Vergleichende Stilanalyse der Filme „Der Himmel über Berlin“ und „City of Angels“


Seminararbeit, 2008
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Stile
1.1. Der Neue Deutsche Film
1.2. Hollywood

2. Narrative Ebene
2.1. Dramaturgie
2.2. Thema

3. Audiovisuelle Ebene
3.1. Umgang mit Sprache und Einsatz von Off-Stimmen
3.2. Farbgestaltung
3.3. Kameraführung

Quellenverzeichnis

Einleitung

„Der Himmel über Berlin“ wurde mit zwei der bedeutendsten Filmpreise ausgezeichnet: Dem Europäischen Filmpreis und dem Regiepreis in Cannes. Außerdem erhielt er eine Oscar-Nominierung in der Kategorie „Bester nicht-englischsprachiger Film“.

Wim Wenders Film war aber nicht nur ein Kritikererfolg, sondern auch ein kommerzieller Erfolg, und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, Großbritannien, den USA und Japan.[1] Und er ist einzige westdeutsche Filme, der Hollywood als Vorlage für ein – allerdings sehr freies – Remake diente.

Die Major-Produktion „City of Angels“ gehörte zu den weltweit kommerziell erfolgreichsten Filmen des Jahres 1998 und erhielt außerdem eine Nominierung für den Golden Globe.

Im Rahmen dieser vergleichenden Analyse zwischen „Der Himmel über Berlin“ und „City of Angels“ sollen zunächst einmal die filmgeschichtlichen Traditionen gegenübergestellt werden, in denen die beiden Filme stehen.

Anschließend sollen auf der narrativen Ebene die dramaturgischen und thematischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet werden.

Schließlich befasst sich diese Arbeit mit den drei signifikantesten audiovisuellen Gestaltungsmitteln beider Filme: Dem Umgang mit Sprache und Einsatz von Off-Stimmen, der Farbgestaltung sowie der Kameraführung.

1. Stile

1.1. Der Neue Deutsche Film

Das grundlegende Selbstverständnis des „Neuen Deutschen Films“, der die 60er, 70er und 80er Jahre des westdeutschen Kinos und Fernsehens prägte, ist das des Autorenfilms.

Dieses Konzept beruht auf der Personalunion von Autor und Regisseur als „der Filmemacher“ und somit auf der persönlichen filmischen Vision und der subjektiven Selbstverwirklichung eines Einzelnen.

Diese Freiheit des Autors korrespondiert mit der Unabhängigkeit des „Neuen Deutschen Films“ von wirtschaftlichen Zwängen. Denn zum einen wurde (bzw. wird) er stattlich subventioniert und zum anderen waren die Filmproduktionen vergleichsweise niedrig budgetiert.

Neben Volker Schlöndorff und Rainer Werner Fassbinder ist Wim Wenders der einzige Vertreter des „Neuen Deutschen Films“, der internationale Aufmerksamkeit erlangen konnte. Dies gelang ihm unter anderem mit „Der Himmel über Berlin“, ein Film, der zwar nicht unbedingt den Prototyp des „Neuen deutschen Films“ darstellt, aber doch seine entscheidenden Kennzeichen aufweist: Wenngleich seine Narration nicht als wirklich experimentell und seine Dramaturgie nicht als offen oder vorwiegend episodisch bezeichnet werden kann, so gibt es zumindest im ersten Teil des Films die Tendenz zur Dedramatisierung und die Konzentration auf Mikrostrukturen. Auch Wenders avantgardistischer Umgang mit kinematografischen Ausdrucksmitteln in „Der Himmel über Berlin“ sind stilprägend für den „Neuen Deutschen Film“: Wenders unkonventionelle, collageartig montierte Bilder, sein freier Umgang mit dem Ton bzw. mit der Off-Stimme und seine Vorliebe zur Literarisierung machen die Qualität von „Himmel über Berlin“ aus. Wenders selbst bezeichnete „Himmel über Berlin“ daher als „Filmgedicht“[2]. Auch seine psychologische Wirkungsstrategie, den Zuschauer zu fordern, sein elitärer, intellektueller Anspruch und sein melancholischer Grundton kennzeichnen „Himmel über Berlin“ als Werk des „Neuen Deutschen Films“.[3]

1.2. Hollywood

Im Gegensatz zum „Neuen Deutschen Film“ ist das Selbstverständnis Hollywoods ein völlig anderes: Ist beim „Neuen Deutschen Film“ der Autor die Instanz einer Filmproduktion, so ist es im Studiosystem Hollywoods der Produzent. Ist die ökonomische Basis des „Neuen Deutschen Films“ ein staatliches Fördersystem, so ist es im Hollywood-Film die freie Marktwirtschaft mit ihrem Zwang zur Profitabilität. Ist der Ansatz des „Neuen Deutschen Films“ ein persönlicher, individueller, elitärer und künstlerischer so beruht das System Hollywood auf Standardisierung, Perfektionierung, Technologisierung, Industrialisierung und Kommerzialisierung, auf Handwerk, Teamwork und Spezialistentum. Als „Handwerk“ des Hollywood-Films kann man dabei seine beiden gestalterischen Grundprämissen bezeichnen, nämlich auf narrativer Ebene den ‚Classical Narrative Style’ und auf stilistischer Ebene den ‚Classical Continuity Style’.

Und während beim „Neuen Deutschen Film“ der Autor-Regisseur der Star ist, so sind es im Hollywood-Film die Schauspieler. Wie beinahe jede große Hollywood-Produktion wartet auch „City of Angels“ mit einer geballten Starpower auf: Nicolas Cage und Meg Ryan verkörpern die beiden Hauptfiguren. Die Besetzung mit Schauspielstars verfolgt dabei natürlich primär ein kommerzielles Interesse, da dadurch ein größeres Publikum für den Film erreicht werden kann, da etliche Zuschauer ihretwegen ins Kino gehen. Im Prinzip kann das Starsystem Hollywoods als Anwendung des Narrative- und Continuity-Prinzips auf der Ebene der Besetzung angesehen werden: Denn dadurch dass die Zuschauer die Schauspieler kennen und sie bereits in anderen, ähnlich charakterisierten Rollen gesehen haben, wird ihr Verständnis für den Film erleichtert.[4]

Zwar spielt mit Peter Falk auch in „Der Himmel über Berlin“ ein „Star“ mit, doch die Tatsache, dass dieser quasi sich selbst spielt, hat genau den gegenteiligen Effekt auf den Zuschauer, nämlich einen irritierenden, verfremdenden, da dieser somit zwischen Fiktion und Realität hin- und hergerissen wird.[5]

2. Narrative Ebene

2.1. Dramaturgie

„Der Himmel über Berlin“ lässt sich dramaturgisch in zwei Teile unterscheiden: Der erste Akt hebt sich vom Rest des Films durch seinen

epischen, assoziativen und experimentellen Charakter ab.[6]

Ab dem Moment allerdings, in dem Damiel sich in Marion verliebt, erzählt Wenders einen relativ stringenten Plot: Ein Engel verliebt sich in einen Menschen und entscheidet sich dafür selbst ein Mensch zu werden. Damiels Verlieben bildet dabei den ersten Wendepunkt, seine Krise als Engel bzw. sein Ringen um Menschsein den zweiten Akt. Den zweiten Wendepunkt stellt seine Verwandlung in einen Menschen dar und der dritte Akt besteht schließlich aus seiner Suche nach Marion.

Laut eigener Aussage arbeitete Wenders allerdings ohne festes Drehbuch.

[...]


[1] Vgl.: Künzel: Wenders, 207; Reihe Film 44, S. 282.

[2] Edition: Himmel.

[3] Vgl.: Künzel: Wenders, S. 206.

[4] Vgl.: Bordwell: Hollywood, S. 17ff.

[5] Peter Falk spielt einerseits einen ehemaligen Engel, andererseits aber auch sich selbst, nämlich einen Schauspieler namens Peter Falk, der einen Detektiv namens Colombo spielt. Auch wird er im Film von Passanten erkannt. Durch diese Selbstreferentialität entsteht gewissermaßen ein V-Effekt im Brecht’schen Sinne.

[6] Vgl.: Reihe Film 44, S. 275.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Vergleichende Stilanalyse der Filme „Der Himmel über Berlin“ und „City of Angels“
Hochschule
Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg
Veranstaltung
Filmgeschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V90209
ISBN (eBook)
9783638044639
ISBN (Buch)
9783656899297
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleichende, Stilanalyse, Filme, Himmel, Berlin“, Angels“, Filmgeschichte
Arbeit zitieren
Joachim Dollhopf (Autor), 2008, Vergleichende Stilanalyse der Filme „Der Himmel über Berlin“ und „City of Angels“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90209

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