Interpretation ausgewählter Schwerpunkte des "Prometheus" von Goethe


Seminararbeit, 2004

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1 Benennung und Abgrenzung des Themas

2 Literaturgeschichtliche Aspekte des Gedichts
2.1 Mythologischer Textbezug
2.2 Einbettung der Ode in seinen historischen Rahmen

3 Inhaltliche Kurzanalyse
3.1 Anfang
3.2 Mittelteil
3.3 Schluss

4 Darstellung hervorgehobener Inhalte
4.1 Ansätze zu einer Gesamtdeutung
4.2 Verhältnis zwischen Gedicht und gleichnamigem Drama

5 Abschließende Betrachtungen und weiterführende Fragen

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang

1 Benennung und Abgrenzung des Themas

In der vorliegenden Hausarbeit soll sich mit der vergleichenden Gegenüberstellung ausgewählter Aspekte aus der Sekundärliteratur zu Goethes Hymne Prometheus beschäftigt werden.

Dabei werden die strikt zu untersuchende Fragestellung und der zeitgleich damit einhergehende interesseleitende Gegenstand innerhalb der Ausführungen sein, ob das Werk zum Zeitpunkt seiner Entstehung das Ergebnis einer persönlichen Krise des Dichters dokumentiert oder nicht. Insofern ergibt sich die Notwendigkeit, wichtige biographische Parallelen im Hinblick auf Autor und Werk zu exponieren.

Die anfängliche Bearbeitung beginnt deshalb zunächst mit der Darstellung von ausgewählten Faktoren zum Hintergrund des Gedichts, wobei sich dabei auf zwei wichtige Schwerpunkte beschränkt wird: Zunächst sollen kontroverse Positionen und Informationen zur mythologischen Stellung Prometheus’ innerhalb der Menschen- und Götterwelt zusammen getragen werden. Ferner stellt es sich als unumgängliche Notwendigkeit dar, das Werk auch in seine zeithistorischen Bezüge zu setzen.

Im Verlauf der Arbeit wird schließlich auch noch auf den Inhalt der Strophen deutend und erläuternd eingegangen werden, welcher bei Gedichten bekanntlich stets ein sehr wesentliches Faktum zur Kontexterschließung darstellt: Bei dieser interpreta-torischen Analyse und Darstellung im Mittelteil finden schließlich textanalytische Arbeitsweisen in dezidierter Manier Anwendung. Im Anschluss wird diesem Teil dann in zusammenfassender Art und Weise überleitend eine kurze Gesamtdeutung zur Ergebnissicherung folgen, bevor den Schluss der Ausführungen die gegenüber-stellende Untersuchung von Drama und Ode bildet.

Festzuhalten bleibt, dass die innerhalb der Hausarbeit bearbeiteten Schwerpunkte weder beweisträchtige Aufschlüsse bis ins kleinste Detail liefern, noch wird von Seiten des Autors ein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, da dies Umfang und Rahmen der Arbeit sprengen würde. Dennoch soll die Herausstellung relevanter Aspekte zur schlüssig argumentativen Beantwortung der Frage in profunder Weise erfolgen.

2 Literaturgeschichtliche Aspekte des Gedichts

2.1 Mythologischer Textbezug

Nach Kenntnisnahme gängiger Varianten kann zusammenfassend formuliert werden, dass die Sagen von Prometheus Verschiedenes berichten und dessen Einordnung in die Mythologie deshalb nicht eindeutig erfolgen kann. Mehrfach wird in diesem Zusammenhang die Frage aufgeworfen, ob Prometheus ein Titan sei oder nicht. Da zwischen den Titanen und Göttern immer eine Gegnerschaft bestand, stellt sich Prometheus’ Stellung als umso entscheidender dar.

Nach Conrady tritt er in Goethes Werk als Sohn des Zeus in Erscheinung und nicht wie in der von ihm zitierten mythologischen „Version“ als Sohn des Titanen Iapetos.[1] Durch diese entscheidende Veränderung ist es seiner Meinung nach auch ”unsinnig, angesichts der Goetheschen Prometheusdichtung vom ‘Titanengedicht’ [...] zu sprechen. Prometheus ist bei Goethe k e i n T i t a n”.[2] Die Absprechung seiner Zugehörigkeit zu den Titanen überwiegt in der Wissenschaft deutlich - so spricht Staiger gar von Prometheus’ Gegnerschaft mit den Titanen und deren Wendung gegen ihn.[3] Von der feindlichen Gegenüberstellung weiß sich auch Braemer überzeugt von, “denn Prometheus hat früher [sogar] selbst auf der Seite der Götter gegen die Titanen gekämpft“.[4] Im Gegensatz dazu spricht Boyle jedoch in seinen Ausführungen ohne jede Begründung von Prometheus, dem Titanen.[5] Im Gegensatz zur Titanenfrage zeichnet sich seine Stellung zwischen den Göttern und Menschen jedoch ab: In seiner durch Goethe zugewiesenen Rolle als Heras und Zeus’ Sohn sowie unter Kenntnisnahme seiner berühmt gewordenen prometheischen Absprechung, ebenfalls ein Gott zu sein, ergibt sich dessen ‘Mittelstellung’ zwischen Gott und den Menschen. Der Dichter fand die Vorstellung durchaus zusagend, einer Mittelfigur, einem den Göttern nicht ebenbürtigen Geist, statt dem obersten Weltherrscher die Rolle des Menschheitsschöpfers zuzusprechen.[6] Diese Version der Sage ist für das Gedicht von entscheidender Tragweite.

Durch die Umwandlung des Prometheus vom Sohn der Titanen Uranos und Gäa zum Sohn des Zeus hat Goethe etwas Entscheidendes geschaffen: die K o n f l i k t k o n s t e l l a t i o n zwischen Vater und Sohn.[7] Die geforderte Freiheit kann insofern nach Luserke auch als politische Freiheit und Rebellion gegen die Vaterinstanzen von Staat und Gesellschaft gedeutet werden[8] - Tendenzen, von denen Goethe seiner Zeit durchaus erfüllt war. Es lassen sich jedoch auch weitaus persönlichere Parallelen konstatieren, da

„der junge Autor Goethe [in seinem Werk] über sich selbst [in seiner Rolle als Vater den eigenen Kindern gegenüber] spricht, und [...] das Gedicht - in einen literaturgeschichtlichen Rahmen gestellt - dann auch [folglich] als Bekenntnis einer literarischen, von den Vorbildern der Vätergeneration gelösten Selbständigkeit [ge]lesen [werden kann]“.[9]

Noch viel bezeichnender hierfür stehen die monierten Schwierigkeiten des jungen Goethe mit dem eigenen Vater. Diskrepanzen, ergaben sich zwischen ihnen, da der Vater den Sohn in “unleidliche Verhältnisse pressen wollte“.[10] Setzt man dieses krisenähnliche Verhältnis zum Konflikt mit dem eigenen Vater mit dem Gedicht in Beziehung, so kann man die Ode des Dichters m.E. nach auch als eine Art „Aufschrei“ dagegen oder als „Ventil“ für aufgestaute Frustration auffassen.

Wenn im oberen Abschnitt von politischer Freiheit die Rede ist, so spricht dies ebenso sehr die von Goethe erlebten “beengenden Verhältnisse Frankfurts und [...] die gesamte deutsche Situation, die alle diejenigen in die kleine Welt einsperrt, die so heftig danach verlangen, in der großen Welt tätig zu sein”.[11] Auch diese Worte zeugen von der Verzweiflung und Unzufriedenheit Goethes im Hinblick auf das eigene Volk und deren Denkweisen.

Nebst jenes selbstgewissen Trotzes Prometheus’ zieht der Dichter zwischen diesem und sich selbst gleichsam Parallelen „an sich“: Schließlich habe ihm in seinem Handeln die Heldenfigur nach eigener Aussage als Vorbild gedient. Er “fühlte recht gut, dass sich etwas Bedeutendes nur produzieren lasse, wenn man sich isoliere”.[12] Seine literarischen Werke waren laut Conrady Produkte der Einsamkeit, und auf diese Weise sonderte er sich nach prometheischer Art auch von den Göttern ab, indem er die Hilfe anderer Menschen abzulehnen verstand.[13]

Doch stehen stetige Einsamkeit und Isolierung dem Gefühl wahrer Glückseeligkeit - oder zumindest dem alltäglichen Wohlbefinden - eines Menschen nicht entgegen? Dieser Gedanke soll jedoch an späterer Stelle noch einmal genauer thematisiert werden.

2.2 Einbettung der Ode in seinen historischen Rahmen

Als Entstehungszeit darf man laut Conrady den Herbst des Jahres 1774 annehmen.[14] Wohlwissend um seine inhaltliche Brisanz hat Goethe seinen Prometheus deshalb auch zunächst nur im engeren Freundeskreis zirkulieren lassen bzw. anfänglichversucht, ihn von einer breiteren Öffentlichkeit gänzlich fernzuhalten. Dennoch gelang die Ode schließlich durch Friedrich Heinrich Jacobi elf Jahre später in dessen Schrift „Über die Lehre des Spinoza in Briefen an den Herrn Moses Mendelssohn“ an die Öffentlichkeit.[15] Er präsentierte es als “atheistisches Skandalon“.[16] Als „Beleg“ diente ihm hierfür jene Behauptung, dass Lessing „ein Spinozist“, was laut Jacobi einem Atheisten gleich käme, „gewesen sei“.[17] Diese Diskussion stellte eine der erregtesten Debatten innerhalb der deutschen Spätaufklärung dar. Der Pantheismus des Spinoza entspricht dem sog. Spinozismus, welcher wiederum zur damaligen Zeit unter dem Verdacht atheistischer Gesinnung stand.[18] Insofern erklärt sich auch die häufige Interpretation der Ode als ein “pantheistisches Glaubensbekenntnis”.[19] In seiner anderen Schrift bringt Conrady seine Meinung noch klarer zur Sprache, indem “dieses Gedicht ‘pantheistisch’ zu nennen [ist] und [...] über Goethes Position in dieser Frage keinen Zweifel [ließe]”.[20] Auch Luserke konstatiert dem beipflichtend:

„Die Sohnesrebellion [...] ist auch und vor allem das Aufbegehren eines jungen, selbstbewussten Sturm-und-Drang-Literaten gegen die Schreibformen und Lesegewohnheiten der Aufklärung. Nicht von ungefähr [...] [stellt] Prometheus eine Leitfigur [...] [jener Epoche dar]“.[21]

[...]


[1] Vgl. Conrady: Prometheus, S. 220.

[2] Ebd. (Hervorhebung von mir, A.S.)

[3] Vgl. Staiger: Goethe, S. 133.

[4] Braemer: Prometheus, S. 203.

[5] Vgl. Boyle: Goethe, S. 196.

[6] Vgl. Anm. 3.

[7] Vgl. Anm. 1.

[8] Vgl. Luserke: Goethe, S. 111.

[9] Ebd.

[10] Braemer: Prometheus, S. 201.

[11] Ebd.

[12] Conrady: Prometheus, S. 216.

[13] Ebd.

[14] Ebd. S. 217.

[15] Ebd. S. 218.

[16] Otto: Gedichte, S. 107.

[17] Ebd. S. 107 f.

[18] Vgl. Conrady: Leben, S. 209 f.

[19] Conrady: Prometheus, S. 219.

[20] Ebd.

[21] Luserke: Goethe, S. 111.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Interpretation ausgewählter Schwerpunkte des "Prometheus" von Goethe
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Germanistische Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die Literaturwissenschaft
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V90078
ISBN (eBook)
9783638044165
ISBN (Buch)
9783638940979
Dateigröße
800 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interpretation, Schwerpunkte, Prometheus, Goethe, Einführung, Literaturwissenschaft
Arbeit zitieren
Stud. phil. Annabelle Senff (Autor:in), 2004, Interpretation ausgewählter Schwerpunkte des "Prometheus" von Goethe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90078

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