Es mag im ersten Moment befremdlich klingen: Die Lehrkraft und/oder eine Gruppe von Experten spielen mit den Schülerinnen und Schülern im GSE-Unterricht. Können die Kinder und Jugendlichen durch solche „Spielereien“ überhaupt etwas lernen und ihre Kompetenzen verbessern? Die Frage, ob Planspiele im Sozialkunde- oder GSE-Unterricht der Mittelschule tatsächlich einen bildungstechnischen Mehrwert mit sich bringen und Lernprozesse anstoßen, ist durchaus berechtigt und soll innerhalb dieser Seminararbeit eingehend anhand der Erfahrungen aus dem Seminar reflektiert werden.
Im Seminar „Planspiel in der schulischen Bildungspraxis“ im Rahmen des Studiums der Didaktik der Sozialkunde hatten wir als Lehramtsstudenten die Möglichkeit, insbesondere das EU-Planspiel „Jugend mit Perspektive“ selbst in der Rolle des Teilnehmers durchzuführen und praxisnahe Einblicke in die Welt der Planspiele zu erlangen. Frank Burgdörfer konzipiert und realisiert politische Bildungsprojekte, häufig zu europäischen Themen und oft mit Jugendlichen. Er ist außerdem Mitglied des “Team Europe” der EU-Kommission, eines Expertenteams, das für Vorträge und ähnliches zur Verfügung steht. Auch das Planspiel „Jugend mit Perspektive“ wurde unter seiner Leitung und im Auftrag der Europäischen Kommission konzipiert. Sämtliche Materialien zur Durchführung des Planspiels, von den Rollenbeschreibungen bis zu passenden Tischschildern, stehen dabei online zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Der Durchführungs- bzw. Hauptteil der Seminararbeit wird im Folgenden untergliedert in einen theoretischen Teil mit den wissenschaftlichen Hintergründen zur Planspielmethode und einen Reflexionsteil, in welchem die Erfahrungen aus der Durchführung des Planspiels „Jugend mit Perspektive“ im Seminar eingehend wiedergegeben und analysiert werden. Der Schlussteil beinhaltet ein kurzes Fazit zur Beantwortung der Eingangsfragestellung aus dieser Einleitung sowie die wesentlichen Ergebnisse der Seminararbeit.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung: Geplante Spielereien im Klassenunterricht?
II. Durchführungsteil: Planspielmethode und Praxisreflexion
1. Die Planspielmethode – wissenschaftliche und didaktische Hintergründe
2. Praxisreflexion des EU-Planspiels „Jugend mit Perspektive“
3. Reflexion des Planspieleinsatzes in der Schule
III. Fazit: Von der Bedeutung der Planspielmethode im Politikunterricht
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den didaktischen Mehrwert der Planspielmethode im Sozialkunde- bzw. GSE-Unterricht der Mittelschule und reflektiert dabei kritisch sowohl die Potenziale als auch die praktischen Herausforderungen dieser handlungsorientierten Lehrmethode anhand eigener Erfahrungen aus einem EU-Planspiel.
- Wissenschaftliche und didaktische Grundlagen von Planspielen
- Methodische Kategorisierung und Ablaufstrukturen
- Praxisreflexion des EU-Planspiels „Jugend mit Perspektive“
- Chancen und Risiken beim Einsatz im schulischen Alltag
- Förderung von Entscheidungskompetenz und politischer Bildung
Auszug aus dem Buch
Die Planspielmethode – wissenschaftliche und didaktische Hintergründe
Planspiele wurden im abgewandelter Form bereits im 19.Jahrhundert gespielt. In diesen grauen Vorzeiten in erster Linie von Generälen, die in einer modellhaften Umwelt ihren Schlachtplan zur Bezwingung ihrer Kriegsfeinde spielerisch testeten. Planspiele wurden von den Generälen dabei in mehreren Durchgängen genutzt, um ihre und Schlachtstrategien zu perfektionieren, bevor diese in der kriegerischen Praxis zum Einsatz kamen. Der Wortteil Plan bei Planspielen des 19.Jahrhunderts bezog sich zu dieser Zeit allerdings auf eine Landkarte, welche als Grundlage der militärischen Strategieentwicklung diente, wobei Plan in der modernen Begriffsbestimmung der Planspiele eher einen festen Ablaufplan zur Durchführung der Simulation meint.
Eine moderne Definition des Planspiels sieht das Planspiel als eine fiktive Situation, in welche die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hineinversetzt werden und die ein vereinfachtes Abbild der ausgewählten, realen oder hypothetischen Situation darstellt. Der Ablauf des Planspiels ist dabei klar und übersichtlich strukturiert und er beinhaltet mehrere Spielrunden.
Die Teilnehmer werden dabei mit folgenden Aufgabenbereichen konfrontiert:
Die Teilnehmer machen sich mit dem Grundszenario des Planspiels vertraut und analysieren die Ausgangslage und die Zielsetzungen ihrer Rolle.
Die Teilnehmer führen Verhandlungen und fällen Entscheidungen, auf deren Grundlage mithilfe des Planspielmodells die Ausgangslage für die nächste Spielrunde ermittelt wird.
In der anschließenden Transferphase erfolgt ein Transfer der Erfahrungen aus dem Planspiel in die Realität und die Teilnehmer entwickeln ihre Erfahrungen zu praxiswirksamen Handlungswissen weiter.
Jeder Teilnehmer erfährt somit im Plan- oder auch Simulationsspiel einen ausgewählten Teil der Realität auf direkte Art und Weise, durch die aktive Teilnahme an einer Simulation dieser Wirklichkeit. Die Teilnehmer tauchen in eine simulierte Realität ein und vollziehen dabei einen Ebenenwechsel. Diskussionen über Lernthemen, wie wir sie alle aus dem Schulunterricht oder Seminaren kennen, werden ersetzt durch ein Handeln in den Lernthemen. Die kognitive Metaebene wird somit von den Teilnehmern zugunsten der Aneignung von echtem Handlungswissen verlassen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Geplante Spielereien im Klassenunterricht?: Die Einleitung hinterfragt den bildungstechnischen Mehrwert von Planspielen im Politikunterricht und erläutert den Aufbau der Seminararbeit anhand der Erfahrungen mit einem spezifischen EU-Planspiel.
II. Durchführungsteil: Planspielmethode und Praxisreflexion: Dieses Kapitel liefert zunächst theoretische Hintergründe zu Planspielen, reflektiert anschließend das EU-Planspiel „Jugend mit Perspektive“ und analysiert abschließend die allgemeine Eignung der Methode für den Schulalltag.
III. Fazit: Von der Bedeutung der Planspielmethode im Politikunterricht: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und spricht sich für einen gezielten Einsatz der Planspielmethode aus, um langfristig die Entscheidungskompetenz der Schüler zu fördern.
Schlüsselwörter
Planspielmethode, Politische Bildung, Sozialkunde, GSE-Unterricht, Jugend mit Perspektive, Handlungsorientierung, Entscheidungskompetenz, Simulation, EU-Gesetzgebungsverfahren, Praxisreflexion, Didaktik, Politikunterricht, Simulationsphase, Lernprozesse, Mittelschule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert, ob Planspiele einen nachweisbaren bildungstechnischen Mehrwert für den Sozialkunde- bzw. GSE-Unterricht bieten und welche Herausforderungen bei deren Umsetzung bestehen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die wissenschaftlichen Grundlagen der Planspielmethode, deren praktische Anwendung in einem EU-Planspiel sowie eine kritische Reflexion des Einsatzes im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Eignung von Planspielen zur Vermittlung politischer Kompetenzen zu überprüfen und Argumente für den Einsatz dieser Methode im Unterricht zu liefern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus theoretischer Literaturanalyse und einer praxisorientierten Reflexion eigener Erfahrungen, die während eines Seminars gesammelt wurden.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Definition der Methode, einen Reflexionsteil zum Planspiel „Jugend mit Perspektive“ und einen Vergleich von Pro- und Contra-Argumenten für den Schuleinsatz.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Planspielmethode, politische Bildung, Handlungsorientierung und Entscheidungskompetenz.
Wie unterscheidet sich die im Buch angewendete Planspiel-Variante von der Realität?
Um die Durchführung in einem schulischen Zeitrahmen von sechs Stunden zu ermöglichen, wurden komplexe Prozesse wie die Dritte Lesung gestrichen und Vermittlungsbemühungen in der Ersten Lesung verkürzt.
Warum ist das Planspiel laut Autor besonders für die politische Bildung geeignet?
Es ermöglicht Lernenden, komplexe politische Entscheidungsprozesse „am eigenen Leib“ zu erfahren und Interessenkonflikte innerhalb eines geschützten Rahmens auszuhandeln.
Welcher Verbesserungsvorschlag wird für Mittelschulen gegeben?
Da das vorliegende Planspiel für die Sekundarstufe II konzipiert ist, schlägt der Autor vereinfachte Versionen für die 9. oder 10. Jahrgangsstufe vor, um das Anforderungsniveau anzupassen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2017, Der Mehrwert von Planspielen in der schulischen Bildungspraxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/902074