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Wurden erfolgreiche jüdische Fußballer während des Nationalsozialismus anders behandelt als der Rest der jüdischen Bevölkerung? Die Karriere des Julius Hirsch

Title: Wurden erfolgreiche jüdische Fußballer während des Nationalsozialismus anders behandelt als der Rest der jüdischen Bevölkerung? Die Karriere des Julius Hirsch

Bachelor Thesis , 2019 , 41 Pages

Autor:in: Jonas Thiemann (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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Summary Excerpt Details

Die Verdrängung der Juden aus der Gesellschaft und Öffentlichkeit stellt die Frage nach der Art und Weise des Umgangs der Nationalsozialisten mit einem in Deutschland bekannten jüdischen Fußballer wie Julius Hirsch. Diese Arbeit thematisiert folgende Leitfrage. Wurden Julius Hirsch und jüdische Fußballer, die mit ihren Leistungen den deutschen Sport förderten, anders behandelt als der Großteil der jüdischen Bevölkerung in Deutschland? Aus dieser Problemstellung ergeben sich weiterführende Forschungsfragen: Inwieweit konnte Julius Hirsch eine erfolgreiche Fußballkarriere absolvieren? War er schon zu Beginn seiner Karriere als jüdischer Fußballer ‚verrufen‘ oder wurde er als Fußballer akzeptiert? Wie gestaltete sich die rechtliche Grundlage für Hirsch und weitere jüdische Fußballer und Funktionäre? War Julius Hirsch generell ein typisches Beispiel für einen jüdischen Fußballer oder war er eine Ausnahme aufgrund seines besonderen Talents?

Für die Beurteilung seiner sportlichen Leistungen ist besonders seine persönliche Reflexion von Bedeutung. In diesem Rahmen ist ein Manuskript eines Vortrages erhalten, den Hirsch 1936 vor Jugendlichen im Zuge seiner Tätigkeit als Trainer beim Jüdischen Turnklub 03 Karlsruhe hielt. Zudem sollen der Arbeit diverse Zeitungsartikel der Illustrierten Sportzeitung zur Hebung der Volkskraft als Quellen dienen. Um einen Eindruck über Karlsruhes Stellung im Deutschen Fußball zu bekommen, wird zunächst ein Artikel aus dem Meisterjahr 1910 analysiert. Zudem werden Artikel, in denen Hirsch besonders Lob erfährt, wie beispielsweise bei seinem Länderspieldebüt oder im Kronprinzenpokal, genauer betrachtet. Da Hirsch 1910 mit dem KFV erstmals Deutscher Meister wurde, soll zudem der Artikel über das Endscheidungsspiel um die Deutsche Meisterschaft analysiert werden. Bezüglich Hirschs Austritt aus dem KFV ist ein Briefwechsel zwischen beiden Parteien vorhanden. Als Quellen für die rechtlichen Veränderungen werden Erlasse des Reichssportführers von Tschammer und Osten herangezogen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Kindheit und Jugend

4. Fußballkarriere

4.1 Karlsruher Fußball Verein

4.2 Nationalmannschaft

4.3 Spielvereinigung Fürth

5. Hirsch im Ersten Weltkrieg

6. Schicksalsjahr 1933

6.1 Ariesierung der Vereine

6.2 Stuttgarter Erklärung und das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums

7. Der Jüdische Sport

7.1 Bedeutung des Sports für die jüdische Bevölkerung

7.2 Makkabi und Schild

8. Psychische Probleme, Arbeitslosigkeit und Deportation

9. Andenken und Aufarbeiten der Geschichte

10. Fazit

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit untersucht die Lebensgeschichte von Julius Hirsch, einem erfolgreichen deutschen Fußball-Nationalspieler jüdischer Herkunft, und analysiert, wie er den Übergang vom gefeierten Sportler zum Opfer nationalsozialistischer Verfolgung erlebte. Zentral ist dabei die Frage, inwieweit Hirsch trotz seiner Assimilation und Verdienste für den deutschen Sport aufgrund seiner Konfession diskriminiert und schließlich aus der Gesellschaft ausgegrenzt wurde.

  • Die fußballerische Karriere von Julius Hirsch in verschiedenen Vereinen und in der Nationalmannschaft.
  • Die Auswirkungen des Antisemitismus und der NS-Machtübernahme auf jüdische Sportler und Vereine.
  • Die Rolle der "Ariesierung" im Sport und die rechtlichen Grundlagen für den Ausschluss jüdischer Mitglieder.
  • Die Entwicklung des jüdischen Sports als Schutzraum und soziale Antwort auf zunehmende Ausgrenzung.
  • Das Schicksal von Julius Hirsch während der NS-Zeit bis zu seiner Deportation und Ermordung.
  • Die posthume Aufarbeitung und das Gedenken an Julius Hirsch durch den DFB und die deutsche Sportgeschichte.

Auszug aus dem Buch

4.2 Nationalmannschaft

Da der KFV durch den Gewinn mehrfacher Süddeutscher Meisterschaften und der Deutschen Meisterschaft eine beeindruckende Bilanz aufzuweisen hatte, war es nicht verwunderlich, dass zahlreiche Spieler der Meistermannschaft vor dem Ersten Weltkrieg zum Stamm der deutschen Nationalmannschaft gehörten. Auf Seiten des KFV ragten dabei die Innenstürmer heraus: Das Trio des KFV spielte auch in der Nationalmannschaft zusammen. Hirsch kam auf sieben Einsätze für die Nationalmannschaft und erzielte vier Tore.

Aufgrund des Erfolgs der süddeutschen Auswahlmannschaften forderten einige Zeitungen als Nationalmannschaft ausschließlich die Südauswahl zu nominieren. Die Nationalmannschaft setzte sich aber weiterhin aus Spielern des gesamten Deutschen Reiches zusammen. Im letzten Länderspiel des Jahres 1911, am 17. Dezember, beim 1:4 gegen Ungarn in München, debütierte Julius Hirsch in der Nationalmannschaft. Damit folgte er seinen Mannschaftskameraden Fritz Förderer (Debüt 1908), Ernst Hollstein (Debüt 1910), Max Breuning (Debüt 1910) und Gottfried Fuchs (Debüt 1911) und war nach seinem Glaubensgenossen Fuchs, der am 26.11.1911 sein Debüt gefeiert hatte, der zweite jüdische Nationalspieler.

Der Artikel der Illustrierten Sportzeitung zur Hebung der Volkskraft legt aber dar, dass die hohe Niederlage nicht den Verlauf des Spiels widerspiegelte. Zwar sei die ungarische Mannschaft körperlich überlegen gewesen, die deutsche Mannschaft hätte trotzdem mehr Ballbesitz gehabt und hatte wenig Glück im Abschluss. So trafen die deutschen Stürmer im Verlauf des Spiels vor 6.000 Zuschauern vier Mal nur den Pfosten oder die Latte, wobei allein Hirsch zwei Mal an der Latte scheiterte. Insgesamt bekam Hirsch bei seinem Debüt sehr gute Kritiken: „In der Stürmerreihe gefiel neben dem unermüdlich seine Geschicklichkeit zeigenden Förderer besonders Hirsch.“ Dass er jüdischer Abstammung war, blieb im Artikel unerwähnt. Die Berufung in die Nationalmannschaft kann als nächster Schritt Hirschs Integration gesehen werden. Seine jüdische Konfession hinderte den DFB nicht, ihn für die Nationalmannschaft zu nominieren. Im Laufe der Zeit setzte der DFB sich vermehrt dafür ein, Hirsch für seine Dienste zu gewinnen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die sportliche Bedeutung von Julius Hirsch dar und skizziert die Fragestellung nach dem Umgang mit jüdischen Fußballern während der NS-Zeit.

2. Forschungsstand: Hier wird aufgezeigt, dass die Geschichte der jüdischen Sportbewegung in der NS-Zeit lange vernachlässigt wurde und erst in jüngerer Zeit verstärkt in den Fokus der Forschung rückte.

3. Kindheit und Jugend: Dieses Kapitel behandelt die Herkunft von Julius Hirsch in Karlsruhe, seine frühe Begeisterung für den Fußball und seinen Einstieg beim KFV.

4. Fußballkarriere: Das Kapitel beschreibt den sportlichen Aufstieg von Hirsch beim KFV, seine Erfolge in der Nationalmannschaft und seinen späteren Wechsel zur SpVgg Fürth.

5. Hirsch im Ersten Weltkrieg: Hier wird der Kriegsdienst von Hirsch beleuchtet und die anfängliche Ignoranz gegenüber seiner Konfession im militärischen Kontext sowie der aufkommende Antisemitismus thematisiert.

6. Schicksalsjahr 1933: Dieses Kapitel analysiert die Machtübernahme der Nationalsozialisten, die ökonomische Lage von Hirsch und die systematische Ausgrenzung durch die „Ariesierung“ der Sportvereine.

7. Der Jüdische Sport: Es wird die Funktion und Bedeutung des Sports für die jüdische Identität und den Widerstand gegen die Ausgrenzung in dieser Zeit untersucht.

8. Psychische Probleme, Arbeitslosigkeit und Deportation: Dieses Kapitel schildert das tragische Ende von Hirschs Leben, seine Verfolgung, die erzwungene Trennung von der Familie und die Deportation nach Auschwitz.

9. Andenken und Aufarbeiten der Geschichte: Hier wird die lange Phase des Vergessens und die spätere, schrittweise Rehabilitierung und Ehrung von Julius Hirsch durch den DFB nachgezeichnet.

10. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach trotz der hohen Assimilation von Hirsch seine jüdische Herkunft ihn letztlich schutzlos der nationalsozialistischen Verfolgung auslieferte.

Schlüsselwörter

Julius Hirsch, KFV, Nationalmannschaft, Fußballgeschichte, Antisemitismus, Nationalsozialismus, Ariesierung, Jüdischer Sport, Sportvereine, Deportation, Auschwitz, Erinnerungskultur, DFB, Assimilation, SpVgg Fürth.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit beleuchtet das Leben und Wirken von Julius Hirsch, eines der ersten jüdischen deutschen Fußball-Nationalspieler, und untersucht seine Verfolgung durch das NS-Regime.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Fußballkarriere, der systematischen Ausgrenzung jüdischer Sportler und der späteren historischen Aufarbeitung dieser Schicksale.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit geht der Frage nach, ob Julius Hirsch trotz seiner sportlichen Erfolge und Assimilation aufgrund seiner jüdischen Abstammung eine ungleiche Behandlung durch die Gesellschaft erfuhr.

Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?

Der Autor nutzt eine chronologische biografische Aufarbeitung, gestützt auf historische Dokumente, Zeitungsartikel der Epoche und bestehende wissenschaftliche Literatur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die sportliche Karriere vor dem Ersten Weltkrieg, die Auswirkungen der NS-Machtübernahme auf Vereine und Individuen sowie das letztliche tragische Schicksal des Sportlers.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Die zentralen Begriffe umfassen Julius Hirsch, Antisemitismus, Nationalsozialismus, Ariesierung, Fußballgeschichte und Erinnerungskultur.

Warum wurde Julius Hirsch trotz seiner Verdienste aus dem DFB-Gedächtnis verdrängt?

Die Arbeit zeigt auf, dass der Sport lange die NS-Ideologie stützte und erst Jahrzehnte später eine kritische Auseinandersetzung mit der Diskriminierung jüdischer Mitglieder stattfand.

Welche Rolle spielte die „Stuttgarter Erklärung“ für Sportler wie Hirsch?

Die Erklärung war ein entscheidender Schritt der Sportvereine, jüdische Mitglieder systematisch aus ihren Reihen auszuschließen und diese damit ihrer sozialen Heimat zu berauben.

Wie versuchte Hirsch, seine Familie während der Verfolgung zu schützen?

Hirsch ließ unter anderem die Ehe zu seiner nicht-jüdischen Frau offiziell annullieren, um sie und seine Kinder vor den direkten Folgen der Repressalien zu bewahren.

Welche Bedeutung hatte der Sport für die jüdische Bevölkerung in den 1930er Jahren?

Der Sport diente zunehmend als Schutzraum und Ort der sozialen Bindung, um der gesellschaftlichen Isolation entgegenzuwirken, bevor auch dieser Raum weitgehend zerstört wurde.

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Details

Title
Wurden erfolgreiche jüdische Fußballer während des Nationalsozialismus anders behandelt als der Rest der jüdischen Bevölkerung? Die Karriere des Julius Hirsch
College
University of Münster
Author
Jonas Thiemann (Author)
Publication Year
2019
Pages
41
Catalog Number
V902004
ISBN (eBook)
9783346193933
ISBN (Book)
9783346193940
Language
German
Tags
bevölkerung fußballer hirsch julius karriere nationalsozialismus rest wurden
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jonas Thiemann (Author), 2019, Wurden erfolgreiche jüdische Fußballer während des Nationalsozialismus anders behandelt als der Rest der jüdischen Bevölkerung? Die Karriere des Julius Hirsch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/902004
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