Analyse und Interpretation von Judith Hermanns Erzählung "Sonja"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

28 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Inhaltliche Zusammenfassung

2. Analyse erzähltheoretischer Aspekte
2.1 Erzählperspektive
2.2 Zeitstrukturen / Erzählzeit und erzählte Zeit
2.3 Sprachlich-stilistische Beschreibung

3. Charakterisierung und Bewertung der Figuren und ihrer Beziehung zueinander
3.1 Ich-Erzähler
3.2 Verena – Ich-Erzähler
3.3 Sonja – Ich-Erzähler

4. Zentrale Motive und Deutungsansätze
4.1 Bedeutung bestimmter Orte und Bewegungsrichtungen
4.2 Sonjas Blicke und Körpersprache

5. Die Figurenzeichnung von Verena und Sonja: Reflexion kontrastiver Frauenbilder und unterschiedlicher Lebensentwürfe?

6. Schlussbetrachtungen

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Erzählung „Sonja“ von Judith Hermann, Gegenstand der folgenden Ausarbeitung, ist Teil des 1998 veröffentlichten Erzählbandes „Sommerhaus, später“, mit dem sie ihren ersten großen Erfolg verzeichnen konnte.

„Sommerhaus, später“ beinhaltet insgesamt neun Erzählungen, deren Handlung sich in Berlin oder in der näheren Umgebung abspielt. Die Hauptfiguren sind allesamt junge Menschen – die meisten zwischen zwanzig und dreißig Jahre alt –, die trotz ihres Alters seltsam antriebslos und müde wirken.

Die Erzählung „Sonja“ ist eine der umfangreicheren des Erzählbandes. Wie der Titel vermuten lässt, geht es um eine junge Frau mit dem Namen Sonja. Die männliche Hauptfigur lernt Sonja auf einer Zugfahrt im Mai kennen, als sie sich auf der Rückreise von Hamburg, dem Wohnort ihrer Freundin Verena, nach Berlin befindet. Zwischen ihnen entwickelt sich eine ganz besondere Form von platonischer Beziehung, deren Verlauf und Ende den zentralen Erzählgegenstand bilden. Bei der männlichen Hauptfigur handelt es sich zugleich um den aus der Ich-Perspektive berichtenden Erzähler, der seine Erlebnisse der vergangenen 22 Monate Revue passieren lässt.

1.1 Inhaltliche Zusammenfassung

So „gewöhnlich“1 die Umstände des Kennenlernens sind, so ungewöhnlich ist die erste Kontaktaufnahme und der weitere Beziehungsverlauf zwischen dem Ich-Erzähler und Sonja: „[...] und dann war sie neben mir, und sagte: >Soll ich warten.< Sie fragte nicht, sie sagte es einfach und schaute dabei auf den Boden, ihre Stimme war aber überhaupt nicht verlegen, sondern fest und ein wenig rauh.“2 Zwei Wochen später, nachdem der Ich-Erzähler Sonja angerufen hat, treffen sich die Beiden in einem Café am Ufer der Spree. Nach diesem ersten Treffen vergisst der Ich-Erzähler Sonja schnell wieder und bereitet sich auf eine Ausstellung seiner Bilder vor, zu der auch seine Freundin Verena aus Hamburg anreist. Obwohl er Sonja nicht von seiner Ausstellung erzählt hat, erscheint sie an dem Abend plötzlich in der Galerie: „[I]ch schaute sie an und sah dann zu Verena, die an der Bar stand. Sonja folgte meinem Blick und begriff sofort.“3 Im Juli verlässt Verena Berlin und er meldet sich nochmals bei Sonja, die sich ihm allerdings entzieht: „Sie war nicht zu Hause. Jedenfalls ging sie nicht ans Telefon. Ich versuchte es wieder und wieder“4. Im November erhält der Ich-Erzähler von ihr schließlich eine Einladung zu einem Fest in ihrer Wohnung. Er geht hin und sieht Sonja in den Wochen danach fast jede Nacht. Die Nächte verlaufen immer gleich. Sie spazieren gemeinsam durch den Schnee und ziehen „von einer nächtlichen Bar in die nächste, tr[i]nken Whisky und Wodka“5 – Sonja schweigend, der Ich-Erzähler „wie zu [sich] selbst“6 redend. Verena, die sich während der Wintermonate auf Reisen befindet, kündigt ihr Kommen für Ende März an und Sonja verschwindet wiederum wochenlang von der Bildfläche. An einem sonnigen Juni-Tag beschließen der Ich-Erzähler und Verena ins Freibad gehen: „Verena [...] behauptete, sie sei verrückt nach Wasser und lief barfuß vor mir über die Liegewiese [...]. Im winzigen Schatten einer Birke blieb sie triumphierend stehen, breitete ihr Handtuch aus, setzte sich hin. Direkt neben ihr saß Sonja.“7 Verena bemerkt weder die Blicke zwischen dem Ich-Erzähler und Sonja noch wie peinlich ihrem Freund diese groteske Situation ist. Er läuft Sonja nach und sie fragt ihn: „>Wollen wir uns sehen oder nicht.< Der Ton in ihrer Stimme war derselbe, in dem sie damals am Bahnhof gesagt hatte: >Soll ich warten<, ich fühlte mich wie ein Idiot“8. Wieder beginnt eine Zeit, in der die Beiden Tag und Nacht miteinander verbringen, ohne dass sich zwischen ihnen eine klassische Liebesbeziehung – auf emotionaler und körperlich-sexueller Ebene – entwickelt. Als Sonja und der Ich-Erzähler an einem Abend im Juli auf einem kleinen Bahnhof nahe Berlin auf den Zug warten, prophezeit sie ihm, er werde sie irgendwann heiraten und mit ihr Kinder kriegen. Der Ich-Erzähler kann es nicht fassen: „Ich fand sie lächerlich und blöd, und nichts erschien mir absurder als gerade Sonja zu heiraten und mit ihr Kinder zu bekommen.“9 Erst als Sonja damit droht, sich vor den nahenden Zug zu werfen, gibt er ihr ein Heiratsversprechen, um so die Situation zu entschärfen. In den folgenden Herbstmonaten sehen sich die Beiden seltener, Sonja muss schließlich aus beruflichen Gründen verreisen und der Ich-Erzähler fährt nach Hamburg, um der „völlig überraschten Verena einen atemlosen Heiratsantrag“10 zu machen. Verena nimmt den Antrag an, bucht eine Hochzeitsreise nach Santa Fé und stellt den Ich-Erzähler „ihrer entsetzlichen Mutter“11 vor. Als der Ich-Erzähler Sonja von der für den kommenden März geplanten Hochzeit erzählt, will er „Sonja die Fassung verlieren sehen“12, aber Sonja bleibt still sitzen. Schließlich hält der Ich-Erzähler die unerträgliche Stille nicht länger aus und geht. „Ich dachte, es würde wohl weitergehen, weitergehen, irgendwie“13, glaubt der Ich-Erzähler,

aber Sonja verschwindet aus seinem Leben und zieht weg. Sein letzter Brief an Sonja liegt Anfang Dezember mit der Aufschrift „Empfänger unbekannt verzogen“ in seinem Briefkasten und als er – noch immer hoffnungsvoll – zu ihrer Wohnung fährt, sieht er sich schlagartig mit der Realität konfrontiert: „Ich drückte auf die Klingel; es blieb still. Ich spähte durch das Schlüsselloch in den langen, weißgestrichenen, leeren Flur ihrer Wohnung hinein und wußte, daß sie fort war.“14

2. Analyse erzähltheoretischer Aspekte

Wenn im Folgenden der Fokus auf der Erzählperspektive, der zeitlichen Strukturierung der Erzählung sowie auf sprachlich-stilistischen Merkmalen liegt, sollte zugleich berücksichtigt werden, wie stark die vom Autor / von der Autorin generierte Erzählinstanz und deren sprachliche und formale Darstellung der Erzählhandlung die leserspezifische Wahrnehmung beeinflussen können. Der Grad dieser Beeinflussung wird sowohl Gegenstand der nachfolgenden Analyse sein als auch einen wichtigen Referenzrahmen für alle weiteren Kapitel darstellen, deren Schwerpunkt im Bereich Wertung und Deutung anzusiedeln ist.

2.1 Erzählperspektive

Es handelt sich in der Erzählung um einen homodiegetischen Erzähler, der als männliche Hauptfigur unmittelbar in das Geschehen involviert ist. Seine Wahrnehmung der Ereignisse sowie der Gedanken und Gefühle der beiden weiblichen Hauptfiguren ist im Sinne interner Fokalisierung15 eingeschränkt. Indem die Schilderungen und das Erleben des Erzählers seinem als Figur bestehenden point of view unterliegen, dürfen sie keineswegs als objektive Beschreibungen einer fiktiven Wirklichkeit verstanden werden – wenngleich es sich bei großen Teile des Erzählerberichts um Reflexionen und aus der Retrospektive gewonnene Einschätzungen handelt. Dies ist unter anderem zu Beginn der Erzählung der Fall, wenn der Erzähler einleitend von Sonja berichtet als einer Frau, „an die man sich noch Jahre später mit dem Gefühl eine ungeheuren Versäumnisses erinnert.“16

Dass der Erzähler die Möglichkeit der Introspektion zur authentischen Wiedergabe eigener Emotionen und nicht zum Zweck „persuasive[r] Rhetorik“17 nutzt, kann insbesondere bei der Beschreibung seiner Liebe zu Verena in Frage gestellt werden. „[I]ch hatte acht Tage mit ihr

verbracht, und ich war sehr in sie verliebt”18, beteuert er wenig glaubwürdig, insofern die Zusammensetzung seiner Aussage – die unmittelbare Verbindung von rein faktischen Angaben und der Äußerung von Emotionen gewissermaßen in nur einem Atemzug – die berechtigte Vermutung aufwirft, er wolle rückblickend und rückwirkend den Leser und letztlich auch sich selbst von der eigenen Verliebtheit überzeugen.

Differenzieren lässt sich des Weiteren die Einbindung des Erzählers in den Handlungsverlauf seitens der Autorin. Obwohl auch mit einem erzählenden Ich gearbeitet wird, tragen die meisten Passagen wesentliche Züge einer am erlebenden Ich orientierten, unmittelbaren und sehr emotionalen Darstellungsweise, bei der „sich das Orientierungszentrum des Lesers in der Person des Erzählers als einer Handlungsfigur“19 befindet. Exemplarisch nennen lässt sich hier die Situation, in der Sonja dem Ich-Erzähler unter Androhung von Selbstmord ein Heiratsversprechen abringt:

Der Zug kam näher, und ich setzte mich wieder. Sonja schrie wutentbrannt: >Heiratest du mich, ja oder nein?< Ich musste lachen und schrie zurück: >Liebste Sonja! Ja! Ich heirate dich, wann immer du willst!< Und Sonja lachte auch, der Zug raste, die Luft roch nach Metall. Ich sagte ihren Namen, ganz leise und erschrocken, dann sprang sie vom Gleis zurück auf den Bahnsteig.20

Einige Zeilen später kommentiert das nunmehr erzählende Ich die Folgen dieses Erlebnisses in vorausdeutender Weise: „Alles, was danach geschah, geschah aus Angst. Ich glaube, ich hatte Angst vor Sonja, ich hatte Angst vor der plötzlich so naheliegenden Möglichkeit eines Lebens mit einer seltsamen kleinen Person“21. An mehreren Stellen findet sich die Variation von erzählendem und erlebenden Ich direkt aufeinander folgend, so dass eine klare Abgrenzung erschwert ist.

2.2 Zeitstrukturen / Erzählzeit und erzählte Zeit

Mit der Wahl einer bestimmten Erzählperspektive geht eine mehr oder minder umfangreiche Verfügbarkeit zeitlicher Darstellungsmöglichkeiten einher. Im vorliegenden Fall kann der homodiegetische Erzähler aufgrund seiner Retrospektive über die Kategorie Zeit bis zu dem Zeitpunkt frei verfügen, an dem er mit seinem Bericht in der fiktiven Erzählergegenwart angelangt ist. Von diesem Punkt an kann er lediglich Vermutungen in Bezug auf zukünftige Ereignisse äußern – „Ich bin mir sicher, daß man ihr [Anm.: Sonjas] Haus bald abreißen wird“22 – oder von dem erzählen, was unmittelbar zuvor geschehen und damit trotzdem bereits vergangen ist.

Am Anfang der Erzählung stehen Reflexionen und Wertungen des Erzählers, die sich inhaltlich auf die vergangenen Ereignisse beziehen, jedoch in der Erzählergegenwart geäußert werden und dementsprechend Verben im Präsens aufweisen. Am Ende der Erzählung ist der Erzählerbericht in dieser Gegenwart angelangt und thematisiert die aktuellen Gedanken des Ich-Erzählers. Die Erzählung beginnt in diesem Sinne mit der Beschreibung Sonjas – „Sonja war biegsam. Ich meine nicht dieses >biegsam wie eine Gerte<, nicht körperlich.“23 – und endet mit dem Wunsch des Ich-Erzählers heraus zu finden, wo Sonja aktuell lebt: „Ich warte darauf, daß ich irgendwann dieser kleinen, rothaarigen Frau begegne, um sie zu fragen, wo Sonja jetzt lebt [...]“24 Insofern in beiden Äußerungen der Zeitpunkt der Aussage in der Gegenwart des Erzählers liegt, bilden sie einen perspektivischen Rahmen um den eigentlichen Erzählgegenstand, der Teil der Vergangenheit ist: Der Erzähler selbst rückt dabei in den Hintergrund und übernimmt die Rolle der männlichen Hauptfigur. Erst durch einfließende Kommentare nimmt der Leser die Präsenz einer Erzählinstanz wieder wahr: „Dieser Sommer war Sonjas Sommer“25, bemerkt der Erzähler und fährt dann in seiner Funktion als involvierte Figur fort. Der Erzähler bedient sich des Öfteren solcher vorausdeutender Angaben; vorausdeutenden Charakter haben sie, insofern mit ihnen alle nachfolgenden Informationen auf nur einen einleitenden Satz reduziert erscheinen: Es folgt eine detaillierte Beschreibung, warum der Sommer Sonjas Sommer wird. Der Erzähler vergewissert sich auf diese Weise des Verständnisses und der Orientierung seitens des Lesers. Darüber hinaus indizieren diese Angaben und alle weiteren Zeitangaben die vorliegende Chronologie und Kontinuität der erzählten Zeit. Insbesondere Verenas mehrfache An- und Abreise gehen stets mit konkreten zeitlichen Angaben einher: „Im Juli fuhr Verena zurück nach Hamburg.“26 oder „Im Januar kam eine Karte aus Agadir, auf der sie [Anm.: Verena] mir ihre Ankunft für Ende März mitteilte [...]“27. Dagegen wird Sonjas mehrmaliges Verschwinden in keinen derart klaren zeitlichen Zusammenhang eingeordnet. Ihr Kommen und Gehen scheint sich, genau wie das Sich-treiben-lassen des Ich-Erzählers, weitgehend außerhalb zeitlicher Dimensionen zu vollziehen: „Die Stadt war für Wochen in eine gelbes Licht getaucht, es war sehr heiß, und ich verbrachte Stunden damit, in meinem Zimmer nackt auf dem Holzboden zu liegen und an die Decke zu starren.“28

Dass Erzählzeit und erzählte Zeit angesichts einer erzählten Zeitspanne von etwa 22 Monaten auf wenigen Seiten Text weit auseinander driften, liegt auf der Hand. Die Erzählgeschwindigkeit variiert aufgrund zahlreicher Ellipsen, mit denen minimal ein bis zwei Stunden und maximal vier Monate erzählter Zeit ausgelassen werden. Des Weiteren wird die erzählte Zeit durchgehend gerafft, nur einzelne Ereignisse oder Erlebnisse – teilweise mit einem hohen Anteil direkter dialogischer Rede – weisen eine deutlich verminderte Diskrepanz zwischen erzählter Zeit und Erzählzeit auf und erschließen sich dem Leser dadurch in ihrer Bedeutsamkeit für den Erzählzusammenhang. Dies ist zum Beispiel der Fall, als Sonja in ihrer Wohnung ein Fest gibt und der Ich-Erzähler sie das erste Mal in ihrer vertrauten Umgebung erlebt:

Aus drei oder vier fast leeren Zimmern schien Kerzenlicht, irgendwo sang Tom Waits, ich war überhaupt nicht betrunken, und dennoch begann alles – zu schwimmen. [...] Vor den Fenstern wurde das Licht grau, ich lief durch die Zimmer und versuchte, sie [Anm.: Sonja] zu finden, aber sie war nicht mehr da. Die kleine, rothaarige Frau kam auf mich zu, ihr Lächeln war genauso siegesgewiß wie Sonjas vor Stunden, sie sagte: »Sie ist weg. Sie geht immer zum Schluss.«29

Die erwähnten 22 Monate erzählter Zeit nehmen ihren Anfang im Mai, als der Ich-Erzähler Sonja kennen lernt. „[D]er Zug fuhr durch die Mark Brandenburg, und die Wiesen waren sehr grün unter langen, frühabendlichen Schatten.“30 Sie ziehen sich bis in den Winter des übernächsten Jahres: „Es ist Februar, ich lege unentwegt Kohlen in den Ofen, aber es will nicht warm werden.“31 Während am Anfang der Erzählung eine positive Grundstimmung erzeugt wird, ist die Atmosphäre am Ende bedrückend. Anfangs- und Endpunkt bilden einen atmosphärischen Rahmen, innerhalb dessen sich die konfliktreiche Beziehung zwischen Sonja und dem Ich-Erzähler abspielt.

2.3 Sprachlich-stilistische Beschreibung

Der Erzählband „Sommerhaus, später“ weist Judith Hermann als Autorin aus, die in ihrem Schreiben statt stilistisch ausgefeilter, komplexer Satzgefüge parataktische Satzstrukturen bevorzugt. Ihre Erzählung „Sonja“ besteht vorrangig aus kürzeren, parataktischen Sätzen und setzt durch diesen distanzierten, lakonischen Schreibstil auch inhaltliche Akzente. Sie ist außerdem durch einen stark kommentierenden Erzählstil gekennzeichnet. Aus der wechselnden Erzählgeschwindigkeit ergeben sich „Rhythmuseffekte“32, die Spannung beim Leser erzeugen und durchgehend aufrecht erhalten. Was in einer Rezension ihres zweiten Erzählbandes „Nichts als Gespenster“ aus dem Jahr 2003 hinsichtlich der Erzählhaltung angemerkt wird, trifft ebenso auf den zweiten Erzählband und die Erzählung „Sonja“ zu: „unprätentios, [...] retrospektiv, unterkomplex an der Grenze zur Anspruchslosigkeit [...]. Der Radius des Erzählten verlässt nie die Bannmeile weiblicher Selbstwahrnehmung.“33 Im Fall von „Sonja“ handelt es sich bekanntermaßen nicht um weibliche, sondern um männliche Selbstwahrnehmung. Berücksichtigt man die Geschlechterdifferenz zwischen der Autorin und dem ihrerseits fingierten Ich-Erzähler zeigt sich der literarische Wert der Erzählung „Sonja“: Die Perspektive des kreierten männlichen Ich-Erzählers wird konsequent eingehalten und es entsteht ein authentisches Konstrukt seiner Erinnerungen und Gefühle. Der unprätentiose, an der Alltagssprache orientierte Erzählstil trägt zu dieser Authentizität bei.

[...]


1 Hermann, Judith, „Sonja“, S. 56.

2 Ebd., S. 57 f.

3 Ebd., S. 62 f.

4 Ebd., S. 64.

5 Ebd., S. 69.

6 Ebd., S. 68.

7 Ebd., S. 74.

8 Ebd., S. 75.

9 Ebd., S. 77.

10 Ebd., S. 79.

11 Ebd., S. 79.

12 Ebd., S. 81.

13 Ebd., S. 82.

14 Ebd., S. 83.

15 Vgl. Mein, Georg, Erzählungen der Gegenwart, S. 14 f.

16 Hermann, Judith, „Sonja“, S. 55.

17 Mein, Georg, Erzählungen der Gegenwart, S. 88.

18 Hermann, Judith, „Sonja“, S. 55.

19 Dreier, Ricarda, Literatur der 90er-Jahre, S. 22.

20 Hermann, Judith, „Sonja“, S. 78.

21 Ebd., S. 79.

22 Ebd., S. 84.

23 Ebd., S. 55.

24 Ebd., S. 84.

25 Ebd., S. 76.

26 Ebd., S. 63.

27 Ebd., S. 70.

28 Ebd., S. 63.

29 Ebd., S. 66.

30 Ebd., S. 55.

31 Ebd., S. 84.

32 Mein, Georg, Erzählungen der Gegenwart, S. 80.

33 Radisch, Iris, „Berliner Jugendstil“, akutell am 25.02.2008.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Analyse und Interpretation von Judith Hermanns Erzählung "Sonja"
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Junge deutschsprachige Gegenwartsliteratur
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
28
Katalognummer
V90134
ISBN (eBook)
9783638044332
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Interpretation, Judith, Hermanns, Erzählung, Sonja
Arbeit zitieren
Claudia Beckmann (Autor), 2008, Analyse und Interpretation von Judith Hermanns Erzählung "Sonja", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90134

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