Kritische Erfolgsfaktoren eines Whitepapers für ein Initial Coin Offering (ICO) am Beispiel einer blockchain-basierten Spielesoftware


Projektarbeit, 2019

42 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung der Arbeit
1.3. Aufbau der Arbeit

2. Theorie
2.1. Blockchain-Technologie und Krypto-Währungen
2.2. Initial Coin Offering (ICO)
2.3. Whitepaper
2.4. Kritische Erfolgsfaktoren

3. Methoden
3.1. Markt-Analyse
3.2. Wettbewerbs-Analyse
3.3. Zielgruppen-Analyse
3.4. Whitepaper-Vergleich

4. Ergebnisse
4.1. Produkt
4.2. Vision
4.3. Projektteam
4.4. Form
4.5. Kommunikation und Marketing

5. Zusammenfassung

6. Fazit und kritische Reflexion der eigenen Vorgehensweise

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

1. Einleitung

Als Mitglied eines vierköpfigen Projektteams, das eine blockchain-basierte Online-Spielesoftware entwickelt, wurde die Verfasserin dieser Fallstudie in ihrer Projektrolle als "Head of Communication" beauftragt, die kritischen Erfolgsfaktoren von Whitepapern herauszuarbeiten, die für Initial Coin Offerings (ICO) maßgebend sind.

1.1. Problemstellung

Die zunehmende Anzahl an technischen Innovationen, wie die Erfindung des Internet und des Smartphones sowie einer Vielzahl von Methoden für u. a. die Bereiche Datenverarbeitung und künstliche Intelligenz, stellt viele Branchen vor große Herausforderungen. Die neuen Technologien verändern sowohl Arbeitsweisen und Prozesse innerhalb von Unternehmen als auch z. B. Kundenbedürfnisse oder auch die Customer Journey.1

Zu den revolutionären Innovationen zählt u. a. auch die Blockchain-Technologie. Deren Potential ist aufgrund der Vorteile, die mit der kryptographischen Verschlüsselung, der öffentlichen Bereitstellung von Informationen sowie der mit der Dezentralisierung einhergehenden Fälschungssicherheit einhergehen, immens. Hierdurch besitzt sie das Potential zentrale öffentliche Register wie Grundbücher, Firmenregister, Familienstammbücher o. Ä. potentiell zu substituieren.2 In der Gaming-Branche versuchen Entwicklungsstudios, diese gehypte Technologie mit innovativen Spielprinzipien und neuen Rahmenbedingungen zu vereinen. Hierbei wird versucht, die klassischen Aspekte des Gamings mit den Vorteilen einer handelbaren und sicheren Kryptowährung zu kombinieren. Ein Anwendungsfall wäre somit z. B. dass Gamer durch das Videospielen Geld verdienen könnten.3

Im Fokus dieses Praxisprojekts steht ein IT-Projekt aus dem Bereich Game Development, im Rahmen dessen eine innovative Spielesoftware auf Basis der Blockchain-Technologie „Ethereum“ (s. Kap. 2.1) entwickelt wird. Die Besonderheiten dieses Projekts sind z. B. das Programmieren eines Blockchain-Tokens und die Finanzierung des Projektes über eine aktuell noch unregulierte Art des Crowdfunding, dem „Initial Coin Offering“, nachfolgend ICO genannt, welches eine neue Finanzierungsform für Start-Up-Unternehmen darstellt.4 Diese bringt den (Start-up-)Unternehmen im Vergleich zu den traditionellen Finanzierungsformen neue Vorteile wie etwa die rein digitale Ansprache von Investoren, eine große Reichweite und vereinfachte Prozesse und Strukturen.5

Ähnlich wie viele andere Startups aus diesem Bereich steht auch dieses Projektteam vor der Herausforderung, einen ersten Kundenstamm bzw. begeisterte Spieler zu gewinnen6 bzw. bereits in der (Pre-)Seed-Phase Investoren für die Finanzierung des Projektes zu finden.7 Denn allein eine gute Geschäftsidee und ein kompetentes Team reichen hierbei nicht aus. Das Vorhaben muss entsprechend der Spezifika, die bei einer ICO-Finanzierung zum Tragen kommen, vermarktet und promotet werden, um von Erfolg gekrönt zu sein. Das Whitepaper spielt hierbei eine essentielle Rolle.

1.2. Zielsetzung der Arbeit

Für die Programmierung sowie für die Vermarktung und Bekanntmachung der Software werden nicht nur zeitliche und personelle, sondern insbesondere finanzielle Ressourcen erforderlich. Die Sicherung der Finanzierung durch das Anlocken einer ausreichenden Anzahl an Investoren ist daher für den Projekterfolg entscheidend. Der erste und wichtigste Kontakt mit den Investoren wird durch die Veröffentlichung des oben erwähnten Whitepapers erfolgen.

Ziel des vorliegenden Praxisprojekts ist es, die relevanten kritischen Erfolgsfaktoren herauszuarbeiten, die bei der Konzipierung des Whitepapers maßgeblich für die Gewinnung eines ausreichenden Finanzierungsrahmens sind. Das Ergebnis sollte nicht nur eine theoretische Sammlung harter und weicher Faktoren darstellen. Vielmehr wird nach Praxisbeispielen anderer Blockchain-Startups gesucht, die bereits erfolgreich in der Gaming-Branche oder in anderen Bereichen ein ICO durchgeführt haben. Die Erstellung des Whitepapers ist jedoch nicht mehr Teil dieses Praxisprojekts. Die zentralen Fragestellungen dieses Praxisprojekts lassen sich mit den folgenden Leitfragen präzisieren:

- Was charakterisiert die ICO-Investoren und wie grenzen sich diese von den klassischen Kapitalgebern ab?
- Welche Informationen müssen den Investoren bereitgestellt werden, so dass diese eine ausreichende Basis für das Treffen der (Finanzierungs)-Entscheidung haben?
- Welche harten und weichen Faktoren sind entscheidungsrelevant für die geschäftlichen und privaten Investoren von ICOs?
- Wie werden die Investoren auf das ICO aufmerksam gemacht?

Als untergeordnetes Nebenziel soll die Fallstudie darauf abzielen, das Interesse des Lesers an der innovativen Finanzierungsform und der Blockchain-Technologie zu wecken. Für den Leser bietet sich hierbei die Chance, eine potentiell einflussreiche technologische und wirtschaftliche Entwicklung und bereits zu einem frühen Zeitpunkt kennenzulernen.

1.3. Auf bau der Arbeit

Zu Beginn erfolgt die Klärung einiger grundlegender Begrifflichkeiten (s. Kap. 2 „Theorie“). Insbesondere werden Fachbegriffe näher betrachtet, die aufgrund der Neuartigkeit der Technologie noch keine allzu große Bekanntheit erlangt haben. Dies dient der Schaffung eines gemeinsamen Sprachverständnisses für die nachfolgenden Kapitel. Nach der Durchführung einer groben Markt-, Wettbewerbs- und Zielgruppen-Analyse sowie eines Whitepaper-Vergleich ausgewählter erfolgreicher ICO-Projekte (s. Kap. 3.4 „Methoden“), werden die kritischen Faktoren bei der Erstellung eines Whitepapers für ein ICO aufgezählt und beschrieben (s. Kap. 4 „Ergebnisse“). Zum Schluss wird ein Fazit gezogen und eine kritische Reflexion durchgeführt (s. Kap. 6 „Fazit und kritische Reflexion der eigenen Vorgehensweise“).

Aufgrund der Neuartigkeit des Themas wird die Erarbeitung der kritischen Erfolgsfaktoren hauptsächlich auf Online-Quellen wie Blogs, Online-Communities und Rating-Plattformen basieren. Der Grund dafür liegt in dem geringen Angebot an wissenschaftlicher Literatur in deutscher und englischer Sprache. Um mögliche Schnittmengen mit den klassischen Investitionsformen zu identifizieren, wird jedoch auch allgemeine Literatur über Crowdfunding, Investment und Finanzierung herangezogen.

2. Theorie

In diesem Kapitel werden die grundlegenden Begriffe der Blockchain-Technologie inkl. zwei repräsentative Krypto-Währungen sowie die Begrifflichkeiten „Initial Coin Offering“, „Whitepaper“ und „kritische Erfolgsfaktoren“ erläutert. Damit soll ein gemeinsamer Begriffs- und Verständnisrahmen für die vorliegende Fallstudie definiert werden.

2.1. Blockchain-Technologie und Krypto-Währungen

Vereinfacht kann der Begriff Blockchain als eine Kette (Chain) aus lückenlos und nachvollziehbar aneinandergehängten Blöcken (Blocks) mit Transaktionsinformationen definiert werden.8 Zudem stellt sich die Blockchain als eine Tabelle eines transparenten Buchhaltungssystems dar, in welcher die verschiedensten Formen von Vermögensgegenständen erfasst werden können.9

Die Technologie ersetzt die klassische zentrale Datenspeicherung durch einen dezentralen Speicheralgorithmus.10 Daher ist ihre Hauptcharakteristika die Dezentralität. Zudem charakterisieren auch die Eigenschaften Unveränderlichkeit, Anonymität, Sicherheit und Programmierbarkeit diese Technologie.11 Der freie öffentliche Zugriff auf den gesamten verfügbaren Datenpool macht zentrale Informationsinstanzen wie Banken, Behörden, Archive etc. überflüssig.12

Das Paradoxon dieser Technologie liegt darin, dass eine Konsens- und Vertrauensbasis zwischen Akteuren geschaffen wird, die sich gegenseitig weder vertrauen noch kennen. Somit wird eine zuverlässige Durchführung von Transaktionen gewährleistet, wobei es sich z. B. um Währungen, Lizenzen oder Verträge handeln kann.13

Die Entwicklung im Bereich der Blockchain-Technologie bringt auch neue Formen von Kryptowährungen mit sich, die als dezentrales Geldsystem eine ernstzunehmende Alternative zum staatlichen zentralisierten Währungssystem darstellen.14 Kryptowährungen sind blockchain-basierte Währungen, deren Grundlage die Verschlüsselung ist und deren Wert aus dem Vertrauen der Nutzer und der Sicherheit der Währung entsteht.15 Die Dezentralität der Kryptowährungen und der spezielle Aufbau der Software-Protokolle sorgen dafür, dass diese nicht gehacked, verboten oder stillgelegt werden können.16 Dadurch ist die digitale Währung staatlich nicht manipulierbar und jedem Nutzer weltweit zugänglich.17

Nachfolgend werden zwei für diese Fallstudie repräsentative Krypto-Währungen beschrieben:

Das Konzept der Kryptowährung Bitcoin, wurde 2008 von einer bis heute unbekannten Person namens Satoshi Nakamoto veröffentlicht und anschließend als Open-Source-Software anderen Entwickler zur Verfügung gestellt. Die Teilnahme an dem Bitcoin-Netzwerk erfolgt durch das Herunterladen der Bitcoin-Software, mit der Transaktionen überprüft und neue Bitcoins erzeugt werden können.18 Ohne eine erforderliche dritte Kontrollinstanz kann jede beliebige Transaktion direkt von Computer zu Computer, von Person zu Person oder von Smartphone zu Smartphone erfolgen.19 Die Überweisungen beliebiger Beträge sind somit innerhalb weniger Sekunden weltweit möglich.20

Das Ethereum-Netzwerk ist an die Bitcoin-Blockchain angelehnt, jedoch ist hierbei nicht ausschließlich nur die Durchführung von Zahlungen möglich. Vielmehr geht es hierbei um ein blockchain-basiertes technisches Fundament für die Ausführung von Anwendungen namens DAPPs (decentralized applications). Ethereum stellt die Grundalge vieler Krypto-Projekte, Skripte und Währungen dar und ist „eher als eine Infrastruktur zu verstehen als eine Blockchain oder ein Protokoll."21 Das Ethereum ermöglicht die Implementierung von Smart Contracts, die Ausführung diverser Programme (wie z. B. Online-Spiele) sowie das Einkaufen von ICOs mit der eigentlichen Währung Ether.22

2.2. Initial Coin Offering (ICO)

Das Initial Coin Offering, nachfolgend ICO genannt, ist eine seit 2016 bekannte Finanzierungsform für innovative Projekte und Unternehmen.23 Der Begriff ICO ist auch als "Token Sale" oder "Token Generating Event" bekannt und wird mit einem Initial Public Offering, einem Börsengang, verglichen.24 "Tokens können ähnlich wie Aktien bei einem Börsengang gesehen werden, haben jedoch nicht die einfache Funktion eines reinen Anteils am Unternehmen. Sie funktionieren eher als ein digitaler Anteil an einem Projekt und werden benötigt, um die spätere Blockchain-Plattform nutzen zu können. In dem Fall kann ein Token beispielsweise einen ‚Coupon‘ für eine Dienstleistung auf der neuen Plattform darstellen.", so Hahn und Wons.25

Laut der BaFin gibt es zwei Formen von ICOs: "Die erste Form besteht aus Smart Contracts (Programmiercodes) beziehungsweise verteilten Anwendungen (Distributed Apps / dApps). [...] Die zweite Form von ICOs besteht in der Schaffung neuer Blockchains oder virtueller Währungen. In beiden Formen werden also neue digitale Einheiten erzeugt."26

Das ICO ist mit der Finanzierungsform des Crowdfundings vergleichbar, bei der ebenfalls eine beliebige Anzahl an Mikro-Investoren mittels einer Vermittlungsinstanz gesucht werden. Diese investieren kleine Einzelbeträge in einem bestimmten Projekt.27 Im Gegensatz dazu birgt das ICO jedoch einige Risiken mehr, wie das Verlustrisiko durch spekulative Investments, fehlende Regulierung, fehlender Anlegerschutz und kein Schutz personenbezogener Daten, unzureichende Informationen, Komplexität, Preisvolatilität, Betrugsrisiko etc.28

2.3. Whitepaper

Unabhängig von der Einzigartigkeit eines Geschäftsmodells und dessen Alleinstellungsmerkmalen ist eine hinreichende Finanzierung die Grundlage jedes Unternehmens. Die Basis vieler Investmentgespräche mit Investoren, Gesellschafter oder strategischen Partnern ist oft ein Businessplan,29 der je nach angestrebter Finanzierungsart unterschiedliche Anforderungen erfüllen muss und teilweise anders genannt wird.

In dem Businessplan wird der strategische Rahmen sowie die operative Umsetzung der Geschäftsidee präsentiert, damit diese auf ihr Potential und ihre Tragfähigkeit hin von Dritten bewertet werden kann.30 Für potentielle Crowdfunding- bzw. auch ICO-Investoren sind diese Hintergrundinformationen besonders wichtig, da es sich hierbei oft um Privatpersonen ohne umfangreiche Erfahrungen in der Analyse und Beurteilung von Startups handelt.31

Aufgrund der sehr starken Geschäfts-Dynamik werden bei einem Frühphaseninvestment die Businesspläne oft jedoch weniger stark gewichtet, da es relativ schwierig ist, detaillierte Pläne und Maßnahmen zu einem solch frühen Zeitpunkt auszuarbeiten und die Entwicklung zu prognostizieren.32

Bei einem ICO ist das Whitepaper die Investitionsgrundlage bzw. das "Verkaufsprospekt". Darin werden die technischen individuellen Produkteigenschaften beschrieben, das Team vorgestellt, die Entwicklungs-Roadmap diskutiert und die Token-Ausgabe erklärt. Die Antworten auf die wesentlichen Fragen sowie die technischen Parameter des ICOs werden in diesem Schlüsseldokument für die Mikroinvestoren zusammengefasst.33 Ein Whitepaper sagt den Investoren, worum es bei dem anvisierten Projekt geht. Es zeigt auf, wie Ihr Projekt das zu Grunde liegende Problem löst, wie die Technologie funktionieren soll, welche Rolle der Token spielen soll und wer die Teammitglieder sind. Es ist so etwas wie ein Pitch für die Investoren, nur wird es von einem weitaus größeren Publikum gelesen und ist entsprechend sehr wichtig.34

2.4. Kritische Erfolgsfaktoren

Kritische Erfolgsfaktoren sind "Faktoren und Schlüsselgrößen, die für die Erreichung der Gesamtziele einer Unternehmung von zentraler Bedeutung sind".35 Dabei soll u. a. die Frage beantwortet werden: "Was müssen wir gewährleisten, um uns am Markt hervorzutun?".36

Durch die Definition der kritischen Erfolgsfaktoren in einem Projekt wird nicht nur die Aufmerksamkeit auf die wichtigsten Punkte gelenkt und eine sinnvolle Bewertung ermöglicht, sondern diese helfen auch bei der anschließenden Identifikation und Durchführung von Verbesserungsmaßnahmen. Die Herausforderung dabei ist, aus der Vielzahl möglicher Einflussfaktoren, die maßgeblichen Erfolgsfaktoren zu identifizieren. Nach der Zusammenstellung einer Liste sämtlicher möglicher internen und externen Faktoren erfolgt die Experten-Bewertung hinsichtlich ihrer Erfolgsrelevanz mit der Konzentration auf drei bis sechs Faktoren.37 Die Erfolgsfaktoren können nach branchen-, sektor-, unternehmens- oder kundengruppenspezifischen Gruppen kategorisiert werden.38

3. Methoden

In den nachfolgenden Unterkapiteln wird zunächst die Analyse des Gaming-Markts durchgeführt. Hierbei werden die vier erfolgreichsten Konkurrenten für blockchain-basierte Spielesoftware betrachtet und die Hauptzielgruppe definiert. Daraus ergeben sich fünf kritische Erfolgsfaktoren, die bei der Erstellung eines Whitepapers berücksichtigt werden sollten (s. Kap. 4 „Ergebnisse“).

3.1. Markt-Analyse

Die Marktanalyse beschäftigt sich mit der systematischen Untersuchung eines Marktes, um Daten und Fakten über den Ist-Zustand der Kunden und Wettbewerber aufzubereiten.39 Daraus resultierend werden strategische Aktivitäten im Bereich der Produktentwicklung, der Businesskonzeption, des Marketings etc. festgelegt.40 Insbesondere für Startups ist eine Marktanalyse unerlässlich, denn "Wer nicht weiß, ob der Markt sein Angebot annimmt, wie gesättigt der Markt für sein Produkt ist, wie groß das Potential ist, wie sich die Branche entwickelt, kann keine strategischen marktorientierten Unternehmerentscheidungen treffen."41 Zunächst wird der Gaming-Markt im Allgemeinen und dann der spezifische ICO-Markt betrachtet:

Der Gaming-Markt mit den Segmenten Hardware und Games42 beeinflusst maßgeblich die Gesellschaft und die Digitalisierungstrends und prägt stark die Entwicklungen in der Technologie, Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft.43

Die Gaming-Branche ist durch die folgenden Haupteigenschaften kennzeichnet:

Startup-Geist und Schnelligkeit: Viele neue Spielkonzepte für aktuelle Marktlücken stammen von normalen begeisterten Gamern.44 Die digitale Transformation mit den damit einhergehenden neuen Geschäftsmodellen, die nicht vollständig erschlossenen Märkten, die sich global anbietende Zielgruppenerreichbarkeit sowie der vergleichsweise geringe Kapitalbedarf begünstigen Startup-Gründungen im Bereich Online oder Mobile.45

Kurze Produktlebenszyklen: Die Produktlebenszyklen sind sehr kurz und dynamisch, so gab es vor 20 Jahren keine Videogames und vor 10 Jahren keine Social Games.46 Wenn in der Automobilindustrie oder Gesundheitswesen die Entwicklungszyklen neuer Märkte oder Genres Jahre oder Jahrzehnte dauern, betragen diese in der Gaming-Branche bis zu 18 Monate.47

Geringe Markteintrittsbarrieren: Die Zahl der Anbieter auf dem bereits polypolitischen Markt erhöht sich ständig weiter. So wurden laut GamesMarkt allein im Jahr 2014 1.442 neue Spiele auf dem deutschen Markt eingeführt.48 Gleichzeitig liegt aber auch die Floprate49 bei Produktneueinführungen bei über 90 %, was generell typisch für die Konsumgüterindustrie ist.50

Die internationale Ausrichtung ist ein weiteres Merkmal der Branche.51

Die Merkmale stellen sowohl Chancen als auch Risiken dar und sind eine große Herausforderung für viele Gründer, denn hierbei sind starke Managementkompetenzen und eine marktorientierte Unternehmensführung gefragt.52 Noch dynamischer und herausfordernder ist jedoch der ICO-Markt:

Allein im Jahr 2017 haben Anleger etwa 5,5 Milliarden US-Dollar in ICOs investiert, etwa 295 Millionen mehr als 2016.53 Das Jahr 2018 hat mit 13,7 Milliarden US-Dollar in den ersten fünf Monaten bei einer Anzahl von 537 ICOs einen neuen bemerkenswerten Rekord vermerkt.54

Die wichtigsten ICO-Standorte sind dabei die USA, die Schweiz und Singapur, gefolgt von Großbritannien und Hongkong. Auch die Kaimaninseln und die Britische Jungferninseln zählen durch zwei ICO-Startups (EOS = 4,1 Mrd. USD, Telegram = 1,7 Mrd. USD) zu den volumengrößten ICO-Ländern. Auch Länder wie Estland, Litauen und Israel gehören zu den renommiertesten ICO-Standorten.55

Was die Anzahl an ICO-Projekte angeht, wurden im Jahr 2017 in der USA über 1.000 Projekte veröffentlich, gefolgt von Russland mit über 300 Projekten und Singapur mit ca. 250 Projekten. Deutschland befindet sich auf Platz sieben mit fast 180 Projekten nach China, Hong Kong und Israel. Trotz sehr attraktiver Rahmenbedingungen wurden in der Schweiz nur 64 Projekte veröffentlicht.56 Von den Top 20 abgeschlossenen und bestfinanzierten ICOs aller Zeiten sind 65 % erfolgreich und auf Kurs, 20 % kämpf(t)en mit größeren Schwierigkeiten, 10 % haben noch kein Produkt auf dem Markt und 5 % wurden aufgelöst.57

Durch die steigende wirtschaftliche Bedeutung und Attraktivität werden weltweit vermehrt Richtlinien und Krypto-Regulierungen veröffentlicht.58

3.2. Wettbewerbs-Analyse

Wettbewerb und Konkurrenz sind unvermeidliche Einflussfaktoren für alle Marktteilnehmer.59 In dieser Fallstudie wird auf die fünf Kräfte nach Porter eingegangen, diese aus Kapazitätsgründen vom Umfang her jedoch begrenzt.

Der Staat als Regulierer: Die Krypto-Games und die ICO werden nur in einzelnen Ländern reguliert; einheitliche Richtlinien fehlen jedoch noch.60

Die Verhandlungsmacht der Lieferanten: Die Lieferanten sind Online-Plattformen-Betreiber oder Software-Entwickler, die keine starke Verhandlungsposition haben, da der Markt polypolistisch ist. Die Auswahl an ICO-Plattformen und Entwicklern ist auf dem internationalen Markt groß.

[...]


1 vgl. Brühl/Dorschel (2018), S. 278

2 vgl. Braunschweig/Pichler (2018), S. 147

3 vgl. Siemens (2018)

4 vgl. Rosenberger (2018), S. 93f

5 vgl. Hahn/Wons (2018), S. 1

6 vgl. Aulet (2016), S. 25

7 vgl. Hahn (2018), S. 16

8 vgl. Schmidt (2018), S. 17

9 vgl. Brühl/Dorschel (2018), S. 279

10 vgl. Rosenberger (2018), S. 53

11 vgl. Brühl/Dorschel (2018), S. 280f

12 vgl. Rosenberger (2018), S. 62f

13 vgl. Dittrich/Egner (2016), S. 166f

14 vgl. Braunschweig/Pichler (2018), S. 143

15 vgl. Pielke (2018), S. 2

16 vgl. Braunschweig/Pichler (2018), S. 145

17 vgl. Braunschweig/Pichler (2018), S. 144

18 vgl. Braunschweig/Pichler (2018), S. 143

19 vgl. Rosenberger (2018), S. 9

20 vgl. Braunschweig/Pichler (2018), S. 147

21 Brühl/Dorschel (2018), S. 281

22 vgl. Rosenberger (2018), S. 54

23 vgl. Hahn/Wons (2018), S. 4

24 vgl. Hahn/Wons (2018), S. 3

25 Hahn/Wons (2018), S. 2 BaFin (2017)

26 vgl. Demant (2014), S. 54f

27 vgl. BaFin (2017)

28 vgl. Hahn (2018), S. 96f

29 vgl. Hahn (2018), S. 96

30 vgl. Schramm/Carstens (2014), S. 120f

31 vgl. Schramm/Carstens (2014), S. 119f

32 vgl. Hahn/Wons (2018), S. 19

33 vgl. Hahn/Wons (2018), S. 19

34 vgl. Tokens24 (2018)

35 Szczutkowski (o. D.)

36 managementportal.de (o. D.)

37 vgl. Sztuka (o. D.)

38 vgl. managementportal.de (o. D.)

39 vgl. Henrich (2016)

40 vgl. Henrich (2016)

41 Gründerlexikon (o. D.)

42 vgl. Anderie (2016), S. 110

43 vgl. Lutz (2018), S. 1

44 vgl. Anderie (2016), S. 23

45 vgl. Hahn (2018), S. 3f

46 vgl. Anderie (2016), S. 112

47 vgl. Lutz (2018), S. 2

48 vgl. Anderie (2016), S. 129

49 Weitere Infos unter http://www.wirtschaftslexikon24.com/d/floprate/floprate.htm

50 vgl. Anderie (2016), S. 116

51 vgl. Anderie (2016), S. 126

52 vgl. Anderie (2016), S. 101

53 vgl. Rosenberger (2018), S. 94

54 vgl. strategy& (2018)

55 vgl. strategy& (2018)

56 vgl. EYGM Limited. (2017), S. 7

57 vgl. strategy& (2018)

58 vgl. strategy& (2018)

59 vgl. Cristea et. al (2016), S. 78

60 vgl. strategy& (2018)

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Kritische Erfolgsfaktoren eines Whitepapers für ein Initial Coin Offering (ICO) am Beispiel einer blockchain-basierten Spielesoftware
Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen  (Medien- und Kommunikationsmanagement)
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
42
Katalognummer
V901002
ISBN (eBook)
9783346219374
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beispiel, coin, erfolgsfaktoren, initial, kritische, offering, spielesoftware, whitepapers
Arbeit zitieren
Doina Vorosan (Autor), 2019, Kritische Erfolgsfaktoren eines Whitepapers für ein Initial Coin Offering (ICO) am Beispiel einer blockchain-basierten Spielesoftware, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/901002

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