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Die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen. Christliche Glaubenslehre und Kirchliche Dogmatik: Friedrich Schleiermacher und Karl Barth

Title: Die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen. Christliche Glaubenslehre und Kirchliche Dogmatik: Friedrich Schleiermacher und Karl Barth

Term Paper , 2015 , 27 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Eva Girke-Labonté (Author)

Theology - Miscellaneous
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In seinem zweibändigen Werk über Geschichte und Vorgeschichte der protestantischen Theologie im 19. Jahrhundert setzt sich Karl Barth mit bedeutenden Philosophen/ Theologen der Aufklärung auseinander (Kant, Hegel, Herder) und streift das Gebiet romantischer Dichtung als Sehnsucht nach dem Unendlichen (Novalis). Auf seine Abhandlung zu Friedrich Schleiermacher im ersten, exponierten Kapitel des 2. Bandes wird besonders einzugehen sein. Denn Barth erweist dem theologischen Denken Schleiermachers zwar besonderen Respekt, folgt seiner Argumentation im verstehenden, nachvollziehenden Sinne, zugleich aber grenzt er sich deutlich von ihm ab, was die zentrale Idee des Gottes- und Christusverständnisses angeht. Diese grundsätzliche Verschiedenheit beider Standpunkte soll im Folgenden näher skizziert werden.

Besonders deutlich wird in Barths Darstellung aber auch, wie sehr die Theologie als solche sich in einem sowohl fruchtbaren als auch herausfordernden Spannungsverhältnis befindet. Zum einen ist sie ihrer Zeit und ihren je geschichtlichen, wissenschaftlichen, kulturellen und sozialen Gegebenheiten verpflichtet, indem sie reflektierend, ob explizit oder implizit, auf sie Bezug nimmt. Die Theologie Schleiermachers ist nicht zu denken ohne Kants Kritik der reinen Vernunft und Hegels Religionsphilosophie; das anthropozentrische Weltbild der Aufklärung, die Begriffe von Freiheit und Autonomie des Menschen, sind in ihr zu finden. Mit der Aufklärung begann eine Epoche auch der Wissenschaftsgläubigkeit: ihre Ideale, Bildung des Menschengeschlechts, Zukunftsoptimismus, rationale Durchdringung aller Lebensbereiche, ein stetiges Fortschreiten der Menschheit sind wichtige Impulse für das liberale Bürgertum, in dem auch Schleiermacher verwurzelt ist. Die Theologie bedient sich zudem neuer wissenschaftlicher Methoden; zu nennen ist hier die historisch-kritische Methode, die bei der Bibelexegese ihre Anwendung findet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Sünde und Schuld des Menschen

II.1. Versöhnung des Menschen mit Gott durch die Erlösung von der Sünde

II.2. Die Rechtfertigungslehre Martin Luthers

III. Friedrich Schleiermacher: Der christliche Glaube nach den Grundsätzen der evangelischen Kirche im Zusammenhange dargestellt

III.1. Einleitung zur Glaubenslehre; Definition der Dogmatik

III.2. Der Glaubenslehre zweiter Teil. Das fromme Selbstbewusstsein unter dem Gegensatz von Sünde (Unlust) und Gnade (Lust)

III.2.1.Schleiermachers Ausführungen zu Wesen und Begriff der Sünde (§§ 65 – 69)

III.2.2. Der christliche Glaube. Zweites Lehrstück: Von dem Geschäft Christi (§§ 100 -104)

IV. Exkurs: Karl Barth in seiner Auseinandersetzung mit Friedrich Schleiermacher und dessen Glaubenslehre

V. Karl Barth: Die Kirchliche Dogmatik, Band IV, 1: Die Lehre von der Versöhnung

V.1. Karl Barth: Die Lehre von der Versöhnung. Übersicht

V.2. Die Lehre von der Versöhnung. 1. Die Gnade Gottes in Jesus Christus

V.2.1. Jesus Christus, der Mittler

V.2.2. Der Richter als der an unserer Stelle gerichtete

VI. Conclusio – Schlussfolgerung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verständnis der Erlösungsbedürftigkeit des Menschen durch den Vergleich der theologischen Ansätze von Friedrich Schleiermacher und Karl Barth, wobei der Fokus auf deren unterschiedlichen Positionen zu Sünde, Gnade und dem Wirken Christi liegt.

  • Theologische Einordnung von Sünde und Schuld im christlichen Kontext
  • Analyse von Friedrich Schleiermachers Glaubenslehre im Horizont der Aufklärung
  • Kritische Auseinandersetzung Karl Barths mit dem liberalen Kulturprotestantismus
  • Exegese der Christologie und Versöhnungslehre in Karl Barths "Kirchlicher Dogmatik"
  • Gegenüberstellung von menschlicher Selbstwahrnehmung und göttlicher Souveränität

Auszug aus dem Buch

III.2.1. Schleiermachers Ausführungen zu Wesen und Begriff der Sünde (§§ 65 – 69)

Alle Sätze, welche die Entwicklung des Bewusstseins der Sünde thematisieren, müssen zugleich auf diejenigen Sätze bezogen sein, welche das Bewusstsein der Gnade entwickeln. Der Begriff der Sünde ist nicht ohne den Begriff der Gnade zu denken, und umgekehrt. Sünde und Gnade bringt Schleiermacher also in ein dialektisches Verhältnis, das die Sünde mit der Erlösung zusammendenkt.

Die Sünde an und für sich betrachtet bedeutet Trennung von Gott, Hemmung der Wirksamkeit des Gottesbewusstseins, die aber nur vom Menschen als seine Tat ausgeht. Als solche steht sie in Widerspruch mit der „den Menschen als lebender Trieb zukommenden und von uns so vorausgesetzten Richtung auf das Gottesbewusstsein“. Schleiermachers rhetorische Figur der „schlechthinnigen Abhängigkeit von Gott“ ist eine zentrale Kategorie seiner Theologie und meint die durchgängige Bezogenheit und Bestimmtheit des Selbstbewusstseins auf beziehungsweise durch das Gottesbewusstsein.

Schleiermacher definiert Sünde als positiven, d.i. gesetzten „Widerstreit des Fleisches gegen den Geist“. Im Nachgeben der sinnlichen Verlockung und ihrer Befriedigung entsteht zugleich Lust, zugleich aber, auf einer höheren Ebene (später wird Schleiermacher die Kategorie des Gewissens einführen), Unlust, weil das Gottesbewusstsein geschwächt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und skizziert das Spannungsfeld zwischen Vernunft und Glaube sowie die unterschiedlichen theologischen Ausgangspunkte von Schleiermacher und Barth.

II. Sünde und Schuld des Menschen: Dieses Kapitel thematisiert den biblischen Sündenfall als Ausgangspunkt der Entfremdung von Gott und die daraus resultierende Notwendigkeit der Erlösung.

II.1. Versöhnung des Menschen mit Gott durch die Erlösung von der Sünde: Hier wird erläutert, dass der Mensch aus eigener Kraft unfähig ist, die Trennung von Gott aufzuheben, weshalb die Versöhnungstat Jesu Christi notwendig ist.

II.2. Die Rechtfertigungslehre Martin Luthers: Das Kapitel beleuchtet Luthers Verständnis der unverdienten Gnade Gottes als Gabe der Gerechtigkeit im Kontrast zum Gesetzesverständnis.

III. Friedrich Schleiermacher: Der christliche Glaube nach den Grundsätzen der evangelischen Kirche im Zusammenhange dargestellt: Es wird Schleiermachers Ansatz dargestellt, Theologie als Ausdruck des frommen Selbstbewusstseins unter den Bedingungen der Moderne neu zu begründen.

III.1. Einleitung zur Glaubenslehre; Definition der Dogmatik: Dieses Unterkapitel definiert Dogmatik als Wissenschaft, die den Zusammenhang der zeitgenössischen christlichen Lehre in einer Gesellschaft untersucht.

III.2. Der Glaubenslehre zweiter Teil. Das fromme Selbstbewusstsein unter dem Gegensatz von Sünde (Unlust) und Gnade (Lust): Hier wird der dialektische Zusammenhang von Sünde und Gnade als grundlegende Erfahrung im Selbstbewusstsein des Menschen analysiert.

III.2.1.Schleiermachers Ausführungen zu Wesen und Begriff der Sünde (§§ 65 – 69): Das Kapitel definiert Sünde als Widerstreit zwischen Fleisch und Geist und beleuchtet die Rolle des Gewissens bei der Wahrnehmung dieser Sündhaftigkeit.

III.2.2. Der christliche Glaube. Zweites Lehrstück: Von dem Geschäft Christi (§§ 100 -104): Hier wird die erlösende Tätigkeit Christi als Überwindung des menschlichen Sündenprinzips und als Neuausrichtung auf Gott beschrieben.

IV. Exkurs: Karl Barth in seiner Auseinandersetzung mit Friedrich Schleiermacher und dessen Glaubenslehre: Dieser Teil reflektiert Barths kritische, aber respektvolle Auseinandersetzung mit Schleiermachers Kulturtheologie.

V. Karl Barth: Die Kirchliche Dogmatik, Band IV, 1: Die Lehre von der Versöhnung: Das Kapitel führt in das monumentale Werk Barths ein und stellt das Kreuzesgeschehen in das Zentrum der Christologie.

V.1. Karl Barth: Die Lehre von der Versöhnung. Übersicht: Es wird die dreifache Erkenntnis Jesu Christi dargelegt, die in der Versöhnungslehre zentral ist: als Gott, Mensch und Mittler.

V.2. Die Lehre von der Versöhnung. 1. Die Gnade Gottes in Jesus Christus: Das Unterkapitel betont die absolute Freiheit und Souveränität Gottes bei der Wiederherstellung des Bundes durch Christus.

V.2.1. Jesus Christus, der Mittler: Hier wird Jesus Christus als die Einheit von Gottes Zuwendung und menschlicher Umkehr dargestellt.

V.2.2. Der Richter als der an unserer Stelle gerichtete: Das Kapitel thematisiert Gottes richterliches Handeln in der Person Christi, der sich in die Niedrigkeit begibt, um den Menschen freizusprechen.

VI. Conclusio – Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die wesentlichen Unterschiede zwischen Schleiermachers Kulturtheologie und Barths Dialektischer Theologie zusammen und betont deren bleibende Bedeutung.

Schlüsselwörter

Systematische Theologie, Friedrich Schleiermacher, Karl Barth, Sünde, Gnade, Versöhnungslehre, Christologie, Gottesbewusstsein, Rechtfertigung, Dogmatik, Erlösung, Dialektische Theologie, Kulturprotestantismus, Menschenbild, Offenbarung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das christliche Verständnis der Erlösungsbedürftigkeit des Menschen durch den Vergleich der theologischen Systeme von Friedrich Schleiermacher und Karl Barth.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die Bereiche Sünde, Gnade, Christologie, das Verhältnis von Vernunft und Offenbarung sowie das richterliche Amt Gottes in der Versöhnung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die signifikanten Unterschiede zwischen Schleiermachers auf das Selbstbewusstsein zentrierter Theologie und Barths radikalem Ansatz der göttlichen Souveränität herauszuarbeiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine systematisch-theologische Analyse und einen vergleichenden Exegese-Ansatz, basierend auf den Primärwerken der beiden Theologen und einschlägiger dogmatischer Literatur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse von Schleiermachers "Glaubenslehre" und eine umfassende Darstellung der Versöhnungslehre in Karl Barths "Kirchlicher Dogmatik".

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind die "schlechthinnige Abhängigkeit" bei Schleiermacher und die "absolute Grenzüberschreitung Gottes" bei Barth.

Warum wird Karl Barth als "Dialektischer Theologe" bezeichnet?

Barth betont den unüberbrückbaren qualitativen Unterschied zwischen Gott und Mensch, was er in seiner Theologie durch die dialektische Spannung von menschlicher Endlichkeit und göttlicher Offenbarung zum Ausdruck bringt.

Welche Rolle spielt der Begriff "Cur Deus Homo" im Text?

Der Begriff, entlehnt bei Anselm von Canterbury, dient Karl Barth als zentrale Leitfrage, um das Geheimnis der Menschwerdung Gottes im historischen Jesus Christus zu erforschen.

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Details

Title
Die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen. Christliche Glaubenslehre und Kirchliche Dogmatik: Friedrich Schleiermacher und Karl Barth
College
University of Bonn  (Evangelische Theologie)
Course
Proseminar SoSe 2015
Grade
1,3
Author
Eva Girke-Labonté (Author)
Publication Year
2015
Pages
27
Catalog Number
V901980
ISBN (eBook)
9783346204929
ISBN (Book)
9783346204936
Language
German
Tags
Karl Barth Friedrich Schleiermacher Kirchliche Dogmatik Systematische Theiologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Eva Girke-Labonté (Author), 2015, Die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen. Christliche Glaubenslehre und Kirchliche Dogmatik: Friedrich Schleiermacher und Karl Barth, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/901980
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