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Das Zweite Britische Beitrittsgesuch unter Harold Wilson 1964–1970. "There it is, and there it remains"

Titel: Das Zweite Britische Beitrittsgesuch unter Harold Wilson 1964–1970. "There it is, and there it remains"

Hausarbeit , 2018 , 32 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Markus Bassermann (Autor:in)

Geschichte Europas - Europa Nachkriegszeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit untersucht das zweite Britische Beitrittsgesuch unter Harold Wilson (1964–1970) und die widersprüchliche Haltung gegenüber Europa.

In einer politischen Karikatur von Michael Cummings sind die britischen Premierminister Harold MacMillan und sein Amtsnachfolger Harold Wilson abgebildet, deren Bemühen um einen Beitritt in die europäische Gemeinschaft an Frankreich in Gestalt der Präsidenten De Gaulle und Pompidou scheitert. Die zugespitzte Darstellung vermittelt den Eindruck eines ehrlichen, wenn auch möglicherweise etwas naiven Interesses der Premiers an einem Beitritt zur EWG, das von den als willkürlich charakterisierten Anforderungen Frankreichs düpiert wird. Oberflächlich erscheint diese Karikatur als eine stimmige Darstellung der Entwicklung in den 60er Jahren: Sie nimmt Bezug auf das erste Beitrittsgesuch von 1961 unter MacMillan, das zweite Beitrittsgesuch unter Wilson von 1967 sowie die beiden französischen Vetos und die zentrale Rolle des Generals De Gaulle.

Das bis dahin vergebliche Bemühen um den britischen Beitritt erscheint als das geteilte Werk zweier Regierungen, dem die französischen Interessen entgegenstehen. Diese Betrachtungsweise wird jedoch irritiert, wenn man nur wenige Jahre – in den Wahlkampf von 1966 – zurückblickt, in dem Wilson seinem konservativen Rivalen Edward Heath vorwarf, sich vor der EWG auf den Rücken zu werfen wie ein "Cocker Spaniel". Gepaart mit einer scharfen Polemik von 1961 zeichnet dies ein anderes, europaskeptisches Bild von Harold Wilson: "If there has to be a choice, we are not entitled to sell our friends and kinsmen down the river for a problematial and marginal advantage in selling washing mashines in Dusseldorf [sic]."

Hieraus resultiert ein offensichtlicher, in der direkten Gegenüberstellung fast schizophrener, Widerspruch: Einerseits Harold Wilson in den Jahren 1961 und 1966, den die "Waschmaschinen aus Düsseldorf" nicht locken können und der verächtlich die Postration der Tories kommentiert. Andererseits Harold Wilson im Jahr 1969, der bis zum Grad der eigenen Verächtlichmachung bereit zu sein scheint, Teil der Gemeinschaft zu werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. 'Loosing an Empire': Großbritannien und das Commonwealth nach dem zweiten Weltkrieg

II.1. Großbritannien nach 1945: Weltmacht auf tönernenn Füßen

II.2. Im Widerspruch zwischen Commonwealth und Europa: Das erste Beitrittsgesuch unter Harold MacMillan

II.3. „Sheer Nonsense“: Die Europaposition der Labour-Partei vor 1964

III. 'Finding a Role': Harold Wilsons Europapolitik 1964–1970

III.1. „We mean bussiness“: Der Weg zum zweiten Beitrittsgesuch, 1964–1967

III.2. Waschmaschinen statt alter Freunde? Harold Wilsons 'Sinneswandel' zwischen 1964 und 1967

III.3. 'Non' heißt 'Non'? Die außenpolitische Arbeit 1967 bis 1970

IV. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das scheinbare Paradoxon in der Europapolitik von Harold Wilson zwischen 1964 und 1970, der sich zunächst gegen einen EWG-Beitritt aussprach und später zu dessen Befürworter wurde. Ziel ist es zu analysieren, welches tatsächliche Interesse – begründet durch eine Kosten-Nutzen-Kalkulation – hinter diesem Politikwechsel stand und ob dieser als strategische Neuorientierung Großbritanniens in einer post-imperialen Welt zu verstehen ist.

  • Die Entwicklung der britischen Europapolitik unter Labour zwischen 1964 und 1970.
  • Das Spannungsfeld zwischen Commonwealth-Bindungen, der "Special Relationship" mit den USA und der Integration in Europa.
  • Die Analyse der außenpolitischen Motive und des politischen Sinneswandels von Harold Wilson.
  • Die Bedeutung der französischen Rolle und die Spaltung der EWG-Staaten für den Beitrittsprozess.

Auszug aus dem Buch

III.1. „We mean bussiness“: Der Weg zum zweiten Beitrittsgesuch, 1964–1967

Als Labour am 16.10.1964 mit einer knappen Mehrheit von 4 Sitzen die Regierung übernahm, schien wenig ferner als der Gedanke eines erneuten Gesuchs. Da die Beitrittsfrage Wahlkampf-Thema gewesen war zog Labour politisches Kapital aus dem Scheitern der Konservativen. Im Wahlkampf-Manifest selbst war noch die enge Bindung an das und Verantwortung gegenüber dem Commonwealth betont worden: „Although we shall continue to seek to achieve closer links with our European neighbours, the Labour Party is convinced that the first responsibility of a British Government is still to the Commonwealth.“

Auch Wilson persönlich hatte sich bereits 1961 deutlich positioniert: „If there has to be a choice we are not entitled to sell our friends and kinsmen down the river for a problematial and marginal advantage in selling washing mashines in Dusseldorf [sic].“

Dazu kam, dass die prekäre Situation im Parlament wenig Spielraum für partei-intern umstrittene Themen ließ, da das Risiko einer Sabotage aus den eigenen Reihen zu hoch war. Auch wenn Wilson als Vertreter des linken Flügels eingeschätzt wurde, repräsentierte sein Kabinett einen Querschnitt der Partei und enthielt sowohl entschiedene Gegner eines Breitritts wie Barbara Castle, als auch entschiedene Befürworter wie Michael Stewart und George Brown. Insbesondere letzterer war ein offensiver Vertreter einer Annäherung an die EWG, bezeichnete das Commonwealth als „costly irrelevance“ und ging davon aus, dass Großbritannien problemlos die Führungsrolle in der EWG übernehmen könne. Diese Zusammensetzung des Kabinetts 1964 verdeutlicht, dass in Wilsons längerfristigen politischen Plänen ein Beitrittsgesuch zu diesem Zeitpunkt noch keine zentrale Rolle spielte, da Gegner eines Beitritts zu viel Raum einnahmen. Angesichts der geringen Mehrheit und der Zerwürfnisse innerhalb der eigenen Reihen war er stattdessen vor Allem um Regierungsfähigkeit bedacht. Sein 'kitchen cabinett' war Resultat des Bedürfnisses in jeder Lage möglichst souverän und unabhängig von – tatsächlichen oder eingebildeten – Gegnern im Parlament und der eigenen Partei handeln zu können.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den scheinbaren Widerspruch in Wilsons Europapolitik und stellt die leitende Forschungsfrage nach dem zugrunde liegenden Interesse.

II. 'Loosing an Empire': Großbritannien und das Commonwealth nach dem zweiten Weltkrieg: Das Kapitel analysiert die Fundamente der britischen Politik nach 1945 sowie die zunehmenden Spannungen zwischen Commonwealth-Verpflichtungen und europäischer Integration.

III. 'Finding a Role': Harold Wilsons Europapolitik 1964–1970: Hier wird der Prozess untersucht, wie Wilson und sein Kabinett durch eine realpolitische Neubewertung den Weg zum zweiten Beitrittsgesuch ebneten.

IV. Fazit: Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass Wilsons Wandel keinem Idealismus folgte, sondern einer konsequenten Kosten-Nutzen-Analyse und dem Bestreben, eine neue Rolle in der Welt zu finden.

Schlüsselwörter

Harold Wilson, Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, EWG-Beitritt, Commonwealth, Labour-Partei, Großbritannien, Außenpolitik, Charles de Gaulle, Europäische Integration, Kosten-Nutzen-Kalkulation, Special Relationship, Weltmacht, Dekolonisierung, 1960er Jahre, Beitrittsgesuch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Europapolitik unter dem britischen Premierminister Harold Wilson in den Jahren 1964 bis 1970 und dem Wandel seiner Einstellung zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen Commonwealth-Bindungen, der wirtschaftlichen Notwendigkeit eines EWG-Beitritts sowie der innenpolitischen Konsensfindung innerhalb der Labour-Partei.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, welche Interessen Wilsons Europapolitik motivierten und wie sich der Wandel vom erklärten Europaskeptiker zum Befürworter eines Beitritts erklären lässt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung zeitgenössischer Quellen und historischer Fachliteratur, um die politische Entscheidungsfindung innerhalb der britischen Regierung zu rekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der britischen Weltmachtrolle nach 1945 sowie die detaillierte Analyse der diplomatischen und innenpolitischen Prozesse, die zum zweiten Beitrittsgesuch 1967 führten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Harold Wilson, EWG-Beitritt, Commonwealth, Außenpolitik, Realpolitik, Kosten-Nutzen-Analyse und die strategische Neuausrichtung Großbritanniens.

Wie bewertet der Autor Wilsons Rolle gegenüber seinen Vorgängern?

Der Autor argumentiert, dass Wilson kein "Lückenfüller" war, sondern als erster Premierminister die Notwendigkeit erkannte, die britische Rolle nach dem Empire grundlegend neu zu definieren.

Welche Rolle spielte Charles de Gaulle für den Beitrittsprozess?

De Gaulle wird als realpolitischer Gegenspieler dargestellt, dessen Veto zwar den Prozess hemmte, jedoch gleichzeitig zur Spaltung der EWG-Staaten und langfristig zur Isolierung Frankreichs beitrug.

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Details

Titel
Das Zweite Britische Beitrittsgesuch unter Harold Wilson 1964–1970. "There it is, and there it remains"
Hochschule
Universität Hamburg  (Fachbereich Geschichte)
Veranstaltung
Hauptseminar NG: Vom "Brentrance" zum "Brexit". Großbritanniens Haltung zum europäischen Integrationsprozess
Note
1,0
Autor
Markus Bassermann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
32
Katalognummer
V900947
ISBN (eBook)
9783346219657
ISBN (Buch)
9783346219664
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brexit Großbritannien Harold Wilson Europa Commonwealth Vereinigtes Königreich Europäische Union
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Markus Bassermann (Autor:in), 2018, Das Zweite Britische Beitrittsgesuch unter Harold Wilson 1964–1970. "There it is, and there it remains", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/900947
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  32  Seiten
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