Schwerpunkts auf einen Bereich seines großen Reichs assoziieren würden. Karls Unentschlossenheit entwickelte sich zu einer politischen Angelegenheit, da es seine Pflicht war, „seine Nachkommenschaft zu sichern“. Besonders in Kastilien, wo man eine Verbindung mit der portugiesischen Macht bevorzugte, wurde Druck auf den jungen Herrscher ausgeübt.51

Bis ins Jahr 1525 wich der Regent einer endgültigen Entscheidung aus. Die Tatsache, dass Karl V. zwei Optionen zur Wahl standen, erschwerte den Entscheidungsprozess. Die erste Möglichkeit war seine Cousine Maria Tudor zu heiraten, die Tochter Heinrichs VIII. Obschon es zur Verlobung der beiden kam und diese Ehe das Bündnis zwischen den Tudors und Habsburger gestärkt hätte, scheiterte auch dieser Plan. Diese Verbindung schien nicht den von Karl festgelegten politischen und finanziellen Zielen zu entsprechen. Erstens, weil Karl aufgrund der Minderjährigkeit seiner Verlobten noch lange auf einen legitimen Nachfolger warten musste. Die Zweifel an Marias Fruchtbarkeit bestätigten Karl in seiner Entscheidung.52 Zudem wäre ein großer Teil der geforderten Mitgift, aufgrund der Schulden, die Karl bei Heinrich VIII. hatte, von den Tudors einbehalten worden.53 Außerdem fehlten Karl die finanziellen Mittel für seinen geplanten Italienfeldzug, weshalb er nicht mehr länger auf die „noch kindliche Braut“ warten konnte.54

[...]


1 Hellmut Andics: Die Frauen der Habsburger, München 41996, S. 15.

2 Mia J. Rodríguez-Salgado: Karl v. und die Dynastie, in: Soly, Hugo (Hrsg.): Karl V. und seine Zeit. 1500-1558, Köln 2003, S. 64.

3 Luise Schorn-Schütte: "In seinem Reich ging die Sonne nicht unter". Neue Literatur zu Kaiser Karl V. (1500-1558), in: Historische Zeitschrift 277 H. 2 (2003), S. 379.

4 Walther Bernecker/Horst Pietschmann: Geschichte Portugals. Vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, München 32015.

5 Walther Bernecker: Spanische Geschichte. Vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart, München 62015.

6 Bezeichnung, die sich auf das Gebiet des heutigen Spaniens bezieht, da es im ausgehenden 15. Jh. noch keine einheitliche spanische Nation gab.

7 Bernecker: Spanische Geschichte, S. 7.

8 Ebd.

9 Richard Konetzke: Islam und christlichen Spanien im Mittelalter, in: Historische Zeitschrift 184 (1957), S. 575.

10 Ebd. S. 586.

11 Bernecker/Pietschmann: Geschichte Portugals, S. 9.

12 Ebd.

13 Bernecker/Pietschmann: Geschichte Portugals, S. 9.

14 Ebd. S. 9-12.

15 Bernecker: Spanische Geschichte, S. 8.

16 Karl Joseph Hefele: Der cardinal Ximenes und die kirchlichen Zustände Spaniens. Am Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts, Tübingen 1851, S. 9.

17 Bernecker: Spanische Geschichte, S. 9.

18 Bernecker: Spanische Geschichte, S. 9.

19 Bernecker/Pietschmann: Geschichte Portugals, S. 30f.

20 Ebd. S. 30.

21 Ebd. S. 35.

22 Nancy Rubin Stuart: Isabella of Castile. The First Renaissance Queen, New York 2004, S. 56.

23 Arthur Davis: Columbus Divides the World, in: The Geographical Journal 133 No. 3 (1967), S. 339.

24 Mary Wilhelmine Williams: The Treaty of Tordesillas and the Argentine-Brazilian Boundary Settlement, in: The Hispanic American Historical Review 5 (1922), S. 3.

25 Davis: Columbus Divides the World, S. 339.

26 Davis: Columbus Divides the World, S. 339.

27 Williams: The Treaty of Tordesillas and the Argentine-Brazilian Boundary Settlement S. 5.

28 Davis: Columbus Divides the World, S. 338.

29 Luise Schorn-Schütte: Karl V. Kaiser zwischen Mittelalter und Neuzeit, München 32006, S. 14.

30 Johann Karl Lindau: Tu, felix Austria, nube! Die Heiratspolitik der Habsburger, in: Jahrbuch / Schweizerische Gesellschaft für Familienforschung, Zürich 1986, S. 71.

31 Ebd. S. 70.

32 Andics: Die Frauen der Habsburger, S. 97.

33 Thomas Zotz: Die Habsburger, in: Ottomeyer, Hans/ Götzmann, Jutta (Hrsg.): Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation 962 bis 1806. Altes Reich und neue Staaten 1495 bis 1806, Dresden 2006, S. 394.

34 Ebd.

35 Lindau: Tu, felix Austria, nube!, S. 71.

36 Ebd.

37 Zotz: Die Habsburger, S. 394.

38 Ebd.

39 Andics: Die Frauen der Habsburger, S. 108.

40 Lindau: Tu, felix Austria, nube!, S. 71f.

41 Ebd. S. 71.

42 Hugo Soly: Karl v. und seine Zeit, in: Soly, Hugo (Hrsg.): Karl V. und seine Zeit. 1500-1558, Köln 2003, S. 13.

43 Reinhard Elze/ Konrad Repgen (Hrsg): Studienbuch Geschichte. Eine europäische Weltgeschichte, Bd. 2, Stuttgart 52003, S. 81.

44 Zum König der Personalunion Kastilien, León und Aragón.

45 Soly: Karl v. und seine Zeit, S. 11-13.

46 Lindau: Tu, felix Austria, nube!, S. 63.

47 Schorn-Schütte: Karl V. Kaiser zwischen Mittelalter und Neuzeit, S. 14.

48 Rodríguez-Salgado: Karl v. und die Dynastie, S. 61.

49 Ebd.

50 Ebd. S. 62.

51 Ebd. S. 62.

52 Rodríguez-Salgado: Karl v. und die Dynastie, S. 62.

53 Rodríguez-Salgado: Karl v. und die Dynastie, S. 62.

54 Schorn-Schütte: Karl V. Kaiser zwischen Mittelalter und Neuzeit, S. 14.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Karl V. und Isabella von Portugal. Vergleich der Verbindung der rivalisierenden Königreiche Spanien und Portugal nach der Hochzeit
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation in der Frühen Neuzeit
Note
1.7
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V900347
ISBN (eBook)
9783346221858
ISBN (Buch)
9783346221865
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Karl V., Habsburg, Habsburger, Heiratspolitik, Alcáҫovas, Tordesillas, Saragossa, Portugal, Spanien, Portugal und Spanien, Heiliges Römisches Reich
Arbeit zitieren
Lisa Krack (Autor), 2019, Karl V. und Isabella von Portugal. Vergleich der Verbindung der rivalisierenden Königreiche Spanien und Portugal nach der Hochzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/900347

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