Bei der Ermittlung der steuerlichen Bemessungsgrundlage eines Unternehmens ist der
steuerliche Verlustvortrag ein wesentlicher Bestandteil, da der Totalerfolg des Unternehmens aus Gründen der Steuererhebung in einzelne Veranlagungszeiträume zerlegt werden muss.
Entgegen der öffentlichen Meinung handelt es sich beim Verlustvortrag jedoch nicht um eine Steuersubvention, sondern besteht aus steuertheoretischer Sicht für den Steuerpflichtigen im Verlustfall sogar ein darüber hinaus gehender „Anspruch auf sofortige Steuererstattung oder zumindest auf einen verzinsten Vortrag“.
Im Rahmen des Unternehmenssteuerreformgesetzes 2008 beabsichtigt der Gesetzgeber jedoch nach einigen Änderungen der Regelungen zu Nutzung des Verlustabzugs in den Vorjahren eine Neuregelung umzusetzen. So ist eine Verschärfung des körperschaftsteuerlichen Verlustvortrags durch Streichung des bisherigen § 8 Abs. 4 KStG und der Einführung des neu geschaffenen § 8c KStG vorgesehen. Begründet wird dies mit der Gefahr für die Steuereinnahmen der öffentlichen Hand durch die bis zum 31.12.2001 angehäuften Verlustvorträge in Höhe von 380 Mrd. EUR und einer beabsichtigten Einschränkung des steuerinduzierten Erwerbs von verlusttragenden Unternehmen.
Ziel dieser Arbeit ist es, die rechtlichen Einschränkungen für den körperschaftsteuerlichen Verlustvortrag im Fall des Eigentümerwechsels darzustellen und deren Wirkungen ökonomisch einzuordnen. Im Folgenden soll dazu ein kurzer Überblick über die aktuelle und geplante Rechtslage gegeben werden. Im Anschluss sollen anhand allgemeiner Betrachtungen und ausgewählter praxisrelevanter Fallbeispiele die Auswirkungen auf die Beteiligten an der Anteilsübertragung durch die Versagung des Verlustvortrags untersucht und beurteilt werden.
Auf eine Einordnung dieser Rechtsnormen in den steuersystematischen Zusammenhang und eine Berücksichtigung weiterer Änderungen im Rahmen der Unternehmenssteuerreform 2008 wird zugunsten der Übersichtlichkeit verzichtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Rechtliche Grundlagen
2.1 Die bisherige Regelung: § 8 Abs. 4 KstG
2.2 Die geplante Rechtsnorm: § 8c KstG-E
3. Ökonomische Betrachtung des Verlustvortrags bei Eigentümerwechsel
3.1. Fallbeispiele
3.1.1. Vollständige Anteilsveräußerung
3.1.2. Zuführung von Eigenkapital
3.1.3. Konzernumstrukturierungen
4. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen der Seminararbeit
Diese Arbeit analysiert die steuerrechtlichen Beschränkungen für den körperschaftsteuerlichen Verlustvortrag im Kontext eines Eigentümerwechsels sowie deren ökonomische Auswirkungen auf die beteiligten Akteure.
- Aktuelle und geplante Rechtslage zu Verlustabzugsbeschränkungen
- Wirkung der Verlustverrechnung auf den Unternehmenskaufpreis
- Analyse von Fallbeispielen bei Anteilsveräußerung
- Auswirkungen bei Eigenkapitalzuführungen und Konzernumstrukturierungen
- Steuersystematische Einordnung der Verlustnutzungsregeln
Auszug aus dem Buch
3.1. Fallbeispiele
In den folgenden Beispielen soll vorrangig die Vermögenssituation der bisherigen Anteilseigner durch die Gestaltung des Verlustvortrags bei Eigentümerwechsel betrachtet werden. Wie bereits dargelegt, bedeutet die Gewährung des Verlustvortrags für die öffentliche Hand nur eine angemessene Beteiligung am Gewinn und Verlust der Unternehmung und hat für den Erwerber nur Einfluss auf die Zahlungsbereitschaft für das zu erwerbende Unternehmen.
Aus der Vielzahl der möglichen praxisnahen Fallbeispiele erscheinen die vollständige Anteilsveräußerung, die notwendige Zuführung von Eigenkapital und mögliche Umstrukturierungen innerhalb eines Konzerns als besonders relevant. Aus Vereinfachungsgründen wird bei den folgenden Fallbeispielen ausschließlich die Körperschaftsteuer und die Einkommensteuer betrachtet. Gewerbesteuer und Solidaritätszuschlag werden ebenso wie Zeit- und Zinseffekte vernachlässigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel erläutert die Bedeutung des Verlustvortrags als Bestandteil der steuerlichen Bemessungsgrundlage und stellt die beabsichtigte Verschärfung durch die geplante Einführung des § 8c KstG-E vor.
2. Rechtliche Grundlagen: Es erfolgt eine Darstellung der bisherigen Regelung des § 8 Abs. 4 KstG und der geplanten Neuregelung gemäß § 8c KstG-E, wobei insbesondere die Problematik des Mantelkaufs beleuchtet wird.
3. Ökonomische Betrachtung des Verlustvortrags bei Eigentümerwechsel: Dieser Abschnitt untersucht die Auswirkungen der Verlustabzugsbeschränkung aus ökonomischer Sicht und analysiert verschiedene Fallgestaltungen wie Anteilsveräußerung, Eigenkapitalzuführung und Konzernumstrukturierungen.
4. Schlussbemerkung: Die Arbeit fasst zusammen, dass die ökonomische Analyse eine Beschränkung der Verlustnutzung bei Eigentümerwechsel kritisch hinterfragt und die geplante Verschärfung als problematisch einstuft.
Schlüsselwörter
Körperschaftsteuer, Verlustvortrag, Eigentümerwechsel, Anteilsveräußerung, Unternehmenssteuerreform 2008, Mantelkauf, Eigenkapitalzuführung, Konzernumstrukturierung, § 8c KstG-E, Steuerrecht, steuerliche Bemessungsgrundlage, Sanierungsklausel, Wirtschaftliche Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der steuerlichen Behandlung von Verlustvorträgen bei Kapitalgesellschaften, speziell im Falle eines Eigentümerwechsels.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Felder sind das Körperschaftsteuergesetz (KstG), die steuerlichen Auswirkungen von Unternehmensverkäufen sowie die ökonomische Bewertung von Verlustverrechnungsbeschränkungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die rechtlichen Einschränkungen beim Verlustvortrag darzustellen und deren ökonomische Konsequenzen für die beteiligten Parteien zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Der Autor nutzt eine rechtswissenschaftliche Analyse in Verbindung mit ökonomischen Betrachtungen anhand von praxisnahen Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine rechtliche Bestandsaufnahme sowie eine ökonomische Analyse, die anhand von Modellszenarien wie Anteilsverkäufen und Konzernumstrukturierungen verdeutlicht wird.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den Schlüsselbegriffen zählen Unternehmenssteuerreform, KstG, Verlustnutzung, Eigentümerwechsel und steuerliche Gestaltung.
Welche Rolle spielt die Zuführung von Eigenkapital in der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie eine notwendige Kapitalerhöhung zur Sanierung einer Gesellschaft durch die Regelungen zum Verlustuntergang negativ beeinflusst werden kann.
Wie bewertet die Arbeit die Konzernumstrukturierung?
Die Arbeit stellt fest, dass die Neuregelung durch die Fokussierung auf den unmittelbaren Anteilsübergang auch Konzernumstrukturierungen belastet, was ökonomisch als wenig sinnvoll eingestuft wird.
Was ist das Fazit zur geplanten Rechtsnorm § 8c KstG-E?
Der Autor vertritt die Auffassung, dass die Einschränkung des Verlustvortrags rein ökonomisch nicht begründet ist und zu einer unverhältnismäßigen Belastung führt.
- Arbeit zitieren
- Björn Giesler (Autor:in), 2007, Unternehmenssteuerreform 2008, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90057