Der ausführliche Titel macht schon deutlich worum es in der vorliegenden Arbeit geht. Da ich in meiner späteren Tätigkeit als Lehrerin viel mit Kindern zu tun haben werde, habe ich mir folgende Fragen gestellt: "Was ist eigentlich Kindheit? Wo kommt sie her? Hat es sie schon immer gegeben? Gibt es sie im Moment und wie sieht sie gerade aus?" Das waren nicht die einzigen Fragen, denn je mehr ich mich mit der Literatur auseinandersetzte, desto mehr fragen traten auf. In erster Linie hielt ich mich an Phillippe Ariés und Neil Postman um diese Fragen zu klären.
Doch damit war ja noch lange nicht alles geklärt.
"Wie sah die Kleidung der Kinder früher aus? War die Kleidung früher für alle gleich, oder nicht? Wann kam es zu Veränderungen und zu welchen?" Auf diese Fragen holte ich mit die Antworten vor allem von Ingeborg Weber-Kellermann aus ihren beiden Büchern: Die Kindheit und Der Kinder neue Kleider.
"Wenn man Rosa hört, denkt man kleine Mädchen. Und wenn man Blau hört, denkt man an kleine Buben. Warum? War das schon immer so? Wer legt so etwas fest?" Auf diese Fragen hab ich Antworten in Eva Hellers Buch gefunden.
"Wie kleiden sich Kinder und Jugendliche heute? Gibt es noch eine spezielle Kindermode, oder nicht mehr? Bestimmt die allgemeine Mode ihre Kleidung?" Diesen Fragen wollte ich mit Hilfe eines Fragebogens für Kinder und Jugendliche auf den Grund gehen, die ich in Mondsee, Radstadt und der Stadt Salzburg durchführen durfte. Hier an dieser Stelle möchte ich mich bei all jenen LehrerInnen und Kindergärtnerinnen bedanken, die mich dabei unterstützt haben. Danke!
Natürlich stellt sich dann auch solche Frage: "Was kann ich mit meinen Erkenntnissen nun direkt für die Schule anfangen? Welche didaktischen Konsequenzen entstehen? Welche Themen sollen unbedingt mit den Schülern besprochen und bearbeitet werden?" Dazu habe ich mich zuerst an didaktischen Modellen in der Literatur orientiert und dann selbst zwei Konzepte entwickelt, die aber für die Umsetzung im Unterricht noch intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema erfordern würden, da sie stark von den jeweiligen Gruppen und von der Lehrperson abhängig sind. Die Arbeit gliedert sich also nach meiner Fragestellung genau in diese fünf Teile: Kindheit, Kinderkleidung im Wandel der Zeit, typische Kinderfarben und deren Bedeutung, Auswertung der Fragebögen zum Thema Mode, Kleidung und Farbe, Didaktische Überlegungen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Entwicklung und Verlauf des Phänomens Kindheit
1.1 Die Zeit vor der Entdeckung der Kindheit
1.1.1 Die Antike
1.1.2 Das Mittelalter
1.2 Die Entdeckung der Idee der Kindheit
1.3 Der Bedeutungswandel des Phänomens Kindheit
1.3.1 Allgemeine Entwicklung
1.3.2 Die rechtliche Stellung des Kindes im Wandel der Zeit
1.4 Das Verschwinden der Kindheit
1.4.1 Gründe
1.4.2 Verlauf
1.5 Wie sieht die Situation heute aus?
2. Kostümgeschichte der Kindermode
2.1 Die Zeit vor der französischen Revolution
2.1.1 Die aristokratische Kinderkleidung
2.1.2 Die ländliche Kinderkleidung
2.2 Französische Revolution bis 1815
2.2.1 Die aristokratische Kindermode
2.2.2 Die bürgerliche Kindermode
2.2.3 Die ländliche Kindermode
2.3 Biedermeierkinder
2.3.1 Die bürgerliche Kindermode
2.3.2 Die Kleidung der Arbeiterkinder
2.4 Nachmärz
2.4.1 Die bürgerliche Kindermode
2.4.2 Die Kleidung der Arbeiterkinder
2.5 Kinderkleidung im Kaiserreich
2.5.1 Die Kleidung der Herrschaftskinder
2.5.2 Die Kleidung der Arbeiterkinder
2.6 Reformkleidung und Wandervogelkluft
2.6.1 Der Reformgedanke in der Kinderkleidung
2.6.2 Die Wandervogelkluft
2.7 Kindermode in den 20ern
2.7.1 Die städtisch-bürgerliche Kinderkleidung
2.7.2 Die Kleidung der Arbeiterkinder
2.8 Die Zeit des Nationalsozialismus
2.8.1 Die Uniformen der Jungen
2.8.1.1 Das deutsche Jungvolk
2.8.1.2 Die Hitlerjugend
2.8.2 Die Uniformen der Mädchen
2.8.2.1 Die Jungmädel
2.8.2.2 Bund deutscher Mädel
2.9 Vom zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart
2.9.1 Interview mit Frau Marianne Giretzlehner
2.9.2 Interview mit Frau Gudrun Hirz
2.9.3 Interview mit Frau Gudrun Hirz und ihrer Tochter Astrid
3. Die symbolische Bedeutung der beiden typischen Kinderfarben
3.1 Rosa für die Mädchen
3.2 Blau für die Buben
3.3 Die Umkehrung der Farbbedeutung
4. Befragung
4.1 Fragebögen
4.2 Thesen hinter der Befragung
4.2.1 Wichtigkeit der Mode
4.2.2 Mode und Qualität
4.2.3 Wer hilft beim Aussuchen der Kleidung?
4.2.4 Die Farbigkeit
4.3 Auswertung der Befragung
4.3.1 Wichtigkeit der Mode
4.3.2 Mode und Qualität
4.3.3 Wer hilft beim Aussuchen der Kleidung?
4.3.4 Die Farbigkeit
5. Didaktische Überlegungen
5.1 Zusammenhang mit dem Lehrplan
5.2 Wie sind andere Personen an das Thema Mode im Unterricht herangegangen?
5.2.1 Traute El-Gebali-Rüter
5.2.1 Doris Schmidt
5.2.3 Bärbel Kursawe
5.3 Meine eigenen Überlegungen
5.3.1 Eine Unterrichtssequenz für die 1./2. Klasse
5.3.2 Eine Unterrichtssequenz für die 3./4. Klasse
5.3.3 Weiterführendes zum Thema
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Phänomens Kindheit unter besonderer Berücksichtigung der Kinderkleidung und Mode. Ziel ist es, die gesellschaftliche Stellung des Kindes im Wandel der Zeit zu analysieren und zu prüfen, inwieweit heutige Trends bei Kindern und Jugendlichen (Modebewusstsein, Farbwahl, Einkaufsverhalten) von den historisch gewachsenen Strukturen geprägt sind und welche didaktischen Konsequenzen daraus für den textilen Werkunterricht gezogen werden können.
- Die historische Evolution des Konzepts "Kindheit" und dessen soziale/rechtliche Bedingungen.
- Kostümgeschichtliche Analyse der Kindermode von der Antike bis zur Gegenwart.
- Die symbolische Umkehrung der Bedeutung von "Rosa" und "Blau" als geschlechtsspezifische Farben.
- Empirische Untersuchung (Fragebögen) zum aktuellen Modebewusstsein bei Kindern und Jugendlichen.
- Didaktische Konzepte zur Implementierung des Themas Mode im schulischen Unterricht.
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Die Antike
Wenn man auf die Kunstwerke dieser Zeit sieht, so wird man kein einziges Kind finden, denn die alten Griechen widmeten der Kindheit kaum Aufmerksamkeit. Zwar wurde sie als Zeitabschnitt auf dem Weg zum Erwachsenen festgehalten, aber für etwas Besonderes wurde sie nicht gehalten. Kinder wurden vermutlich früh wie Erwachsene behandelt oder hatten gar keine Rechte, wie die ungestrafte Kindestötung in dieser Zeit beweist. Es wurde also wenig darauf geachtet, was Kindheit in unserem heutigen Sinn ausmacht. Mit der Ausnahme, dass die Griechen der Erziehung besonderes Augenmerk schenkten, was noch heute durch die zahlreiche Literatur zu diesem Thema belegt.
Es besteht kein Zweifel, dass die Griechen die Idee der Schule erfunden haben. Ihr Wort für Schule bedeutet zugleich Muße und spiegelt so die typisch athenische Überzeugung wider, dass ein zivilisierter Mensch, der Muße hat, seine Zeit ganz natürlich mit Denken und Lernen zubringen wird. ( Postman 1983: 17 )
Und man weiß ja, dass die Griechen eine Vielfalt von Schulen gründeten und darin ihre unterschiedlichsten Erziehungsmodelle ausprobierten. Was wiederum beweist, dass den Erwachsenen eine gewisse Besonderheit der Kindheit bewusst war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Entwicklung und Verlauf des Phänomens Kindheit: Dieses Kapitel analysiert die historische Entstehung von Kindheit als soziale Struktur, beeinflusst durch Buchdruck, Schule und gesellschaftliche Vorstellungen.
2. Kostümgeschichte der Kindermode: Eine chronologische Übersicht, wie sich soziale Stellung und Kindheitskonzepte direkt in der Kleidung der jeweiligen Epochen widerspiegelten.
3. Die symbolische Bedeutung der beiden typischen Kinderfarben: Untersuchung des historischen Bedeutungswandels der Farben Blau und Rosa, die erst im 20. Jahrhundert ihre heutige geschlechtsspezifische Zuordnung erhielten.
4. Befragung: Eine empirische Auswertung von Fragebögen bei Kindern und Eltern zum modernen Kauf- und Modeverhalten.
5. Didaktische Überlegungen: Praktische Ansätze und Konzepte, wie die Erkenntnisse über Mode und Kindheit didaktisch im textilen Werkunterricht aufgearbeitet werden können.
Schlüsselwörter
Kindheit, Kindermode, Kostümgeschichte, Sozialgeschichte, Bildung, Schamgefühl, Sozialisation, Modebewusstsein, Farbsymbolik, Konsumverhalten, Didaktik, Textilunterricht, Industrialisierung, Erziehung, Kindrechtsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Wandel der Kindheit im Laufe der Geschichte und zeigt auf, wie sich die jeweilige Wahrnehmung von Kindern in ihrer Kleidung und Mode manifestiert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung der Kindheit, die Kostümgeschichte der Kindermode, die Symbolik von Farben wie Rosa und Blau sowie eine empirische Befragung zum modernen Modeverhalten heutiger Kinder.
Welche zentrale Forschungsfrage verfolgt die Autorin?
Die Autorin untersucht, wie eng die Mode mit der gesellschaftlichen Stellung des Kindes verknüpft ist und ob sich daraus didaktische Möglichkeiten für die Schule ableiten lassen, um Kinder zu einem bewussten Umgang mit Mode zu erziehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Neben einer umfassenden Literaturanalyse (u.a. Postman, Ariés) führt die Autorin eine eigene empirische Fragebogenerhebung durch, um das aktuelle Konsum- und Modeverhalten von Kindern in verschiedenen Altersstufen zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Teil (Entwicklung der Kindheit), eine detaillierte Kostümgeschichte und eine Auswertung der Befragung, ergänzt durch didaktische Konzepte für den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Kindheit, Kostümgeschichte, Modebewusstsein, Farbsymbolik, Erziehung und didaktische Vermittlung.
Welche Rolle spielt der Buchdruck für die Entstehung der Kindheit?
Laut der in der Arbeit zitierten Theorie von Neil Postman schuf der Buchdruck die Voraussetzung für Kindheit, da er eine Wissenskluft zwischen Lesenden (Erwachsenen) und Nicht-Lesenden (Kindern) etablierte.
Warum ist die Farbe Rosa heute weiblich besetzt?
Die Untersuchung zeigt, dass Rosa historisch gesehen (als "kleines Rot") lange Zeit männlich konnotiert war; die heutige Zuordnung etablierte sich erst um 1920 als Gegenpol zum Blau, das zur Farbe der Arbeitswelt und Marine wurde.
Wie verändert die Pubertät das Modeverhalten der Kinder?
Die Befragung der Autorin zeigt, dass der Übergang zur Hauptschule mit einem deutlichen Anstieg des Modeinteresses und einem stärkeren Bedürfnis korreliert, sich über Kleidung an Peer-Groups anzupassen.
- Quote paper
- Jutta Werner (Author), 2002, Die Geschichte der Kindheit - im Besonderen dargestellt anhand von Kleidung und Mode, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9015